Rundblick-Unna » Land bedeutet Leben: Kirchenkreis thematisiert Ausbeutung von Afrika

Land bedeutet Leben: Kirchenkreis thematisiert Ausbeutung von Afrika

Land gehört jemandem, und wenn es jemand anders nutzen will, muss er es vorher zu einem reellen Preis kaufen oder pachten. Dafür gibt es Regeln und Verträge. So sind wir es gewohnt. Doch in vielen Ländern ist das nicht so. Immer mehr Land, besonders in Afrika, wird von globalen Unternehmen oder anderen Staaten aufgekauft oder gepachtet, meist ohne Rücksicht auf die Menschen, die es seit langer Zeit nutzen. Damit beschäftigte sich jetzt der Thementag Afrika des Kirchenkreises im Philipp-Nicolai-Haus in Uelzen.

 Der gemeinsamen Einladung des Tansania-Arbeitskreises, des Freundeskreises Dordabis und des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe) waren 20 Teilnehmer gefolgt. Ein Land wie Tansania, in dem 80% der Bevölkerung von Landwirtschaft leben, hat bereits jetzt 7% der gesamten nutzbaren Fläche an Investoren verpachtet, Tendenz steigend. Eine Fläche von 801.000 Hektar, etwa dreimal so groß wie das Saarland. Für die landwirtschaftliche Nutzung oder mit Blick auf die Bodenschätze ist die Fläche sehr begehrt.

In Namibia fand die Landaneignung eher vor 120 Jahren statt. Das Land wurde als Ansiedlungskolonie für deutsche Siedler den Volksgruppen gewaltsam genommen. Erst seit 25 Jahren ist Namibia selbständiger Staat, immer noch ist das Land zum größten Teil in Hand von Weißen.

So liegt das in Partnerschaft verbundene Dorf Dordabis auf dem Gelände einer Farm eines deutschen Besitzers. Hiervon berichtete Andreas Massmann, der im Rahmen der Arbeit des Freundeskreises Dordabis erst kürzlich Namibia besucht hat.  Einen Einblick in die Lage des Westafrikanischen Staates Guinea gab Aboubacar Balde, hier sind es besonders Edelmetalle, die vornehmlich westliche Firmen anlocken.

 Wer Land verliert, verliert auch die Souveränität über die Versorgung der eigenen Bevölkerung. Die Umwelt wird stärker verschmutzt, die Artenvielfalt ist bedroht. Vertreibung und Armut führen zu Konflikten in der Bevölkerung.

Eine besondere Form stellt das sogenannte Green Grabbing dar: Landeignung im Namen des Naturschutzes. Dort werden Biokraftstoffe gewonnen oder Wasserreservate geschützt, um seitens der Organisationen oder Firmen entsprechende Zertifikate erfüllen zu können. Die Folgen für die Bevölkerung sind jedoch immens: Umsiedlung und Verlust des Zugangs zu Wasser und zu Pflanzen, zur Jagd oder zu kulturellen Orten.

Wieso beschäftigen sich die Partnergruppen hiermit? Die Erfahrung in den Partnerländern habe gezeigt, dass überall die Armen Opfer von globalen Entwicklungen sind, so Jana Eckei. Sie ist Studentin am Institut für internationale Studien und Entwicklung in Genf und Afrikakennerin, sie leitete durch den Thementag. Hier sei es Pflicht und Verantwortung der Kirche, Sprecher der Sprachlosen zu sein und ihnen unterstützend an der Seite zustehen. Aber auch hier vor Ort kann sie ihre Stimme erheben: Information über die Auswirkungen der Landnahme und Einfluss auf Nahrungs- und Energiekonsum sowie die Unterstützung schonenden Umgangs mit Ressourcen.

Für die Partnerschaftsarbeit sei es auch nötig, Projekte der Partner zu unterstützen, die nachhaltige Landwirtschaft fördern und der Zukunft der Bevölkerung dienen. Konkrete Verabredung war, bei den bevorstehenden Besuchen die Landnahme zum Thema zu machen und hier im Kirchenkreis für die Situation der betroffenen Menschen zu sensibilisieren.

Afrikatag online

Anhand eines Rollenspieles erfuhren die Teilnehmer, welche Möglichkeiten die Bevölkerung hat, sich gegen Landnahme zu wehren. Jana Eckei (r.) und Beate Heßler vom Amt für MÖWe führten in das Spiel ein. (Foto: Kirchenkreis Unna)

Kommentieren