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Handwerk fordert Betriebe auf: Bildet mehr Flüchtlinge aus – Längere Duldung nötig

Zum Beginn des neuen Aussbildungsjahres fehlen wieder viele Azubis im Handwerk. Die Dortmunder Handwerkskammer ruft deswegen Unternehmer dazu auf, mehr Flüchtlinge in ihre Betriebe zu integrieren.

„Es gibt immer noch zu wenige Betriebe, die auch Flüchtlinge ausbilden“, kritisiert die Handwerkskammer, moniert aber auch die hohen bürokratischen Hürden. Den Zugang zu Praktika habe der Bund für Asylbewerber zwar erleichtert, doch es dauere oft Monate, bis Flüchtlinge eine Ausbildung beginnen könnten. Außerdem fordert die Handwerkskammer: Flüchtlinge, die in Deutschland ausgebildet wurden, müssten anschließen länger geduldet werden. Es bringe wenig, Geld und Zeit in einen Azubi zu investieren, wenn dieser direkt nach der Abschlussprüfung wieder Deutschland verlassen müsse.

Die Handwerkskammer hat in diesem Jahr eine spezielle Initiative gestartet, die jungen Flüchtlingen eine fundierte Ausbildung im Handwerk ermöglicht – und damit die Aussichten auf langfristige berufliche Perspektiven in Deutschland. „Eine Reform des Bleiberechts schafft jetzt noch günstigere Bedingungen für das Projekt“, informiert die Kammer auf ihrer Website. „Denn jetzt können die NRW-Ausländerbehörden jungen Flüchtlingen, die einen Ausbildungsplatz gefunden haben, eine Duldung aussprechen.“ Dies teilte das Innenministerium Ende Juni mit.

„Wir begrüßen die neue Regelung sehr. So können wir zukünftig auch den Jugendlichen eine Chance geben, die noch einen unsicheren Aufenthaltsstatus haben“, sagt Olesja Mouelhi-Ort, HWK-Hauptabteilungsleiterin und Verantwortliche für die Flüchtlingsinitiative der Kammer.

Das Projekt, das Anfang des Jahres gestartet war, wird für das Jahr 2015 vom Bund komplett bezahlt. Es soll helfen, Flüchtlingen aus den aktuellen Krisenregionen eine berufliche und persönliche Perspektive zu bieten. Gleichzeitig schafft es die Basis dafür, dass Flüchtlinge sich später auch in ihren Heimatländern am Wiederaufbau beteiligen können. Die Aus- und Weiterbildung erfolgt deshalb vor allem in Gewerken, die dafür besonders relevant sein werden.

Seit Anfang Juli werden die 20 Teilnehmer der Initiative nun auch intensiv in Mathematik geschult, nachdem sie bereits Deutschkurse und ein interkulturelles Coaching erfolgreich absolvieren konnten. Einige haben aus eigener Initiative sogar einen deutschen Schulabschluss nachgeholt. Mouelhi-Ort: „Die Lehrer sind alle begeistert vom Einsatz und der Motivation der jungen Menschen.“

Sechs Teilnehmer überzeugten bereits mit ihren Fähigkeiten beim Vorstellungsgespräch und einem anschließenden Probearbeiten. Sie werden ab kommender Woche in eine Ausbildung starten. Zwei weitere Teilnehmer beginnen zur selben Zeit eine Ausbildung zum Kaufmann/Kauffrau für Büromanagement bei der Kammer Dortmund. In der Zwischenzeit laufen die Bewerbungsgespräche der anderen Flüchtlinge auf Hochtouren. Viele von ihnen absolvieren derzeit ein Praktikum in verschiedenen Betrieben.

Unternehmen, die das Projekt unterstützen und einen Ausbildungsplatz zur Verfügung stellen möchten, können sich weiterhin bei der HWK-Betriebsberatung melden

KONTAKT
HWK-Beraterin Kathrin Engel
Telefon: 0231/5493-415
E-Mail: Kathrin.Engel@hwk-do.de

Kommentare (11)

  • Jama To via Facebook

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    Und was ist mit Jungs und Mädchen dass jahrelang auf eine Ausbildung warten?

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Tatsache ist, Jama To, dass einige Branchen im Handwerk parallel dazu schlicht keine Azubis FINDEN.

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    • Jama To via Facebook

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      Immer wieder die Ausreden!
      Genau wie mit Ehrenamtlichen!
      Ständig sind die am jammern, kommt man hin, werden ohne Worte abgewiesen!
      Lachhaft!

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Da ist ja auch ein Trend zu verzeichnen, daß die Azubi’s keinen Beruf mehr wollen, bei dem sie schmutzige Hände bekommen. Die wollen alle Berufe machen mit aussicht auf hohe Einkommen, ohne daß sie ins Schwitzen kommen.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Da ist schon Aufklärung nötig.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Bäcker oder Fleischer haben schon seit jeher große Probleme, Lehrstellen zu besetzen. Und bei dieser Initiative wird jungen Menschen eine Chance geboten, die absolut willens sind, sie zu nutzen und das auch monatelang unter Beweis stellen. Und den Betrieben wird auch noch geholfen. Wir finden: Eine prima Aktion des Handwerks.

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Das Hauptproblem dabei ist wohl die Sprache. Wenn man die Sprache seiner direkten Umgebung nicht versteht und spricht, kann man in keinem Betrieb etwas anfangen, weil es keine Verständigungsmöglichkeit gibt.Hier in den Niederlanden haben wir auch eine Multi-Kulturelle Gesellschaft, viele Türken, Marrokaner, Chinesen, u.s.w. . Da sind Leute dabei, die schon 25/30 Jahre hier wohnen und immer noch kein Holländisch verstehen/ sprechen, weil sie immer nur Kontakt zu ihren eigenen Landsleuten haben.

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  • Petra Lambart via Facebook

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    das fängt ja schon gut an :/

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  • Fürst

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    „…dass Flüchtlinge sich SPÄTER AUCH IN IHREN HEIMATLÄNDERN am Wiederaufbau beteiligen können. Die Aus- und Weiterbildung erfolgt deshalb vor allem in Gewerken, die dafür besonders relevant sein werden….“

    Hahahahahahhhaaaahahaha!

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  • Fabian Palm via Facebook

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    Wen wundert es das Bäcker keine Azubis finden? 3 Jahre lang um 3 Uhr aufstehen für 300 € im Monat? Das ist ein schlechter Witz.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Ja, Fabian Palm, die Vergütung und später auch der Verdienst für ausgelernte Gesellinnen und Gesellen in vielen (Handwerks-)Berufen spottet leider immer noch jeder Beschreibung.

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