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Schützen öffnen sich für Geschiedene, Homosexuelle sowie – ganz vorsichtig – für Nichtchristen

Der muslimische Schützenkönig Mithat Gedik aus Werl-Sönnern schaffte es als absolute Ausnahme von der historischen Schützen-Regel zu bundesweiter Berühmtheit. Auch weiterhin fremdeln die Bruderschaften mit Mitgliedern nichtchristlichen Glaubens. Doch grundsätzlich gegen eine Öffnung sperren sich keine Bruderschaften mehr. Das ist als ein Ergebnis der Bundesversammlung festzuhalten.

Was künftig möglich sein soll: dass ein geschiedener Wiederverheirateter ein Vorstandsamt übernimmt und dass ein Homosexueller Schützenkönig wird. Allerdings muss die jeweilige Schützenbruderschaft dahinter stehen. Sie hat in diesen Fragen – mit denen sich der Bund Historischer Deutscher Schützenbruderschaften liberalisiert und reformiert – das letzte Wort.

Von der strikten Bedingung, dass ein Schützenkönig Christ sein muss, sind die Bruderschaften zwar abgerückt; doch vor einer vollständigen Öffnung für andersgläubige Mitglieder scheuen einige noch zurück. Eine Regelung muss entsprechend noch gefunden werden und danach in die Satzungen einfließen.


Im Fall des muslimischen Schützenkönigs aus Unnas Nachbarstadt vor zwei Jahren schritt der Dachverband höchstselbst ein. Denn: Die Sönnerner Schützen waren überglücklich mit ihrem 33jährigen König und seiner (katholischen) Königin. Die FAZ (online) schrieb damals über den bizarr anmutenden Fall:

„Mithat Gedik, der 33 Jahre alte türkischstämmige Muslim, wurde der neue Regent der katholischen Schützen von Werl-Sönnern, und tags darauf gab es selbstverständlich einen Festgottesdienst. In seiner Predigt sprach Pfarrer Christoph Sverin, der auch örtlicher Präses der Schützen ist, „von gelebter Integration und christlichen Werten“.  Alles schien in schönster Ordnung – bis der katholische Schützendachverband, der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS), auf die Sache aufmerksam wurde und Gedik als König ablehnte. Weil er Muslim ist. 

Der BHDS hat sich zu einer Lösung durchgerungen, die nicht auf die (tatsächlich aufgekommenen) Vorschläge hinausläuft, die Werler Schützen könnten sich aus dem BHDS werfen lassen oder der König könnte Christ werden. „Der Vorstand des BHDS hat heute als Ausdruck von Respekt und Integration gegenüber dem Schützenbruder Mithat Gedik beschlossen, ausnahmsweise keine Einwände gegen seine Königswürde in seiner Bruderschaft zu erheben“, teilte der Bund der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften … mit. „Die Ausübung eines Amtes ab Bezirksebene wird hingegen nicht möglich sein.“ Heißt: Bei den Wettkämpfen, für die er sich als König qualifiziert hat, darf er nicht antreten.

Der BHDS verteidigte zugleich das Recht der katholischen Schützenvereine, ausschließlich christliche Mitglieder aufzunehmen. „Als Christen und Schützenbrüder dürfen und werden wir an unserem Recht auf positive Religionsfreiheit festhalten. Dieses Recht steht christlichen Schützenbrüdern ebenso zu wie zum Beispiel unsern muslimischen, jüdischen oder buddhistischen Mitbürgern.“ Würden Nichtchristen in den katholischen Bruderschaften Mitglieder werden, bedeute dies letztlich, „das Recht auf eigene Identität und Bindung zur katholischen Kirche aufzugeben“.

Der BHDS-Vorstand rügt zudem die Schützen in Werl-Sönnern, die das BHDS-Statut und die eigene Satzung nicht ernst genommen hätten. Beide verpflichteten die Schützen zum Bekenntnis des Glaubens durch Eintreten für die katholischen Glaubensgrundsätze. Die Schützen und auch die Katholiken in Sönnern … stehen wie ein Mann hinter ihrem König. „Wir haben ihn herzlich willkommen geheißen“, sagte Präses Severin schon vor dem BHDS-Beschluss. „Das Problem liegt allein beim BHDS.“

Kommentare (2)

  • Hans-Joachim Asbeck

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    Der Schützenverein 1922 Langschede hatte bereits vor ca. 15 Jahren einen muslimischen Schützenkönig.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Dann hatte der Schützenverein 1922 Langschede ja vor 15 Jahren offenbar Glück, dass der Dachverband sich nicht einschaltete, Hans-Joachim Asbeck. Prima!

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