Rundblick-Unna » Mitten in Unna blühte Schwerkriminalität: Schussbereite Waffe im Klappglobus, Pumpgun in Mutters (84) Keller, Drogen kofferweise

Mitten in Unna blühte Schwerkriminalität: Schussbereite Waffe im Klappglobus, Pumpgun in Mutters (84) Keller, Drogen kofferweise

In einem aufklappbaren Globus im Wohnzimmer an der Vinckestraße steckte eine schussbereite Waffe, vorgespannt, mit Schalldämpfer. Im Keller der 84jährigen Mutter, nur einige Straßen weiter,  lagerten Drogen, eine Pumpgun und eine 9 mm-Pistole. Ein Lagerhallenkomplex im beschaulichen Fröndenberg-Dellwig diente als Fuhrpark für Drogenkurierfahrten und „Kundenbesuche“ – hier fanden die Ermittler außerdem einen großen Koffer voll mit Drogen – bunt gemixt, fünf Sorten -, ein Luftdruckgewehr mit Zielfernrohr plus eine Kaliber 22-Pistole. Versteckt in einem Tresor.

Stoff, aus dem der nächste Tatort gestrickt sein könnte.

SEK Drogenrazzia

SEK Drogenrazzia

Tatort Unna – die Hellwegstadt als Keimzelle eines schwunghaften grenzüberschreitenden Drogenhandels, der am vergangenen Freitag abrupt sein Ende fand. In einer konzertierten Aktion schlugen über 100 Einsatzkräfte der Polizei sowie ein Sondereinsatzkommando (SEK) zeitgleich zu. Wir berichteten über diesen Aufsehen erregenden Zugriff, der im Übrigen direkt neben einem Kindergarten stattfand. Zusätzliche Pikanterie.

In Unna wurde der vermutliche Haupttäter an der Vinckestraße überwältigt, als er gerade eine frische Lastwagenlieferung Drogen in Empfang nehmen wollte. Ein hübsches Köfferchen voll war schon frei Haus in die Wohnung geliefert worden, stattliche 13 Kilo schwer. Die beiden Lieferanten, Vater und Sohn aus den Niederlanden, wurden ebenfalls dingfest gemacht, alle drei sitzen jetzt hinter Schloss und Riegel.

Noch zwei andere Verdächtige verbringen ihre Tage und Nächte seit dem Stadtfestsamstag in Untersuchungshaft, vier weitere Festgenommene wurden hingegen mangels Haftgründen wieder entlassen.

SEK Drogenrazzia

Freuen sich über den gemeinschaftlichen Ermittlungserfolg: V.li. Staatsanwalt Henner Kruse, Landrat und Polizeichef Michael Makiolla und die leitenden Kriminalkommissare Willi Kemna und Andreas Landwehr.


 

„Insgesamt ist es uns gelungen, mehrere äußerst gefährliche Straftäter aus dem Verkehr zu ziehen„, bilanzierte am heutigen Nachmittag bei einer Pressekonferenz in der Kreispolizeibehörde ein ungemein zufriedener Landrat Michael Makiolla, in dessen Behörde die monatelangen umfangreichen Ermittlungen angesiedelt waren.

9 vorläufige Festnahmen, 5 Haftbefehle, über 55 kg Drogen und 5 scharfe Schusswaffen sichergestellt, 23 Wohnungen plus die Hallen in Fröndenberg zeitgleich durchsucht – Freitagmorgen zwischen 9 und 11 Uhr.

14 Einsatzorte lagen im Bereich der Kreispolizeibehörde Unna: in Fröndenberg, Selm sowie maßgeblich in Unna selbst. Dazu schlugen Ermittler in Hamm, Soest, Werl, Möhnesee, Arnsberg, Oerlinghausen, Dortmund und den Niederlanden zu. Von dort aus wurden die Drogen geliefert. Marihuana, Haschisch, Amphetamine, Kokain. Säckeweise. In Reisetaschen verstaut.

SEK Drogenrazzia

„Der Händler aus Holland lieferte quartalsweise“, erklärte trocken der leitende Kriminalhauptkommissar Willi Kemna (Bild oben, mit seinem Kollegen Andreas Landwehr) bei der überfüllten Pressekonferenz in der Kreispolizeiwache an der Oberen Husemannstraße. Hier war die reiche Ausbeute dieser Aufsehen erregenden Razzia dekorativ und äußerst eindrucksvoll aufgebaut. Ein kunterbunter Drogenmix, buchstäblich kofferweise, „garniert“ mit Schusswaffen diversen Kalibers.

23064634kj

Der mutmaßliche Haupttäter

Als „Zielobjekt“ hatte die Unnaer Kripo seit Ende vorigen Jahres einen 50jährigen Unnaer im Visier. „Wir bekamen einen Hinweis: Guck doch mal, da ist einer, der macht wohl“, formulierte Willi Kemna sehr unterhaltsam diesen filmreifen Kriminalstoff mit leider sattem Unnaer Lokalkolorit.

Der Verdächtige wurde observiert. Geboren in Unna, niederländischer Staatsangehöriger, gemeldet in Alicante in Spanien, wohnhaft seit vielen Jahren in Unna an der Vinckestraße, ohne hier gemeldet zu sein. Alles schon mal ziemlich verdächtig. Fremde Personen gingen ein und aus, betraten das Haus mit leeren Taschen und kamen mit prall gefüllten Taschen wieder heraus; noch verdächtiger. Die Mutter des 50jährigen Unnaers, 84 Jahre alt, lebt ebenfalls in Unna. Unter anderem ihr Keller (um dem vorzugreifen) diente als Lagerraum für Drogen und Waffen.

Der mutmaßliche Lieferant

Dann kam ein Lieferwagen ins Spiel. „Der Fahrer war  öfter hier – auf einen Kaffee…?“, spekulierte Willi Kemna spaßend. Der Wagen kam jedenfalls aus den Niederlanden und „fuhr auf der Hinfahrt immer genau 80″, schilderte der Kripokommissar ein weiteres Verdachtsmoment, „zurück gab er dann Gas.“ – „Wer vorschriftsmäßig fährt, macht sich verdächtig“, scherzte Polizeichef Michael Makiolla, und in diesem Fall traf das tatsächlich zu.

Die Kundschaft

Saß weit verstreut in mehreren Landkreisen sowie den Niederlanden. Der Lieferwagen steuerte neben der Wohnung in Unna regelmäßig vielzählige weitere Zielobekte an, darunter ein abgelegenes Gehöft in Dortmund-Eving – allesamt Stammkunden offensichtlich. Das bekamen die Ermittler heraus, als sie sich (schön weit entfernt in Mülheim/Ruhr) „probeweise“ eine Person „abgriffen“, die gerade mit einer leeren Tasche ins Haus gegangen war und mit einer vollen wieder herauskam. Hier war der Beweis: 1,1 kg Haschisch in der Tasche. Kein Besuch zum Kaffeekränzchen also – zumindest nicht zu einem mit normalen Butterkeksen.

Der Einsatztag: konzertiert zugeschlagen

Am Freitag, dem 4. 9., schlagen wir zu! So war es zwischen den Kreispolizei und ihren mithelfenden Behörden verabredet. Kriminalhauptkommissar Andreas Landwehr, Leiter des Dezernats Rauschgift, schildert das nervenanspannende Warten an jenem frühen Morgen.

„Wir wussten, dass der Holländer sonst bis kurz nach Mitternacht die Grenze passiert. Um 6.15 Uhr war er immer noch nicht da.“ Um 6.20 kam endlich die erlösende Nachricht: der Lieferwagen hat die Grenze überquert. „Wie üblich stand er danach im Stau. Das gab uns ein bisschen Zeit“, plauderte Landwehr weiter. Doch – Überraschung: „Da saßen dann aber plötzlich zwei Leute im Auto statt sonst immer nur einem.“

Kurzfristig musste also personell aufgestockt werden. 16 Drogenspürhunde bekam die Kreispolizei vom Land NRW, dazu Verstärkung von 80 Landesbeamten – dem Zugriff durch vermummte und scharf bewaffnete SEK-Leute an der Vinckestraße lag der Hinweis zu Grunde, dass der vermutliche Haupttäter bewaffnet sein könnte. Was sich denn auch so herausstellte. Die Waffe, scharf, vorgespannt, mit aufgesetztem Schalldämpfer steckte in einem aufklappbaren Globus… wozu der aufgesteckte Schalldämpfer diente, bleibt krimierfahrenen Fantasien vorbehalten.

Im Keller der hochbetagten Mutter, Jahrgang 1931, fanden die Einsatzkräfte weitere Waffen: eine Pistole (9 mm) und eine Pumpgun. Dazu Drogen. Ob die Seniorin über diese hochkriminelle Lagerstätte in ihrem Keller überhaupt Bescheid wusste, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen, meint Willi Kemna, wahrscheinlich sei das aber schon: „Die Beteiligten zeigen sich uns gegenüber momentan nicht sehr gesprächsbereit.“

In einem Lagerhallenkomplex im Fröndenberger Westen (in Dellwig) wurden Fahrzeuge und ein Stahltresor sichergestellt –  900 Gramm Amphetamine und  wiederum eine scharfe Waffe waren drin. „Ganz gut für einen Kleinkrieg bewaffnet“, fasst Hauptkommissar Kemna die eindrucksvolle Ausbeute zusammen.

SEK Drogenrazzia Henner Kruse

Staatsanwalt Henner Kruse: Am Samstag im Amtsgericht Unna fünf Haftbefehle ausgestellt.


Die 5 Verdächtigen, die jetzt in U-Haft sitzen

Am Stadtfestsamstag, 5. 9., erließ die Staatsanwaltschaft Dortmund im Amtsgericht Unna gegen fünf der Festgenommenen Haftbefehle. Staatsanwalt Henner Kruse zählt sie auf:

1.: Der Hauptverdächtige aus Unna (50), Vorwurf: unerlaubter bewaffneter Handel mit Drogen in nicht geringen Mengen in zwei Fällen. Strafmaß: nicht unter fünf Jahren (pro Fall).

2.: Ein weiterer Unnaer (43), der im Haus der Mutter des Hauptverdächtigen wohnte. „Er bewahrte umfangreich Amphetamine in seinem Kühlschrank auf.“ Auf unerlaubtes Handeltreiben mit Drogen in nicht geringen Mengen steht Haft nicht unter einem Jahr.

3. und 4.: Die Kuriere – Vater (58) und Sohn (30) aus Holland. Ihnen drohen Freiheitsstrafen zwischen 2 und 15 Jahren (pro Fall), da sie die Drogen nicht nur transportiert, sondern illegal eingeführt haben. Ihr Ausgangspunkt war ihre Firma in Landgraf in den Niederlanden.

5. Und noch ein Mann aus Unna (51) – er mietete die Lagerhallen in Fröndenberg an.

Schlussendlich:

Die sichergestellten Drogen haben einen Wert von rund 600 000 Euro im Straßenverkauf. Drei Motorräder, ein Wohnmobil plus 25 000 Euro in Bar wurden bei der großangelegten Drogen- und Waffenrazzia außerdem sichergestellt. Fünf schwer kriminelle Straftäter sitzen fürs Erste hinter Schloss und Riegel.

SEK Drogenrazzia


Kommentare (55)

Kommentieren