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Michael-Hoffmann Platz: Aufgeschoben ist zunächst aufgehoben

Vorläufiges Ende mit Misstönen für einen Michael-Hoffmann-Platz. Der erneute Antrag auf eine Platz-Widmung für den verdienten SPD-Lokalpolitiker steht nicht auf der Hauptausschuss-Tagesordnung für diesen Donnerstag (12. 11.). Die Antragsteller ziehen daraus die Konsequenz.

„Nach Rücksprache mit dem Antragssteller habe ich mich entschlossen, den Antrag vorläufig zurückzuziehen„, teilte uns Piraten-Ratsherr Christoph Tetzner mit. Er hatte den Wunsch einer Umbenennung des Lindenplatzes  stellvertretend für die private Antragstellerin (Gabriele Köhnemann) per Antrag eines Ratsmitglieds bei der Stadt eingereicht. Bürgermeister Werner Kolter setzte das Thema nicht auf die Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses – und für Tetzner hat sich die Sache damit vorerst erledigt. „Den Grund, warum der Antrag nicht vom Bürgermeister auf die Tagesordnung gesetzt wurde, werde ich nicht kommentieren und nicht im Wortlaut wiedergeben„, schrieb uns der Ratsvertreter nach seiner Rücksprache mit Kolter knapp.

Bürgermeisterreferent Oliver Böer erklärte auf unsere Anfrage, dass das Thema Michael-Hoffmann-Platz in der Sitzung am Donnerstag durchaus zur Sprache kommen wird. Der Bürgermeister – bzw. am Donnerstag in Kolters Vertretung die 1. stellv. Bürgermeisterin Renate Nick (SPD) – werde die Fraktionen „um ein Meinungsbild bitten“, damit klar werde, ob weiterer Beratungsbedarf zu diesem Thema bestehe.

Als formellen Punkt auf die Tagesordnung setzen muss der Bürgermeister diesen Antrag nicht: Dieser Pflicht unterliegt er nur bei Anträgen, die von Ratsfraktionen eingebracht werden. Tetzner zeichnete seinen Antrag jedoch als einzelnes Ratsmitglied, nicht für die Fraktion.

Soweit zu den formellen Begründungen, die der Ratspirat wie beschrieben nicht weiter kommentieren möchte. Klar ist für ihn, dass ein Michael-Hoffmann-Platz politisch offenbar nicht erwünscht ist. „Es geht jetzt in erster Linie darum, den Antrag im Sinne der Antragssteller und der 230 Unterzeichner zu schützen“, erklärt er den Rückzug, zu dem er Gabriele Köhnemann geraten hat. „Ich möchte nicht, das dieser Antrag nun kaputt geredet wird oder gar abgelehnt wird.“

Deswegen soll weitere Zeit den Bürgern, die sich für einen „Gedenkplatz“ für Michael Hoffmann einsetzen, die Möglichkeit geben, „sich richtig aufzustellen und mit dem nötigen Nachdruck ihrem Begehren Gehör zu verschaffen – im Rat und im Ausschuss.“

Zum bisherigen Vorgehen mit dem Thema stellt Tetzner kritisch fest: „Bei Straßenbenennungen und -umbenennungen ist es sonst üblich, dass immer die Ortsvorsteher eine entsprechende Meinung äußern und ein  Vorschlagsrecht haben. In diesem Fall wurde davon abgesehen.“ Das Vorschlagsrecht gebührte nach dieser Praxis der Ortsvorsteherin und SPD-Oberstadt-Vorsitzenden Ingrid Kroll.

Christoph Tetzner abschließend: „Ich werde die Antragsteller weiter unterstützen, um diese Sache zu einem positiven Ende zu bringen und Michael Hoffmann die Ehre zuteil werden lassen, die ihm gebührt.“

Michael Hoffmann

Der langjährige SPD-Fraktionsvorsitzende und „Motor der Unnaer Kultur“ war am 29. Oktober vorigen Jahres plötzlich und unerwartet verstorben.


Michael Hoffmann Platz Familie Köhnemann

So positionierten sich die Ratsfraktionen bei der erstmaligen Antragstellung im März zum Thema Michael-Hoffmann-Platz (im Bild oben Antragstellerin Gabriele Köhnemann, li., mit ihrer Familie):

SPD (Volker König): Michael, Schwimmer und Sportler

Die SPD sieht als passenden Ort eines Gedenkens nicht den Platz an der Lindenbrauerei. „Michael war Schwimmer, Sportler. Wir sollten etwas Sportliches nach ihm benennen.“ Was das sein könnte, lässt König offen.

CDU (Gerd Heckmann): Auf die lange Bank

Irgendwann später mal und irgendwo anders. Die CDU hält die Beschäftigung mit einer Michael-Hoffmann-Gedenkörtlichkeit für „wesentlich verfrüht“. „Wir alle sind noch mit der Trauerarbeit beschäftigt. Irgendwann kann man weitersehen und einen geeigneten Platz oder eine Straße finden.“ Den Lindenplatz findet die CDU nicht geeignet. Zu eng sei sein Name mit der Lindenbrauerei verwoben.

B 90/Die Grünen (Charlotte Kunert): Auf die ganz lange Bank

Frage: Ist eine Platz- oder auch Straßenbenennung „für einen Fraktionsvorsitzenden angemessen“? Die Grünen-Chefin lässt die Frage offen bzw. beantwortet sie indirekt, indem sie erklärt: Nicht der jetzige Rat, in dem Michael Hoffmann noch selbst Mitglied war, sondern der in der nächsten Wahlperiode soll sich mit dem Thema beschäftigen. Sprich: Diskussion ab 2020 Folgende.

FW/FLU (Klaus Göldner): Den Herrn Linde gibt es nicht

Keine Diskussion für die Freie Wählerliste. Michael Hoffmann hat fraktionsübergreifend Großes geleistet, „und er hat es allerdings verdient, dass ein Platz nach ihm benannt wird!“ Den „Herrn Linde“ – den gibt es nicht, spaßt Göldner, also kann sich auch kein Herr Linde über die Beraubung seines Platznamens beschweren. „Der Lindenplatz würde sich geradezu anbieten, weil Michael Hoffmann besonders viel für die Kultur getan hat.“ Aber nicht jetzt;  „ein Papst wird auch erst nach vielen Jahren heilig gesprochen.“ Von daher: „Vom Grundsatz her sicher positiv. Aber bitte noch etwas Zeit.“

Piraten (Christoph Tetzner): Sankt Nimmerleinstag grüßt

„Wir fangen wieder an, einen Antrag vor uns herzuschieben“, kritisiert der Piraten-Fraktionschef. „Wenn wir anfangen, darauf zu warten, dass eine Schwimmhalle neu gebaut wird, die wir dann nach Michael Hoffmann benennen können – dann warten wir bis zum Sankt Nimmerleinstag.“

FDP (Martin Bick): Nach einer Trauerzeit – nichts steht im Weg!

„Diese Diskussion ist Michael Hoffmann nicht würdig“, moniert der smarte Liberale, der sich „lange überlegt hat, ob er überhaupt etwas sagt“. Er sagt dann dies: „Nach einer gewissen Trauerzeit steht einer Umbenennung überhaupt nichts im Weg!“

 

Kommentare (14)

  • Ulrike Berckhoff via Facebook

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    Verstehe einer wer will!?

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  • Hans Bergmann

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    Wäre die Partei und Fraktion Michael Hoffmanns geschlossen mit ihrer Stimmgewalt im Rat für eine Benennung, wäre diese bereits umgesetzt. Man hätte sich diese jetzt stattfindende unsägliche Diskussion erspart. Die Ehrung Michael Hoffmanns scheint zumindest bei den Meinungsführern der SPD nicht gewollt zu sein.

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Für mich, der sich die Geschehnisse in Unna aus einer gewissen Entfernung ansieht, klingt das irgendwie Unverständlich. Alle scheinen sich Einig zu sein, daß Michael Hoffmann es auf Grund seiner hervorragenden Leistungen verdient, daß etwas nach ihm benannt wird. Beim Lindenplatz gibt es nur eine Adresse, die geändert werden müßte, nämlich die vom ZIB. Vom Aufwand her also eine günstige Lösung. Für jemanden, der soviel für die Unnaer Kultur bedeutet hat, ist dieser Platz meiner Ansicht nach außerordentlich Geeignet. Natürlich bin ich kein Politiker und weiß auch nicht, welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen um solch eine Umbenennung zu realisieren. Die ganze Sache weckt bei mir jedenfalls den Eindruck, daß alles bürokratisch Korrekt ausgeführt werden muß, wobei alle die Probleme vor sich her schieben und Verantwortung lieber anderen überlassen.

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  • Wolfgang F.

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    Schlimm, dass diese Ehrung und die Erinnerung an Michael Hoffmann durch eine solche Diskussion negiert wird. Sonst bekommen die Sozialdemokraten im Rat doch alles durch was sie wollen! Wollen sie etwa doch nicht?

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Den erneuten Vorstoß für den Antrag hat gemeinsam mit der Unterschriftensammlerin nicht die SPD unternommen, sondern ein Piraten-Ratsherr, Wolfgang F.

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  • Petter Uhlenbusch

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    In der momentan prekären Situation, in der sich leider auch Unna befindet, wirkt die Diskussion über eine Namensvergabe für eine Straße in Unna auf mich eher befremdlich. Haben nicht andere, wichtigere Themen Vorrang?

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  • Udo

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    …diese Frage stelle mal der Witwe, Petter Uhlenbusch !!!

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    • Petter Uhlenbusch

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      Die kenne ich nicht.
      Wer soll das sein? Frau Hoffman?

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  • Stefan Werner

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    Wer denn sonst Petter Uhlenbusch? Paris Hilton wohl kaum….

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    • Petter Uhlenbusch

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      Wer ist Paris Hilton? Kein Doppelname?
      Dann ist die Dame sicherlich kein Mitglied der SPD.

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  • Stefan Werner

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    Mein Eindruck: Bestimmte Kreise in Unna, insbesondere in der SPD, wollen das einfach nicht. Entweder ist da Neid im Spiel oder die, aus meiner Sicht berechtigte Sorge, neben Michael Hoffmann, aufgrund eigener Taten- und Erfolglosigkeit einfach nur „winzig“ zu erscheinen.

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  • Christel

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    Genauso ist es, Stefan Werner. Wer darüber allerdings Neid empfindet, outet sich als armseliges Wesen.

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  • Hans Bergmann

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    Das bestätigt meine Vermutung, warum bei dem Thema so rumgeeiert wird. Meinungsführer in einer Partei sind Bürgermeister, Parteivorsitzender und Fraktionsvorsitzender. Die letzten beiden Ämter sind derzeit bei der SPD in einer Person vereinigt.

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