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Ins Ex-Gourmet-Eck ziehen Döner – Ansonsten bleibt Fröndenbergs Leerstandproblem bestehen

„Verhungern für Fröndenberger als Todesursache gänzlich ausgeschlossen“, witzelte heute ein Fröndenberger auf Facebook: In das seit einem Jahr geschlossene großflächige frühere Gourmet-Eck an der Ecke Alleestraße/Eulenstraße zieht jetzt erfreulicherweise wieder Leben ein. Und zwar  in Form eines Dönerladens mit Pizzeria und Hamburgerverkauf.

An Derartigem herrscht im Städtchen keinerlei Mangel. Freude herrscht dennoch bei vielen Betrachtern, denn dieser riesige triste Leerstand an dieser zentralen Stelle des Ortes war alles andere als schmückend und einladend. Zumal die plötzliche Schließung des Feinkostladens Gourmet-Eck mit dem unerwarteten Tod des Inhabers vorigen Dezember einen tragischen Grund hatte.

http://rundblick-unna.de/betroffenheit-in-froendenbergs-geschaeftswelt-gourmet-eck-inhaber-ploetzlich-verstorben-geschaeft-schliesst-zum-jahresende/

Freilich gibt es auch kritische Stimmen a la „man könnte Fröndenberg auch in McFett umbenennen“.

Die Probleme an Fröndenbergs Hauptstraße haben sich mit dem Neueinzug ohnehin nur partiell gemildert. Das Grundsatzproblem bleibt: Die Alleestraße bietet schlaglöcherübersät und mit Leerständen gepflastert ein nicht wirklich einladendes Empfangsbild.

 

Von „sanierungsbedürftigem Wohnungsbau“ sprach rüde schon der frühere Werbering-Vize Helge Rosenstengel – das war vor zweieinhalb Jahren, und die Alleestraße hat sich seither eher noch zum Schlechteren entwickelt. An Fröndenbergs eigentlicher Haupteinkaufsstraße standen über ein Jahr auch beide Ladenlokale direkt am Eingang der City leer, zwischen den Abzweigungen zur Eulenstraße und zum Marktplatz/Fußgängerzone. Das ehemalige Gourmet-Eck, großflächig mit über 300 qm – das nun ganz aktuell zum Glück wieder belebt wird – sowie direkt gegenüber die Eisdiele Cortina.

Letztere verabschiedete sich im Herbst 2015 in die Winterpause, um nie wieder zu öffnen. Dass sie geschlossen bleibt, weiß der Werbering-Vorsitzende Wolfgang Hüttner gesichert. Nicht, weil sie nicht lief (die selbstgemachten Eisspezialitäten im Cortina-Eiscafé hatten zwar ihren Preis, aber auch ihre Stammliebhaber), sondern aus familiären Gründen wird der Betreiber nicht wieder eröffnen.

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Im Gourmet-Eck gegenüber hing bis zum Spätherbst immer noch die Weihnachtsdeko 2015. Das geschmückte Bäumchen erinnerte an die Tragik, die die Schließung des ins Auge fallenden Wein- und Feinkostgeschäfts 10 Tage vor Weihnachten vorigen Jahres begleitete. Vollkommen unerwartet starb der Inhaber. Seine Geschäftspartnerin konnte das große Spezialitätengeschäft nicht allein weiter führen und entschloss sich schweren Herzens zur Aufgabe. Die Wiedervermietung gestaltete sich erwartet schwierig. Wolfgang Hüttner bedauerte: „Uns als Werbegemeinschaft sind leider die Hände gebunden.“

Das gilt auch für die anderen Leerstandssorgenkinder in der Innenstadt: Für Foto und Geschenke Brämer am Markt 7 wird nun schon seit Ende 2014 ein Nachmieter gesucht. Der frühere Rossmann-Standort entwickelt sich ebenfalls zum Dauerleerstand. Dabei sagte Ex-Werbering-Vize Rosenstengel gerade über dieses frühere Drogerie-Domizil seinerzeit: „Mir ist an der Allee kein einziger Leerstand außer Rossmann bekannt, den ich gerne anmieten würde.“

Dieser Satz fiel bei einer SPD-Diskussion zur Innenstadtentwicklung im März 2014. Der Zustand nahezu aller Gebäude an der Alleestraße schrecke mögliche Neupächter intensiv ab, wurde damals schonungslos kritisiert. Eigentümer von Geschäftsimmobilien müssten sich einmal nach ihrem Verantwortungsgefühl für die Allgemeinheit fragen lassen. Kritik an zu nachlässiger Gebäudeinstalthaltung durch private Eigentümer übte auch Gertrud Scholz, Inhaberin von „3raum“ Wohnaccessoires – Deko. Sie hatte selbst dem Besitzer der Nachbarimmobilie angeboten, sein leer stehendes Geschäft für 200 Euro im Monat attraktiv zu dekorieren, sauber und in Schuss zu halten, sogar den Winterdienst zu übernehmen. Das Interesse sei gegen Null gegangen.

Zu Rossmann fügt Wolfgang Hüttner zweifelnd hinzu: „Die Ladenfläche ist sehr groß.“  Und der Werbering-Vorsitzende kann selbst mit seinem Gremium nur an wenigen Stellschrauben drehen. „Man müsste die Eigentümer bei ihrer Verantwortung und ihrem Ehrgeiz packen. Aber die meisten kommen nicht von hier.“ Unvermietete Geschäftslokale werden abgeschrieben, und ob so ein gähnend tristes Schaufenster die Attraktivität der Einkaufsstadt Fröndenberg schmälert, ist auswärtigen Eigentümern aus der Ferne ziemlich egal.

Der verstorbene Gourmet Eck-Betreiber Falk Roscher – im Bild unten mit seiner Geschäftspartnerin Sandra Waschlitzki – mahnte schon im September 2014 aber noch ein anderes Problem ein: Auch vielen Fröndenbergern selbst sei das Geschäftsangebot in der eigenen Stadt leider ziemlich egal. Es könne nicht in ihrem Sinne sein, dass sich nur Billiganbieter in Fröndenberg halten könnten: Die Fröndenberger müssten „Botschafter ihrer eigenen Stadt werden“. 

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Kommentare (2)

  • luenne

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    Sie hatte selbst dem Besitzer der Nachbarimmobilie angeboten, sein leer stehendes Geschäft für 200 Euro im Monat attraktiv zu dekorieren, sauber und in Schuss zu halten, sogar den Winterdienst zu übernehmen.

    Das ist ja ein „super“ (ja ironie) angebot wenn wundert es, das es ausgeschlagen wurde.

    Döner und Pizza haben wir aber einen vernünftiges Burgerangebot könnten wir noch gebrauchen .-) aber es ist natürlich klar das der Laden wieder nur Umsatz von anderen Geschäften in Fröndenberg umverteilt und so kann es passieren das wenn der neue sich hält ein anderer zu macht …

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  • Helmut Brune

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    Wenn man nicht investiert, tritt Verfall auf. Das war schon immer so.

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