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Schottische Melancholie, irische Lebenslust: „Cara“ begeisterte in ausverkaufter Kulturschmiede

Der Song vom „Naked man in the whirlpool“ (Übersetzung erübrigt sich) entstand rotweinselig in der Toskana, für ein anderes Lied hat sich Frontfrau Gudrun Walther einfach einen – nicht ganz so tollen – Lapplandurlaub „schön erinnert“. „Kennt ihr das, wenn Ereignisse in der Erinnerung auf einmal viel schöner werden?“ Na, und da wurden die Myriaden superlästiger Lappland-Moskitos kurzerhand „wegerinnert“, und heraus kam die Erinnerung an einen unvergesslichen und ungetrübten Urlaub in einem Land, in dem die Sonne niemals untergeht. Schwungvoller Dreivierteltakt und juchzende Fiddle dazu; perfekt.
„Cara“ war wieder da, zum dritten Mal gastierte die schottisch-irisch-schwäbische Klasseband am Sonntag in Fröndenberg und zauberte pure irische Lebensfreude kombiniert mit melodiöser schottischer Melancholie in die Kulturschmiede.

Cara Konzert 4

Cara steht in Fröndenberg verlässlich für ausverkauft, für drangvolle gemütliche Enge wie freitagabends im irischen Dorfpub. „Wir sind an der Grenze dessen, was wir dürfen“, freute sich Kultur für Uns-Chef Frank Schröer mit Blick über den übervollen Saal. – „Hi“, grüßte dann trocken und herzlich Cara-Frontfrau Gudrun Walther, und schon ging´s los mit der puren irischen Lebensfreude.
 Ryan Murphy, in der Tat ein waschechter Ire (aus Cork), bearbeitet gekonnt und konzentriert die irische Variante des Dudelsacks. Das Schwabenland verkörpert Gudrun Walther, rotmähnige Frontfrau mit dem hinreißend ansteckendem Lächeln, die  glockenklar singt, Fiddle und Akkordeon spielt und gleichzeitig noch tanzt.

Cara Konzert 3

Den auch optischen Gegenpol bildet die ruhige dunkelhaarige Schottin Kim Edgar am Keyboard. Ihre Spezialitä sind melancholische (natürlich schottische) Balladen. Sie singt sie ausdrucksstark mit sanfter, klangvoller Stimme. In diesen Liedern wimmelt es von Vokabeln wie „dark stormy night“, „strange dreams“, „dark sea“ bis schließlich „death“… nicht wirklich freudig geht´s in diesen Liedern zu, in der Regel stirbt jemand oder ist bereits jemand gestorben. Getragene Balladen, ruhig, bewegend, zum nachdenklichen Zuhören und sich von der Musik tragen lassen.
Zum Ausgleich gibt´s viele schwungvolle Folksongs, pure irische Lebenslust, bei denen die Füße wie von selbst munter mitwippen im Dreiviertel- oder auch mal im Sieben-Achteltakt. Sieben Achtel…? Jawohl, ein dergestalt kompliziertes Musikstück hat Gudruns Mitschwabe Jürgen Treyz vor drei Jahren der damals neuen Keyboarderin Kim auf den Leib komponiert, sozusagen als Herausforderung der besonderen Art zum Einstand: einen Song im Sieben-Achteltakt versetzt mit anderen Takten. Die musikalische Herausforderung heißt folgerichtig „Out of Rhythm“ (völlig aus dem Rhythmus geraten), und angesichts solcher Stücke wird auch dem Laien sofort klar, wieso Cara neben dem Award als „Best New Irish Artist“ auch schon den als „Top Group“ gewonnen hat. Alle vier Musiker sind Meister ihres jeweiligen Fachs, auch Rolf Wagels, der am irischen „bodhrán“ nur scheinbar den gemütlichsten Part innehat.

Cara Konzert 8

Caras Allzeitklassiker dürfen in Fröndenberg natürlich nicht fehlen: Etwa der einzige – einzige! (man höre) – irische Seemannssong mit einem Happy End.  „In allen anderen ist der Seemann am Ende tot“, erzählt Gudrun Walther trocken. Beim Refrain darf kräftig mitgesungen werden. Viel Neues gibt es außerdem zu hören: Denn wie schon bei ihrem Gastspiel 2013 haben die Vier auch diesmal ein nagelneues Studioalbum im Gepäck, ihr fünftes: „Yet we sing“. Neben rasanten Mitklatschstücken bietet die neue Scheibe viele stimmungsvolle, melodiöse Balladen, textlich viel Drama mit selten mal einem Happy End, dafür mit umso innigerem musikalischem Gefühl.
Den überwiegenden Teil ihrer Songs schreiben die Bandmitglieder nach wie vor selbst, und das macht jedes Cara-Konzert auch nach 16 Jahren wieder zu einem einzigartigen  Erlebnis. Mancher Zuhörer ging am Sonntagabend wippend und ein fröhlich´ Liedchen pfeifend durch den eisigen Himmelmannpark heimwärts. Und fühlte sich bereits von einem Hauch (irischen) Frühlings umfächelt…

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