Rundblick-Unna » Öffentlicher Pfandkasten für Pfandsucher ist als „Prototyp“ okay – Doch Stadt mahnt: Wären vorher gern gefragt worden

Öffentlicher Pfandkasten für Pfandsucher ist als „Prototyp“ okay – Doch Stadt mahnt: Wären vorher gern gefragt worden

Bedürftige Mitmenschen vor unwürdigem Herumwühlen in Mülleimern bewahren. Das hat Uwe Hermanski von Unnas Grünen im Sinn und daher einen Pfandkasten für Pfandflaschen öffentlich an einen Laternenmast an der Wasserstraße befestigt, direkt gegenüber dem „Grünen Bürgertreff“ (SpontUN).

Das leuchtend grüngelbe Behältnis gesellt sich zu dem städtischen Abfalleimer und dient insofern als Wink mit dem Zaunpfahl – hier Laternenpfahl: Wer auf dem Weg in und oder aus der City eine Pfandflasche loswerden möchte, möge sie doch bitte nicht in den Mülleimer stopfen, sondern – plopp – in den Kasten plumpsen lassen. Damit sie der nächste Bedürftige – Unna hat ja verschiedene regelmäßige Pfandsammler – bequem und sauber herausgreifen und eben nicht umständlich und unhygienisch den Müll durchwühlen muss.

„Wir möchten unsere Mitmenschen vor unwürdigem Pfandsuchen in Mülleimern bewahren“, schreibt Hermanski mit den geposteten Fotos auf Facebook. „Wir würden uns freuen, wenn dieses Beispiel Schule macht!!!“ Dazu wäre die Stadtverwaltung ganz gern mal vorher gefragt worden, schrieb uns Pressesprecherin Katja Sahmel auf unsere Anfrage zum Projekt Pfandkasten.

„Wir haben mit den Stadtwerken gesprochen, die für die Stadt die Straßenlaternen betreiben“, berichtete uns Sahmel gestern. „Die Mitarbeiter haben sich die Pfandkiste angesehen und zunächst einmal festgestellt, dass an dem Laternenmast alles noch zugänglich ist und auch nichts beschädigt wurde. Insofern kann man diese eine Kiste testweise zunächst auch tolerieren.“

 

Pfandsammeln Hermanski II

Es handele sich hierbei ja auch um eine nachvollziehbare Idee: mit einem „Prototypen“ Erfahrungen zu sammeln, wie so etwas in unserer Stadt angenommen wird.“Dagegen grundsätzlich nichts zu sagen“, meint die Stadtsprecherin.

„Sollte dann jedoch darüber nachgedacht werden, diese Kästen in der ganzen Stadt anbringen zu wollen, wäre dies jedoch eine politische Entscheidung, die dann in den entsprechenden Gremien zu diskutieren wäre. Nicht zuletzt, weil die Kästen ja auch stadtbildprägend sind“, unterstreicht Katja Sahmel und schieb damit explizit dem öffentlichen Facebookaufruf Hermanskis einen Riegel vor.

Also: Nicht jeder Hausbesitzer, Mieter oder schlicht Passant kann einfach ungefragt irgendwas an öffentlichen Bauwerken und somit auch Laternenpfählen befestigen. Der (gute) Zweck heiligt nicht immer die Mittel. Und so merkt Katja Sahmel aus Sicht der Stadt auch leise tadelnd an: „Es wäre sicherlich schöner gewesen, wenn man diese Aktion im Vorfeld mit den Stadtwerken oder der Stadt abgesprochen hätte.“

(Fotos: Privat / Uwe Hermanski)

Kommentare (15)

  • Manuel Gross via Facebook

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    Hoffe das es nur bei diesen einen Prototyp bleibt….. Schließlich ist es eh nicht sehenswert und würde das Stadtbild verschlechtern !!! Mich regt es halt auf, wie die Stadt mit so etwas, und anderen Dingen, verunstaltet wird !!!

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    • Hotzeplotz

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      Deswegen ist es ja ein Prototyp. Um zu sehen ob die Idee ankommt. Über den politischen Weg kann man dann z.B. richtige Pfandringe installieren ( http://www.pfandring.de/ )

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    • Carsten

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      Das Bedürftige wie zur Zeit üblich die Abfallbehälter durchwühlen müssen, ist natürlich um einiges besser fürs Stadtbild.

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  • Anmerkung

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    Zu kurz gedacht. Mit der Kiste sinkt die Hemmschwelle für die nicht wirklich Bedürftigen mal eben so im Vorbeigehen die Pfandflaschen mitzunehmen. Nicht jeder denkt so wie Uwe Hermanski an die die es wirklich nötig haben. So kommt vermutlich von der gut gemeinten Aktion wenig oder gar nichts bei der ins Auge gefassten Zielgruppe an.

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  • Melina

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    Ja klar.. lasst uns den Sinn hinter den Kästen tot schweigen und an das ach so tolle Stadtbild denken. Touris und Bewohner der Stadt gehen schließlich nur raus um sich die Laternen anzuschauen. (Es muss nicht an jeder einer hängen ) 😉 Und anstatt das vorher gefragt werden sollte , hätte die Stadt mal lieber selbst auf diese Idee kommen können. Weniger Flaschen in den Büschen und eine kleine Hilfe für Menschen die diese sammeln. Topp ?Ich ziehe nur positive Aspekte aus dieser Aktion.

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  • Dominik Mohr via Facebook

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    @ Manuel Gross: Stimmt, Leuten dabei zuzusehen wie sie im Müll wühlen müssen ist echt viel angenehmer… In anderen Städten ist sowas Gang und Gäbe und keiner regt sich auf. Wie wäre es einfach mal selbst die Alternative zu ergreifen und etwas für die Stadt zu tun als immer nur mit dem Finger auf andere zu zeigen? Wenn ich sowas lese könnte ich einfach nur kotzen! Mal übelegt warum sowas gemacht wird? Nicht jedem in unserer schönen Stadt scheint die Sonne aus dem Arsch, es ist ein täglicher Kampf für diese Leute und ein wenig Unterstützung könnte vielleicht helfen…

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    • Manuel Gross via Facebook

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      Sicherlich ist dies eine gute Sache, nur schaut man sich unsere Nachbarstätde an wie zB. Hamm…. Dann kann man sich ein Bild davon machen. Und ob das hier besser funktioniert. Ich glaube es eher weniger. Genauso wie die Kotbeutelspender für Hundebesitzer. Ich glaube, es wird dazu kommen, das diese Kästen nur beschmiert werden und gar nicht für ihren zweck genutzt werden.

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    • Arno Harendt via Facebook

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      @ Manuel Gross: ich glaube das dir jeglicher Sinn für die Realität fehlt.
      1. Das mit den Pfandhaltern an Mülleimern ist grundsätzlich eine gute Idee ! Wenn die Stadt sich dazu durchringt die Kisten durch Pfandringe zu ersetzen, spricht absolut nichts dagegen ! Im Gegenteil. Es ist für Bedürftige Menschen eine echte Erleichterung. Denk doch dabei bitte auch mal an ältere Menschen bei denen diese Hilfe sicherlich gut angenommen wird, weil sie nicht mehr in Unrat und Büschen herrumwühlen müssen !
      Ich denke das hier die Menschlichkeit im Vodergrund stehen sollte, und nicht die Meinung einiger weniger Leute die sich dadurch gestört fühlen sollten !
      2. Ich bin selbst Hundehalter und finde das mit den Hundekotbeutelständern super, und benutzte diese auch regelmäßig. Jeder der das genauso macht trägt zur Sauberkeit bei. Und sollte kein Müllbehälter in der Nähe sein ist es überhaupt kein Problem die vollen Beutel mitzunehmen, und zu Hause über den eigenen Müll zu entsorgen.

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    • Heike Palm via Facebook

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      Warum nicht einfach mal ausprobieren, ob die Kiste genutzt wird? Es ist nichts beschädigt worden, die Kiste ist bei einem negativen Projektverlauf einfach wieder abnehmbar. Es entsteht niemandem ein Schaden, kostet nichts und vielleicht hat es einen positiven Effekt. Brauchen wir wirklich für jedes kleine Projekt einen Antrag in 3facher Ausführung, Gutachten und Beschlüsse?

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  • Rebecca

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    Ich bin für den Pfandring!!

    PFANDRINGHINTERGRÜNDEPAUL KETZPRESSEKONTAKT
    Der Designer Paul Ketz
    über die Hintergründe des Pfandrings

    „Ich bin Produktdesigner, lebe und arbeite in Köln. Ich beschäftige
    mich mit Formgebung und Problemlösung und sehe mich als Gestalter,
    als Anbieter von Lösungen die das Leben einfacher oder noch schöner
    machen.

    Grundsätzlich bin ich bemüht Objekte oder Produkte zu schaffen,
    die in irgendeiner Form nicht nur Lösungen bieten, sondern auch
    Freude bereiten, denn ich bin davon überzeugt, das Freude ein
    untrennbarer Bestandteil von nachhaltiger Gestaltung ist – nur
    was Freude macht, kann sich ungezwungen durchsetzen!

    Der Pfandring ist ein Projekt, dass Anfang 2012 entstanden ist,
    die ersten Prototypen habe ich zusammen mit Gerd Hoffmann
    von Hand gebogen und geschweißt. Ihm gilt besonderer Dank
    an dieser Stelle, er hat von Anfang an das Projekt geglaubt
    und mich damit sehr unterstützt.“

    Paul Ketz mit seinem Pfandring (Schmitt)
    Zur Entstehung:

    „Mir ist aufgefallen, dass Menschen Wertstoffe in Form von Pfandflaschen- und Dosen aus Bequemlichkeit wegwerfen. Pfandbehälter werden an jeder Ecke einer (Groß-)Stadt verkauft, aber nur Supermärkte oder größere Kiosks/Spätis/Trinkhallen sind zur Rücknahme dieser verpflichtet. Das Pfandgeld ist mit 8, 15 bzw. 25 Cent vergleichsweise gering, darum ist die Hemmschwelle, es wegzuwerfen für viele ähnlich niedrig. Auf der anderen Seite gibt es eine Vielzahl von Menschen, die auf das Sammeln angewiesen sind bzw. sich damit ein Zubrot verdienen. Menschen mit verschiedensten Hintergründen – Familienväter, Renterinnen, Schüler, Studenten, Obdachlose etc. – diese müssen oft unwürdig im Müll nach den Flaschen suchen.“

    weiterlesen…
    „Mir ist aufgefallen, dass es an dieser Stelle nach einem Brückenstück verlangt – so ist der Pfandring entstanden. Ich habe mit vielen Menschen gesprochen, um die realen Bedürfnisse und Gegebenheiten zu verstehen und um etwas zu schaffen, das dem möglichst gerecht wird. Der Pfandring ist aber kein reiner Charityzusatz für Mülleimer, sondern ein Gewinn für alle: 

    – Passanten können ihre leeren Flaschen guten Gewissens abstellen,
    – Sammler müssen nicht in die Tonnen greifen,
    – die Stadt spart Reinigungskosten durch weniger Glasbruch – dieser wird durch Flaschen verusacht, die in Voraussicht für die Sammler
       auf die Tonnen gestellt werden, von dort aber leider schnell herunter fallen – und
    – der Wertstoff Glas bleibt im Recyclingkreislauf und kann quasi unendlich oft wieder eingeschmolzen und aufbereitet werden.

    Die Flaschen, die im Müll liegen und nicht gefunden werden, werden verbrannt, wie bei öffentlich anfallendem Müll üblich. Durch den Pfandring
    würde also auch weniger Wertstoff fälschlicherweise verbrannt. Es sind genug Pfandflaschen und -dosen für alle da und man könnte sagen, das Pfandsammeln ist eine Art Dienstleistung im Namen der Umwelt. Außerdem ist der Pfandring ein Kommunikationsobjekt für ein bewussteres Miteinander, was für mich der ausschlaggebendste Aspekt ist!“

    Tiefergehende Fragen oder Anregungen aller Art sind mir stets willkommen: info@paulketz.de

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Obwohl der dahinter liegende Gedanke ein Guter ist, sollte die Ausführung schon von der Stadt selbst ausgeführt werden. Straßenlaternen gehören ja immerhin zum „öffentlichen Straßenmöbilair“ und unterliegen somit der Stadt.

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  • Katie Rau via Facebook

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    Die Kiste ist nicht wirklich hübsch, aber die Idee dahinter ist auf jeden Fall klasse!
    Ich wäre für den Pfandring, der ist im Designe hübscher und erfüllt genau so seinen Zweck. ? Ab in den Rat damit! Schon lange überfällig, denn immerhin gibt es die Idee des Kölner Designers seit 2012!!

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  • Hanno

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    Einfach mal machen und was in die Stadt hängen ?!? Was für eine blöde Aktion. Einfach einen Kasten grün malen und vor die Tür hängen. Jeder, der in der Stadt was aufhängt, hinstellt oder anmontiert, spricht das mit dem Amt ab und zahlt ggf. auch dafür. Den Grünen scheint es egal zu sein.
    Ich denke, der Kasten hängt nicht lange. Wo wir die letzte Zeit über Schmierereien und Zerstörungen lasen, ist das nun ein weiteres Ziel für solche Vandalen. Da hat man sich soviel Mühe mit den schönen roten Mülltonnen gegeben und die hängen da solche Plastikkästen drüber…….
    Aber ist ja nicht die erste Nacht- und NebelAktion der Grünen.

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  • Ralf

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    Wieder einmal Aktionismus im grünen Gewande! Dann ist doch die ebenfalls von der GAL geforderte Taubenbadewanne (Trinkwasserbrunnen) kontraproduktiv. Wenn dadurch leichte Einwegpfandflaschen eingespart werden, was soll denn dann in den häßlichen Laternenkästen landen. Hauptsache sinnfreie Anträge vorlegen. Irgendeiner druckt denn Unsinn schon. Die Presse nimmt es im Sommerloch gerne an.

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