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Jäger erschossen kreisweit 107 „wildernde“ Katzen – Ab jetzt gilt das Verbot

Für freilaufende Miezen war der Kreis Unna im vergangenen Jahr noch ein gefährlicheres Pflaster als im Jahr zuvor. 107 Katzen schossen Jäger in der Saison 2014/15 ab – in der Vorsaison waren es knapp unter 100. Diese Zahl teilt das NRW-Umweltministerium mit. Insgesamt töteten Jäger in NRW 7344 „wildernde“ Miezen. Damit ist ab sofort jedoch Schluss. Mit dem Inkrafttreten des Ökologischen Jagdgesetzes ist der Abschuss von Katzen jetzt verboten. Unberührt von dem Verbot sind bereits bestehende Ausnahmen nach dem Tierseuchenrecht und aus Gründen des Artenschutzes.

Bisher wusste der Jäger das Recht auf seiner Seite. Er durfte in seinem Jagdbezirk jede Katze erschießen, die er weiter als 200 Meter vom nächsten Haus entfernt antraf – ob es das Wohnhaus des Halters war oder nicht, spielte keine Rolle. Die rotgrüne Landesregierung unter Federführung von Grünen-Umweltminister Johannes Remmel formte das Jagdgesetz nach „ökologischen Maßstäben“ neu aus.

Katze liegend

Die Waidmänner wehrten sich vehement dagegen: Ihr Argument war, dass es wichtig sei, in Notfällen weiterhin wildernde Katzen (und übrigens auch Hunde) im Wald abschießen zu dürfen: Es gehe schließlich darum, Wildtiere zu schützen: Rehkitze, Kaninchen, Vögel. Allein eine streunende Katze könne im Jahr bis zu 1000 Vögel, Kleinsäuger und Amphibien erbeuten, warnte der Landesjagdverband. Die vermeintlich zahmen Stubentiger erbeuteten während der Brut- und Aufzuchtzeit deutschlandweit millionenfach Kaninchen, Hasen und Vögel. Abschuss sei aber nur das letzte Mittel und nur unter klaren Voraussetzungen erlaubt – etwa wenn ein völlig unbegleiteter Hund Wild hetze oder angreife. Wie dieser Notfall bei einer Katze definiert ist, die zweifelsfrei keine Hetzjägerin ist, hat die Jägerlobby nie weiter ausgeführt.

Das grundsätzlich novellierte Jagdgesetz hat den Anspruch, dass in ihm „Tierschutz, Naturschutz und naturnahe Waldwirtschaft Hand in Hand gehen“. Für die Grünen gehört dazu zwingend auch ein Abschussverbot „wilder“ Katzen und Hunden.

Kommentare (10)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Solch eine kuschelige Mieze einfach erschießen, ich könnte es nicht.

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  • Udo

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    Und das ist richtig so. Katzen gehören nicht in den Wald. Und wenn der Jäger feststellt, dass die Population, von welchem Tier auch immer, überhand nimmt, muss er für ein Gleichgewicht sorgen.
    Gibt’s von einer Sorte zu viel, leiden andere Sorten. So ist das nun mal.

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    • Birgit Sellwich

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      Katzen laufen ja nicht unbedingt im Wald herum, sondern oft auch auf den Feldern….und dann sind sie auch schon mal 200m vom Wohnhaus entfernt.

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  • Heike Palm

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    Ja, Katzen jagen bevorzugt Kleinsäuger ( Mäuse und Ratten). Ich bin heilfroh, dass unsere Katzen die Kleinsäugerpopulation in unserem Garten und Haus niedrig halten und so mancher Bauer sicher auch. An Hasen gehen Katzen nicht heran, da zu groß und zu wehrhaft. Kaninchen ja: Alte, Kranke, Junge. Aber an Kaninchen herrscht auch nicht wirklich ein Mangel. Ein Rehkitz oder gar ein ganzes Reh hat mir noch keiner gebracht, auch Schafe und Kühe lassen sie im Allgemeinen in Ruhe. ? Singvögel kann ich in 30 Jahren Wohngemeinschaft an einer Hand abzählen. Katzen sind ausgesprochen ökonomische Jäger. Sie fangen, was leicht zu fangen ist. Vögel gehören eher selten dazu. Unser Kater ist mal jung und unerfahren in den Efeu gesprungen, wo die Spatzenkolonie wohnt. Nachdem er von einer wütenden Spatzenhorde attackiert wurde, lässt er das bleiben. Wir haben einen naturnahen Garten mit hoher Singvogelpopulation, die definitiv nicht durch die Katzen reduziert wird. Feinde unserer Singvögel sind eher die durchgespritzten, verkümmerten Ziergärten, die keine Nistmöglichkeiten mehr bieten.

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  • Birgit Sellwich

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    Hoffentlich halten sich die Jäger auch an das Verbot!
    Man kann doch oft gar nicht nachhalten, was mit der Katze passiert ist, falls Sie eines Tages mal verschwindet….. :(

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  • Andre

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    Ich finde es gut… Wenn es vorkommt, das ein Jäger eine Katze vor die Flinte bekommt, dann hatte die Katze da auch nichts zu suchen. Die Jäger schießen ja nicht in Wohngebieten. Es laufen genug wilde und verwilderte Katzen rum die nicht sterilisiert oder kastriert sind. Wenn die Besitzer drauf aufpassen würden, dann bräuchten die Jäger sie nicht erschießen. Außerdem, wieviele Katzen werden auch überfahren??

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  • Stefan Werner

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    In den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Hagen wurden laut Westfalenpost von heute nur je eine Katze erschossen. Die meisten Katzen wurden im HSK (100), Soest (260) und insbesondere Münsterland erschossen (2500!!!). Bei der Novelle des Jagdgesetzes haben ja speziell die Münsterländer (Bauern)Jäger durchgesetzt, weiter auf eine Schnepfenart jagen zu dürfen, da es ja im Münsterland kaum Rehe zu schiessen gäbe. Ich glaube das spricht für sich, welch Geistes Kind viele (nicht Alle!) Jäger sind. Wenn diese Leute unbedingt rumballern wollen, sollten sie sich doch einfach in den Irak oder nach Syrien begeben anstatt hier irgendwelche Ökomärchen aufzutischen.

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  • MH

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    Das Katzenthema wurde vom zuständigen Ministerium während der Gesetzgebungsphase als Hauptwaffe gegen die Jäger genutzt. Kurz nachdem das Gesetz dann aber durch war, wurde von eben diesem Ministerium (namentlich Herrn Minister Remmel) die Jägerschaft dazu aufgerufen, aus Artenschutzgründen Katzen zu schießen.

    http://www.westfalen-blatt.de/OWL/Lokales/Bielefeld/Bielefeld/2067920-Remmel-ueberrascht-mit-Ausnahmen-des-Abschussverbots-Jaeger-machen-nicht-mit-Jagdschutz-fuer-Katzen-gelockert

    Da sieht man, wie der Hase, sorry, natürlich: die Katze läuft.

    Hat schonmal jemand darüber nachgedacht, woher die vielen geschossenen Katzen kommen? Bestimmt nicht aus dem 200 Meter entfernten Wohngebiet. Und hat schonmal jemand gezählt, wieviele tote Katzen er übers Jahr auf dem Weg zur Arbeit überfahren am Straßenrand sieht?

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