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Massenhaft Anträge: Lange Wartezeiten für kleinen Waffenschein

Schlagartig seit Silvester ist die Zahl der Anträge für den Kleinen Waffenscheine förmlich explodiert – darüber berichteten wir schon im Januar, die die Bürger reagierten auf die Massenübergriffe an Silvester in Köln und anderen deutschen Großstädten. In der Kreispolizeibehörde Unna stapeln sich die Anträge jetzt zum Maibeginn weiter. Das führt zu langen Wartezeiten, erklärt die Pressestelle heute Morgen und bittet um Verständnis und Langmut für die Bearbeitung.

„Die Waffenbehörde bearbeitet die Anträge chronologisch nach dem Eingangsdatum„, erläutert die Unnaer Polzei, „auch hier sind jedoch verschiedene Prüfungen erforderlich und die Ergebnisse müssen zunächst abgewartet werden. Aufgrund der Vielzahl der Anträge kommt es aktuell bei der Bearbeitung zu größeren zeitlichen Verzögerungen.

Allein in den ersten drei Januarwochen gab es deutlich mehr Waffenschein-Anträge als im ganzen vergangenen Jahr, sowohl bei der Kreispolizeibehörde Unna wie in anderen PräsidienAus Sorge um ihre Sicherheit im Gefolge der Silvesterübergriffe (und weiteren bekannt werdenden Taten) rüsteten – und rüsten – die Bürger privat auf. Die Gesamtzahl an Waffenschein-Anträgen für Dortmund und Lünen betrug z. B. im letzten Jahr 200 – in diesem Jahr waren es schon Ende Januar fast 600.

Der explosionsartige Anstieg ging mit der parallelen Gründung von Bürgerwehren einher. In Hamm gibt es bereits zwei, in Selm ging ebenfalls eine an den Start. 

Die Polizei warnt eindringlich vor der „trügerischen Sicherheit“ von PTB-Waffen.

„Solche Waffen können im Ernstfall zu einer Eskalation führen. Eingesetzte Polizeibeamte können diese unter Umständen nicht als Gaswaffe erkennen und halten sie für eine echte und schussbereite Waffe! Vorfälle mit echten Tätern können aufgrund einer echt aussehenden Waffe außer Kontrolle geraten! Zusätzlich gibt die aktuelle Sicherheitslage in Dortmund keinerlei Anlass für eine Aufrüstung auf der Straße! Vertrauen Sie im Ernstfall auf die Profis für ihre Sicherheit und alarmieren sie die Polizei über die Notrufnummer 110! Stellen Sie in jedem Fall durch lautes Rufen Öffentlichkeit her, machen Sie Zeugen auf das Geschehen aufmerksam! Überlegen sie genau, ob eine Gaswaffe (PTB-Waffe) im Ernstfall wirklich ihre Sicherheit garantieren kann.“

Frei verkäuflich sind im Waffenhandel Elektroschocker und Pfefferspray – theoretisch, denn viele melden weiterhin „ausverkauft“.


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Zum Thema Notwehr:

Wer in Notwehr handelt, verstößt generell nicht gegen das Recht. Unter Notwehr versteht man konkret „die Verteidigung, die notwendig ist, um einen „gegenwärtigen rechtwidrigen Angriff von sich oder einem anderen abzuwenden“. Doch muss die „Erforderlich des Mittels“ gewahrt werden.

Zwei Beispiele: Ein Hausbesitzer in Werne erwischte zwei Einbrecher auf frischer Tat und schlug sie mit einer Mistgabel in die Flucht. Das war im Rahmen der Notwehr statthaft. „Nicht erforderliches Mittel“ wäre bei diesem Beispiel gewesen, wenn sich das erzürnte Einbruchsopfer mit geschwungener Mistforke an die Fersen der Ganoven geheftet und sie mit der spitzen Waffe verletzt hätte. Dann, sagt die Unnaer Polizeisprecherin Howanietz, kann es dem Einbruchsopfer je nach Richter passieren, dass er  selbst wegen Körperverletzung (oder gar Ärgerem) drangekriegt wird.

Zweites Beispiel: In Hamm wehrte im Oktober ein 49jähriger Mann nachts ein aufdringliches Trio mit Fausthieben und Unterstützung seines Rottweilers ab.  Nicht erforderliches Mittel in diesem Fall wäre es gewesen, den Rottweiler von der Leine zu lassen und hinter dem flüchtenden Trio her zu hetzen. In einem solchen Fall kann es dem Hundehalter passieren, dass ein durch Hundebisse verletzter Tatverdächtiger – auch ein in flagranti ertappter Krimineller gilt bis zu seiner Verurteilung als „Verdächtiger“ – den Besitzer des Hundes wegen Körperverletzung anzeigt. Dann hängt wiederum vieles vom Richter ab.

Kommentare (8)

  • luenne

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    Wenn die Richter bei den Opfern die gleiche Härte des Gesetzes, wie bei den Tätern anwenden kann einem ja nichts passieren …

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    • Cora

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      Luenne habe Dein Kommentar 2 mal gelesen und teile Deine Meinung.

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Das ist meiner Meinung nach genau der falsche Weg. Aufrüsten um Frieden zu haben passt nicht, kann aber jederzeit Eskalieren.

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  • Markus Antonius

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    Die Kreispolizeibehörde in Unna will durch künstlich lange Bearbeitungszeiten verhindern, daß den ehrlichen Bürgern die notwendigen Mittel zum Schutz von Leib und Leben, Hab und Gut zur Verfügung stehen. Dahinter darf man politisch motivierte Absicht vermuten. Weder im roten Unna noch im roten Unna würde es einen wundern.

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  • Mike

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    Leider gilt hier wie immer Täterschutz geht vor Operschutz, meine Meinung, wer jemanden angreift muss eben auch damit rechnen, daß sich das Opfer auch massiv wehrt und hat eben Pech gehabt wenn er dabei verletzt wird, es wurde ja nicht gezwungen jemanden zu überfallen, meiner Meinung nach müsste die Unverhältnissmässigkeit der Gegenwehr wesentlich anders geahndet werden als der Angriff des Täters, schliesslich schafft es unser Rechtsstaat ja nicht mehr die Täter ausreichend zu bestrafen noch uns Bürger zu schützen.
    Im Prinzip sind diese ganzen Aussagen eine Banktrotterklärung unseres Rechtssystems.

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    • Dario Schilling via Facebook

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      Also im Grunde willst du einen freifahrtsschein jemanden zu töten solange du es als Notwehr auslegen kannst, verstehe ich dich da richtig?

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      • Mike

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        Nein, meiner Meinung kann es nicht sein, daß wenn der gute Mann in dem Beispiel oben z.B. einen der Täter mit seiner Mistgabel verletzt hätte aus Versehen, nachher deswegen noch belangbar ist wegen Körperverletzung und im Endeffekt sogar härter bestraft würde als der Täter. Der Opferschutz sollte immer über dem Täterschutz stehen, der Täter begibt sich hier ganz bewusst in eine gefährliche Lage und muss damit rechnen verletzt werden zu können und dann kann es nicht sein, daß wenn man sich wehrt man als Opfer dann zum Täter wird. Ausser man wendet jetzt grundlos Mittel an die deutlich über die Verhältnissmäßigkeit liegen, soetwas darf natürlich nicht straffrei ausgehen. Aber wenn der gute Mann den Täter mit der Mistgabel gepiekt hätte oder zum stehenbleiben gezwungen hätte, wäre es schon Körperverletzung, das kann es nicht sein und das Opfer würde dann härter bestraft als der Täter der das Ganze erst ausgelöst hat und zu verwantworten hat.

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