Rundblick-Unna » Rechte Demo und Gegendemo zur Eröffnung des „anarchistischen Kulturzentrums“ – Anreise mit Polizeibegleitung

Rechte Demo und Gegendemo zur Eröffnung des „anarchistischen Kulturzentrums“ – Anreise mit Polizeibegleitung

Der Immobilieneigentümer war zwischen rechte und linke Fronten geraten. Ungeachtet dessen hat gestern Abend ein „anarchistisches Kulturzentrum“, gegen das in Dortmund Rechte protestiert hatten (wir berichteten), im Norden der Stadt mit größerem Bahnhof eröffnet worden. Ca. 40 Rechte – in ihrem eigenen Sprachgebrauch „Nationalisten“ – traf bei der Eröffnungsfeier an der Scharnhorststraße auf ca, 250 Gegendemonstranten. Die Kundgebung selbst lief friedlich ab, allerdings kam es bei der Anreise einer Rechten-Gruppe – die von Polizeibeamten begleitet wurden – zu Angriffen einer Gruppe aus dem linken Spektrum. Flaschen und Steine flogen, die Polizei setzte Pfefferspray ein.

Zugleich war Mitte dieser Woche (zum zweiten Mal) die Schaufensterscheibe des neuen Ladens mit Steinen eingeworfen worden. Zuvor hatten Angehörige der rechtsnationalen Dortmunder Szene versucht, Druck auf den Vermieter – ein Dortmunder Immobilienunternehmen – auszuüben. Dieses war beim Bekanntwerden der Vermietung zwischen die Fronten von Rechts und Links geraten: rechte Gruppierungen behaupteten, dass das „alternatives Kulturzentrum“  in Wirklichkeit ein linksradikales Zentrum wäre. Dagegen müsse vorgegangen werden.

Auf einem rechtsnationalen Dortmunder Medienblog wurde das Immobilienbüro namentlich genannt und mit Foto abgebildet. Der Mietvertrag solle widerrufen werden, fordern die Rechten. Ihre Begründung: Anders als dargestellt sei nicht lediglich ein Buchladen mit Fotoatelier geplant, sondern „eine Versammlungsräumlichkeit des extrem linken Spektrums“ – anders lasse sich der Umzug aus den 20 qm großen Räumlichkeiten am Borsigplatz kaum erklären.

Das ahnungslos zwischen die Fronten geratene Immobilienunternehmen schrieb auf seiner Facebookseite:

„Leider mussten wir die Bewertungs- und Kommentarfunktion unserer Facebook-Seite erheblich einschränken, da wir unqualifizierten Angriffen ausgesetzt waren.

In der Sache geht es um die Vermietung eines Ladenlokals in Dortmund an eine Buchhandlung und ein Fotoatelier, die an uns mit glaubwürdigen Argumenten und Ideen zu einer Selbstständigkeit herangetreten sind und das Ladenlokal angemietet haben. Dies scheint einigen Personen / Gruppierungen nicht recht zu sein.

Ob und was an den Vorwürfen dran ist, können wir derzeit nicht sagen, wir prüfen das. Wir wollen mit keinerlei Extremismus in Zusammenhang gebracht werden und werden, entsprechend der Ergebnisse handeln und das rechtlich Mögliche veranlassen.

Danke für Ihr Verständnis.“

Und während die Rechten am Vortag ihrer „Mahnwache“ titelten: „Vermieter will Anarchisten rauswerfen“ (als Quelle sind „verschiedene Presseangaben“ genannt), stellte das Immobilienunternehmen selbst am 1. 3. fest:

„In verschiedenen regionalen Medien und Social-Media-Kanälen wurde in den letzten Tagen über die Anmietung eines Ladenlokals in Dortmund berichtet. Dort wollen eine Buchhandlung und ein Fotostudio ihre Geschäftsräume beziehen. Dagegen wurde von Personen und Gruppen, die einem bestimmten politischen Lager zuzurechnen sind, protestiert und eine Drohkulisse aufgebaut. Für morgen wurde eine Demonstration/Mahnwache vor unseren Geschäftsräumen angekündigt.

Wir stellen daher folgendes fest: Als Vermieter betonen wir, dass ein rechtsgültiger Mietvertrag vorliegt, der nicht anfechtbar ist.“

Kommentare (5)

  • Sven Arnt via Facebook

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    Das wird zukünftig noch richtig Ärger geben und die Polizei reichlich beschäftigen. Da werden noch viele polizeiliche Ressourcen gebunden, weil zwei radikale politische Lager da ihre Kämpfe austragen. Machen wir uns nix vor, so wie der kleine Bereich in Dorstfeld Rückzugs- und Agitationsort für die Rechten ist, wird es das Haus um den anarchistischen Buchladen für die autonome linksradikale Szene. Das ist beides nicht grade ein Gewinn für die Stadt und die Polizei wird zwischen den Lagern von beiden Seiten attackiert. Da wird nichts besser durch in Dortmund.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Ja, Sven Arnt, die Fronten scheinen klar abgezeichnet zu sein. Und der Normalbürger (wie in diesem Fall das Immobilienbüro) läuft in Gefahr, dazwischenzugeraten. Eine unerfreuliche Entwicklung.

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    • Sven Arnt via Facebook

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      So wie ich das sehe sind die schon mitten drin:-(

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  • Peter Müller via Facebook

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    Meine Glückwünsche an Black Pigeon! Wie zu lesen war, kamen zur Eröffnung an die 200 Besucher. Darunter Lokal Politiker von Linkspartei bis CDU. Auch wenn man/frau heute alles im Netz bestellen kann, ist es doch auch schön einfach mal zu stöbern, was es an neuen Publikationen gerade gibt und wie es sich „anliest“. 😉

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  • Peter Müller via Facebook

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