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Kirchen bieten Gotteshäuser als Flüchtlingsunterkünfte an

Eine evangelische Kirche im nahen Sauerland soll Flüchtlingsunterkunft werden: Die Kirchengemeinde in Arnsberg stellt ihre Erlöserkirche mitsamt dem angrenzenden Gemeindehaus zur Verfügung, damit die Stadt dort Asylsuchende einquartieren kann.

Die betreffende Kirche sollte – längerfristig – sowieso aufgegeben werden. Momentan allerdings ist sie noch eine ganz „normale“ evangelische Kirche, in der Gottesdienste abgehalten werden. Das Gemeindehaus wird ebenfalls noch regelmäßig für verschiedene Gruppentreffen genutzt. Die Stadt Arnsberg wird nächste Woche zunächst einmal prüfen, ob die Kirche und das Gemeindehaus überhaupt als Unterkunft für Geflüchtete geeignet sind. Deswegen ist ein Zeitpunkt der Umnutzung derzeit noch unklar. Allein: Das Angebot der Kirchengemeinde steht. Im Kirchenkreis Witten stehen erste Feldbetten direkt im Altarraum:  50 Flüchtlinge wohnen vorübergehend in der Kirche Winz-Baak.

Auch mehrere katholische Kirchen in Deutschland werden jetzt erstmals als Notunterkünfte für Flüchtlinge umgestaltet – z. B. in Bremen (ab Mitte Dezember für 40 Asylsuchende).

In Unna hat der kath. Pastoralverbund der Stadt verschiedene Pfarrhäuser angeboten (wir berichteten). Dies geschah vorsorglich, für den Fall, dass der Kreisstadt – zusätzlich zur Landessstelle in Unna-Massen – künftig auch Flüchtlinge für die stadtweite Unterbringung zugewiesen werden. Bisher ist das nicht der Fall.

Oase Stentrop

Der Evangelische Kirchenkreis Unna verkauft aktuell sein Tagungshaus „Oase“ Stentrop (im Bild oben) an die Stadt Fröndenberg, die es ab Frühjahr 2016 als Flüchtlingsunterkunft nutzen will. Kirchen dienen derzeit noch nicht als Unterkünfte. Es gebe, so sagte uns Diakon Dietrich Schneider heute, bisher auch keine Anfrage seitens einer Kommune.

Im Ruhrgebiet folgt als Nächstes Oberhausen. In einer dortigen Kirchengemeinde fiel Ende Oktober der Entschluss, in einer normal genutzten evangelischen Kirche rund 50 Flüchtlinge unterzubringen. Auf domradio.de berichtet der Pfarrer über große Unterstützung, aber auch Ängste. Hier das Interview:

50 Flüchtlinge in der Kirche. Wie kann ich mir das vorstellen? Stehen dann 50 Klappbetten vorm Altar? 

Joachim Deterding, Superintendent: So ähnlich. Das ist eine Kirche, die eine klassischen Kirchenbänke hat, sondern eine Bestuhlung. Das heißt, wir können die ganze Bestuhlung rausräumen. Auch Altar, Kanzel und Taufbecken sind beweglich. Die werden beiseite geräumt, sodass eine große Fläche entsteht, auf der dann Feldbetten untergebracht werden.

Jetzt ist die Kirche ja nun mal kein Hotel. Es braucht Waschbecken, Toiletten und Duschmöglichkeiten. Wie machen Sie das?

Deterding: Die Organisation hat die Stadt Oberhausen in der Hand. Hinter der Kirche werden Sanitärcontainer aufgestellt, mit Duschen, Toiletten, Gelegenheiten zum Waschen der Wäsche. Das passiert alles außerhalb der Kirche.

Was machen Sie denn in dieser Zeit? Weichen Sie aus in eine Nachbargemeinde?

Deterding: Unser Gemeinde ist eine fusionierte Gemeinde, die zwei Kirchen besitzt. Das heißt, wir werden unsere Gottesdienste auf ein Kirchengebäude konzentrieren. Diese Kirche steht im Stadtteil Königshardt. Die Kirchen stehen nur etwa drei Kilometer auseinander.

Jetzt wissen Sie vermutlich noch nicht, wer dort kommen wird; ob Groß, ob Klein, ob Muslime oder Christen. Ist das nicht ein bißchen heikel, die dann alle gemeinsam in der evangelischen Kirche unterzubringen?

Deterding: In der Tat ist das so, dass selbst die Stadt Oberhausen noch nicht weiß, wer genau jetzt da kommt und welchen Glauben die Menschen haben, die da kommen. Ich glaube aber, dass es unser Verkündigungsauftrag ist, danach gar nicht erst zu fragen. Denn Jesus hat auch nicht erst gefragt, ob ein Mensch Jude oder Nicht-Jude war, bevor er ihm geholfen hat. Da sind Menschen in Not, denen helfen wir. Und wir gehen davon aus, dass sie unseren Glauben respektvoll behandeln. Wir werden auch ihren Glauben respektvoll behandeln. Zudem organisiert die Stadt Oberhausen einen Sicherheitsdienst.

Wie hat die Gemeinde denn auf diese Idee reagiert?

Deterding: Das ist eine Gemeinde mit über 8.500 Mitgliedern. Da sind die Reaktionen natürlich sehr, sehr unterschiedlich. Wir erfahren einerseits große Unterstützung und auch so was wie Respekt vor dieser Entscheidung. Wir erfahren auch Angstreaktionen: Leute, die etwas unverständlich reagieren. Das ist so und das muss man glaube ich auch respektieren. Dass damit auch eine Menge Sorgen verbunden sind, darf man nicht einfach wegwischen. Die Sorgen muss man ernst nehmen. Wir wollen einen Dialog zwischen den Menschen unserer Gemeinde und den Menschen, die jetzt zu uns kommen dann auch fördern, damit diese Ängste abgebaut werden.

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