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Solo für Kolter und die Auswahl der Anderen…

Nur ein einziger Bürgermeisterkandidat für 50 500 Unnaer Wähler – „das ist keine Wahl“, mehrt sich die Kritik 14 Tage vor dem Wahlsonntag bei unseren Lesern und in den sozialen Netzwerken. Während sich die Debatte „Ist die Alternative zwischen Ja oder Nein eine Wahl oder eine Farce?“aktuell gerade wieder in einer Unnaer Facebookgruppe hitzig im Kreis dreht, blickt mancher Unnaer neidvoll zu den Nachbarn rüber.

Denn fast überall, wo heute in zwei Wochen ebenfalls der Bürgermeister gewählt wird, schafften es die Parteien, den Wählern wenigstens zwei Kandidaten zur Auswahl zu präsentieren – bis hinauf zur opulanten Zahl von sechs. Einzi in Selm – Kleinstadt am nördlichsten Zipfel des Kreises Unna – ist ebenso wie in der Kreisstadt Unna lediglich Ja oder Nein möglich. In diesem Fall zu Mario Löhr, wie Werner Kolter ein SPD-Mann.

Gelb vor Neid können die Unnaer im Vergleich zu Lünen werden. Sechs (!) Bewerber wollen Verwaltungschef bzw. Chefin der größten Stadt des Kreises werden (knapp 90 000 Einwohner): Gemeinsam mit Rolf Möller (SPD) kandidieren Arno Feller (CDU),  Jürgen Kleine-Frauns (GFL),  Evelyn Berger (USB) sowie zwei Einzelbewerber (Mike Bittmann und Michael Böhm). Alle Kandidaten einschließlich der SPD-Bewerber selbst sind neu, da Hans Wilhelm Stodollick (SPD), langjähriges Lünener Stadtoberhaupt, nicht wieder antritt.

CDU Lünen Schwarze Besen

Wahlplakat der CDU in Lünen. In der größten Stadt des Kreises tritt am Sonntag in zwei Wochen die Rekordzahl von gleich sechs Bürgermeisterbewerbern an.


Fast ebenso üppig ist die Auswahl in Menden. Dort bekommt es Amtsinhaber Volker Fleige (SPD) mit vierfacher Konkurrenz zu tun: CDU, FDP wie auch die unabhängige UWG schicken gegen den Bürgermeister ungeachtet dessen „Amtsbonus“ selbstbwusst jeweils einen eigenen Kandidaten in den Ring, hinzu gesellt sich als unabhängiger Kandidat eine schillerende Figur – Bernd „Tete“ Maßling, Rockmusiker.

Die CDU hat Martin Wächter nominiert, die FDP Stefan Weige und die UWG Bruno Homberg. Der amtierende Bürgermeister Fleige legt sich gegen seine vierfache Konkurrenz enorm ins Zeug, betreibt einen bienenemsigen Straßen- wie auch Facebook-Wahlkampf. Bei den beiden „Elefantenrunden“ mit den fünf Kandidaten platzten die Räume vor Besucher, 3700 Mendener hatten bis Freitag schon per Brief gewählt – gegenüber ca. 1600 (Stichtag Freitag vor zwei Wochen) im fast ebenso großen Unna. Beide Städte haben knapp 60 000 Einwohner.

Volker Fleige Wahlkampf

Wahlkampf des Mendener Bürgermeisters Volker Fleige (SPD) via Facebook: Auch Selbstironie gehört bei dem früheren Kulturamtsleiter mit dazu.


Zumindest eine minimale konkrete „Auswahl“ – die zwischen zwei Bewerbern – bekommt das Wahlvolk in Bönen und Holzwickede, den beiden kleinsten Gemeinden des Kreises. Ihre langjährigen SPD-Amtsinhaber – Jenz Rother in Howi, Rainer Eßkuchen in Bönen – gehen in den Ruhestand. Das SPD-Erbe antreten wollen Robert Eisler in Bönen und Michael Klimziak in Howi.

Ggegen Eisler bieten alle anderen Bönener Parteien gemeinsam den parteilosen Verwaltungsexperten Stephan Rotering auf. In Holzwickede hätte beinahe Michael Klimziak genauso wie Werner Kolter ein „SPD-Solo“ hingelegt: Denn auch hier schaffte es die zweitgrößte Ratsfraktion CDU nicht, dem Wähler eine Alternative zum „roten“ Kandidaten zu bieten.

Michael Klimziak Wahlauto

Rege beim Bürger vor Ort mit seinem „Klmziak-Mobil“ unterwegs ist der Holzwickeder SPD-Kandidat, der sich zudem emsig in den sozialen Netzwerken wie Facebook tummelt.


Doch während sich in Unna auch keine der übrigen Fraktionen (immerhin noch fünf) zu einem oder sogar mehreren Bewerbern durchringen konnte oder wollte, schaffte das der kleine Nachbar Howi: Dort tritt gegen Michael Klimziak (in Howi jahrzehntelang bekannt seit Juso-Zeiten und durch sein Engagement in der Ev. Kirchengemeinde) eine Frau an – Ulrike Drossel, nominiert vom unabhängigen Bürgerblock (BBL) und mit unterstützt von den Grünen sowie der FDP.

Ulrike Drossel

Orange gegen Rot in Howi: Der unanbhängige Bürgerblock (BBL) nominierte – nachdem die CDU an einer Kandidatensuche scheiterte – Ulrike Drossel. Unterstützt wird sie sowohl von den Grünen wie von der FDP in der Emschergemeinde. SIe fanden einfach: Wir müssen dem Wähler eine „Wahl“ bieten!

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