Rundblick-Unna » Kreispolizei meldete 106 Fälle häuslicher Gewalt – Tendenz steigend: Frauen brechen ihr Schweigen

Kreispolizei meldete 106 Fälle häuslicher Gewalt – Tendenz steigend: Frauen brechen ihr Schweigen

67 Frauen mit 58 Kindern suchten im vorigen Jahr Schutz im Frauenhaus Unna; vor gewalttätigen Partnern und Ehemännern. Und über 100 Mal musste die Kreispolizei mit Blaulicht Frauen zur Hilfe eilen, die gerade von einem Mann, von ihrem Mann grün und blau geprügelt wurden. „Nein!!!“ zu Gewalt gegen Frauen!

Auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus zeigten Unnaer Frauen heute buchstäblich Flagge. Sie hissten sie, die Flagge. Als weithin sichtbares Signal gegen jedwede Form von Gewalt gegen Frauen, ob körperlich oder psychisch. Das Büro für Gleichstellungsfragen veranstaltete diesen Tag gemeinsam mit dem Mädchen- und Frauennetzwerk, dem Frauenforum und dem Zonta-Club HammUnna.

Unter dem Motto „NEIN zu Gewalt an Frauen. Frei leben – ohne Gewalt“ wiesen die Frauen und Männer auf die Diskriminierung von Frauen hin und machten die Ächtung jeglicher Form von Gewalt deutlich. Wie stark Frauen in Unna betroffen sind, verdeutlichen die Zahlen der Kreispolizeibehörde und des Frauenforums.

2014 suchten 67 Frauen mit 58 Kindern Schutz im Frauenhaus. Sie hatten Gewalt von ihrem Ehemann, Freund, Lebenspartner erlebt. 357 Frauen und Mädchen wandten sich an die Beratungsstelle, sehr häufig stand dabei auch das Thema Gewalterfahrungen im Mittelpunkt.

Die Polizei wurde in Unna 2014 zu 106 Fällen Häuslicher Gewalt gerufen. Bis Ende Oktober 2015 waren es bereits 90 Fälle. Während im Vorjahr 30 Gewalttäter aus der Wohnung verwiesen wurden, waren es bis Ende Oktober 2015 bereits 28 Wohnungswegweisungen.

Hintergrund: 1981 wurde der 25.November als Internationaler Tag „Nein zu Gewalt an Frauen“ ausgerufen. Seither setzen sich Menschen an diesem Tag weltweit für die Beseitigung von Gewalt und Diskriminierung an Frauen ein. So auch in Deutschland, wo Gewalt gegen Frauen noch immer trauriger Alltag ist. Jede dritte Frau ist von körperlicher oder sexueller Gewalt betroffen. Rund 25 Prozent aller Frauen erleben Gewalt in ihrer Partnerschaft. Mehr als die Hälfte der Frauen wurde mindestens einmal im Leben sexuell belästigt. Zu diesen Ergebnissen kommt eine aktuelle Studie der EU.

Doch nur 20 Prozent dieser Frauen nutzen die Beratungseinrichtungen. Anlässlich des diesjährigen 25. Novembers hat das Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“ bundesweit zu der Aktion „Wir brechen das Schweigen“ auf. Ziel der Aktion ist es, das bundesweite Hilfetelefon bekannt zu machen. Seit 2013 besteht diese Einrichtung als Ergänzung zu den Fachberatungsstellen und Frauenhäusern der Regionen. Als erstes bundesweites Angebot ist das Hilfetelefon an 365 Tagen im Jahr, rund um die Uhr unter der Rufnummer 08000 116 016 und über die Online-Beratung unter www.hilfetelefon.de erreichbar. Anonym, kostenlos, barrierefrei und in 15 Sprachen.

Die Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Unna unterstützen die Aktion und weisen auf diese Hilfemöglichkeit hin. Sie wollen Frauen Mut machen, sich beim Hilfetelefon beraten zu lassen oder sich an die hiesige Fachberatungsstelle zu wenden. Im Kreis Unna ist die Frauen- und Mädchenberatungsstelle unter der Telefonnummer 02303-82202 die direkte Anlaufstelle. Entweder telefonisch oder im Rahmen eines persönlichen Gespräches erhalten Frauen und Mädchen Unterstützung in Krisensituationen, Informationen zu Hilfsmöglichkeiten und ggf. Begleitung zu Polizei, anwaltIicher Beratung oder Ämtern. Auf der Homepage des Frauenforums Unna können sich Mädchen und Frauen darüber hinaus auch online beraten lassen, dazu das Logo „Online-Beratung“ anklicken unter www.frauenforum-unna.de .

Flagge

Kommentare (5)

  • Antonia Marie DevMurti Haile via Facebook

    |

    dann wünsche ich allen Männern mit Häuslicher Gewalt das sie auch einen Platz finden und aus der Tabuecke raus kommen

    Antworten

  • Robert Mützner via Facebook

    |

    Aus einem eigenen Projekt weiß ich, dass es auch viele Männer gibt, die Opfer häuslicher Gewalt sind. Man will doch immer Gleichberechtigung, macht dann aber Projekte nur auf Frauen spezialisiert :-)

    Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      Wir schließen uns dazu dem Kommentar von Antonia Marie DevMurti Haile an, Robert Mützner. :-) Alle Formen der Gewalt sind zu verurteilen.

      Antworten

    • Antonia Marie DevMurti Haile via Facebook

      |

      es ist wie beim Sexuellen Missbrauch erst als die Odenwaldschule betroffen war war es Geselschaftsmässig annerkannt das auch Jungs Missbraucht werden. In einigen Stadten gibt es Männerbüros die auch Männer mit Gewalterfahrung aufnehmen und deren Kinder, vielleicht werden es ja noch mehr

      Antworten

  • Jama To via Facebook

    |

    Dunkel Ziffer misshandelte Männer (häusliche Gewalt!) ist genau so groß wie offizielle Ziffer misshandelten Frauen! Nur Männer schweigen!
    Frauen sind mittlerweile noch brutaler und aggressiver als Männer!!!
    Keine Gewalt! Egal welche Art!

    Antworten

Kommentieren