Rundblick-Unna » Kriminalstatistik 2015 – PK – „Gute Verkehrsanbindung ist Fluch und Segen zugleich“

Kriminalstatistik 2015 – PK – „Gute Verkehrsanbindung ist Fluch und Segen zugleich“

Ein Nachbericht zur Pressekonferenz mit Landrat Michael Makiolla, Kriminaloberrat Volker Kleisa (Direktionsleiter Kriminalität) und dem leitenden Polizei-Direktor Hans-Dieter Volkmann sowie PHK Thomas Röwekamp.

Gleich zu Anfang macht Landrat Michael Makiolla den Anwesenden Mut: „Wir leben in einer Region, wo wir im Grunde genommen, nach wie vor, sicher leben können.“
Bei vielen Deliktsarten wurden über einen längeren Zeitraum, zurückgehende Fallzahlen fest. Das gilt besonders für die Gewaltkriminalität und Raubdelikte. Bei anderen Straftaten wie z.B. Sexualstraftaten und Straßenkriminalität stagnieren die Zahlen.

Große Sorge bereitet ihm die Entwicklung der Anzahl bei den Wohnungseinbrüchen. Er zeigte Verständnis für subjektive Angst bei der Bevölkerung und nimmt die Sorgen der Bürger sehr ernst!
Von 2013 – 2014 konnte man die Zahlen bei Wohnungseinbrüchen spürbar reduzieren. Dagegen sind sie aber 2015 wieder sehr stark gestiegen.
Die Aufklärungsquote und Festnahmen konnten erhöht werden. Was auf das erhöhte Engagement der Beamtinnen und Beamten zurückzuführen ist.
Für Makiolla als Behördenleiter ist das Ergebnis aber dennoch unbefriedigend.
„Offensichtlich brauchen wir hier einen langen Atem, um zu nachhaltigen Erfolgen zu kommen“, äusserte er sich zu der momentanen Situation.
Deswegen ist auch 2016 die Bekämpfung der Wohnungseinbruchskriminalität der Schwerpunkt der Arbeit der Kreispolizeibehörde.

Man kann sich an oberster Stelle drehen und wenden, wie man will – Zusatzpersonal wird es zunächst wohl nicht geben. Auch wenn sich mehr Beamte in der Ausbildung befinden – so eine Ausbildung dauert ja auch drei Jahre…
Dafür wird intern aber die Ermittlungskommission Wohnen personell verstärkt. Dazu unterstützt die Bereitschaftspolizei die Überwachungs- und Kontroll-Arbeit in besonders gefährdeten Wohngebieten.

Weiterhin ruft Makiolla die Bürger dazu auf, die Polizei jederzeit (über die Notrufnummer 110) über verdächtige Beobachtungen zu informieren.
Es gab im vergangenen Jahr viele gute und nützliche Hinweise, die es der Polizei ermöglicht haben, den Tätern auf die Spur zu kommen, oder zumindest dafür sorgten, daß Täter verdrängt werden konnten.
„Wir bekommen wesentlich mehr und qualitativ bessere Hinweise aus der Bevölkerung“, so Makiolla. Er stellte dazu fest, daß man auf die Hilfe der Bevölkerung angewiesen ist, um im Kampf gegen die Einbrecher erfolgreich zu sein.
Der Landrat weiter: „Wir brauchen den aufmerksamen Nachbarn, der die Polizei benachrichtigt, wenn er in der Straße etwas verdächtiges beobachtet“.

Makiolla rät allen Hausbesitzern, sich technisch weiter aufzurüsten. Die Polizei berät dazu gerne. Die Zahl der gescheiterten Wohnungseinbrüche zeigt, dass man sich erfolgreich schützen kann.

Und er wiederholt fest entschlossen: „Wir brauchen einen langen Atem – und den hat die Kreispolizeibehörde!“
Makiolla glaubt daran, das Problem der Wohnungseinbruchskriminalität in den Griff zu bekommen.

Es folgt Kriminaloberrat Volker Kleisa (Direktionsleiter Kriminalität):

Er berichtet von einer etwa 2,6 prozentigen Steigung der Delikte – das geht hauptsächlich auf die Kappe der Einbrüche in Wohnungen und Diebstähle an und von PKWs.
Volker Kleisa zeigt sich bei der Aufklärungsquote nicht ganz zufrieden – aber dennoch „befindet man sich in einem vertretbarem Rahmen“, da die Fallzahlen nicht wie befürchtet nach oben geschnellt sind.

Schwerte und Unna können was – das konnte man bereits gestern an den Zahlen sehen.

http://rundblick-unna.de/mehr-kriminalitaet-deutlich-mehr-wohnungseinbrueche-unna-und-schwerte-einsame-spitze/

Für die Hardcore-Statistiker haben wir die kompletten Daten des Kreises Unna hier:

http://www.polizei.nrw.de/unna/artikel__13233.html

Holzwickede bietet auch steigende Zahlen, aber die relativieren sich etwas anders, da dort viele einzelne Fälle einem großen Betrugsdelikt zuzuordnen sind.

Besonders auffällig im Kreis Unna ist, dass Fahrräder bei den Dieben scheinbar aus der Mode kommen. Da sind im Jahr 2015 weitaus weniger Diebstähle zu verzeichnen, als noch im Vorjahr.
Ein Rückgang ist auch bei den Gewaltdelikten zu verbuchen! Im Vergleich zu ganz NRW, wo die Strafzahl gestiegen ist, liegt der Kreis unter dem Trend.
Bei der Straßenkriminalität sieht es so aus, dass die Zahlen nicht so zurückgegangen sind, wie man es sich erhofft hatte. Das liegt zum Teil an Diebstähle aus und von PKWs.

Die Steigerung von rund 31 % bei Wohnungseinbrüchen liegt mitunter an der günstigen Verkehrsanbindung. Insbesondere in Schwerte und Unna.
Aber auch die Aufklärungsquote ist gestiegen. Dabei ist noch einmal darauf hinzuweisen, dass „die Bürger einfach aufmerksamer geworden sind, was häufig zur Aufklärung bzw zur vereitelung von Straftaten beiträgt“, wie Kleisa mitteilte.
Er geht davon aus, dass diese Straftaten von sehr gut organisierten, südosteuropäischen Banden durchgeführt werden. Für diese Gruppierung ist es nicht nur wichtig, schnell an das Ziel zu gelangen, sondern es ist da noch wichtiger, schnell vom Tatort wieder wegzukommen. Das erklärt z.B. die erhöhten Strafzahlen in Unna und in Schwerte.
Somit ist „die sehr gute Verkehrsanbindung Fluch und Segen zugleich“, fügte Michael Makiolla hinzu. So wird die Beute sehr schnell vom Tatort weggeschafft. Technische Geräte wie z.B. Fernseher sind da übrigens mittlerweile völlig uninteressant. Die Täter bedienen sich da lieber an Bargeld und Schmuck, da es schon mal leichter mitzunehmen – aber auch schwerer nachzuweisen ist.
Aber davon mal ab – man wird kaum nachts jemanden sehen, der einen Fernseher durch die Gegend trägt.

Das wäre unter Umständen eher ein Fall für Täter aus dem Bereich der Beschaffungskriminalität … für Drogen z.B.

Aber Nachts einzubrechen ist eh out! Die Zahl der Tageseinbrüche steigt stetig. Vorzugsweise wird in der Zeit von 06 Uhr bis 21 Uhr in die Wohnungen eingestiegen, erklärte Kriminaloberrat Kleisa.
„Besonders gravierend sind die Zahlen der Anzeigen, wo die Geschädigten im Wohnzimmer sitzen, während das Schlafzimmer ausgeräumt wird – oder umgekehrt“, fügte er hinzu. „An Dreistigkeit kaum zu überbieten“ und ohne Rücksicht auf Verluste. Wobei man aber auch sagen muß, daß die Täter in den seltensten Fällen auf direkte Konfrontation mit den Opfern gehen. Schnell ins Haus, Beute schnappen, schnell raus – fertig.

Genau vor dem Hintergrund auch noch einmal der Apell von Makiolla, auch zur Tageszeit Augen und Ohren offen zu halten und bei Verdachtsfällen die 110 zu rufen.

„Ob Tag oder Nacht – das spielt bei den Tätern keine Rolle mehr“ – so Kleisa.

Gerade im Bezug auf die Südosteuropäischen Banden ist es zwar wichtig, Präsenz zu zeigen – aber eben auch nachhaltig die Täter Dingfest zu machen. Sei es durch Straßenkontrollen an Autobahnzubringer oder durch die Staatsanwaltschaft und Gerichte, die da mit an einem Strang ziehen. Ziel ist es eben, abzuschrecken oder eben besser noch „FESTZUNEHMEN“ wie Makiolla kampfeslustig hinzufügte.

Im Nachgang wird zusätzlich durch Beamte in Zivil observiert. Also sollten die Herren Diebe sich selbst nach einer Kontrolle nicht zu sicher fühlen!

Ganz deutlich wurde es dann im Bezug auf diejenigen, die auf frischer Tat ertappt wurden. Kleisa sagte ganz klar, dass „das gute Ergebnis kein Erfolg der guten Ermittlungen der Polizei ist, sondern vielmehr die Bevölkerung mit sehr guten, konkreten Hinweisen dazu beigetragen hat“.

Und hier noch einmal der wichtige Hinweis, weil man es einfach nicht oft genug sagen kann:
Erst die 110 anrufen, dann weiter beobachten und zur Not mit der Polizei in Kontakt zu bleiben! Mit rufen z.B. verhindert man zwar eine vermeintliche Straftat, aber leider auch, den oder die Täter Dingfest zu machen.

Aber die Kriminalitätstatistik besteht ja nicht nur aus Wohnungseinbrüchen.
Taschendiebstahl – Auch da sind die Zahlen etwas gestiegen. Dagegen ist die Aufklärungsquote etwas gesunken.

Im Bereich der Straftaten in Verbindung mit PKWs geht es überwiegend um Fahrzeuge der Marken BMW und Mercedes. Da werden, wie zuletzt, entweder ganze Fahrzeuge entwendet oder es wird der Diebstahl von Navis und Komplettlenkräder mit Airbag gemeldet.

Ein kleiner Einblick in die Drogenszene zeigt, dass die Sicherstellung von Haschisch, Kokain und Ecstasy stark gestiegen ist. Das hat auch damit zu tun, dass 2015 in Unna ein Schlag gegen eine Gruppierung gelungen ist. Dazu gehört auch die Festnahme von 5 Personen. Im Bezug dessen stehen aber evtl noch korrekturen aus, da es um erhebliche Geldbeträge geht. Es ist die Rede von gut einer Mio €uro, was da evtl noch aussteht. Kleise fügte noch hinzu:“So ein Schlag gelingt einem nicht jedes Jahr“.

Bleibt noch zu sagen, dass die Jugendkriminalität etwas gesunken ist.

Aber jetzt! So zwei Tage nach der Wahl war das Thema Flüchtlinge, bzw Asylbewerber auch hier das Thema.
„Die Anzahl der Tatverdächtigen, wo es sich um Asylbewerber handelt, liegt bei 6,64 Prozent“.
„Im Kreis Unna sieht man, dass durch die Unterbringung der Flüchtlinge, die Kriminalität nicht steige“.
74,5 % der Verdächtigen sind tatsächlich Deutsche. „Das zeigt, dass die Ängste wegen Flüchtlingen im Kreis Unna unbegründet sind“ beschwichtigt Makiolla die Bevölkerung.

Trotzdem – oder gerade wegen der Angst, ist der kleine Waffenschein besonders gefragt. Da wurden bereits über 200 Stück im Kreisgebiet ausgegeben.
Ebenso wurde festgestellt, dass sich Pfefferspray äußerster Beliebtheit erfreut.

Auch, wenn wir vom Rundblick täglich von Einbrechern und Dieben berichten, so macht Landrat Michael Makiolla uns doch Mut, indem er uns sagt:
„Wir leben in einer Region, wo wir im Grunde genommen, nach wie vor, sicher leben können“.

Er, wie auch Kriminaloberrat Volker Kleisa, mahnten mehrmals zur Vorsicht und Aufmerksamkeit und gemeinsamer „Nachbarschaftsarbeit“. Einfach mal mitdenken. Taschen und Geldbörsen nicht leicht zugänglich aufbewahren und die Haustechnik aufzurüsten. Wie gesagt – die Polizei berät dazu gerne!

 

Auf dem Bild: Hans Dieter Volkmann (Leitender Polizei Direktor), Landrat Michael Makiolla und Kriminaloberrat Volker Kleisa(Direktionsleiter Kriminalität) Foto: Zippelmütz

Kommentare (13)

  • Markus Antonius

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    Nichts als blabla. Otto Normalverbraucher soll höhere Steuern für eine Verstärkung der Trachtengruppe zahlen, gleichzeitig aber mehr Geld in die Sicherung seines Eigentums und mehr Zeit in Blockwarttätigkeiten investieren. Aber natürlich nicht in organisierter Form, da jede Nachbarschaftswache oder Bürgerwehr ja das staatliche Organversagen dokumentiert. Ich sage nur National Riffe Association: 9 mm Parabellum si vis pacem. Macht mehr Spaß und ist preiswerter als jede professionelle Alarmanlage.

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  • Peter Köhler via Facebook

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    Ich habe nach einigen Beiträgen hier im rundblick gesucht. Die scheinen gelöscht worden zu sein. Ist es so, dass der Rundblick jetzt zu kritische Meinungen einfach löscht?

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  • Mike

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    Und für mich wieder mal eine falscher Schritt, es braucht mehr Personal. Es bringt nichts die Ermittlungskomission Wohnen aufzustocken, denn die Leute werden aus anderen Bereichen abgezogen wo sie dann wiederum fehlen.
    Anscheinend hat der Landrat inzwischen erkannt was ich schon lange sage, die Verkehrslage in Unna ist so gut, daß es ein bevorzugtes Ziel ist, daher muss man, ähnlich wie in Dortmund die Schwerpunktkontrollen auf deren Fluchtroute wie Brackeler Straße -> B236 schwerpunktmässig kontrollieren, das Diebesgut aus den ganzen PKW Diebstählen dürfte sich somit finden lassen und wer Navis und Airbags von BMW und Co. in seinem Sprinter liegen hat ohne Papier müsste dann mal genauer überprüft werden.
    Und Einbruchsprävention braucht nicht unbedingt Polizeibeamte, Streife fahren kann auch ein Ordnungsamt welche bei Verdacht dann die Polizei hinzuruft, zudem könnten sie wesentlich unauffälliger agieren als die Polizei und das bei gesenkten Kosten.

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  • petter Uhlenbusch

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    Solange es kein massives Umdenken der verantwortlichen Politiker (IM Jäger;-)) gibt, sprich: Wesentlich mehr Polizisten, wesentlich mehr Polizeistreifen, auch des Nachts, wird man weiterhin in Angst und Bange leben. Deswegen Grenzen schliessen. Die paar Millionen Euro, die unsere gierigen Industrievertreter an Verlust anmahnen, die können wir doch locker wegstecken! Selbst die ärmsten der Europäischen Länder können das!

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Der Link zum Bericht, in dem die Entwicklung anhand der Fallzahlen vorgestellt wird: http://rundblick-unna.de/mehr-kriminalitaet-deutlich-mehr-wohnungseinbrueche-unna-und-schwerte-einsame-spitze/

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