Rundblick-Unna » Premierenerfolg in Fröndenbergs Windmühle: Familienbegegnung, die nach Fortsetzung schreit

Premierenerfolg in Fröndenbergs Windmühle: Familienbegegnung, die nach Fortsetzung schreit

Selten sah man ein derart opulentes Buffet in solcher Blitzgeschwindigkeit leer gefuttert, und auch  abgesehen vom gesegneten Appetit der bunt gemixten Besucher ließ der Windmühle-Leiter seiner Euphorie freimütig ihren Lauf. „Das schreit nach Fortsetzung!“, begeisterte sich Thomas Reimann am Freitagnachmittag bei der „Begegnungsfest“-Premiere im Treffpunkt Windmühle, wo die Wurst auf dem Grill zischte und die Sitzbänke endlos nicht ausreichten – das machte nichts, es schmeckte auch im Stehen oder auf der Mauer hockend bestens.

Eine erstmalige große gemeinsame Begegnung war tatsächlich überfällig, bestätigten Susanne Hippenstiel vom Patenschaftskreis und Ramona Jakobs-Reichert vom Kinder-und Jugendbüro des Kreises. Netzwerkend funktionieren sie schon seit langem miteinander, doch Veranstaltungen etwas umfangreicherer Art hängen auch immer am Geld – und dieses spendierte nun trefflich der Lions-Club Caelestia Schwerte, 500 Euro zweckgebunden für die Flüchtlingsarbeit. „Na dann…“, lacht Susanne Hippenstiel, „feiern wir ein Fest!“ Ein Familienbegegnungsfest mit Mitbring-Buffet, und üppig und international wurde aufgetischt.

Begegnung Windmühle 3

Begegnung Windmühle 4

Begegnung Windmühle 2

Begegnung Windmühle junge mädchen

Sehr glücklich sind die netzwerkenden Festveranstalter darüber, dass an diesem Nachmittag wirkliche „Begegnung“ stattgefunden hat. Junge Mädchen aus Syrien, Frauen und Männer aus Afghanistan, Familien aus Albanien, ein junges afrikanisches Ehepaar mit einem Baby-Zwillingspaar auf dem Arm mischten sich unbekümmert unter Bewohner des Mühlenbergs und von weiter her aus dem Stadtgebiet. „Man sieht hier wieder die Vorteile einer Kleinstadt“, meinte Windmühle-Leiter Reimann. „Die Wege sind kurz, man kennt sich persönlich, weiß, wen man ansprechen kann.“

Dass die Windmühle demnächst mit 437 000 Euro Landesfördergeld für Integrationszwecke erweitert wird, begrüßen Reimanns Team und der Patenschaftskreis sehr. Im Herbst geht es los mit dem Anbau. Mehr Räumlichkeiten bedeutet zugleich wieder mehr Begegnung. „Und darum geht es auch weiterhin – um Begegnung hier im Stadtteil und in der Stadt“, betont Thomas Reimann. Deswegen wollen weder er noch die Flüchtlingspaten von „Integrationszentrum“ sprechen.

„Die Windmühle bleibt, was sie schon immer war: Ein Stadtteilzentrum. Nur mit künftig mehr Platz.“

Yvonne Romé,  „pädagogische Kompetenz“ in der Windmühle ( Reimann), berichtet von durchschnittlich 60 bis 70 Besuchern am Tag nur im offenen Bereich. Täglich von 9 bis 21 Uhr sowie  mit Wochenend-Veranstaltungen bietet das Zentrum Begegnung. Vier Hauptamtliche für die Windmühle (derzeit aufgrund eines längeren Krankheitsfalls nur drei) arbeiten da häufig am Limit, nickt Ramona Jakobs-Reichert.

Der Flüchtlingspatenkreis seinerseits weiß genauso wie der Windmühle-Leiter: „Man darf die einheimische Bevölkerung nicht überfordern.“ Aus diesem Grund war diese Begegnung am Freitag auch bewusst nicht als „Flüchtlingsfest“, sondern als „Familienbegegnungsfest für alle“ gestaltet, und die Windmühle soll nach ihrem Anbau auch nichts anderes als ein Stadtteilzentrum bleiben.

Begegnung Windmühle Team

Offen nennen Hippenstiel und Reimann auch Probleme: „Das größte Problem sind die Schlepper“, weiß der Windmühle-Leiter. „Die reden den Menschen sonstwas ein, was sie hier Tolles erwartet – sofort Arbeit und eigenes Haus. Mit diesen Träumen machen sie sich aufeine oft lebensgefährliche Flucht. Am Ziel sehen sie sich mit zerstörten Hoffnungen konfrontiert.“ Susanne Hippenstiel hat schon „baumgroße Kerle vor Enttäuschung weinen“, doch sie geht da konsequent rein: „Wir helfen, wir tun unser Möglichstes – und hier sind die Menschen in Sicherheit! Nur darum geht es.“ Hilft solch klare Ansprache? „Ja“, sagt die engagierte Flüchtlingspatin kurz und prägnant. Und um gar keinen Zweifel zu lassen: „Dieser Patenschaftskreis bewegt sich strikt auf dem Boden des deutschen Gesetzes.“

Was heißt: Wenn jemand den Ablehnungsbescheid bekommt (wie so gut wie alle albanischen Asylbewerber), ist das zweifellos schlimm für den Einzelnen. „Aber für uns ist das bindend“, macht Susanne Hippenstiel für die Flüchtlingspaten klar, „selbst wenn uns diese persönlichen Schicksale natürlich berühren. Aber ohne konsequente Haltung auch bei solchen schmerzlichen Entscheidungen kann man dauerhafte Akzeptanz der Bevölkerung kaum erwarten.“


 

Kommentare (4)

Kommentieren