Rundblick-Unna » Mal ganz direkt gefragt: Hat die Kreispolizei zu wenig Polizei?

Mal ganz direkt gefragt: Hat die Kreispolizei zu wenig Polizei?

Die Frage erhitzte gerade diese Woche wieder die Gemüter, als sich zu den täglichen Einbrüchen auch noch Pkw-Aufbrüche in beunruhigender Serie gesellten: Hat die Polizei für die Eindämmung der Kriminalität eigentlich (noch) die ausreichenden Mittel? Wir leiteten einige kritische Aufforderungen dazu – verfasst von unserem Leser und Kommentarschreiber Sven Arnt – an Landrat Michael Makiolla weiter, seines Zeichens oberster Chef der Kreispolizeibehörde Unna.

Sven Arnt schrieb uns:

„Man darf so langsam anzweifeln, dass die Polizei Präsenz und Polizeidichte auch für den Kreis Unna überhaupt noch zeitgemäß bzw. angemessen ist. Da will ich jetzt nicht populistisch werden, allerdings zeigt sich hier in deutlichem Maße, dass es so nicht geht. Da ist ganz eindeutig die Innenpolitik gefordert, auch Herr Makiolla in seiner Funktion als Landrat, da Nachbesserung bei seinem Innenminister einzufordern. Die vollkommen untragbare Sparpolitik der vergangenen Jahre, seit den 90ern, mit ihren Wachen Schließungen zeigt jetzt überdeutlich ihre Folgen. Die Polizei ist kein Wirtschaftsunternehmen und kann auch nicht so geführt werden! Dieser ganze Unsinn mit dem neuen Steuerungsmodell und der dilettantisch umgesetzten „Reform“ der Polizei hat insgesamt für die Polizei selbst und vor allem die Bürger katastrophale Folgen.“

Thomas Röwekamp Portrait
Die Antwort bekamen wir (leider) nicht vom Landrat, sondern vom Leiter der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna, Thomas Röwekamp (Bild oben).
Er stellt den aktuellen Sachstand für die Kommunen im Kreis Unna (außer Lünen) wie folgt dar:

„Im Zuständigkeitsbereich der KPB Unna gibt es an vier Standorten Polizeiwachen mit 24-Stunden-Dienst. Diese Polizeiwachen sind in Werne, Kamen, Unna und Schwerte angesiedelt.

In Bergkamen ist eine Polizeiwache angegliedert, dort gibt es einen Anzeigendienst, der nicht 24 Stunden besetzt ist.

In den Städten Selm, Bönen, Fröndenberg und Holzwickede sind Bezirksdienstaußenstellen angegliedert. Die Bezirksbeamten versehen Dienst in ihren Bezirken und bieten zu bestimmten Zeiten Sprechstunden an.

Die Polizeipräsenz in den Kommunen wird durch den Wach- und Wechseldienst gewährleistet. Das erfolgt von den vier o. a. Polizeiwachen, die 24 Stunden besetzt sind. Auch an diesen Standorten ist ein Bezirksdienst angegliedert.

Über die genaue Anzahl der Streifen bzw. eingesetzten Beamten geben wir aus taktischen Gründen keine Auskunft.

Die Schwerpunkte der Bestreifung ergeben sich u. a. aus eingeteilten Bereichen und aus den jeweiligen Lagebildern, die ausgewertet werden.

b)    Die polizeiliche Präsenz orientiert sich u. a. an dem täglichen Einsatzgeschehen und der daraus resultierenden Lagebewertung. Darüber hinaus werden die Beamten im Rahmen der vorhandenen Ressourcen z. B. zur Bekämpfung des Wohnungseinbruchsdiebstahls eingesetzt.

Was zusätzliches Personal zur Erfüllung der polizeilichen Aufgaben betrifft, so wird der KPB Unna, genau wie den anderen Behörden im Land, das Personal durch einen bestimmten Verteilerschlüssel zugewiesen.“

Am kommenden Montag, 7. 3., wird landesweit (so auch in der KPB Unna) die Kriminalitätsstatistik für das Jahr 2015 vorgestellt.

Kommentare (10)

  • Mike

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    Der Mike hat das nicht geschrieben, müsste Sven gewesen sein 😉

    Wie auch immer, die Antwort ist sehr politisch geschickt formuliert, der gute Mann könnte genauso Manager oder Politiker sein, um den heißen Brei herumgeredet aber keinerlei Aussage ob er mehr oder weniger Personal bräuchte :-(

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    • Sven Arnt via Facebook

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      Ich war es 😉

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      … irgendwann MUSSTEN wir euch zwei ja mal durcheinanderwerfen. 😉 sry!

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    • nrwdjango

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      Tja so sieht es aus. Keiner ist der Meinung, daß mehr Personal wirklich benötigt wird. Wieso auch? Sollen die Leute ihre Häuser und Wohnungen eben selbst schützen und Bürgerwehren gründen. In Unna und im ganzen Kreis wird es sowieso irgendwann welche geben, davon bin ich überzeugt. Auf Dauer wird das neu eingestellte Polizeipersonal nicht reichen um alle Aufgaben weiterhin zu bewältigen.

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  • Wierumer

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    Das der Landrat diese Anfrage nicht beantwortet war doch klar. Vielleicht wäre ja die Chance gewesen wenn man einen Fotografen geschickt hätte. Und was soll der Leiter der Pressestelle schon direkt sagen wenn der unmittelbare Vorgesetzte keine öffenliche Meinung hat und Herr Stöckel ja nun fest die Meinung vertritt die Polizei sei in den letzten Jahren aufgestockt worden (Kommentar 25.1.2016 Rundblick) Wie die Situation aussieht ist seit Jahren bekannt. http://www.welt.de/politik/deutschland/article136466953/Stellenabbau-schwaecht-Polizei-im-Kampf-gegen-den-Terror.html
    http://www.gdp.de/gdp/gdpnrw.nsf/id/DE_GdP-zur-Personalentwicklung-der-Polizei-Schoenrechnen-hilft-nicht
    Ich zitiere auch gerne mal aus dem Fokus Artikel
    http://www.focus.de/politik/deutschland/gewalt-mehrarbeit-personalabbau-diese-sieben-grafiken-zeigen-wie-schlecht-es-polizisten-in-nrw-wirklich-geht_id_4863284.html

    Personalabbau in NRW
    In den kommenden zehn Jahren sollen jährlich mehr als 1500 neue Polizisten in NRW eingestellt werden. Dieser Zuwachs wird durch Pensionierungen jedoch nicht nur ausgeglichen, sondern ins Minus gezogen.

    Mehrarbeit
    Die Polizei in NRW hat 3,8 Millionen Überstunden angehäuft.SPD-Innenminister Jäger sagte, man könne diesen Berg in fünf Jahren abtragen. Doch die Statistik zeigt: Auch 2014 überstiegen die neuen Überstunden wie schon in den Jahren zuvor die abgebauten Überstunden.

    Beamtenbesoldung im nationalen Vergleich
    Im nationalen Vergleich liegen die Polizisten in NRW in der Besoldungsstufe A9 (bspw. Polizeikommissare und Polizeihauptmeister) auf Platz 10 und auf der Besoldungsstufe 13 (bspw. Polizeirat) auf Rang 13 und verdienen damit deutlich schlechter

    Anteil der Polizei am NRW-Haushalt
    Während der NRW-Haushalt und die Personalausgaben des Landes in den Jahren 2013 bis 2015 steigen, werden die Personal- und Sachkosten der Polizei in Nordrhein-Westfalen zurückgeschraubt.
    Zitat Ende

    Was also bitte soll H. Röwekamp zu der Anfrage sagen als nur irgendwelche diplomatischen Ausflüchte.

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  • Sven Arnt via Facebook

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    Lieber Rundblick, ihr habt Wort gehalten und Nachgefragt, sehr gut :-)! Die Antwort entspricht in etwa dem, was ich erwartet habe. Was soll der Pressesprecher auch schon sagen. Allerdings ist das schon so sehr nichtssagend, dass man es sich fast hätte ersparen können. Da hätte ich aber, wie bereits gefordert, eine Antwort des politisch Verantwortlichen Herrn Makiolla erwartet. Auch dem Pressesprecher muss die prekäre Personalsituation bekannt sein. Wierumer hat das in seinem Post ja sehr anschaulich dargestellt wie die Zahlen und die Investitionssituation ausschaut. NRW hat leider seit Jahren ein erhebliches Haushaltproblem. Ich frage mich dabei aber, ob da bei den Investitionen und notwendigen Einsparungen die richtigen Schwerpunkte gesetzt werden. Ich glaube dem ist nicht so. Als bevölkerungsreichstes Bundesland mit den riesigen Ballungsräumen und ihren nicht zu übersehenden Problem Bezirken, sollte es für die Landesregierung ganz klar drei Primärziele geben: Bildung, innere Sicherheit und Infrastruktur. In allen Bereichen gibt es massive Probleme. Die löst man im Bereich Bildung nicht dadurch, dass man mit riesigen Einheitsschulen bestehende Strukturen platt macht, Inklusion als Sparmodell umsetzt, um noch mehr Schulen, hier die Förderschulen, schließen zu können um schlicht Stellen und Geld zu sparen. Man löst drängende Probleme im Bereich innere Sicherheit auch nicht mit immer weniger Polizei, weniger Wachen und Personal. Und auch wenn ich die Idee persönlich schön finde, dann stünde eine Fahrradautobahn nicht auf der Prioritätenliste ganz oben, sondern die Sanierung bestehender Infrastruktur. Wenn ich dann auf berechtige Nachfragen, ein derartiges Blabla von der auch für meine Sicherheit zuständigen KPB lesen muss, dann bin ich ehrlich gesagt richtig sauer. Dem Pressesprecher kann man da keinen Vorwurf machen, dem Chef der Behörde allerdings schon, weil er sich nicht selbst diesen Nachfragen stellt. Ich denke, das Land NRW und dessen Bürger haben da deutlich mehr und ausgiebige Antworten verdient und vor allem erwarte ich ein umsetzbares Konzept von der Politik, wie man gedenkt diese Probleme zu lösen.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Lieber Sven Arnt, wir finden es auch bedauerlich, dass diese sehr expliziten Fragen nicht vom Landrat selbst beantwortet wurden. Der Polizeisprecher kann natürlich nichts Weiteres sagen als das, was er uns geschrieben hat. Die Außenwirkung finden wir nicht eben glücklich. Zumal ja inzwischen deutlich geworden werden müsste, dass hier so einige mitlesen und sich äußern, die interne Kenntnisse der Situation mitbringen und sich noch weniger als unkundige Leser mit Worthülsen abspeisen lassen. Aber na ja.

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  • NRWDjango

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    Schon das man nicht genaue Details, wieviele Streifenwagen und wieviel Personal tatsächlich vorhanden ist öffentlich macht, sagt schon aus, daß es nicht ausreichend ist. Selbst 1900 Polizisten, die bis 2017 oder 2018 ausgebildet werden, werden langfristig nicht die Pensionierungen ausgleichen können. Es fehlt an allen Ecken und Enden Personal und da im Kreis Unna in den nächsten Jahren auch weniger Menschen leben werden, wird logischerweise hier auch nicht mehr Personal für die Polizei bereitgestellt. Und ich habe mal beobachtet, das ein Streifenwagen Methler komplett einmal durchfuhr und dann noch halb Kamen-Mitte patroullieren musste. Normaler haben die Polizeibehörden doch separate Gebiete und dann hätte der Wagen nur durch Methler fahren müssen und danach zurück zur Wache. Man sieht es schon, dickes Geld für neue dicke BMW 3er Tourings ist vorhanden aber für andere wichtigere Dinge natürlich nicht. Und die B 90/Grünen wollen ja die Kreispolizeibehörden abschaffen und in wenigen Großbehörden integrieren. Somit verliert Unna und Kamen ihre Wachen und polizeiliche Präsenz wird gegen Null tendieren. Und dann müssen die Polizisten für eine Streifenfahre z.b. von 30 oder 40 Kilometer Entfernung anrücken. Naja dann wünsche ich eine Gute Fahrt.

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  • Flo

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    Die Polizeipräsenz im Kreis Unna lässt schon heutzutage viele Diskussionen vielerorts angemessen zu. In Kamen selbst hat man schon öfter den Eindruck, es fehlt die Polizei im Außendienst. Und in den anderen Stadtteilen lässt sich die Polizei auch nicht mehr so oft sehen wie viele Jahre davor. Also Personalmangel wird immer verneint und schnell mit anderen Themen unter den Tisch kehren aber die Wirklichkeit sieht nunmal anders aus. Erhöhte Einstellungszahlen werden nichtmal die Polizisten ersetzten, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen. Man baut nur einen kurz bzw. mittelfristigen Personalüberschuss auf, der dann wieder in den Keller absinkt. Und die GDP freut sich natürlich über diese 1900 Einstellungen für die Polizei, die angeblich bis zum Jahre 2023 620 neue Polizisten ergeben wird, aber viele andere Details werden nicht mitgerechnet. Diese ganzen Grafiken der GDP lassen wirkliche Zweifel zu, zumal erst ein Verlust von circa 1600 Polzisten bis zum Jahre 2025 berechnet wurde mit den 1900 neuen pro Jahr und aufeinmal 620 mehr Polizisten ergeben soll. Irgendwo ist doch ein Haken. Nur wo???????? Die Politik hat die Innere Sicherheit nicht nur vernachlässigt, sondern hat keinen Plan, wie diese Sicherheit umgesetzt werden soll. Wachpolizisten wie in Sachsen, sind keine gute Lösung, nur um teure vollausgebildete Polizisten nicht einstellen zu müssen. Und zwei Tarifbeschäftigte für die KPB Unna, die angeblich die Polizisten im Innendienst entlasten sollen, daran glaubt keiner. Denn es sind nur befristete Verträge für diese Personen ausgeteilt worden. Und wenn diese Verträge auslaufen, sollen neue Polizisten, die nichtmal ausreichend zur Verfügung stehen werden in den nächsten Jahren, als ein erfolgreiches politisches Ergebnis gefeiert werden. Kurzum. Die Politik und die Innere Sicherheit? Eine sehr denkwürdige Angelegenheit.

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  • 123

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    Ihr lügt doch eh nur. Als ob in den nächsten Jahren ausreichend Polizei Personal zur Verfügung steht. Weiterer Personalabbau ist längst beschlossen. Was wollt ihr sagen? Das es besser wird , wenn Rot-Grün abgewählt wird? Ob CDU, Grüne, FDP oder die Linke. Der Personal Abbau bei der Polizei geht eh weiter. Kann kommen was will.

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