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Schutzwände gegen Gaffer bewähren sich – Bisher aber kein Einsatz im Bereich Kamener Kreuz

Unfallopfer und Retter vor Gaffern abschirmen, die fotografieren und womöglich noch Filmchen von dem Unglück drehen. Ca. 20 Mal sind die grünen Sichtschutzwände seit ihrer Einführung im April auf den Autobahnen NRWs  zum Einsatz gekommen – allerdings noch kein einziges Mal im Bereich der Autobahnmeisterei Dortmund, die u.a. für den unfallträchtigen Bereich des Kamener Kreuzes zuständig ist (A1 / A2). Die Autobahnmeisterei Werl (zuständig u.a. für die A44) setzte die Sichtschutzwände bisher ein Mal ein.

Wieso die Wände auf den Autobahnen im und ums Kreisgebiet Unna herum bisher kaum genutzt wurden? Ausschlaggebend ist dabei nicht nur die Frage, wie „spektakulär“ – und somit potenziell ablenkend für andere Verkehrsteilnehmer – ein Unglück ist. Da es je nach Tageszeit und Unfallstelle bis zu 100 Minuten dauern kann, bis die Sichtschutzwände vor Ort und aufgebaut sind, muss der Einsatzleiter zuvor abschätzen, wie lang Rettung und Räumung an der Unglücksstelle voraussichtlich andauern. Hinzu kommen äußere Umstände, z. B. darf die Windstärke maximal Stufe fünf erreichen. Ob und wann die Autobahnmeistereien daher nach einem Unfall eine Sichtschutzwand aufbauen, entscheidet die Polizei am Ort des Geschehens.

Am häufigsten wurde der Sichtschutz bisher auf Autobahnen im Rheinland genutzt. „Wenn die Wand steht, läuft der Verkehr vor allem auf der Gegenfahrbahn wieder flüssiger. Die Schaulustigen wollen Aktion sehen – eine grüne Fläche ist uninteressant“, stellt z. B. die Autobahnmeisterei Leverkusen fest, die die Sichtschutzwand zwischen April und August sieben Mal im Einsatz hatte.

Rund 470.000 Euro aus Bundesmitteln hat Straßen.NRW in insgesamt zwölf Sichtschutzsysteme investiert. Sie sollen neugierige Blicke Schaulustiger verhindern, da diese nicht nur für die Unfallopfer belastend sind, sondern zudem für gefährliche Abbremsmanöver auf der Gegenfahrbahn und zusätzliche Staus sorgen.

„Die Wände sind so auf die Meistereien im Land verteilt, dass das rund 2.200 Kilometer umfassende Autobahnnetz in NRW komplett abgedeckt ist“, erklärt der Landesbetrieb Straßen.NRW. Jedes der zwölf Systeme besteht aus einem Anhänger mit 40 einzelnen Stahlrahmen (aufgestellt jeweils 2,5 Meter lang und 2,1 Meter hoch), in denen jeweils eine grüne, blickdichte Folie verspannt ist. Vor Ort angekommen, können die Mitarbeiter der jeweiligen Autobahnmeisterei somit eine bis zu 100 Meter lange, undurchsichtige Wand errichten.

Die Einsätze der Sichtschutzwände im Einzelnen (Zeitraum: 24.04.2015 bis 16.08.2015):

Insgesamt: 18 Einsätze. Nach Standorten: Autobahnmeisterei (AM) Dortmund (0 Einsätze), Werl (1 Einsatz), Herford (1 Einsatz), AM Isselburg (0 Einsätze), AM Kaarst (2 Einsätze), AM Leverkusen (7 Einsätze), AM Lüdenscheid (1 Einsatz), AM Münster (3 Einsätze), AM Ratingen (1 Einsatz), AM Recklinghausen (1 Einsatz), AM Titz (0 Einsätze), AM Weilerswist (1 Einsatz).

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