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Im Müll verschämt nach Pfandflaschen wühlen… weil der Lohn nicht zum Leben reicht

Wühlen im Müll… nach Flaschen, um sie gegen Pfandgeld einzutauschen. In Großstädten, klar… aber bei uns? Nein, woher! Doch, auch bei uns vor der Haustür. In Unna, in Kamen, an der Seseke und an der Ruhr.

Sascha Herrmann, Fotograf und Familienvater aus Fröndenberg,  schildert hier einmal nachdenklich seine Eindrücke über die soziale Entwicklung in seiner Heimatstadt.

„Schlechte Zeiten auch für Fröndenberger…

Ich bin wegen der Fotos oft und viel unterwegs in unserer City. Zu den unterschiedlichsten Uhrzeiten streife ich durch die Gegend und bin am Fotografieren.

In den letzten Wochen bin ich in den frühen Morgen- und späten Abendstunden über eine Sache gestolpert, die mir zu denken gegeben hat. Mein Weg zu Fuß durch Westick in Richtung City führte mich abends am Stadion, den Hindenburg Hain und dem Park in der City vorbei. Es war schon so gegen 22 Uhr, als mir auffiel, dass auffällig viele Menschen über 50 in den Parks in Fröndenberg in den Mülltonnen nach Pfandflaschen suchen.

Das Schlimme für mich an der Sache war, dass es sich dabei um Leute handelt, die man vom Sehen kennt oder die sogar in der Nachbarschaft wohnen. Beim Aufeinandertreffen im Park waren diese Menschen peinlich berührt, dass ich sie beim Wühlen im Müll gesehen habe.

Was sagt man zu einem Menschen, den man kennt, der seine soziale Not versteckt und im Schutz der Dämmerung Pfand sammeln geht? Mir war diese Situation genauso unangenehm, deswegen habe ich es bei einem Gruß gelassen und bin weiter, als hätte ich nichts gesehen. Aber beschäftigt hat mich das noch viele Tage.

Heute Morgen um 7 Uhr dann das gleiche Spiel. Diesmal ein Mann Anfang 40 in Arbeitskleidung, der auf den Spielplätzen und in Mülltonnen am Bahnhof suchte. Dieses Mal habe ich den Menschen angesprochen und wollte wissen, warum er das macht, da er einen ordentlichen Eindruck machte und seine Arbeitskleidung sauber war. Er erzählte mir bereitwillig, dass er jeden Tag fast eine Stunde mit dem Zug zur Arbeit fahren muss und dort ca. 980 Euro verdient. Seine Frau ist schon seit Jahren an Rheuma erkrankt und kann nicht mehr arbeiten. Das Haus, welches die beiden sich damals gekauft haben, müssen sie immer noch abbezahlen.

Seine Frau war damals als Versicherungsfachangestellte die Hauptverdienerin. Mit den paar Euro, die sie nun bekommt, kommen sie zu Zweit auf 1350 Euro. Davon geht eine Menge an Rate für das Haus drauf, dann die Nebenkosten und sehr viel für die tägliche Zugfahrt zur Arbeit. Da danach nicht mehr viel übrig ist, finanziert er seine Zugfahrten zum Teil mit der Pfandsuche.

Die Anhebung der Grundsteuer hat diese Familie hart getroffen und sie sehen mit Grauen der nächsten Erhöhung entgegen. Ich weiß, dass der halbe Stadtrat es für fast unmöglich hält, dass es in Fröndenberg Altersarmut, Kinderarmut usw. gibt. In Deutschland muss keiner hungern… es gibt ja immer noch die Grundsicherung…

Ja, lieber Stadtrat, das gibt es alles. Es gibt aber auch Stolz und Würde, die einem Menschen gebieten können, sich NICHT wie ein Mensch zweiter Klasse von oben herab behandeln zu lassen. Denn gerade im Jobcenter Unna lässt der Ton den Menschen gegenüber oft stark zu wünschen übrig.“

Sascha Porträt

Sascha Herrmann.

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Lisa Hauptmann Schlimm, dass in einem fortschrittlichen Land wie Deutschland so etwas passiert…da sollte dringend was gegen unternommen werden…

Rundblick Unna Armes reiches Deutschland.

Claudia Bockelmann Ja.da gibt es einige.Vor allen Dingen ältere Menschen.

Rundblick Unna :-( Ja, in Unna sind auch viele unterwegs…
Nicky Müller Der Herr spricht wahre Worte aus!
Sina Rohmert Toller Artikel und leider viel zu häufig traurige Realität! In meinen Augen stehen wir aber erst ganz am Anfang „amerikanischer Verhältnisse“. Warum diese „“? Ganz einfach, der Weg nach oben bleibt in Deutschland nahezu unmöglich! Nach unten ist die Spirale offen.Wie man auch immer zum Mindestlohn von 8.50 Euro stehen mag – auch diese Arbeitsplätze müssen zur Verfügung stehen. Realistisch und nicht nur für ein paar Wochen im Jahr.Sobald unsere Regierung einen Weg gefunden hat, den Arbeitsmarkt mit unseren geringqualifizierten Einwanderern zu bedienen. Werden noch mehr Arbeitsplätze entfallen und dann steht noch nicht einmal mehr 980 Euro bei einer Stunde Fahrzeit am Ende des Monats zu Papier. Hart IV lässt grüßen…Eine katastrophale Entwicklung wird es in Deutschland nehmen, den viele Arbeitgeber sehen sich schon lange nicht mehr in der sozialen Verantwortung ihren Mitarbeitern gegenüber ? es zählt nur der Ertrag und die Befriedigung der Aktionär.

Jenny Prüfel Traurig aber wahr. Mich kotzt das alles so an. Leute die jeden Tag hart arbeiten, Rentner die sich 50 Jahre den Arsch aufgerissen haben gehen Pfandflaschen sammeln damit nach Abzug der ganzen Kosten überhaupt was zu essen Zuhause ist. Ich kriege jeden Tag eine immer größere Hasskappe auf Leuten die zu faul sind zu arbeiten, warum auch? Der Staat zahlt ja von unseren Steuern. Der Staat sollte mal lieber mehr Familien unterstützen wo beide Eltern den ganzen Tag arbeiten und trotzdem nicht viel übrig bleibt , Geringverdiener oder unsere Rentner.
Adelheid Meiselbach Auch in Kamen gibt es diese armen Leute und mir steigt die Schamesröte ins Gesicht, wenn ich ihnen begegne ?
Armes Deutschland……… ????

Andrea Henschel Stimmt leider. Gestern erst beobachtet ?

Axel Ehwald Hier ein Beispiel aus Schwerte, was nicht nur mich noch heute beschäftigt. Ich war letztes Jahr mehrere Tage in Düsseldorf und durfte dort beobachten, wie viele Menschen in den Mülleimern der Rheinpromenade ( in direkter Nähe zum Landtag ) nach Pfandflaschen suchen. Wenn ich es gesehen habe, dann könnten es doch eigentlich auch unsere Landespolitiker ( z. B. könnte man es von der Terrasse am Landtag aus sehen ) sehen und etwas unternehmen Zurück nach Schwerte. Das Beispiel Gudrun S. ist kein Einzelfall. In Zusammenhang mit den Kommunalwahlen ( 2009 + 2014 ) in Schwerte durfte man auf Wahlplakaten auch lesen – “ sozial, bürgernah und zukunftsfähig “ -, – “ Er kann Bürgermeister “ – und – “ Er kümmert sich “ – . Diese Texte verstehe ich nicht, wenn ich an Gudrun S. denke. https://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web…

Marco Wruck Die Bundesregierung tut doch einiges gegen die Armut, zum Beispiel überlegt man das Flaschenpfand zu erhöhen ( Sarkasmus aus )
Peter Köhler Ein trauriger aber sehr interessanter Beitrag. Ich würde mir wünschen, dass mehr Leser des Rundblicks so einen Beitrag schreiben würden. Sachen die einen beschäftigen und bewegen kann man doch auch mal in Form eines Beitrages hier präsentieren. Man sollte da keine Scheu haben, mich würde das sehr interessieren. Ich finde das eine tolle Idee vom Rundblick. Auch ich selber fühle mich da angesprochen aktiv zu werden. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich noch öfter solche Beiträge von lesen könnte. Mein Gedanke war, dass nicht jeder der ein Haus besitzt reich ist. Und auch die Grundsteuer, gerade hier in Unna und Fröndenberg ist sehr hoch. Ist das berechtigt? Oder wird hier willkürlich eine Einnahmequelle der Kommune hochgeschraubt, weil die Kassen klamm sind und die betroffenen Bürger eh nichts dran ändern können. Obwohl das mit dem „Andern können“ ja vielleicht noch zu diskutieren ist. Danke für diesen Beitrag. Für mich von jemandem geschrieben, der im Leben steht und weiss wovon er spricht.
Ersan Sahin Warum diese miesen Dreckspolitiker so vor der Kamera grinsen.Ganz einfach!Sie müssen sich keine Sorgen um ihre Pension machen und kriegen schon nach 3 Monaten Amtszeit eine Rente von 5000 € im Monat.Aber das Saudumme wählt sie trotzdem…

Petra Mester Und wieder hapert es im politischen Gefüge…
Ich wünschte mir unsere Minister würde nur einen Tag in die Rolle der Betroffenen schlüpfen. Sie wissen nicht wie es denen geht. Aber Unwissenheit schützt sie nicht. Vergesst nicht, jeder hat eine Stimme und die nächsten Wahlen kommen.
Rundblick Unna Dazu passen, wie ich finde, folgende Zeilen von Heinz Schenk – danke an meinen lieben Kollegen Totto.
Es ist alles nur geliehen hier
auf dieser schönen Welt.
Es ist alles nur geliehen aller
Reichtum, alles Geld.
Es ist alles nur geliehen jede
Stunde voller Glück.
Musst Du eines Tages gehen,
lässt Du alles hier zurück.
Man sieht tausend schöne Dinge,
und man wünscht sich dies und das.
Nur was gut ist und was teuer,
Macht den Menschen heute Spaß.
Jeder will noch mehr besitzen,
zahlt er auch sehr viel dafür.
Keinem kann es etwas nützen,
es bleibt alles einmal hier.
Jeder hat nur das Bestreben,
etwas Besseres zu sein.
Schafft und rafft das ganze Leben,
doch was bringt es ihm schon ein?
Alle Güter dieser Erde,
die das Schicksal dir verehrt,
sind dir nur auf Zeit gegeben und
auf Dauer gar nichts wert.
Darum lebt doch euer Leben,
Freut euch auf den nächsten Tag.
Wer weiß schon auf diesem Globus,
was das Morgen bringen mag?
Freut Euch an den kleinen Dingen,
nicht nur an Besitz und Geld.
Es ist alles nur geliehen hier
auf dieser schönen Welt.
Heinz Schenk
Rundblick Unna Wir möchten an dieser Stelle alle Leser ermuntern, uns ähnliche Beiträge, Gedanken, Begebenheitsschilderungen zukommen zu lassen. Unserer bisherigen Erfahrung nach sprechen die Verfasser damit immer viele andere Leser an. Anonymität können wir auf Wunsch natürlich anbieten.

Silke Krüger Ganz ehrlich, kann es nicht sein, das die Menschheit zu habgierig geworden ist, muss ein jeder Mensch alles haben?? Haus, Auto grösster Fernseher, neustes Handy usw. Wenn ich mir ein Haus nicht leisten kann, muss ich in eine Wohnung ziehen, wenn die Lebensplanung nicht ganz so klappt wie man es sich vorgestellt hat, kann man doch nicht für alles immer den Staat verantwortlich machen. Ich bin der Meinung, die Menschen sollten langsam mal wieder anfangen genügsam zu werden und nicht immer nur alles haben wollen. Früher konnten sich auch viele Menschen jahrelang kein Telefon leisten und haben verzichtet weil es zu teuer war, diejammerten auch nicht, leben tun sie heute noch und den ersten Farbfernseher gab es bei meinen Eltern auch erst in den 80ziger Jahren, weil sie zu teuer waren, gestorben sind wir deshalb nicht. Wir erfreuten uns bester Gesundheit, mich kotzt diese ewige Habgier, immer alles und sofort haben zu wollen an. Die Deutschen sind echt verwöhnt. Etwas mehr Genügsamkeit täte echt gut.
Julia Müller Meine Freundin und ich haben mal einer Frau, die abends im Dunkeln in den Mülltonnen wühlte, unsere 2 Bierflaschen, die wir gerade geleert haben gegeben. Sprich 0,16€ und die Dame fing an zu weinen, weil sie sich über 16Cent gefreut hat. Das sollte einem zu denken geben.

Kommentare (5)

  • fürst

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    Sina Rohmert hat bereits gesagt, was ich zu sagen hätte.

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  • Hans-Otto Dinse

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    Es ist traurig und macht zugleich wütend. Man stelle sich vor, nur ein Bruchteil der Milliarden die für Fahnen flüchtige junge Männer aus Syrien (wenn sie denn überhaupt aus Syrien kommen, 80% ohne Pass) widerrechtlich ausgegeben werden, würden diesen, unseren armen Menschen gegeben. Auch dieses Geld ginge direkt in den Konsum und würde so die Wirtschaft ankurbeln. Auch Sozial Programme könnten aufgelegt werden, die den gleichen Effekt erzielten wie die versuchte Eingliederung von Millionen arabisch, muslimisch geprägter junger Männer. Es wäre halt nur so, dass deutsches Steuergeld für Not leidende Deutsche Menschen ausgegeben würde. Das spricht den moralischen Imperativ unserer Frau Merkel aber wohl nicht an. Sie hat den sozialistischen Internationalismus ihrer Jugendzeit ganz offensichtlich verinnerlicht und zum Leitfaden ihres Handelns gemacht.

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  • Boesartig

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    Schon traurig Herr Dinse, dass Sie die Armut vieler Menschen in diesem Land gleich mit den Flüchtlinge aus Kriegsgebieten in Verbindung bringen.

    Zu so einem wichtigen Thema so ein Kommentar zu schreiben, grenzt schon an Menschenverachtung gegenüber den armen Menschen sowie gegenüber den Flüchtlingen. Das ist einfach nur schäbig Herr Dinse.

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  • Hans-Otto Dinse

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    Ihr Name ist Programm Herr Boesartig.

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  • Boesartig

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    Besser so wie andere, die gar kein Programm oder Masterplan haben Herr Dinse.

    Sprücheklopfen und seine wilden Theorien verbreiten alleine, reicht am Ende nun mal nicht aus =)

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