Rundblick-Unna » Sack zu – 250 000 € für die Lindenbrauerei – nach Feilscherei und Streiterei wie auf Basar

Sack zu – 250 000 € für die Lindenbrauerei – nach Feilscherei und Streiterei wie auf Basar

Unnas Kultur- und Kommunikationszentrum, die Lindenbrauerei,bekommt 50 000 Euro mehr als bisher. 249 000 Euro jährlich aus dem Stadtsäckel.

Dem Ratsbeschluss voran ging am Donnerstag ein Geschacher wie auf einem Basar. Zu viel, zu wenig, mehr, noch mehr – Hämmerchen fällt bei (zunächst) 250 000 Euro. Fortsetzung folgt, kritisieren die Grünen schon jetzt scharf. Wirklich zufrieden mit dem zäh errungenen Kompromiss ist letztlich niemand.

Eisgipfel Mölle

Kämmerer Karl-Gustav Mölle.

Das Grundgebot: kommt vom Kämmerer bzw. von der Stadtverwaltung. 50 000 Euro Zuschusserhöhung zusätzlich zu den bisher 199 000 Euro macht rund 250 000 Euro. Als Basis dient das sog. Richter-Gutachtens vom Herbst 2013, das dem Kulturzentrum eine strukturelle Unterfinanzierung von mindestens 30 000 Euro jährlich attestiert. Um der Lindenbrauerei etwas mehr Spielraum zu gewähren, gewährt der Kämmerer 50 000 Euro zusätzlich als bisher.

Wer bietet bzw. fordert mehr?

PetraWeber_x278

Das Höchstgebot kommt von „Die Linke“ (Petra Weber).

Die Grünen beantragen  270 000 Euro, die Linke toppt das noch – 280 000 Euro.  Faktionschefin Petra Weber sagt dazu: „Mit den 270 000 Euro der Grünen bekommt die Lindenbrauerei etwas Luft und kommt sicher etwas weiter. Wir haben das noch um 10000 Euro getoppt, damit die Lindenbrauerei noch ein bisschen besser über die Runden kommt.“

Wer bietet bzw. fordert weniger?

Rudolf Fröhlich

„Wir unterbieten“: Die CDU (hier Fraktionschef Rudolf Fröhlich wollte den Sack bei 229 000 Euro zumachen, scheiterte aber.

Die CDU. Sie will – ab 2017 – den Deckel bei 230 000 Euro draufsetzen. Weil, so begründet Fraktionsvorsitzender Rudolf Fröhlich, genau dies die Mindestsumme sei, die laut Gutachten die derzeitige Unterfinanzierung ausgleichen können.

Worüber gibt es Streit?

Andreas Tracz

„In dem Gutachten stehen noch ganz andere Sachen – Mangel an Führung, zuviele Hauptamtliche.“ Andreas Tracz (FDP).

Die FDP (in Person des stellv. Fraktionsvorsitzenden Andreas Tracz) springt aus der Kiepe, unmittelbar nachden die CDU für ihren 30 000 Euro-Antrag geworben hat. Er könne sich aus dem Kommunalwahlkampf an ein Wahlplakat erinnern, attackiert Tracz  die zweitgrößte Ratsfraktion, „mit einem Esel, der untergeht. Jetzt reden wir wieder über scheinbar nicht enden wollende Zuschüsse!“

Den IT-Unternehmer stört „ganz gewaltig, dass andauernd nur ein einzelner Punkt aus dem Wirtschaftlichkeitsgutachten herausgegriffen wird: strukturell unterfinanziert. Da stehen aber noch viele ganz andere Sachen drin!“ Er zählt auf: „Mangel an Führung. Mangel an Qualifizierung und Teamgeist. 10 Hauptamtliche als eine insgesamt zu hohe personelle Ausstattung. Betrachtet man die Zuschüsse verglichen mit der Ausstattung, kann man auch zu ganz anderen Rückschlüssen kommen.“

Etwas peinlich wirkt diese flammende freidemokratische Einlassung dadurch, dass der smarte Liberale abschließend die künftige Kultur-gGmBH ins Spiel bringt – dabei ist die längst vom Tisch. Der avisierte Dachverband für Unnas Kulturangebote wurde nach reiflichen Überlegungen und Diskussionen verworfen, weil seine Einspareffekte laut Kämmerer Mölle nicht im Verhältnis zum Aufwand stünden.

Rudolf Fröhlich, augenscheinlich angesäuert über Tracz´ Kritik an den schönen CDU-Eselwahlplakaten, schmiert dem Liberalen dessen Uninformiertheit sofort genüsslich aufs Brot: „Sie scheinen nicht ganz auf der Höhe der aktuellen Diskussion zu sein.“ Und den CDU-Wahlplakat-Esel, der noch im vorigen Frühjahr unter der Last der (Kultur-)Finanzen absoff, den könne man ja so und so verstehen, wehrt sich Fröhlich gegen den Vorwurf des Wählerbetrugs. Wenn er sich das 25-Prozent-Wahlergebnis der CDU ansehe und dagegen die knapp über 4 Prozent der FDP, sei für ihn klar, wer mit seinem Wahlkampf mehr Erfolg gehabt hätte.

Michael Sacher Grüne

„50 000 Euro zusätzlich reichen nicht! Das weiß jeder hier, auch die Verwaltung weiß es!“ Michael Sacher (Grüne).


Michael Sacher von den Grünen schaltet sich auch noch in den Streit ein: Er „hätte nie geglaubt, irgendwann einmal derselben Meinung zu sein wie die FDP.“ Doch sein Lob an Tracz´ Adresse ist gallig durchtränkt, denn: „Auch wir sind gegen die von der Verwaltung vorgeschlagenen 50 000 Euro. Aber aus TOTAL anderen Gründen als Sie! 50 000 Euro reichen nicht! Alle wissen das. Das Kulturzentrum weiß es, wir wissen es, und das weiß auch die Verwaltung. Das wird nie aufhören, dass wir hier ständig über Finanzierungsprobleme der Lindenbrauerei reden.“

Sacher, selbst regelmäßiger Besucher des Kulturzentrums, wirft Tracz noch vor, dass der niemals dort hingehe, dennoch aber glaube, hier objektiv darüber urteilen zu können. Worauf der Geschäftsmann wiederum scharf kontert: Wer privat wohin gehe oder nicht gehe, das tue hier wohl gar nichts zur Sache.

Die anderen – SPD, Freie Liste (FLU) und Piraten – stimmen der Verwaltung zu. Sack zu – 250 000 Euro. Bis zur nächsten Runde auf dem Basar des Unnaer Kulturzentrums.

Kommentare (23)

  • Manfred Dennes via Facebook

    |

    die Kohle ist da !!?? Woher ?

    Antworten

  • Helmut Brune via Facebook

    |

    Wenn es wirklich gebraucht wird, ist Geld immer da.Man streitet sich ja nur um die Verteilung.

    Antworten

  • Herta Heinert via Facebook

    |

    Gut zu wissen, dass es in Unna genauso aussieht

    Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      Wenn du genauso wie in Fröndenberg meinst, Herta Heinert: Nö. In Unna liegt die Grundsteuer – mit 762 Punkten – immer noch um 13 Punkte niedriger als der Wert, den der Fröndenberger Kämmerer jetzt im Visier hat… 😉

      Antworten

      • Petter Uhlenbusch

        |

        „… immer noch um 13 Punkte niedriger als der Wert, den der Fröndenberger Kämmerer jetzt im Visier hat“
        Das muss ja nicht so bleiben. Wenn Fröndenberg das kann, dann kann Unna das noch toppen! Wetten das?

        Antworten

    • Herta Heinert via Facebook

      |

      Kein fairer Kommentar, lass mich trotzdem nicht ärgern und soll ich euch was sagen?? Passt auf, ihr kommt da auch noch hin!!

      Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      *seufz* … vermutlich schneller, als es uns lieb ist, Herta Heinert. Aber NICHT im nächsten Jahr.. Herr Mölle hat es UNs versprochen. :-)

      Antworten

    • Herta Heinert via Facebook

      |

  • Jessika

    |

    Da ist dieser Herr Fröhlich anscheinend auch nicht richtig informiert. Die FDP hatte 3,4 und nicht über 4 %. Bei solchen Fehlern hat man ja richtiges Vertrauen zu diesen Hobbypolitikern.
    Und wie der Esel und der Kultur von der CDU gemeint war, weiß jedes Kind. Die wollten vor der Wahl nicht einen Cent mehr in die Linde stecken…..

    Antworten

  • Markus

    |

    Da wird sich „Wirtin“ sicherlich ordentlich einen eingeschenkt haben. Natürlich nur ausnahmsweise und zur Feier des Tages.

    Antworten

    • sven

      |

      nur einen??? 😉

      Antworten

      • Markus

        |

        Heute ein König, naja, eine Königin halt.

        Antworten

  • Stefanus Maxus via Facebook

    |

    Ein dringend nötiger Kochkurs für die Schalandermannschaft müsste jetzt doch wohl drin sein?!

    Antworten

    • sven

      |

      Genau Stefanus Maxus, oder noch besser, die Kochprofis oder Frank Rosin holen!!!

      Antworten

  • Padolski

    |

    Das Geld könnte man genauso gut zum Fenster raus schmeißen, als den kulturellen Niedergang eines sogenannten Kulturzentrums mit der Zielgruppe 60+ weiter zu finanzieren. Die Lindenbrauerei hat enormes Potenzial. Leider klammert man sich dort an (… enternt, persönliche Beleidigung), die (…) keine Ahnung hat, und auch dem restlichen Team kann man nur ein Armutszeugnis ausstellen.

    Antworten

    • Andi Koch

      |

      Kämpf doch mal mit offenem Visier…..Anonym kann jeder.
      Echt feige…wie fast alle hier…nennt Euren Namen….dann kann man dsikutieren.

      Antworten

  • Christoph Tetzner

    |

    Das Kulturzentrum Lindenbrauerei e.V. ist ein rechtlich eigenständigen Verein. Entscheidungen zu Personalfragen unterliegen nicht der Politik dieser Stadt sondern allein beim Verein. Die FDP kann fordern eine Aufgabenteilung zwischen kulturellem Angebot und Gastronomie. Wenn Sie mit dem Konzept nicht einverstanden ist/ war hätte Sie gegen die Zuschusserhöhung stimmen müssen. Geschickterweise hat die Verwaltung den Antrag zusammen mit dem Gesamtnachtragshaushalt abgestimmt. Wer also gegen die Zuschusserhöhung wäre, hätte gegen das gesamte Zahlenwerk stimmen müssen! So wahrt die CDU ihr Gesicht und die Verwaltung hat Ihren willen bekommen, obwohl keine Mehrheit dafür da war… Demokratie sieht anders aus! ?

    Antworten

  • Christoph Tetzner

    |

    Und noch eine Anmerkung: es haben alles Fraktionen den 50.000€ zugestimmt, bis auf die Grünen. Die haben als einzige den Nachtragshaushalt abgelehnt und die LINKEN haben sich enthalten… Also tragen somit SPD, CDU, Piraten, FDP und FLU die 50.000€ mit…. ?

    Antworten

    • Markus

      |

      Der Schaumschläger und Umfaller von den Piraten? Dass du dich traust, dich in der causa überhaupt noch zu melden.

      Antworten

  • Andreas

    |

    „““Etwas peinlich wirkt diese flammende freidemokratische Einlassung dadurch, dass der smarte Liberale abschließend die künftige Kultur-gGmBH ins Spiel bringt – dabei ist die längst vom Tisch. „“
    Zum Thema „uniformiertheit“, da scheine ich mich nicht richtig ausgedrückt zu haben oder jemand hat das anders verstanden. Was daran peinlich sein soll kann ich nicht nachvollziehen. Wie so oft scheinen Menschen im Kopf ihre Ansichten und Vorsätze schon ziemlich geprägt zu haben um das aus meinen Sätzen zu verstehen, aber wie gesagt vielleicht waren meine Gedanken schneller als meine Worte :-)
    Ich hab lediglich ausgeführt das der Rat anscheinend überhaupt nicht weiß wo er mit dem Thema Kultur insgesamt hinmöchte und das der Vorschlag unsere Verwaltung eine g GmbH zu gründen ja auch abgelehnt wurde. Das dieser Vorschlag vom Tisch gefegt wurde wussten alle beteiligten schon deutlich länger als diese Einlassung über die 2 Wochen von Herrn Fröhlich. Dazu habe ich angeführt das doch ein eigener Kulturbetrieb oder ähnliches gegründet werden kann. Besetzt mit einer künstlerischen Leitung und einer betriebswirtschaftlichen Leitung, ähnlich teamorientiert wie bei den Stadtbetrieben.
    Leider dreht sich anscheinend jeder nach belieben im politischen Umfeld und hält sich an einzelne Punkte fest die seiner Gesinnung entsprechen. Wer sich mit dem Gutachten intensiv beschäftigt hätte kann nur zu dem Fazit kommen das die „Unterfinanzierung“ aus den oben richtig wiedergegebenen Punkten kommt.
    Aber wer es ja nicht persönlich bezahlen muss entscheidet eventuell etwas anders.
    Ich bin nach wie vor für einen gesamtstrategischen Ansatz (und nicht hilfloses Stückwerk) um die Kultur zukunftsorientiert auszurichten.
    Uuuuunnnnd Herrn Fröhlich hätte ich gern auf seine Aussage zum Wahlerfolg noch erwidert das es ja dann auch kein Wunder ist wenn Menschen immer weniger ihre Wahlmöglichkeiten wahrnehmen wenn sie dann wieder merken das sie, auf gut deutsch, mit den Wahlaussagen der Parteien verarscht wurden.

    Antworten

  • Andi Koch

    |

    Anonyme Wortbeiträge sind wie ein warmer Furz….da gibt auch keiner zu wer Ihn abgelassen hat…..Stink aber gewaltig….wieso dürfen diese Leute hier überhaupt Posten??
    Oder ist das der Spiegel vom Rundblick ??

    Antworten

Kommentieren