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Schlag für Bergkamen: Adler-Großaktionär Steilmann ist insolvent

Harter Schlag für Bergkamen. Steilmann ist insolvent. Das Bekleidungsunternehmen, zu dem unter anderem die Adler Modemärkte gehören, gab heute in Bergkamen in einer kurzen Pressemitteilung seine Zahlungsunfähigkeit bekannt.

„Der Vorstand der Steilmann SE ist nach umfassender Prüfung heute zu der Überzeugung gelangt, dass im Zuge des aktuellen Geschäftsverlaufs die Steilmann SE zahlungsunfähig ist“, schreibt das Unternehmen. Da Sanierungsverhandlung erfolglos geblieben seien, werde der Vorstand nun unverzüglich den Insolvenzantrag stellen.

Steilmann beschäftigt weltweit 8300 Mitarbeiter. Stammsitz war lange Zeit Wattenscheid, 2010 erfolgte im Zug einer Übernahme der Umzug nach Bergkamen. Bereits im September 2006 hatte Ute Steilmann einen Insolvenzantrag angekündigt. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Unternehmen noch etwa 500 Mitarbeiter in Deutschland und 3.000 in Rumänien. Der Konkurs wurde im Oktober 2006 durch die vollständige Übernahme aller Steilmann-Anteile durch die Radici-Gruppe in Bergkamen abgewendet (2012 umbenannt in Steilmann Holding AG).  2013 übernahm das Unternehmen gemeinsam mit dem einem luxemburgischen Investor  46,96 Prozent der Anteile der Adler Modemärkte.

Vor vier Monaten ging Steilmann an der Börse – der Erfolg war bisher gering.

Aktualisierung Donnerstag, 24. 3.:

Die Modekette Adler sieht keine Auswirkungen auf ihr Geschäft durch die Insolvenz des Großaktionärs. Adler verfüge unverändert über eine mehr als ausreichende Liquidität, teilte das Unternehmen mit.

Nach Beobachtern der Modebranche zeigt die Steilmann-Insolvenz den Umbruch im Modegeschäft. „Marken im mittleren Preissegment stehen deshalb unter Druck, weil sie die Zaraisierung der Branche unterschätzt haben. So wie die Bergkamener“, schreibt das „Handelsblatt“ in einem Kommentar vom heutigen Vormittag.  Die Steilmann-Gruppe habe „die Zeichen der Zeit zu spät erkannt“: Denn das einst so erfolgreiche Konzept, mit Eigenmarken wie Steilmann oder Apanage im mittleren Preissegment Geld zu verdienen, funktioniere heute nicht mehr, stellt der Kommentator fest.

Marken wie „Zara“ oder der schwedische Filialist H&M hätten den Markt in den vergangenen zehn Jahren aufgerollt: „Sie bringen aktuelle Modetrends viel schneller in ihre Läden, produzieren ostengünstiger und haben mehr Werbekraft als der deutsche Mode-Mittelstand.“ Zugleich griffen Billigmarken den  Mittelstand ganz von unten an.

Das Urteil des „Handesblattes“ muss auch für viele andere Textilmittelständler in Kreis (und Stadt) Unna als Warnung gelten: „Es ist heute für viele bislang erfolgreiche deutsche Mittelständler extrem schwierig, sich in der Mitte des Modemarktes zu behaupten. Mit mittleren Qualitäten, mittleren Preisen und einer nur mittelmäßig bekannten Marke lässt sich heute kein neuer Kunde mehr gewinnen – und die alten nicht mehr halten. Die Mittelständler haben keine Chance, im Billigsegment des Marktes mitzuspielen. Sie können nur mit Qualität, einem klaren Profil und Schnelligkeit punkten.“

http://www.handelsblatt.com/unternehmen/handel-konsumgueter/steilmann-und-die-insolvenz-das-ende-vom-mittelmass/13364360.html

Kommentare (7)

  • Jama To via Facebook

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    Gelernt von Nokia, Opel, ….. Gelder am Seite schaffen und einschließlich ins billig Produktion Ländern Betrieb verlegen! Quelle Küchen gibt es noch immer genau wie neu Opel Modelle, und Nokia Handy auch!

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  • Jama To via Facebook

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    Nur Mitarbeiter gehen leer aus! Und unsere Regierung erzählt uns immer noch von Aufschwung! (Dank Waffen verkauf)

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  • Frank Diederichs

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    Miro Radici sagt schon alles aus, ich sage nur Wehmeyer ( auch in die Insolvenz getrieben von Herrn Puller ( Miro Radici ).
    Metro verkaufte Adler an die Heuschrecke BlueO/ Miro Radici ( Investor ).
    Diese Heuschrecken setzten auf Expansion mit 23 neuen Läden in der Summe von 25 Millionen€. Gleichzeitig wurde Personal abgebaut bzw keine Einstellungen vor genommen, sondern durch einen Dienstleister ( Teamwork die Buettgen ) ersetzt. Billige Arbeitskräfte für das Warenhandling, umso die kosten zu senken und den Aktionären viele Renditen zu versprechen. Beim Börsengang flossen 100 Millionen in den Taschen von BlueO bei einem Investment von gerade 25 Millionen in knapp 2,5 Jahren. Ein satter Gewinn für die Heuschrecke die sich dann aus Adler verabschiedete. Miro Radici hat vom Textielhandel null Ahnung weil sie es nur auf die Imobilien abgesehen haben, und dafür hat Miro Radici die Schottenstein gruppe mit ins Boot. Miro Radici stellt selber bzw läßt selber Ware herstellen mit minderwertige Qualität die sie in die Länden transportieren lässt zu Utopischen Preisen. Kein Wunder das textielunternehmen dadurch kaputt gehen. Aber es scheint so das es sich auszahlen läßt. Der Mitarbeiter ist nur noch der Handlanger der Gierhälse und steht am ende auf der Strasse und die Gewerkschaften schauen nur zu. Wenn man die Insolvenz von Wehmeyer verfolgt wird hier klar und deutlich das dieses Werkzeug immer weiter betrieben werden kann ohne jegliche Bestrafungen der Verursacher

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  • Mike

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    Fing das nicht bereits 2003 mit riesigen Managementfehlern an ? Ich erinnere mich noch, daß damals alles outgesourced wurde, einem DER Fehler den viele Firmen gemacht haben und leider immernoch machen.
    Adler steht im Modemarkt ja nicht alleine da mit grossen Problemen, der ganze Markt und das Kundenverhalten hat sich massiv verändert und man hat dies leider zu spät erkannt und Investoren haben eben immer ein Ziel, Geld ausgeben um danach ein Vielfaches davon wieder einzunehmen, Sachen die nunmal nur begrenzt funktionieren.
    z.B. der derzeitige Adler TV Werbespott ist cool, aber vielzulange hat Adler auf ihr altes Image gesetzt, dafür ist der Zug schon lange abgefahren und die Hauptkundengruppe die Adler anspricht hat sich eben verändert und man ist leider nicht wirklich mitgegangen.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Ein Update ist eingefügt: Nach Beobachtern aus der Modebranche hat das Bergkamener Texitlunternehmen „die Zaraisierung der Branche unterschätzt“. Für Mittelständler werde die Luft immer dünner.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Nochmaliges Update: Adler sieht für seine Märkte keine Auswirkungen durch die Zahlungsunfähigkeit des Großaktionärs.

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