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Nach Freispruch für Schmerzpatient: Staatsanwaltschaft legt gegen Cannabis-Urteil Berufung ein

Ein Schmerzpatient aus dem Kreis Unna baute Marihuana in seiner Wohnung an, wurde von einem Nachbarn angezeigt und vom Amtsgericht freigesprochen. Wir berichteten am Freitag über dieses überraschende Urteil, das bei unseren Lesern auf enormen Beifall stieß. Doch so sicher ist der Fall noch nicht. Die Staatsanwaltschaft Dortmund hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.

Dies brachten heute die Kollegen vom WDR in Erfahrung. Mit der Berufung durch das höhere Gericht muss der schwer kranke Schmerzpatient, ein 46jähriger Hilfeempfänger, nun wieder neu darum bangen, ob er zur Stillung seiner heftigen Schmerzen auf sein selbstgezogenes Marihuana zurückgreifen darf, das Einzige, was ihm bisher geholfen hat. Seit vielen Jahren quält sich der chronisch Leidende mit Diabetes, Bandscheibenproblemen und sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs. Das Geld, sich Cannabis legal in der Apotheke zu kaufen, hat der 46Jährige nicht.

Die Amtsrichter entschieden auf einen „rechtfertigenden Notstand“, der den gesetzlich illegalen Drogenanbau aus der Kriminalität herausholt. Selbst die Vertreterin der Staatsanwaltschaft schloss sich bei der Amtsgerichtsverhandlung der Überzeugung an, dass für den Angeklagten die Droge eine amtlich anerkannte Medizin sei. Also habe er keine Straftat. „Ihre Vorgesetzten sehen hier aber einen Rechtsbruch“, schreibt der WDR auf seinem Nachrichtenportal, „und gehen nun dagegen vor.“

Unter der Vielzahl an Lesern, die sich auf unseren Bericht hin in Kommentaren meldeten, waren auch einige, die selbst an chronischen Schmerzen leiden. Der Einspruch der Dortmunder Staatsanwaltschaft gegen das Urteil aus dem Nachbarkreis Unna muss ihnen und natürlich auch dem Betroffenen selbst wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen.

(Das Foto zeigt beispielhaft eine private Hanfplantage, die polizeilich sichergestellt wurde.)

Kommentare (23)

  • Christoph Tetzner

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    da fehlen einem die Worte! Und dann spricht die Justiz von Überlastung…. Wird Zeit, daß wir Canabis legalisieren zumal der Genuss weniger schädlich ist wie Tabak. Und Tabak anbau für den Eigenbedarf ist ja schließlich auch erlaubt!

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Ich bin Sprachlos!!!! Da sollen sich die sogenannten Vorgesetzten sich, Bitte schön , mal aus ihren bequemen Polstern, an denen sie festgewachsen zu sein scheinen, erheben und sich die Situation dieses Patienten mal mit eigenen Augen ansehen. Dieser Patient ist so kreativ, daß er seine Schmerzen auf eine Weise unterdrücken kann, die in sein Budget past. Er tut damit niemandem etwas zuleide und obendrein schont er die Krankenkasse. Das muß einfach erlaubt werden!!!

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  • Susanne Appelstiel via Facebook

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    Haben die nichts anders zu tun? Der arme Mann ist schwerstkrank und hat starke Schmerzen. Das tut mir im Herzen weh :-(

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  • Geli Hartjenstein via Facebook

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    Unglaublich. Das ist Körperverletzung, was die Staatsanwaltschaft da macht. :/

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    • Rundblick Unna via Facebook

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    • frankirat

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      Es kommt sogar noch schlimmer!

      In Bayern starb anfang des jahres der anerkannte Cannabis Schmerzpatient Robert Strauß, der nicht mal angebaut hat! Er hatte die frechheit sein Apotheken Gras in kleinere dosen aufzuteilen, nach seiner aussage um einen besseren überblick über den Monat zu haben, da er kein großverdiener war mußte das gras das er sich leisten konnte möglichst lange reichen.
      Das interessierte weder polizei, nachbarn oder den staatsanwalt, man ging einfach von handel aus!

      Ergebnis war, er mußte seine ursprünglichen medikamente wieder nehmen, die er absetzen mußte da die organe kurz vorm kollaps waren. Wegen der gefährlichen medikamente starb er noch vor dem gerichtstermin!

      Sein sohn kämpft jetzt darum daß er als opfer der justiz anerkannt wird, da diese seinen tod durch die wegnahme der medizin und der aussetzung der erlaubnis direkt ausgelöst haben!

      Das verbot tötet, auch meine mutter starb wegen des verbots!

      und tausende anderer wissen nicht mal, daß sie opfer sind!

      alleine die potentiell möglichen cannabis patienten belaufen sich in deutschland auf bis zu 2,5 mio!
      die meisten wissen es nicht mal, weil ihr arzt es nicht ansprechen will, weil die krankenkasse sich ziehrt und andere abraten weil es ja so gefährlich ist!

      allein in collorado sind innerhalb eines jahres die gewaltverbrechen um 23% zurück gegangen, ebenso häußliche gewalt, unfälle im straßenverkehr allgemein und besonders bei den alkoholikern, sogar die todes rate der medikamenten überdosierungen gingen signifikant zurück und viele patienten leben nun viel länger und ohne probleme!
      es wurden zigtausende jobs geschaffen und die steuereinnahmen sprudeln geradezu!

      die einzigen, die nun verlieren, sind pharmaindustrie, mafia und die kartelle in mittel und südamerika!

      soviel zum untergang der gesellschaft!

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  • Martina Tsatsoulis via Facebook

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    Wäre auch zu schön (sozial) gewesen um wahr zu sein… Der arme Mann!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Die Berufung könnte das Urteil ja auch bestätigen, Martina.

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    • Geli Hartjenstein via Facebook

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      Wenn er es denn überlebt. Wie sieht es in der Zwischenzeit aus bis es zu dem Urteil kommt? Die Pflanzen wären meines Wissens nach bald erntereif und könnten zur erforderlichen Medizin verarbeitet werden. Wenn er die nun aber einstampfen muß… Ich glaube nicht, daß er bei der Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs noch viel Zeit hat.

      Ich hatte einen sehr guten Freund, der hat wegen eben dieser Diagnose wieder angefangen zu konsumieren. Zur Schmerzlinderung und vor allem um den Appetit anzuregen. Denn so schnell wie er damals abgenommen hat, so viel konnte er gar nicht essen. Kein Hunger, ging nichts rein. Das Cannabis hat ihm geholfen, gerade die letzten Wochen seines Lebens (es hat nicht länger als ein Jahr gedauert, bis wir ihn auf seinem letzten Weg begleitet haben) einigermaßen erträglich zu überstehen.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      :-( Liebe Geli Hartjenstein, wir sind immer wieder sehr berührt und betroffen, wenn sich direkte Angehörige bei solchen heftigen Geschichten melden. Ich glaube, die Meinung unserer Leser hier und überhaupt aller Beobachter ist ziemlich eindeutig. Bitte richte ihm die besten Wünsche aus. LG von der Redaktion.

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    • Geli Hartjenstein via Facebook

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      Oh, das würde ich gerne. Aber es endete leider tödlich. Die Grüße kann ich nur mental in die große Ahnenhalle übermitteln. Aber danke! Macht einfach weiter so. Bringt es an die Öffentlichkeit, berichtet. Immer und immer wieder. Medien können Druck ausüben und mithilfe der Medien können Berge versetzt werden. :)

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Das machen wir auf jeden Fall!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Das machen wir auf jeden Fall!

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    • Martina Tsatsoulis via Facebook

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      Sehe ich eher skeptisch aber ich hoffe für den Betroffenen das Beste! Vielleicht wird hier ja auch ein Präzedenzfall zu Gunsten Schwerstkranker bzw. Schmerzpatienten geschaffen! Wäre wünschenswert!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Man könnte auch spekulieren, Martina, dass es den Dortmunder Staatsanwälten nicht passte, wie hier so ein „popeliges“ ( 😉 ) Amtsgericht aus dem Kreis Unna ein derart schlagzeilenträchtiges Urteil spricht. Aber wie auch immer – man kann nur hoffen, dass der Berufungsprozesss so bald wie möglich angesetzt wird.

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    • Geli Hartjenstein via Facebook

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      Dann hoffe ich nur, daß die Medien diesen Fall nutzen und unermüdlich darüber berichten. Damit hinterher nicht nur ein „Dumm gelaufen“-Artikel bei raus kommt. 😉
      Gebt diesem armen Mann ein Gesicht, laßt sie alle wissen, wer er ist und warum es an Körperverletzung grenzt, was die Staatsanwaltschaft da macht. Und laßt die Staatsanwaltschaft wissen, daß die Öffentlichkeit ein kritisches Auge auf sie wirft.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Geli Hartenstein – das können wir dir versichern, uns hat dieser Fall auch ziemlich – sagen wir so: „beschäftigt“. Ich formuliere es mal neutral.

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    • Geli Hartjenstein via Facebook

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      Ich schätze, ein Kontakt mit dem ACM – „Internationale Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin“ ist schon hergestellt? Ich muß gestehen, ich verfolge Eure Berichterstattung (noch) nicht sehr regelmäßig. Aber das wäre doch vielleicht mal wieder ein Aufhänger. Ein nettes Interview diesbezüglich mit einem derer Fachleute. 😉

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Wir sind ein Mini-Team, Geli Hartjenstein, versuchen aber entsprechend dranzubleiben. Versprochen!

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    • Geli Hartjenstein via Facebook

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      Super! Dann auch gleich noch der Tipp mit der Grünen Hilfe hinterher. Da findet ihr mit Sicherheit auch kompetente Ansprechpartner zu dem Thema.

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  • Markus

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    Kann man die Staatsanwaltschaft wegen Körperverletzung anzeigen? Das ist unglaublich!!! Menschenverachtend! Es ist 2015 und die Vollpfosten in der Politik und in der Staatsanwaltschaft ignorieren sämtliche wissenschaftlich belegten Fakten zu Cannabis. Es gibt kein einziges (NICHT EINS!) vernünftiges Argument, das gegen eine Legalisierung spricht, es ist vielmehr menschenverachtend, bevormundend und extrem ignorant es nicht zu tun!

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  • Peter

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    Hi, sehr guter Richter!!!!! Aber der Staat hat Berufung eingelegt. Wir haben ja dazu gelernt und ich finde das eine besondere Frechheit.
    Leider müssen zukünftige Geschichtsbücher auch gefüllt werden. Merkel und co. die ja verantwortlich sind für diese Patientenlage werden in 100 Jahren als schlechte Menschen letztendlich Ihre geschichtliche Erwähnung finden. Die Cannabis-Ablehnung von Mutti ist das Hauptproblem in Deutschland! Alle haben Angst um Ihre Jobs bei der CDU in Führungsebenen und vor Ihrer bayrische Inquisition in Form von Marlene Mörtler!

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