Rundblick-Unna » Nach Belästigung von 13Jähriger abgetaucht – Verfahren nach §154 eingestellt

Nach Belästigung von 13Jähriger abgetaucht – Verfahren nach §154 eingestellt

Von der Polizei wurde der Vorfall nicht öffentlich gemacht, die Mutter wandte sich selbst an die Presse. Im April entging in Dortmund-Eving ein 13jähriges Mädchen offenbar nur knapp einem Übergriff auf offener Straße. Ein Mann packte die Schülerin mit den Worten „Komm mit mir“ am Arm; die 13Jährige wehrte sich heftig und konnte flüchten.

Die Eltern alarmierten sofort die Polizei. Diese konnte den Tatverdächtigen auch aufgrund der guten Beschreibung durch das Mädchen zügig ermitteln – die Spur führte in ein Wohnhaus, in dem Asylbewerber untergebracht sind. Die Personalien des Verdächtigen wurden notiert – jetzt stellte die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. Denn der namentlich bekannte Mann ist untergetaucht. Schriftlich teilte die Dortmunder Staatsanwaltschaft der Mutter mit, dass der mutmaßliche Belästiger nicht mehr aufzufinden sei und deshalb die Ermittlungen vorläufig eingestellt sind.

SEK Drogenrazzia Henner Kruse

Das kommt nicht selten vor, weiß Staatsanwaltssprecher Henner Kruse (Bild oben), der den vorliegenden Fall nicht selbst bearbeitet hat, aber natürlich die gängige  Praxis kennt. „Anklage können wir in Deutschland nur erheben, wenn ein Angeklagter da ist. Es gibt bei uns, anders als in anderen Ländern, keine Abwesenheitsurteile.“

In Fällen wie bei diesem Übergriff auf eine 13Jährige „genügt“ der Tatvorwurf – am Arm packen und sagen „Komm mit“ – nicht für eine Inhaftierung, erklärt Kruse. „Dann wären unsere Untersuchungsgefängnisse voll.“ Das sind sie jetzt schon. Wer sich daher einer Anklage entziehen will, hat trotz Personalienfeststellung die Möglichkeit dazu. „Das Problem gibt es oft auch bei Obdachlosen mit unbekanntem Aufenthalt“, schildert der Staatsanwalt. „So lange es für einen Haftbefehl keine triftigen Gründe gibt, können wir niemanden gegen seinen Willen festhalten.“

Der nach dem vorgeworfenen Übergriff abgetauchte junge Mann in Eving soll sich in einem laufenden Asylverfahren befinden. Zur offiziellen Fahndung ist er nicht ausgeschrieben, könnte der Polizei damit höchstens bei einer Personalienkontrolle (unter seiner wahren Identität) in die Hände geraten.

Das Verfahren ist nicht abgeschlossen, betont Henner Kruse. Vorläufige Einstellung nach §154 bedeutet nicht, dass die Akte geschlossen wurden. Das Verfahren ruht, bis neue Erkenntnisse den Fall wieder beleben – sprich wenn in diesem Fall der Tatverdächtige wieder auftaucht. Wie und wo auch immer.

Kommentare (4)

  • Wierumer

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    Wieder einmal nicht nachzuvollziehen.Wenn der sich in einem laufenden Asylverfahren befindet, wieso ist der dann nicht aufzufinden?? Und warum wird der nicht zur Fahndung ausgeschrieben, wenn er sich einem Verfahren entzieht??
    Es wird immer schlimmer hier, jeder kann man machen was er will und alle Politiker schauen nur zu.

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    • fürst

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      Wierumer, Du hast es schon auf den Punkt gebracht.
      In vergangenen nicht zu fernen Jahren reichte bereits die Festellung „Auslandskontakte“ für einen Haftbefehl wegen Fluchtgefahr.
      Wurde ein solcher Haftbefehl ausgesetzt, mußte der Betroffene seine Papiere abgeben und sich regelmäßig bei der Polizei melden.
      Da das auch heute rechtlich noch möglich ist, ist um so unverständlicher, daß es zur strafbaren Strafvereitelung kommen konnte.
      Man sollte ersatzweise die verantwortlichen Juristen in Haft nehmen, bis man des Täters wieder habhaft ist!

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  • fürst

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    Nein! Wer hätte das gedacht? Damit hat doch wohl keiner gerechnet!
    Sowas aber auch. Ich bin entrüstet, tief zerknirscht anläßlich solcher nicht anzunehmender Unverfrorenheit.
    Daß ein Täter es so macht, damit rechnet kein Jurist. Gibt das Studium nicht her.
    Wohl aber verallgemeinerndes Blödgesülze („Das Problem gibt es oft….keine Abwesenheitsurteile….).
    Mein Blutdruck steigt mangels Fahndungsausschreibung.

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  • thomas

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    Scheisse,aber es gibt die Möglichkeit ein Sicherungs Haftbefehl auszustellen.was für eine justiz

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