Rundblick-Unna » Schlapper Wahl“kampf“ ohne Gegner ist fast vorbei – und ging vor allem am jüngeren Wähler fast vorbei

Schlapper Wahl“kampf“ ohne Gegner ist fast vorbei – und ging vor allem am jüngeren Wähler fast vorbei

Werner Kolter mit Thomas Oppermann auf dem Roten Sofa, Werner Kolter solo auf dem Roten Sofa, zwischendurch die CDU solo unter sich mit Kriminalität und Vandalismus beschäftigt – dies gehörte nicht wirklich zum Unnaer Bürgermeister-„Dialogwahlkampf“, fand aber mittendrin statt und wurde so unfreiwillig in den Wahl“kampf“ eingesogen.  Hätte die CDU mal einen eigenen Kandidaten aufgestellt… nun gut, erledigt, hat sie nicht.

Somit ist das zähe Unterfangen jetzt zeitnah beendet, und darüber wird nicht zuletzt der Bürgermeister und Alleinkandidat selbst im Stillen höchst erleichtert sein. Am nächsten Sonntag mag das Wahlvolk nun hinter „Werner Kolter (SPD)“ ein Ja ankreuzen,  Nein ankreuzen oder es ganz bleiben lassen mit dieser Wahl, die für viele eine Farce ist dank nichtvorhandener Personalauswahl.

Wahlplakat Kolter Knitterig

Uff – fast geschaff. Die Knitterfalten dieses Werner-Kolter-Wahlaufplakats am Ostring sind sinnträchtig. Auf diesen schlappen Wahl“kampf“ ohne Gegner hatte niemand wirklich Lust – wohl noch nicht einmal der Alleinkandidat und Amtsinhaber selbst. Er sagte schon zu Beginn sehr klar: Diese Situation habe – und hätte – er sich nicht ausgesucht. Profilierung ohne Gegner sei schwierig. Und den Wähler zur Wahl ohne Auswahl zu motivieren ebenso.


 

Im kurzen Rückblick auf die Veranstaltungen im Wahl“kampf“ ohne Gegner fällt hauptsächlich auf, wer nicht da war. Den Talk ihres Bundesfraktionschefs Thomas Oppermann auf dem Roten Sofa wollten am 19. August naheliegend SPD-Mitglieder sehen und hören. Bei ihnen blieb es bis auf wenige Ausnahmen auch. Ähnlich wie beim Plausch mit Kolter allein am vorigen Mittwoch über „Persönliches und Politisches“: Ein Genosse interviewte den anderen Genossen (Maik Luhmann den Bürgermeister), dabei geht es lauschig-familiär und harmlos zu, und keiner bringt denanderen in Verlegenheiten. Persönlich nicht und erst recht nicht politisch.

SPD Rotes Sofa

Genossentalk I: Besucher des Rote Sofa-Abends mit SPD-Bundesfraktionschef Thomas Oppermann.




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Genossentalk II: Besucher des Rote Sofa-Abends mit Werner Kolter „persönlich und politisch“.


 

„Was mir aufgefallen ist“, merkte im Anschluss an unseren Bericht ein nachdenklicher Leser an, „dass ich zumindest auf all den Bildern nicht einen Menschen gesehen habe, der unter 40-30 ist (kann natürlich sein das ich etwas übersehen habe). Wir scheinen  – und das gilt für alle Parteien – für junge Menschen doch wohl eher uninteressant zu sein.“

Der Eindruck täuschte den Leser nicht. Gerade mal eine Handvoll Besucher an jenem Abend waren zumindest erst knapp über 40. „Wird nicht einfach, an einer Änderung der Situation erfolgreich zu arbeiten“, merkte der Schreiber an, offenbar selbst in der Politik engagiert. „Ob die jetzige Bürgermeisterwahl dazu beiträgt?“ Der einzige Kandidat ist (gleichwohl jugendliche) 66 Jahre alt.

Ähnlich kritisch wurde die CDU-Veranstaltung tags darauf am selbigen Ort im Katharinen Hof quittiert, bei der es um wachsende Kriminalität und Vandalismus ging. Auch hier stellte ein Leser als Kommentar zu unserem Bericht kopfschüttelnd fest: „Sehe mir gerade die Bilder von der Veranstaltung an und frage mich, wieviele neutrale Unnaer Bürger dieses Spektakel besucht haben, die nicht in irgendeiner Form mit CDU Kadern verbandelt sind. Und nicht einmal die Parteiprominenz war solidarisch anwesend.“ Alterdurchschnitt dieser Veranstaltung: Eher ü65 als U50.

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Konservative unter sich. Besucher beim Informationsabend „Vandalismus – Kriminalität“ der Oberstadt-CDU.


 

Eine Ausnahme vom Regeleindruck „parteiinternes Senioren-Event“ machte der Abend mit NRW-Ministerin Sylvia Löhrmann, überschrieben mit „Dialog Schule“. Eher (auch) jüngeres Publikum liegt nun nahe bei Schulfragen, da zur Schule nun mal eher Jüngere gehen. Ob sich allerdings ein „Dialog“ entwickelt hat an jenem Abend zwischen der grünen Landesministerin, dem roten Bürgermeister(-kandidaten) und (sehr) kritischem Publikum, blieb im Anschluss strittig – eher haftete der Eindruck eines wechselseitigen Beharrens auf Überzeugungen: Löhrmann gab sich überzeugt, es gebe genügend Lehrer, Unnaer Oberstufenschüler beharrten ebenso entschieden darauf, dass davon in ihren Schulen nichts ankomme. Und Löhrmanns Verweis auf die vielen Inklusionsmillionen konterte Bürgermeister Kolter, es fehlten Unna Millionen.

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Auch jüngeres Publikum anwesend – eine Ausnahme: „Dialog Schule“ mit Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne).

Löhrmann 7

Überhaupt aber drängte sich die Frage auf: Wieso kommt eine grüne Ministerin zum Wahlkampf eines roten Bürgermeisterkandidaten?  Unnas Grüne haben Werner Kolter doch gar nicht (offiziell) unterstützt. Eher diente der Abend wohl der Profilschärfung des Alleinbewerbers: Mit der (kritikresistenten) grünen Schulmininisterin bekam Werner Kolter endlich  – zum einzigen Mal in diesem lähmenden Parlier-Wahlkampf – ein Gegenüber präsentieart, an dem er sich thematisch ein bisschen abarbeiten konnte. Und so bot er Löhrmann auch deutlich Paroli: Von den von Löhrmann angepriesenen Inklusions-Millionen, sagte er klipp und klar, komme in Unna bisher nichts an.

Mal schauen, ob´s was geholfen hat. Für die Inklusionsfinanzierung wie auch für die Wahlbeteiligung.

Löhrmann in Unna BM Kolter

Roter Bürgermeister(kandidat) unter grüner Fahne – eine der wenigen Möglichkeiten für Werner Kolter, in diesem undankbaren Wahlkampf ohne Gegner eigenes Profil zu zeigen und sich an einer Art Gegenpol abzuarbeiten. Denn Kolter widersprach der Schulministerin schon deutlich beim Thema Inklusions-Finanzierung; Unna brauche für die Umsetzung mehrere Millionen – habe in diesem Jahr aber gerade mal 100 000 Euro bekommen.

 

Kommentare (5)

  • Elke Schmidt

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    Kann man wohl alles unter „ein Flopp“ zusammenfassen.

    Da haben der Bürgermeister, die CDU und die Grünen anscheinend nicht die richtigen Themen angesprochen, die den Bürger derzeit bewegen und interessieren, und sie hinter dem Ofen hervorgelockt.

    Frau Löhrmann könnte sagen: Am Thema vorbei, sechs, setzen !

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  • Andre Sander via Facebook

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    Schlappe Politik = schlapper Wahlkampf.

    Treu den Motto,

    Weiter mit Kolter.

    Genau so ist es gemeint. Genau so weiter wie bisher.

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Ich sage dazu mal nichts.

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    • Susanne Singerhoff-Schammel via Facebook

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      Nein! Herr Brune! So geht das nicht ? Wo doch auf die Publikation Ihrer Sichtweise sonst immer Verlass ist ?. Es war lustig, Sie heute in der Menge auf dem Unnaer Stadtfest „identifiziert“ zu haben. Ich hoffe, Sie hatten/ haben eine gute Zeit in Ihrer alten Heimat. Sicherlich sind Sie von dem ein oder anderen treuen „Rundblick“- Leser erkannt und um ein Selfie gebeten worden?? Wünsche Ihnen noch eine gute Zeit in Unna und der Leserschaft weitere unvermeidliche Kommentare aus dem Norden ?

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      😉 … er ist tatsächlich noch von weiteren treuen RundblickleserInnen identifiziert worden, liebe Susanne Singerhoff-Schammel. Familienzusammenführung 😀 😀 ! Einen schönen Abend!

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