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So viele Spenden, so viel kommt nicht an: Unnas Flüchtlingshelfer wollen Chaos strukturieren

Herrenpullis, Kinderjacken, warme Winterstiefel, ganze Bettwäschegarnituren, nicht mal ausgepackt. Alles türmt sich in der Halle der Werkstatt Unna an der Viktoriastraße. Beweis für die weiter ungebrochene Spendenbereitschaft der Bevölkerung, in der sich gleichzeitig immer lauter Sorge und auch Zorn ausbreitet über die sichtbare politische Plan- und Konzeptlosigkeit in der Flüchtlingskrise.

„Es ist beides da“, wissen auch Petra Weber und Petra Schmahl an diesem frostigen Morgen in der Spenden-Lagerhalle. „Aber den Menschen, die nun mal da sind, muss geholfen werden.“

Und diese Hilfe muss dringend optimiert werden, sagt Petra Weber, momentan herrscht Durcheinander. „Leute wollen Spenden direkt in der Landesstelle Massen abgeben, werden dort – teilweise sehr unfreundlich – weggeschickt. Alle möglichen Initiativen, privat und über Hilfsorganisationen, laufen parallel und über Kreuz. Vieles, was gespendet wird, kommt nicht oder nur sehr schleppend bei den Flüchtlingen an.“

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Die Lagerhalle der Werkstatt im Kreis Unna an der Viktoriastraße – hier werden die Spenden gelagert und sortiert. Jugendliche in Qualifizierungsmaßnahmen erwerben sich damit „so nebenbei“ Praxis in der Lagerlogistik. Mit vollgepackten Regalen statt mit leeren Kartons.

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Die Fraktionsvorsitzende der Unnaer Linkspartei sammelt und koordiniert schon seit Wochen mit immensem Einsatz die Spenden für die Erstaufnahmeeinrichtung in Massen. Sie wollte damit nicht hausieren gehen, doch sie sieht jetzt – ebenso wie Petra Schmahl von der Werkstatt: Es muss für die Spendewilligen klar/er werden, wo sie ihre Sachen hinbringen können und von wo sie auch verlässlich an die Menschen weitergegeben werden, für die sie gedacht sind.

Ein entscheidendes Bindeglied in der Spendenkette ist dabei die Werkstatt im Kreis Unna. „Wir stellen diese Halle zur Verfügung, wo wir die Spenden – Kleidung und Schuhe – sichten und sortieren“, sagt Sozialpädagogin Petra Schmahl. Ganz wichtig: „Wir lagern hier nur. Wir nehmen hier nichts an!“ Für die Annahme ist Petra Weber zuständig. Sie sammelt alles, was gespendet wird, im Fraktionsbüro der Linkspartei an der Wasserstraße 15.

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Die Einrichtung LÜSA fährt die Kleidersäcke regelmäßig zur Werkstatthalle an der Viktoriastraße und nach erfolgter Sortierung nach Massen zur Landesstelle: Hier werden Kleidungsstücke und Schuhe wiederum bedarfsgerecht verteilt. „Dies ist keine politische Aktion der Linkspartei“, macht Petra Weber deutlich. „Wir stellen lediglich unser Büro als Sammelstelle zur Verfügung. Wir helfen und unterstützen. Mit uns aktiv sind z. B. die Grünen, Caritasverband, die Aufnahmeeinrichtungen in Wickede-Wimbern und Hamm…

Es geht dem Spendennetzwerk allein um das Managen der aktuelle Lage vor Ort: um praktische Hilfe für die Menschen, die nun mal da sind. Es geht nicht um Diskussionen darüber, wieso sie hier sind.


 

Zusammengefasst – so läuft es rund:

1. Spendenannahme zentral im Büro der Linkspartei, Wasserstraße 15 in Unna, bitte zuvor kurz Rücksprache halten mit Petra Weber. Tel. 02303-40366. Gebraucht werden momentan (naheliegend) Winterkleidung, feste Schuhe, warme Stiefel. Für Kinder, Frauen und Männer.

2. Die LÜSA transportiert die Spenden regelmäßig zum Lager der Werkstatt im Kreis Unna an der Viktoristraße.

3. Jugendliche in Qualifizierungsmaßnahmen der Werkstatt übernehmen die Sortierung und Sichtung. Sie erwerben damit ganz nebenbei wertvolle Praxis in der Lagerlogistik – ganz realisitisch mit vollgepackten Regalen statt mit leeren Kartons.

4. Stets nach jeweiligem Bedarf in der Erstaufnahmeeinrichtung (wo die Flüchtlinge ja stets nur eine kurze Zeit bleiben, bis sie registriert und untersucht sind) werden die Spenden sortiert nach Massen gebracht.

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Kommentare (15)

  • Christel

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    Wer das freiwillig macht, soll sich bitte nicht beschweren !!

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  • petter Uhlenbusch

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    Fragt sich nur ob die Flüchtlinge den alten Plunder auch anziehen wollen?

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    • Jama To via Facebook

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      Es ist nicht die Frage ob Flüchtlinge unsere ,,Plunder“ haben wollen! Die wollen es nicht nehmen, weil Sie keine Platz dafür haben! Traditionell andere Kleidung tragen. ….

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  • Jama To via Facebook

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    Es sind nicht nur alten Plunder! Es gibt für jeden etwas dabei! Nur das größte Problem ist, man jammert, aber nimmt keine Hilfe an! Ehrenamt muss auch zulassen das Wir, die Helfen wollen auch diese Möglichkeit zum Helfen bekommen! Kommunikation ist da größte Problem! Und wenn meist der Flüchtlinge keine eigene Räumlichkeiten haben, wohin mit dem ,, Plunder“??? Dann nehmen Sie das auch nicht mit! Warmes zum Essen, warme und trockene Zimmer, …. wäre denen lieber! …..

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  • Marc-Oliver Finkel via Facebook

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    Was für ein Aktionismus !!!!!! Seit Jahrzehnten gibt es schon Armut in Deutschland, komischer Weise klatscht niemand am Dortmunder Bahnhof einem frierenden Obdachlosen zu !!!!

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    • hotzenplotz

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      Es gibt auch seit Jahrzehnten die sozialkaufhäuser und die kleiderkammern, da hängt mehr Kleidung als Unnas Obdachlose tragen können.

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    • Ulf Wegmann via Facebook

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      Vielleicht schicken Sie den frierenden Obdachlosen besser hier hin, statt zu klatschen: http://www.diakoniedortmund.de/wohnungslos.html

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    • Jama To via Facebook

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      Doch, ich hab letztes Jahr da paar mal gewesen, hab vor Reinholdi Kirche Spenden Kleidung verteilt, bis das ich vertrieben würde! Drei mal durften Sie fragen von wem!!!
      Sie würden mir nicht glauben! Versuchen Sie es Selbst! An einigen
      Sonntagen Nachmittage ist da Ausgabe von Kuchen Essen und Getränke! Stellen Sie sich davor und versuchen Sie zum verteilen! Es sind nicht die Polizei die Dich vertreiben! Es sind auch nicht die Obdachlose!
      Sie gehen auch nicht weil das keine Sinn hat! Sie gehen, weil die jenige Sie vertreiben von den SIE am wenigsten vermuten!

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  • Jama To via Facebook

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    Ich bin der Meinung: jeder sollte diese Erfahrung machen!!!
    Nur dann kann ich mich über solchen Themen unterhalten!
    Ich äußere mich nicht ohne Grund gegen einige selbst ernannten Götter! Kirchen! Hilfsorganisationen! Usw!
    Deshalb, nehme ich direkt ins Hand, nehme Taschen voll und lasse die Leute aussuchen! Unterhalte mich mit denen. …
    Man erlebt eine Wunder, was von Menschen ins so eine Misere Situation geraten sind! ……

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