Rundblick-Unna » Massentierhaltung mit Auschwitz verglichen: Suspendierter Lehrer darf in Unna weiter unterrichten

Massentierhaltung mit Auschwitz verglichen: Suspendierter Lehrer darf in Unna weiter unterrichten

Er sagte im WDR5-Rundfunk: 70 Jahre nach Auschwitz gehe ihm die Massentierhaltung emotional näher als die Judenvernichtung im Dritten Reich, und es müsse „irgendwann genug“ sein. Dafür erntete der Lehrer, der am Weiterbildungskolleg Unna unterrichtete, im Februar einen Sturm der Empörung. Der damalige Regierungspräsident Gerd Bollermann (SPD) suspendierte ihn keine 24 Stunden später vom Dienst. Ab Januar darf der Lehrer wieder vor seinen Schülern stehen. Denn das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen hat knapp ein Jahr nach dem Vorfall entschieden: Der Lehrer muss weiterbeschäftigt werden.

Unsere Leser diskutierten den Fall vor einem Jahr sehr lebhaft und durchaus kontrovers. Einig war sich hingegen der Unnaer Stadtrat, der sich in einer Resolution vom 26. Februar uneingeschränkt hinter die Suspendierung stellte. Die direkte Entfernung dieses Lehrers sei das einzig Richtige gewesen, da die Bezirksregierung sich damit klar gegen jegliche Form von Rassismus und Intoleranz positioniert habe.

Die Richter am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen nahmen eine andere Position ein. Der WDR zitiert am heutigen Mittag aus der Urteilsbegründung:

Zwar habe der Lehrer sich mit dem Radiointerview falsch verhalten; denn als Beamter müsse er sich mit privater Meinungsäußerung zurückhalten. Eine Suspendierung sei jedoch nur eine „Eilmaßnahme und kein Dauerzustand“. Damit obsiegt der Dortmunder Pädagoge, der nun in Unna weiter unterrichten darf, schon zum zweiten Mal in einer gerichtlichen Auseinandersetzung mit der Bezirksregierung. Vor drei Jahren hatte er sich auf einer Kundgebung der Partei „Pro NRW“ kritisch geäußert, wurde ebenfalls suspendiert und musste ebenfalls weiterbeschäftigt werden.

Unna ohne Rassismus

Die Resolution des Unnaer Stadtrates vom 26. Februar 2015 hier noch einmal im Wortlaut:

„Nahezu zeitgleich mit der bemerkenswerten Gedenkfeier, die anlässlich des 70. Jahrestages der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz, die von Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe 13 der Peter-Weiss-Gesamtschule Unna kreativ und berührend im Ratssaal gestaltet wurde, leistete sich ein Pädagoge, der am Weiterbildungskollegs Unna unter anderem Politik unterrichtet, eine verbale Entgleisung, als er sich in aller Öffentlichkeit im „Tagesgespräch“ des WDR 5 zum Thema „Auschwitz-Gedenkfeiern“ äußerte.

Hier seien seine empörenden Einlassungen noch einmal wiederholt, um jeden Zweifel an ihrer Verwerflichkeit zu beseitigen: „Mich persönlich interessiert Auschwitz privat überhaupt nicht. Ich beschäftige mich lieber mit dem IS-Terrorismus, mit dem Islamismus. Mir geht sogar die Massentierhaltung emotional näher als Auschwitz. Alle 20 Minuten sterben sechs Millionen Tiere, das geht mir emotional viel näher!“

Und das aus dem Munde eines Unnaer Lehrers, der jungen Menschen als Lehrender ein Vorbild sein sollte und ihnen Orientierung geben müsste. Diese Entgleisung ist nicht hinnehmbar, zumal dieser Lehrer bereits einmal mit fragwürdigen Äußerungen und bei ebenso fragwürdigen Gruppierungen öffentlich aufgetreten war.

Die Mitglieder des Schulausschusses im Rat der Kreisstadt Unna halten diese ungeheuerlichen Äußerungen eines Lehrers für inakzeptabel und stehen uneingeschränkt hinter den nun ausgesprochenen disziplinarischen Maßnahmen des Regierungspräsidenten Dr. Gerd Bollermann.

Unna ist eine Stadt, die jeder Form von Rassismus keinen Raum gibt und Diskriminierung und Intoleranz entschiedenen Widerstand entgegensetzt.

Hier stehen alle Unnaer Parteien zusammen – gegen jeden, der glaubt Parolen, die er unter dem Mantel der freien Meinungsäußerung geschützt sieht, verbreiten zu können. Toleranz kann nur gegenüber Toleranten geübt werden. Intoleranz hat keine Toleranz zu erwarten.“

Kommentare (5)

  • Fürst

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    Ich meine aber auch, daß „irgendwann genug“ sein muß, längst genug sein müßte. Die Entscheidung des Verwaltungsgerichts halte ich für in Ordnung.

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  • Ananda Gotam Kaur via Facebook

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    Da hat er leider recht. Gut, dass er unterrichten darf. Wer die Wahrheit sagt, darf nicht angeprangert werden.

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  • Wolfgang

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    Der Herr Lehrer hat die heutige Massentierhandlung nicht mit Auschwitz verglichen. Diese Aussage ist definitiv falsch! Er hat zwei schlimme Sachverhalte für sich ganz persönlich in einen Zusammenhang gebracht und gesagt, dass ihn das aktuelle Problem der Massentierhandlung heute emotional mehr bewegt, als die Judenvernichtung in Auschwitz vor 70 Jahren (die lange vor seiner Geburt geschah). Er hat damit nichts verglichen, nichts verharmlost oder geleugnet. Bei uns entsteht dennoch der Eindruck, dem Mann sei das Wohl von Rindern, Schweinen und Hühnern wichtiger, als das Leid von Millionen Menschen. Diese Geisteshaltung ist gesetzlich nicht zu beanstanden, weshalb auch das Urteil so ausfallen mußte. Herr Bollermann wußte das sicher auch, hatte aber Angst vor dem Aufschrei der „Dauerentrüsteten“, wenn er nicht suspendieren würde. So hat er den „schwarzen Peter“ der Justiz zugeschoben, die nicht anders urteilen konnte. Moralisch gesehen gehörte dieser Leher dennoch geteert, gefedert und aus dem Land gejagt. Es wird doch andere Mittel und Wege geben, dem Herrn zu zeigen, dass man ihn in einem Unterrichtsgebäude nicht mehr sehen will.

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  • Hans Meier via Facebook

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    Es gehört schon seit Jahren zur Strategie der Rechtren und Rechtspopulisten Auschwitz zu leugnen und/oder zu verharmlosen. Als Mitglied oder Sympatisant einer rechtspopulistischen Partei und bei seiner schulischen Vorbildung kann es kein Versehen des Lehrers gewesen sein sondern eine bewußte Aktion. Schlimm, wenn solche Menschen unsrere Kinder unterrichten dürfen.

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    • Fürst

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      Schlimm ist es, wenn unsere Kinder linksindoktriniert werden!

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