Rundblick-Unna » Prügelnder Grapscher vom Bahnhof war Asylbewerber – Polizei: Gefahr rechter Instrumentalisierung

Prügelnder Grapscher vom Bahnhof war Asylbewerber – Polizei: Gefahr rechter Instrumentalisierung

Der volltrunkene, hoch aggressive Grapscher, der Sonntagfrüh auf einem Bahngleis in Dortmund gewalttätig ausrastete (wir berichteten), war ein 36jähriger Asylbewerber aus Nigeria. Das teilte heute auf unsere Anfrage Volker Stall von der Bundespolizei St. Augustin mit.

Die Nachfrage stellten wir, weil nach unserer Berichterstattung über diesen „Gewaltexzess“ (Zitat aus der Polizeimitteilung) erregte Diskussionen über die Herkunft des Täters aufkamen. Über diesen hatte die Bundespolizei – deren Pressesprecher sonst sehr offen mit der Nennung der  Nationalitäten umgehen – lediglich mitgeteilt, dass er ein 36 Jahre alter Mann aus Voerde (Niederrhein) sei.

Die Frage, ob sie in diesem sehr heftigen „Ausrast-Fall“ die Herkunft nennen sollten oder nicht, habe er lange mit seinen Kollegen diskutiert, sagte uns Volker Stall. „Normalerweise gehen wir damit sehr offen um. Bei Fahndungen sowieso, aber auch bei Delikten, bei denen immer wieder ein bestimmter Täterkreis auffällig wird. Ein gutes Beispiel sind diese nordafrikanischen Taschendiebe.“ (Beschönigend auch „Antänzer“ genannt.)

In diesem Fall hatte der Täter im Alkoholrausch zuerst eine junge Frau am Busen begrapscht, sie geschlagen und hatte sich danach auf ihren Begleiter (aus Lünen) gestürzt, um prügelnd mit dem 25 Jährigen ins Gleisbett zu fallen. Einer anderen, ebenfalls aus Lünen stammenden jungen Frau schlug der Tobende noch einen Schotterstein vor den Kopf. Bis ihn schließlich Bundespolizisten überwältigen konnten.

Sind volltrunkenes Grapschen und blindes Prügeln nun „typische“ Delikte für nigerianische Asylbewerber? Genau das diskutierte Polizeisprecher Volker Stall längere Zeit mit seinen Kollegen und entschied sich zusammen mit ihnen für „Nein“. Also sparten sie diese Information in der Pressemeldung aus.

„Es ist für uns immer eine Gratwanderung mit der Herkunftsnennung“, sagte der Bundesbeamte. „Wir wollen offen mit Informationen umgehen; aber gerade hier in Dortmund werden diese schnell von der rechten Szene instrumentalisiert. Das ist uns gerade gestern mit der Meldung über die türkische Fahne passiert, die vom Bahnhofsvordach gerissen wurde.“

Türkische Fahne

Das hatte wie berichtet ein 19jähriger Syrer getan, offenbar aus intensivem Hass auf den türkischen Staat, denn laut hatte er auf dem Dach „Erdogan Terrorist!“ gebrüllt. Wir berichteten über diesen Fall.

Mit dieser Meldung (die offen die Herkunft des „Fahnenzerstörers“ nannte) fand sich die Bundespolizei dann aber prompt auf dem Medienportal der Partei „Die Rechte“ wieder, dem DortmundEcho. Mit der reißerischen Überschrift: „Türkeifahne am Hbf abgrissen – ein Syrer war´s!“

„Wir werden natürlich höchst ungern so instrumentalisiert“, sagt Volker Stall. Zumal gerade dieses Portal Meldungen über Straftaten durch Migranten sehr ausführlich und in der Wortwahl tendenziös berichtet, hingegen Übergriffe durch Deutsche meist gar nicht weitergibt und solche von rechten Tatverdächtigen als „Propaganda“ geißelt.

Letzlich bleibt die Täterherkunftsnennung für die Polizeipressestellen – für alle Polizeipressestellen – eine Gratwanderung. Inklusive für die Medien, die diese Meldungen weiterverbreiten.

Gegen den ausgeflippten Asylbewerber aus Nigeria wurde nach der Festnahme ein Ermittlungsverfahren wegen Beleidigung auf sexueller Basis, Körperverletzung und gefährlicher Körperverletzung eingeleitet.


 

Zur Originalmeldung im Presseportal der Bundespolizei: http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/70116/3339270

Kommentare (31)

  • Jos van Veghel via Facebook

    |

    Einzelfall!?

    Antworten

  • Dagobert

    |

    Ich hatte immer gehofft, dass unsere Polizei nach dem Sylvester-Pogrom 2015 gelernt hätte. Das oben beschriebenen Vertuschen, Verheimlichen und Relativieren ist es, was Rechtsradikalen in die Hände spielt, nicht die Tat selber oder gar die Wahrheit. Wenn von Anfang an ehrlich mit den Tatschen umgegangen würde, wäre der Aufschrei nicht so groß, wenn dann nachher doch die Wahrheit herauskommt .

    Antworten

    • Dinse Hans-Otto

      |

      Das ist nicht die Polizei Dagobert, es ist die Politik. Aber das wissen Sie ja selbst.

      Antworten

    • Dagobert

      |

      Stimmt,Herr Dinse. In diesem Fall beschreibt die Polizei jedoch den vorhandenen Spielraum, ich denke so etwas nennt sich dann „vorauseilender Gehorsam“. Hauptproblem ist ,dass durch ein derartiges Verhalten Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gefördert werden. Wenn in der nächsten Pressemitteilung „Niederrheiner“ oder „Dortmunder“ steht, denkt sich jeder Leser seinen Teil(der Eine mehr, der Andere weniger), selbst wenn der Verbrecher in der 10. Generation Ur-Dortmunder ist. Genau dieser(uns durch Polizei und Politik erfolgreich antrainierte) Reflex hat übrigens hier dazu geführt, dass die Wahrheit herauskam.

      Antworten

  • Mike

    |

    Es kann nicht sein, daß wegen ein paar Rechter hier Informationen vorenthalten werden oder Sachen verheimlicht werden, wir leben in einer Demokratie mit Pressefreiheit und die können wir uns von ein paar Rechten nicht kaputt machen lassen. Dann muss eben entschiedener gegen Rechte Hetze vorgegangen werden und nicht im Umkehrschluss 99% der Bevölkerung etwas vorenthalten werden !

    Antworten

    • Doro Thea via Facebook

      |

      Dem kann ich mich anschließen.

      Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      Wir schließen uns dem grundsätzlich auch an. Leser reagieren bei Informationsvorenthaltung zunehmend gereizt bis aggressiv. Das kann nicht Sinn und Zweck von Information sein. Und genau das – ja – wird von radikalen Rechten dann instrumentalisiert.

      Antworten

    • Michael Schild via Facebook

      |

      Rundblick Unna Ach! Wie haben die Leser denn zu reagieren? Das ist ja wohl deren Privatsache! Die Menschen sind es satt, sich von der Politik und der Verwaltung entmündigen zu lassen im Sinne von „ein Teil meiner Antwort könnte sie verunsichern’… Zumal die Empfänger der Information nach meiner Erfahrung um Klassen intelligenter sind, als die Sender!

      Antworten

      • Silvia Rinke

        |

        ? Was soll denn dieser Anwurf, Michael Schild, wie die Leser „zu reagieren HABEN“? Das schreiben wir denen bestimmt nicht vor! Ich habe die schlichte Feststellung getroffen, dass viele Leser gereizt reagieren, wenn ihnen Informationen vorenthalten werden. Und ich habe deutlich gemacht, dass wir das sehr gut verstehen können. Kann Ihren Kommentar jetzt gerade so überhaupt nicht nachvollziehen, da wir hier bestimmt die Letzten sind, die Leser bevormunden. Wir hätten uns ansonsten auch bestimmt nicht die Mühe gemacht, die nicht gelieferte Information eigens noch nachzurecherchieren. Schönen Gruß von der Redaktion.

        Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      ? Was soll denn dieser Anwurf, Michael Schild, wie die Leser „zu reagieren HABEN“? Das schreiben wir denen bestimmt nicht vor! Ich habe die schlichte Feststellung getroffen, dass viele Leser gereizt reagieren, wenn ihnen Informationen vorenthalten werden. Und ich habe deutlich gemacht, dass wir das sehr gut verstehen können. Kann Ihren Kommentar jetzt gerade so überhaupt nicht nachvollziehen, da wir hier bestimmt die Letzten sind, die Leser bevormunden. Wir hätten uns ansonsten auch bestimmt nicht die Mühe gemacht, die nicht gelieferte Information eigens noch nachzurecherchieren. Schönen Gruß.

      Antworten

  • Peter Köhler via Facebook

    |

    Die Polizei soll Meldungen nicht Werten oder darüber diskutieren ob man Meldungen zensieren soll. Das ist nicht die Aufgabe der Polizei. Ausser wir würden in einer Diktatur Leben. Die haben doch die Schere im Kopf. Und das ist von der Politik so gewollt. Zum Schaden des eigenen Volkes. So eine offene Berichterstattung wie hier muss man suchen.

    Antworten

  • Marcus Stadel via Facebook

    |

    Frau Ms Freunde sind nicht tragbar fuer unsere Gesellschaft. Scheiss auf Geldstrafen, scheiss auf Haftstrafen, nur die Heimreise ist die einzige Alternative.

    Antworten

  • Willy

    |

    Diese permanente Angst vor irgendwelchen Rechten geht schon ins Lächerliche über. Man darf den Menschen ruhig zutrauen, dass sie erkennen, wann instrumentalisiert wird, egal in welche Richtung.
    Hetze, egal aus welcher Richtung, wird größtenteils erkannt und entsprechend ignoriert.

    Willy

    Antworten

    • Andre Sander via Facebook

      |

      Lieber Willy. Leider ist das nicht so. Aber trotzdem muss man die Wahrheit sagen und Extreme muss eine Demokratie aushalten.

      Antworten

      • Willy

        |

        Wo habe ich kürzlich, sinngemäß, gelesen?

        Übergriffe und Gewalt gegen die Polizei nimmt zu, etwa 20% von rechts und 80% von linken Gewalttätern.
        Ein oder zwei Absätze weiter heißt es, dass man stärker gegen Rechts vorgehen müsse.

        Schon drollig….aber man sieht, wo die Angst steckt, oder kommt es nur besser an?

        Willy

        Antworten

    • Dinse Hans-Otto

      |

      Die Angst vor der Instrumentalisierung ist nur Vorwand um freie Berichterstattung zu verhindern. Wie sollten Linksfaschisten sonst wohl die Zensur erklären.

      Antworten

  • Christiane Kramer via Facebook

    |

    Es ist doch mittlerweile bekannt das die Herkunft der Täter meist verschwiegen wird. Und dementsprechend ist auch ziemlich sicher das es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um Asylanten handelt, wenn lediglich dürftige Angaben gemacht werden :“der 29 jährige Mann….“! Man will die Bürger nicht verunsichern – dann lieber belügen. Aus Angst vor rechter oder linker Gewalt ist einfach ein Armutszeugnis unserer Polizei, Justiz bzw der Politiker! Anstatt bei jeglichen Verbrechen mit harten Konsequenzen zu reagieren, wird das Volk belogen, die Täter beschützt und die Opfer geopfert! Es sind halt unter den Flüchtlingen gute aber auch sehr viele böse! Das wird jedoch nicht zugegeben und alles beschönigt! Würde man härter durchgreifen, würde sich sicher so manch einer überlegen was er tut! So aber lachen die bösen sich kaputt und machen munter weiter!

    Antworten

    • Susanne Herzog via Facebook

      |

      Nein. Die Verhältnismäßigkeit ist falsch. Es sind unter den Flüchtlingen sehr viele gute und nur wenige böse. Nicht anders, als in der übrigen Bevölkerung.

      Antworten

  • Susanne Appelstiel via Facebook

    |

    Mich wundert es nicht ; -)

    Antworten

  • Michael Schild via Facebook

    |

    Die berühmte Gefahr der „rechten Instrumentalisierung’… Die Polizei soll wahrheitsgemäß informieren und das Gesetz schützen, nicht einen unfähigen Innenminister durch verschweigen schützen!

    Antworten

  • Jörg Krönert via Facebook

    |

    Spörk Fritsch Tägliche Einzelfälle

    Antworten

  • Susanne Herzog via Facebook

    |

    Die Grapscher, die ich kenne, sind alle deutsch. Richtig so, wie die Polizei handelt. Sieht man auch an den Kommentaren hier: Jede Menge Vorurteile. ?

    Antworten

  • fürst

    |

    …sich überwiegend als richtig, zutreffend erweisende Vor-Urteile!

    Antworten

    • Ferenc

      |

      Ja? Ist das so? Vorurteile haben sich als richtig erwiesen? Vielleicht in Ihrer Welt

      Antworten

Kommentieren