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Konzert für Fröndenbergs Flüchtlingshilfe: Kritische Töne zu munteren Klängen

Beschwingten Klängen gingen kritische Töne voraus. Beim Benefizkonzert für die Fröndenberger Flüchtlingshilfe am Sonntagabend  nahm Dr. Wolf-Gerhard Kramme, langjährig für Eritrea engagierter Arzt aus Fröndenberg,  kein Blatt vor den Mund.

 Er beurteilte die bisherige Arbeit des BAMF – Bundesamt für Migration und Flüchtlinge – unverblümt als „Katastrophe“, schilderte kopfschüttelnd die Situation vor Ort in der Ruhrstadt: „Bei Eritreern hier in Fröndenberg hat das Asylverfahren eineinhalb bis zweieinhalb Jahre gedauert! Erst im November – im November! –  präsentierte Innenminister Thomas De Maiziere neu einen Flüchtlingsausweis. Wie lange kommen schon Flüchtlinge zu uns? Seit Monaten, wenn nicht schon seit Jahren!“

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In seiner Einleitung vor dem ca. zweistündigen Konzert in der fast voll besetzten Gesamtschulaula sprach Kramme, der selbst im Patenkreis aktiv ist, offen Probleme und gravierende Fehler in der Flüchtlingskrise an. Um die Fluchtursachen in Syrien einzudämmen, wäre aus seiner Sicht einzig ein striktes Überflugverbot sinnvoll gewesen, kombiniert mit der Einrichtung sicherer Zonen. „Den Menschen in Syrien ist es egal, ob der IS oder Frankreich Bomben auf sie wirft.“

Statt dessen deutsche Tornados zur Aufklärung zu entsenden sei – im Mindesten – kontraproduktiv, merkte der engagierte Arzt scharf an und geißelte zugleich grassierende „staatliche Egoismen“: „Ich habe den Einbruck, dass das Schengenabkommen nicht mehr funktioniert.“

Klar auf Distanz ging Wolf-Gerhard Kramme zur Politik grenzenlosen unkontrollierten Zustroms. „Wir sollten Flüchtlinge nicht unregistriert einreisen lassen“, appellierte er für ein schnellstens geordnetes Verfahren und sprach auch die Dringlichkeit einer umfassenden und zügigen Integrationsarbeit an.

„In den 60er Jahren hatten wir die Gastarbeiterbewegung. Ausländer stellten damals zwischen 9 und 11,5 Prozent der Beschäftigten. Jetzt hat jeder Vierte in  Nordrhein-Westfalen eine Zuwanderungsgeschichte. Es ist vieles falsch gemacht worden. Parallelgesellschaften müssen verhindert werden.“

Gleichwohl – der Flüchtlingspate warb eindringlich für Humanität und mitmenschlichen Einsatz.  „Es ist keine Flut, keine Welle. Es sind Menschen.“ Kramme appellierte für einen „Kontakt ohne Vorurteile“, für Integration im alltäglichen Zusammenleben: in Sportvereinen („da klappt es sehr gut“),  in der Musik.

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Bevor auf dieses Stichwort hin das Musikschulorchester fröhlich mit dem Sesamstraßen-„Manamana“ loslegte (den grünen Plüschkermit dazu hatte Moderator Hans Kuhn neckisch als Handpuppe über den Arm gestreift), schloss Kramme eindringlich: „Unsere Gesellschaft wird sich durch die anderen Kulturen verändern. Viele sorgen sich mit Blick z. B. auf die Araber, ,wer da jetzt kommt´. Was wir brauchen, ist eine Vielfalt der Verschiedenen.“ Unter Anspielung auf die zunehmende Zahl der Übergriffe und Gewalttaten: „Auch ich möchte in einem Land Leben, in dem ohne Angst verschieden sein kann.“

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Das Konzert mit flotter Unterhaltungsmusik von Schlager über Pop bis Musical gestalteten das Musikschulorchester „Sonori Colori“, die Big Band der Gesamtschule, Lena Osadcha und Anna Polomoschnik, das Männerduo „Uwe und Fritz“, der Spielmannszug Bausenhagen, der Chor „Angels Crossing“ sowie der Musiker und Sänger Thomas Weber. Initiiert hatte den Abend die Stadt Fröndenberg. Momentan leben in der Ruhrtstadt (21 000 Einwohner) knapp 400 Asylbbewerber.


Am 27. Februar wird auch in Unna ein Benefizikonzert für die Flüchtlingshilfe veranstaltet. Der „Chor Intakt“ singt.Benefizkonzert flüchtlinge unna

Kommentare (1)

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    In Unna wird es in vier Wochen ebenfalls ein Konzert für die Flüchtlingshilfe geben. Der Chor Intakt singt in St. Martin. Veranstalter ist die Kath. Kirche.

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