Rundblick-Unna » Mit 3500 „Altkunden“ plus 400 Flüchtlingen am Limit – Tafel verhängt Aufnahmestopp und sucht Arabisch-Dolmetscher

Mit 3500 „Altkunden“ plus 400 Flüchtlingen am Limit – Tafel verhängt Aufnahmestopp und sucht Arabisch-Dolmetscher

Aufnahmestopp bei der Tafel Unna. Zu den bisher 3500 Bedürftigen sind inzwischen 400 Flüchtlinge hinzugekommen, die an den zehn Ausgabestellen im Kreis insbesondere frisches Obst und Gemüse haben möchten.

Die Kapazitäten sind damit restlos erschöpft, erklärte uns heute Morgen Tafel-Chefin Ulrike Trümper: Die ehrenamtlichen Mitarbeiter seien am Limit, und noch mehr Lebensmittel habe sie auch nicht. „Wenn die Kinder mit ihren schwarzen Kulleraugen vor mir stehen, blutet mir das Herz, wenn ich sie wegschicken muss. Aber wenn ich noch einen einzigen Apfel habe, kann ich ihn ja schlecht durchschneiden, damit ein Flüchtling noch die Hälfte davon abbekommt.“

Entsetzt weist die Tafel-Chefin den gestrigen Bericht eines Lokalblattes zurück, wonach „Asylanten die Tafel gestürmt“ haben sollen. „Was für ein hirnrissiger Quatsch! Kein Mensch hat uns ,gestürmt´“, sagt sie zornig. Solche Darstellungen seien „Bildzeitungsniveau“ und hätten nichts mit der Realität zu tun.

Realität war und ist für die Tafel, dass Verständigungsprobleme mit den Flüchtlingen immer wieder für Gereiztheiten sorgen. „Ich verstehe sie nicht und sie mich nicht, und dadurch entstehen Aggressionen“, erklärt Ulrike Trümper das Problem, jemandem, der nur Arabisch spricht und versteht, erklären zu müssen, dass sie momentan einfach keine neuen Kunden mehr annehmen kann. Weil eben auch nicht genug Essen da ist.

„Ich werde bestimmt keinen Kunden, der sich schon lange bei uns versorgt, wegschicken mit der Begründung, dass wir jetzt zusätzlich so viele Flüchtlinge haben“, sagt Trümper sehr klar. „Das schafft Unmut, den ich gut verstehen kann. Auch wir haben Armut vor der Tür.“

Gibt es schon Unmut – unter den Stammkunden? „Ein wenig, aber er hält sich noch in Grenzen.“

Dürfen“ sich Flüchtlinge überhaupt bei der Tafel versorgen, haben sie das Recht dazu? Tja, hier liegt ein weiteres Problem. „Sie halten mir einen Zettel hin, da steht dann irgend etwas drauf, das ich nicht verstehe, mit einem aufgeklebten Passfoto. Wir können kaum nachhalten, wer berechtigt ist.“

Landesstelle Massen Essensausgabe

In der Erstaufnahmeeinrichtung Unna-Massen werden Flüchtlinge dreimal am Tag mit ausreichenden Mahlzeiten versorgt. Es fehlt aber an Frischem – Obst, Gemüse -, das viele, weil es ihr vertrautes Essen ist, dann an den Tafel-Ausgabestellen haben möchten. Das schafft die Tafel nur begrenzt.


 

Berechtigt ist generell nicht, wer in einer Flüchtlingsunterkunft mit drei Mahlzeiten pro Tag versorgt wird. Sprich z. B. Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung Massen (Landesstelle) oder in Zeltstädten, wo das DRK für die Mahlzeiten sorgt.

Berechtigt sind hingegen z. B. alle Flüchtlinge, die in „normalen“ Wohnungen leben.

„Die anderen möchten aber trotz ausreichender Essensversorgung gern auch frisches Obst und Gemüse haben, weil sie das aus ihrer Heimat kennen. Sie möchten gern ihr eigenes Essen kochen“, erklärt Trümper diesen Wunsch der  Flüchtlinge, die vornehmlich aus Syrien und Eritrea kommen.  Sie versteht das. „Vertrautes Essen gibt ein Stück Heimat in der Fremde.“ Doch – „so leid es mir tut – momentan reicht es eben nicht.“

An den 10 Ausgabestellen der Tafel im Kreis Unna versorgen sich momentan rund 4.000 Menschen mit gespendeten Lebensmitteln. Die Tafel-Kunden zahlen einen symbolischen Euro. Die Mitarbeiter der Tafel engagieren sich ehrenamtlich, sowohl an den Ausgabestellen direkt wie auch die Fahrer. Diese sind im Schnitt schon älter und daher laut Tafel-Chefin Trümper auch nicht weiter belastbar.

http://unnaer-tafel.de/

Kommentare (20)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Diesen Bericht sollte Frau Merkel mal lesen, damit sie sieht, wie ihre Aktionen sich auf die Praxis auswirken.

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    • Katja Vogt

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      Ach Herr Brune, hören Sie doch auf in das „Anti-Merkel“-Horn zu pusten. Was heißt den „ihre Aktionen“? Außerdem hat die Kanzlerin gestern sehr deutlich gemacht, dass sie sehr wohl weiß, wie es in Städten und Kommunen aussieht.

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      • Hi Christian via Facebook

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        Leider ist Frau Merkel eher der Herz Mensch, und nicht der Kopf Mensch.

        Sagte Sie gestern in Ihrem Interview. Ist schon was gutes wenn man ein Volk regiert.

        Das die Flüchtlinge/Asylsuchende Essen bekommen und dennoch zur Tafel gehen ist mir schleierhaft.

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        • Katja Vogt

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          Ich finde es sehr beruhigend von einem Menschen regiert zu werden, der sein Herz noch auf dem rechten Fleck hat! Warum die Flüchtlinge zur Tafel gehen, ist im Text erklärt. Stellen Sie sich vor, sie müssten verreisen und bekämen Stockfisch und Innereien zu essen. Sie würden evtl. auch nach Obst und Gemüse verlangen, DInge, die man aus der Heimat kennt. Das Deutsche das nicht verstehen wundert mich, in jedem touristisch angelegten Urlaubsort bekommt man (leider) um diese Jahreszeit Sauerkraut und Haxen serviert – ob man nach Spanien oder Frankreich fährt…. Und wenn Flüchtlinge hier Obst und Gemüse haben möchten verwundert das???

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      • Helmut Brune via Facebook

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        Nun, Katja Vogt, die Person Angela Merkel ist ja nicht der Grund für mein Mißtrauen. Allerdings hat sie diese Situation jetzt zur Chefsache gemacht und damit nimmt sie noch mehr Verantwortung auf ihre Schultern. Mir geht es viel mehr um die Folgen die die ganze Sache hat und dann vor Allem die Folgen, die es in der Zukunft haben wird. Daß Menschen ihrer Heimat entfliehen um ihr Leben zu retten vor der Kriegsgewalt ist völlig Verständlich, das würden wir wahrscheinlich genauso tun. Hier stoßen jedoch total verschiedene Kulturen und Glaubensgemeinschaften aufeinander, wo keiner von Beiden von seinen Gewohnheiten abweichen will. Das muß in der Zukunft einfach zu Komplikationen führen. Genau das ist der Grund meiner Skepsis. Wenn die Situation umgekehrt wäre und wir müßten wegen Krieg von Deutschland nach Syrien oder in den Irak fliehen, würden wir gar nicht erst aufgenommen werden, weil wir Ungläubige sind.

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        • Katja Vogt

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          Ja, Helmut Brune, und ich bin sehr froh, dass sie sich der Sache deutlich angenommen hat. Viel zu lange habe ich auf ein deutliches Zeichen der Politik gewartet. Sollte man diese brisante Geschichte lieber den rechten Bauernschleppern überlassen und mal „abwarten“ was so passiert? Natürlich hat das Folgen. Alles hat Folgen. Wenn man nichts tut und auch wenn man etwas tut! Und ja, es stoßen verschiedne GLaubensgemeinschaften aufeinander. Woher wissen SIe, dass keiner von seinen Gewohnheiten abweichen will? Ich werde das tun wenn es erforderlich ist. Für mich sprechen Sie definitv nicht. Und genaus so wenig könne Sie über andere urteilen. Sie haben vielleicht dass Gefühl, das niemand abweicht. Beschäftigen SIe sich doch mal mit den Leuten, reden Sie mit Ihnen! Ich habe die Flüchtlinge die ich getroffen habe nur als äußerst zurückhaltend, sehr freundlich und sehr, sehr dankbar kennengelernt. Ich sehe weniger Komplikationen sindern Herausforderungen. Aber die können wir als Mensch meistern! Da hat die Menschheit schon ganz anderes geschafft! Und zu ihrem letzten Punkt: was andere Menschen tun würden, wenn ich in einer Notsituation wäre, interessiert mich nicht die Bohne! Ich lebe doch mein Leben mit meinen Grundwerten und Überzeugungen. Ich helfe doch, weil ich es gerne tue und weil ich finde, dass es meine gottverdammte Pflicht ist! Ob mir irgendein Syrer oder Iraker helfen würde weiß ich nicht. Auch da urteile ich nicht über andere Menschen. Aber es interessiert mich nicht. Dieses Spiel: ich tu‘ nur was, wenn Du auch was tust, spiel ich nicht mit. Das finde ich mehr als kindisch, da spiel ich lieber nach meinen eigenen Regeln 😉

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          • Helmut Brune via Facebook

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            Ich verlange von Niemandem, daß er meine Meinungen teilt, also auch von Ihnen nicht, Katja Vogt. Des Weiteren äußere ich nur meine Besorgtheit und Urteile nicht. Sie behalten Ihre Meinung, ich behalte Meine. Weitere Diskussionen erscheinen mir Nutzlos.

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      • Rundblick Unna via Facebook

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        Hi Christian, auf deine Frage: Sie ist im Bericht erklärt.

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      • Hi Christian via Facebook

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        Das stimmt und ist dann auch berechtigt, bei denen die eine Wohnung gestellt bekommen haben.

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      • Rundblick Unna via Facebook

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        Ja, aber viele andere treibt eben die Sehnsucht nach vertrautem Essen zur Tafel. Unter anderem um ihnen erklären zu können, was geht und was leider nicht geht, sucht die Tafel ja Dolmetscher.

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      • Hi Christian via Facebook

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        Wird bei der Vielfalt an an Nationalitäten und Sprachen eher holprig. Aber es würde Spannungen herausnehmen.

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      • Rundblick Unna via Facebook

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        Genau das wünscht sich die Tafel. Ulrike Trümper hat es treffend formuliert: „Es entstehen Aggressionen dadurch, dass Menschen sich nicht verständigen können.“

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      • Achim Rüssel via Facebook

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        Stimmt, die Kanzlerin weiß wie es im Lande aussieht, sie hat es ja verschuldet!

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  • Katja Vogt

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    Bei dem Artikel des Hellwegers habe ich mir gleich gedacht, dass das so nicht korrekt wiedergegeben wurde! „Hirnrissiger Quatsch“, so sagt Frau Trümper. Ihren Zorn kann ich gut verstehen! Solche Artikel sind es, die Menschen verunsichern und noch Öl ins rechte Feuer gießen. Warum nur? Ich möchte es nicht versäumen, Frau Trümper und dem ganzen Team von Herzen Danke zu sagen! Ihre Arbeit ist vorbildlich und macht mir Mut, dass es in unserer Stadt genug Menschen gibt, die gutes Tun für Menschen die in eine Schieflage gekommen sind – verschuldet oder unverschuldet, durch Krieg, Arbeitslosigkeit oder Drogen…. Ich finde das großartig!

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  • Stefan Werner

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    @ Katja Vogt: Nein, ich finde die Merkel nicht beruhigend. Ganz im Gegenteil, ich bin extrem beunruhigt, wie uns diese Person ins Chaos führt. Sie destabilisiert Europa, insbesondere aber unser Land, unsere Gesellschaft. Sie ist ein Kunstdünger für die aufkeimende Extremistenbrut aus diversen Lagern. Nur ein, zwei gravierende Zwischenfälle und das Feuer brennt. Dann kommt ein Zeitalter, in dem dann alle in Deutschland ihr Herz „auf dem rechten Fleck“ tragen. Allein, weil sie es müssen, um nicht ins Lager zu kommen. Geschichte kann sich wiederholen, auch hier bei uns in Deutschland. Die ganzen „Es-darf-nie-wieder-passieren“-Floskeln sind dann Schall und Rauch…

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    • Fürst

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      So sehe ich das auch, Stefan Werner. Und so sehen es die, die ich so höre – und die sind alle „bürgerlich“.

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    • Fürst

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      Reguläre Wahlen und deren Ergebnisse können sich die arrogant Regierenden in den (meist fetten) Hintern schieben, WENN es im Volk trotz versuchter Niederschlagung (im Sinne dieses Wortes) zum Überkochen kommt.

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  • Anette Kaufmann

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    Katja Vogt, ich finde, sie machen es sich zu einfach! Die Ängste und Sorgen, die aus vielen Kommentaren zu dieser Flüchtlingsthematik sprechen, sind meiner Meinung nach berechtigt! Die Wirtschaft wartet auf Arbeitskräfte und möchte, dass die Flüchtlinge schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden. Auβerdem soll nach ihren Vorstellungen der Mindestlohn in einigen Bereichen unterschritten werden dürfen. Die Folge: Höhere Arbeitslosenzahlen und Niedrigstlöhne. Die Menschen in Deutschland, die sowieso schon wenig zum Leben haben, bekommen massive Konkurrenz und müssen weiter zurückstecken. Es werden in erster Linie die Armen in unserem Land sein, die die Zeche bezahlen müssen. Wenn man die Reaktionen in Teilen der Presse und auf Facebook zu Herbert Grönemeyer’s Statement in der ARD liest, dann weiß man doch, wie die Reichen geschützt werden. Von Frau Merkel habe ich in dem Interview nichts Konkretes gehört, ob und wie sie beispielsweise von den Unternehmen die entsprechende Unterstützung einfordern wird, wie sie die Ursachen der Flucht bekämpfen will, ob sie z.B. die Waffenexporte, die Kriege erst möglich machen, stoppen will, usw. ! Guter Wille und öffentliche Auftritte reichen da nicht aus! Und wenn heute schon die Zahl der Armen in unserem Land steigt, die auf die Tafel angewiesen sind, wie wird es erst in der Zukunft sein, da die Tafel schon jetzt nicht mehr Menschen versorgen kann?!!

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    • Fürst

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      „Nahles rief die Unternehmen in Deutschland deshalb dazu auf, jungen Flüchtlingen Betriebspraktika anzubieten. „Die Firmen sollten Hunderttausenden jungen Leuten für sechs bis zwölf Monate eine Chance geben, in unsere Betriebe über Einstiegsplätze und Praktika hineinzuschnuppern“, sagte sie dem Blatt weiter. Für derartige Einstiegsqualifizierungen müssten die Unternehmen auch keinen Mindestlohn zahlen.“
      Aus der Süddeutschen! KEINEN MINDESTLOHN! SPD (Verräterpartei) natürlich wieder.

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