Rundblick-Unna » „Schluss mit Intrigen und Gerüchten!“ Kolter fordert mit aller Schärfe „wieder kraftvolle SPD“

„Schluss mit Intrigen und Gerüchten!“ Kolter fordert mit aller Schärfe „wieder kraftvolle SPD“

War es Unnas Bürgermeister heute Abend wirklich „eine Freude“, beim Parteitag seiner von Grabenkämpfen zerrütteten SPD zu sprechen? „Ja, es ist mir eine Freude!“, sagte Werner Kolter laut, und dann legte er los, seine Genossinnen und Genossen mit überraschender Schärfe zur Räson zu rufen.

All die „schwierigen Themen“ (Kündigungscausa Risadelli mit Schlammschlachten im Gefolge), „die uns außer einer großen Öffentlichkeit inhaltlich nichts, aber auch gar nichts gebracht haben“, kanzelte Kolter die Versammlung im Festsaal Deifuhs in Massen ab.

„100fach haben mich Bürger noch letztes Wochenende beim Stadtfest angesprochen: Ist das noch die SPD, die wir seit Jahrzehnten kennen; die wir uns wünschen?!“ Die Antwort blieb bleiern im Saal hängen bei diesem ersten SPD-Stadtverbandsparteitag seit 4 Jahren, dem ein inzwischen 8 Monate währender erbitterter Streit zwischen den König- und den Risadelli-Anhängern unmittelbar voran gegangen war. Am Dienstag schlug der Arbeitsrichter einen Vergleich vor.

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Was habe man früher gestritten  – aber konstruktiv gestritten! „Wir haben heftige, schlimme Konflikte ausgetragen. Wir haben sie ANDERS ausgetragen!“ Warum er diesen öffentlichen Kleinkrieg – ausgebrochen nach Fraktionschef Volker Königs fristlosem Rauswurf von Fraktionsgeschäftsführerin Bärbel Risadelli -, warum er diesen tiefen Konflikt heute am Parteitagsabend so deutlich anspreche? „Weil mir das Sorgen macht! Weil die SPD im Moment die fehlende politische Kraft ist!“

Rückblickend: „Wir waren erfolgreich, weil wir bürgernah waren, uns gerade NICHT in Cliquen zurückzogen! Unser Thema war die soziale Gerechtigkeit! Solidarität! Aber auch gelebte Solidarität! Dahin müssen wir mit aller Kraft zurück!“

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Streiten in der SPD Unna, das müsse wieder heißen: „Wir ziehen die Vorhänge zu, reden Tacheles“ („streiten wie die Kesselflicker“, würde es wenig später Landtagsabgeordneter Hartmut Ganzke formulieren), „und dann gehen wir geschlossen raus und verkünden UNSERE PARTEIMEINUNG!“ Nur so funktioniere das. „Und nicht dadurch, in die innere Immigration zu gehen, Gerüchte zu streuen und Intrigen anzuzetteln! Das macht doch keinen Sinn!“

Es gibt „kleine Parteien, die schreiben jeden Tag einen Antrag“, merkte der Bürgermeister an, ohne Pirat Christoph Tetzner beim Namen zu nennen. „Lasst UNS zu den Bürgern gehen und nicht unssere Zeit mit solchen Anträgen verschwenden! Demokratie ist verdammt schwierig!“ Aber es sei allerhöchste Zeit, dies (wieder) zu lernen.

Und dazu solle man auch „den relativ klugen Richterspruch dieser Woche nutzen“, jenen von Arbeitsrichter Dr. Mareck vorgeschlagenen Vergleich in der „Kündigungscausa“, der ordentliche Kündigung und Abfindung vorsieht. Bärbel Risadelli hat den Vergleich noch nicht angenommen, hat Bedenkzeit bis zum 27 9.

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Bundestagsabgeordneter Oliver Kaczmarek, der sich bisher aus der „Causa Risadelli“ vollkommen herausgehalten hatte, warf seine Zurückhaltung heute Abend ebenfalls über Bord. „“Leserbriefe schreiben, Online-Kommentare schreiben, sich auf Facebook und in Foren einbringen – das ist alles legitim, ich habe das früher auch getan. Aber WAS BRINGT DAS DER SPD?“ Klare Antwort: „Ich bin der Meinung, das bringt der SPD NICHTS.“

Hartmut Ganzke, erst vor wenigen Tagen erneut zum Landtagskandidaten des Unnaer Wahlkreises nominiert, fügte eine persönliche Bemerkung an: „Mein Bruder, der nicht in der SPD ist, nie in der SPD war, fragte mich neulich noch: Kannst du nicht mal dazwischenhauen?!“ Jetzt, hub Ganzke an, „haben wir die Möglichkeit zu zeigen, dass wir uns vornehmen, dass es wieder rund läuft.“ Ganz konkret: Indem die 51 (von 62) anwesenden Deligierten dem neu zu wählenden Stadtverbandsvorstand mit breiter Mehrheit den Rücken stärkten.

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Ganz so breit war die Zustimmung denn am Ende nicht: Die neue Stadtverbandsvorsitzende Anja Kolar kassierte neben 39 Ja-Stimmen 11 mal Nein; für Ralph Bürger als Stellvertreter votierten 36 Deligierte, für Uwe Kornatz als weiteren Vize 44. Yanick Neumann, 19 Jahre junger Juso aus dem Ortsverein Oberstadt, bekam als einziger die volle Zustimmung – mit 51 von 51 Stimmen.

Das Vorschlagstableau“ hatte der scheidende Vorstand zusammengestellt.

http://rundblick-unna.de/vorschlag-fuer-neue-spd-parteispitze-anja-kolar-ralph-buerger-uwe-kornatz/

http://rundblick-unna.de/vergleich-im-kuendigungsstreit-spd-risadelli-trennung-zum-30-6-gutes-zeugnis-und-abfindung/

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Kommentare (8)

  • Helmut Brune

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    Wenn der Burgermeister erst jetzt, nach fast einem Dreivierteljahr, auf die
    “ Schlammschlacht“ reagiert, dann ist er meiner Meinung nach viel zu Spät dran. Warum hat er sich so lange jeglichen Kommentares enthalten? Er muß doch auch bemerkt haben, daß die SPD in zwei Lager auseinander gefallen ist. Erst jetzt mit der Faust auf den Tisch zu schlagen, bringt nichts mehr. Das hätte er gleich zu Anfang tun sollen, so daß der Fraktionsvorsitzende sich nicht alle möglichen Ausreden einfallen lassen mußte. Gleich von Anfang an geschlossen an die Öffentlich zu treten, wäre für die SPD in Unna viel besser gewesen. Der Schaden, den die Partei durch diese
    “ Causa“ gelitten hat, ist im Laufe der Zeit immer größer geworden. Wie Groß der Schaden wirklich ist, wird sich bei kommenden Wahlen herausstellen. An dem Fakt, daß es soweit hat kommen müssen, trägt Herr Kolter sicherlich auch Mitschuld.

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  • Ferdi

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    Zu spät…….viel zu spät Herr Bürgermeister!
    Sie waren eine Entäuschung. Genau wie die SPD über einen viel zu langen Zeitraum.
    Kann Herr Volker König eigentlich auch anders schauen? Welch ein Bild, dass der Rundblick Unna da wieder eingefangen hat. Welch ein Gesichtsausdruck! Unsympatisch bis zum äußersten. Und das eigentlich auf allen letzten veröffentlichten Bildern. Na ja…vielleicht haftet ja unter der rauhen Schale ein klebriger Kerm??? ;-D
    Für mich als Stammwähler der SPD ist diese Partei gestorben. Zumoindest auf kommunaler Ebene.
    Aber ernsthaft gefragt….was ist denn jetzt noch wählbar???

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    • fürst

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  • fürst

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    Hahahaha, Kolter fordert!
    Ferdi hat die passenden Worte gefunden.

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  • Boesartig

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    Lieber Herr Bürgermeister Kolter,

    wenn es die „kleine Parteien“ mit Ihren ( in Ihren Augen) überflüssigen Anträgen nicht gäbe, würde vieles in dieser Stadt sicher noch schlechter laufen als ohnehin schon.

    Bürgernah sind diese übrigens oftmals mehr, wie Ihre Genossinnen und Genossen von der SPD.

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  • fürst

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    „Bremer Abgeordneter hat wohl jahrelang Jobcenter betrogen
    Der bremische SPD-Landtagsabgeordnete Patrick Öztürk soll gemeinsam mit seinem Vater über mehrere Jahre Bulgaren missbraucht haben, um Leistungen des Jobcenters in die eigenen Taschen zu lenken.
    Die Zuwanderer erhielten über Vereine fingierte Arbeitsverträge, mit denen sie dann aufstockende Leistungen beantragen konnten, die dann wieder mutmaßlich bei den Vereinen landeten. Der Schaden kann nach Angaben der Staatsanwaltschaft in die Millionen gehen. Die SPD leitet gerade ein Parteiordnungsverfahren gegen Öztürk ein.“

    Sowas kann passieren, wenn deutsche Parteien Öztürks und Öz……., also mögliche Erdogan-Handlanger, in ihren Reihen aufnehmen und fördern. Solche Gestalten unterminieren unsere Gesellschaft. Bereits bis in die Landtage und den Bundestag.

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    • Silvia Rinke

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      Fürst, was hat dieser Verweis konkret mit der SPD Unna zu tun? Aufklärung wäre hilfreich, ansonsten würden wir den Kommentar entfernen. Danke.

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      • fürst

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        Mein Komm. mit Verweis ist ein Blick auf die Gesamt-SPD, zu der fraglos auch die SPD in Unna gehört. – Aber von mir aus kann mein Eintrag auch entfernt werden. – Denn ob wir uns hier über etwas aufregen, oder in China fällt ein Sack Reis um, kommt aufs Gleiche raus.

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