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Nichts für schwache Nerven: Narrenschiff inszeniert Shakespeares wüstes Erstlingswerk

 “Ich will sie all ermorden, find ich Zeit!“ Nichts für schwache Nerven: Das Narrenschiff inszeniert Titus Andronicus.
Am Samstag ist Premiere, 21.11. um 19.30 Uhr,

weitere Vorstellungen 28./29.11. // 06./11./13.12. // 17./22./24./30.01

Zeiten: Fr./Sa. um 19..30 Uhr . So. um 18.00 Uhr,  Tickets erhältlich im i-Punkt im ZIB sowie unter mail@theater-narrenschiff.de


Im spätrömischen Reich tobt ein erbitterter Machtkampf: Nach dem Tod des alten Kaisers streiten sich dessen Söhne Saturninus und Bassianus um den Thron des Imperiums.

Das Volk jedoch will Titus Andronicus als neuen Imperator sehen, der gerade siegreich aus dem Feldzug gegen die Goten zurückgekehrt ist. In seinem Gefolge bringt er die Gotenkönigin Tamora, ihre drei Söhne und ihren Geliebten Aaron als Kriegsgefangene mit, um die Verlierer vollends zu demütigen.

Trotz Tamoras verzweifeltem Flehen kennt der unnachgiebige Titus keine Gnade und lässt ihren ältesten Sohn hinrichten. Als ihm die Krone angeboten wird, verzichtet Titus und reicht sie an Saturninus, den älteren Sohn und rechtmäßigen Herrscher, weiter. Doch Tamora wittert nun ihre Chance auf Vergeltung: sie bezirzt den neuen Kaiser so lange, bis er sie begnadigt und zur Frau nimmt.

Als neue Herrscherin Roms startet die Gotenkönigin einen grausamen Rachefeldzug gegen Titus, den niemand unbeschadet übersteht.

Titus Andonicus ist Shakespeares wüstes Erstlingswerk, das wegen seiner unglaublichen Brutalität lange Zeit kaum aufgeführt wurde. Zwar gilt das Stück als sprachlich und dramaturgisch weniger ausgereift gilt als die späteren Werke des Barden, doch besticht es gerade moderne Zuschauer durch seine brachiale Wucht.

Mit seinen unerreichten vierzehn Bühnentoden zeigt Titus, wozu der Mensch fähig ist, wenn ihn die Rache vergiftet hat. Die Geschichte einer dekadenten Gesellschaft im Zerfall, deren Oberschicht sich selbst zerfleischt und so ihren eigenen Untergang heraufbeschwört, ist heute so aktuell wie nie und wird in populären Serien wie Game of Thrones oder Rome aufgegriffen.

André Deckers Bearbeitung des Stoffs setzt den Schwerpunkt auf die psychologische Entwicklung der Figuren, die gefangen sind in einem tödlichen Kreislauf aus Macht, Rache und Gewalt. Auf den Spuren seines opulenten THREE KINGS (Spielzeit 2013/14) entstaubt Decker Shakespeares Text und schafft ein bildgewaltiges Bühnenspektakel – definitiv nichts für schwache Nerven.

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