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„Ihr guter Nachbar“… baut bald mal wieder in Königsborn: Interview mit UKBS-Chef Matthias Fischer

Ein Gespräch mit Matthias Fischer,  Geschäftsführer der Unnaer Kreis-, Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS).


Herr Fischer, als Herr über 2841 Wohnungen: Beschreiben Sie uns doch mal die ideale Mietwohnung.

Matthias Fischer: (stutzt; überlegt kurz) Hmh – ideal, meinen Sie das jetzt vom Wohnort her, von der Größe…?

Preislich, die Lage betreffend – dies vor allem, und dabei bleiben wir mal in Unna: Es gibt gewiss Stadtbezirke, in denen der UKBS die Wohnungen nur so aus der Hand gerissen werden.

Matthias Fischer: Ja, die gibt es. In Unna sind die Wiesenstraße oder die Grabengasse wegen ihrer Zentrumsnähe sehr beliebt. Als Stadtteil ist aber vor allem Königsborn sehr gefragt: sehr zentral, man ist in wenigen Minuten auf der Autobahn und wohnt genau zwischen Unna und Kamen. Die Infrastruktur ist in Königsborn hervorragend – allein die vier großen Lebensmittelmärkte an der Kamener Straße, Kindergärten, Schulen, Dienstleister, alles da und alles nah. Von unseren 1300 Wohungen in Unna liegt über die Hälfte in Königsborn, das ist kein Zufall. Sehr begehrt ist unser Objekt an der Dahlienstraße…

… Ihre Anlage für betreutes Wohnen mit Full-Service rund um die Uhr? Muss man den eigentlich in Anspruch nehmen, oder kann man in diesem Mehrfamilienkomplex auch ganz simpel nur wohnen?

Matthias Fischer: Ja, natürlich können Sie das. Unser betreues Wohnen an der Dahlienstraße beinhaltet keinerlei Zwang. Unsere Mieter können das volle Dienstleistungspaket dazu buchen, sie können aber auch einfach nur die reine Wohnmiete zahlen und auf Service komplett verzichten. Das Konzept: „Ich kann gesellig sein, ich kann aber ebensogut die Nachbarn Nachbarn sein lassen“ kommt an. So selbstbestimmt möchten heute viele im Alter weiterleben.

UKBS Fischer III

Die Wohnanlage Dahlienstraße war noch nicht fertig, da setzte schon regelrechter Ansturm darauf ein…

Matthias Fischer: Ja, für die 33 Wohnungen hatten wir damals 150 Interessenten.

Ist Ihr UKBS-Seniorenwohnen denn so preiswert? Ich nenne es jetzt mal Seniorenwohnen, obwohl ein Mindestalter ja vermutlich nicht vorgeschrieben ist.

Matthias Fischer: (lacht) Nein, es gibt kein Mindestalter, aber natürlich wohnen in diesen Objekten hauptsächlich Ältere. Ob wir so billig sind? Im direkten Vergleich liegen wir sicher sehr günstig. Nach aktuellen Erhebungen wäre jeder dritte Senior noch bereit, im Alter umzuziehen, wenn Angebot und Preis stimmen. Bei 9, 10, gar 15 Euro nur für die Grundkaltmiete aber, die andere Vermieter hier in Unna zum Teil für Seniorenwohnungen verlangen: Da kommen Sie mit zusätzlichem Betreuungsservice auf 20 Euro. Pro Quadratmeter – wer kann sich das mit einer normalen Rente leisten?

1000 Euro für eine Zweizimmerwohnung von 50 Quadratmetern – klingt happig, ja. Wo liegt denn Ihre Durchschnittskaltmiete?

Matthias Fischer: Bei 4,65 Euro. Wir haben aber natürlich auch Objekte, die deutlich über 5 Euro liegen. In Bergkamen etwa vermieten wir an der Eichendorffstraße kleine Einfamilienhäuser mit 86 qm Wohnfläche. Dort ist der Mietpreis schon deshalb etwas höher, weil alle Häuser relativ große Grundstücke haben.

Sie scheinen sehr zufriedene Mieter zu haben, wissen Sie das?

Matthias Fischer: (überrascht) Ja? Das hoffe ich! (lacht)

UKBS Fischer II

Uns fällt jedenfalls auf, dass jedes Mal, wenn wir auf Rundblick Online über die UKBS berichten, gleich mehrere sehr wohlwollende Kommentare kommen: so im Wortlaut „top Vermieter“, „konnte noch nie klagen“, „Super Unternehmen“. Sie überlassen das als Großvermieter wahrscheinlich nicht dem Zufall…

Matthias Fischer: Bei 2841 Wohnungen können Sie nicht jeden einzelnen Mieter stets zu 100 Prozent zufrieden stellen. Wir versuchen aber, Service rundum zu bieten, das stimmt. Wir legen großen Wert auf eine enge Mieterbetreuung. „Ihr guter Nachbar“ ist unser Leitspruch…

Nun kann der Frömmste nicht in Frieden leben…

Matthias Fischer: … wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt, das ist richtig. Wenn Sie in ein Mehrfamlienhaus mit unter Umständen mehreren Dutzend Wohnungen ziehen, wissen Sie nie, wen Sie da als Nachbarn bekommen. Das ist immer eine Überraschungstüte. Wenn Sie Pech haben, bedröhnt Sie der Mieter von obendrüber rund um die Uhr lautstark mit Rockmusik. Wir schauen uns aber die Leute, die sich bei uns um eine Wohnung bewerben, schon genau an. Mit unserer Mieterbetreuung wollen wir das Gefühl vermitteln: Wir sind da, wir kümmern uns.

Haben Sie nach diesem Vorsatz auch Ihre Partnerschaft mit der Kreispolizeibehörde geschlossen?

Matthias Fischer: Sie meinen unser Abkommen mit dem Kommissariat Vorbeugung? Ja, wir wollen unsere Mieter auch im Bereich Sicherheit und Einbruchsvorbeugung unterstützen.

Ausgerechnet die UKBS-Hochburg Königsborn ist leider auch stadtweit die Hochburg der Einbrüche – Einbrechers Lieblingsviertel. Tun Sie etwas für die Sicherheit Ihrer Mieter dort?

Matthias Fischer: Für die Mieter dort wie auch für alle weiteren haben wir dieses Abkommen mit dem Vorbeugungskommissariat geschlossen. Wir bieten z. B. zu Sonderpreisen Sicherheitseinbauten für die Wohnung an, wir achten darauf, dass um die Häuser herum die Büsche nicht blickdicht wuchern, dass die Zuwege gut beleuchtet sind. Dass es möglichst keine toten Ecken gibt, sogenannte Angst-Räume, wo sich Kriminelle gut verstecken können.

UKBS Fischer VII

Sie können also nachvollziehen, dass sich Ihre Mieter – wie viele Bürger – wegen der sprunghaft hochgeschnellten Einbruchszahlen sorgen?

Matthias Fischer: Ich kann das sogar persönlich nachempfinden: Bei mir privat wurde 2013 einen Tag vor Heiligabend eingebrochen. Diese Erfahrung wünscht man niemandem. Das Gefühl, in den eigenen vier Wänden nicht mehr sicher zu sein, ist äußerst negativ und macht vielen Einbruchsopfern auch langfristig richtig zu schaffen.

Wieso soll eine Kommune – wie im Fall der UKBS – eigentlich Wohnungen vermieten? Können Sie das nicht der Privatwirtschaft überlassen?

Matthias Fischer: (lacht wieder) Na, dann würde unseren Gesellschafterkommunen aber viel Geld durch die Lappen gehen. Aufgrund unserer hohen Wirtschaftlichkeit schütten wir ja jedes Jahr eine ansehnliche Dividende aus…

… ja, ich erinnere mich an Ihre Pressemitteilung für dieses Jahr: Über 90 400 Euro für Unna, für Fröndenberg immerhin auch noch 30 500 Euro….

Matthias Fischer: Kommunale Unternehmen können sich als sehr rentabel für eine Stadt, eine Gemeinde oder einen Kreis erweisen. Allein das zeichnet uns aus. Wenn man außerdem so hört, welche Immobilien-Investoren wir hier im Kreis Unna haben: israelische, dänische, niederländische… Nichts gegen einen dänischen Immobilienbesitzer, aber den interessiert in Dänemark eventuell nicht wirklich, was hier im Kreis Unna passiert.

Die UKBS also auch als Kümmerer ums Allgemeinwohl…?

Matthias Fischer: Pathetisch, aber im Grundsatz richtig.

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Bereiten Sie schon Ihr nächstes Bauprojekt für das Allgemeinwohl vor; hier im Kreis, vielleicht hier in Unna?

Matthias Fischer: Sie werden lachen: Sogar wieder in Königsborn. Den Komplex Heinrichstraße aus den 50er, 60er Jahren haben wir komplett von der Stadt gekauft. Wir wollen dort langfristig etwas anderes realisieren.

Wieder betreutes Wohnen?

Matthias Fischer: Nein, diesmal werden es „normale“ Mietwohnungen und Mietreihenhäuser, 50 bis 60 Einheiten. Die Heinrichstraße hat eine sehr reizvolle Wohnlage: Sie liegt quasi direkt um die Ecke von der Kamener Straße aus – Sie fahren in die Grillostraße rein, biegen links ab und sind direkt da. Sie sind also ruckzuck auf der Autobahn, wohnen gleichzeitig aber sehr ruhig in eine Sackgasse.

Ist der Altbaukomplex schon komplett leer?

Matthias Fischer: Zwölf Wohnungen sind noch belegt, wir wollen im Herbst mit den jetzigen Bewohnern sprechen. Wir möchten erreichen, dass möglichst alle aus freien Stücken in andere Wohnungen ziehen, die wir ihnen anbieten. Unser Ziel ist, in der zweiten Jahreshälfte 2017 dort zu starten.

Eine Druckfassung des Interviews lesen Sie in unserem Monatsmagazin „Rundblick Unna“,  Ausgabe September, das kostenlos in Unna, Kamen, Holzwickede, Bergkamen und Fröndenberg ausliegt.

UKBS Fischer IV

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