Rundblick-Unna » Grundschulturnhalle als Flüchtlingsunterkunft: Fröndenberger zwischen Sorge, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Angst und Zorn – Fragenkatalog an die Stadt

Grundschulturnhalle als Flüchtlingsunterkunft: Fröndenberger zwischen Sorge, Verständnis, Hilfsbereitschaft, Angst und Zorn – Fragenkatalog an die Stadt

Eine Welle von Emotionen – die gesamte Palette von Verständnis, Zustimmung, Hilfsbereitschaft über Skepsis, Überraschung und Sorge bis hin zu großer Aufgebrachtheit, Zorn und Angst. So reagieren Fröndenberger Eltern und zahlreiche weitere Leser auf die erstmalige Nutzung einer Turnhalle im laufenden Betrieb als Flüchtlingsunterkunft.
Ab Montag ist an der Friedhofstraße kein Schul- und kein Vereinssport mehr möglich. Die Turnhalle der Gemeinschaftsgrundschule wird als Unterkunft für 30 bis 50 Flüchtlnge benötigt. Unser Bericht über die  Ankündigung der Stadt vom Freitag stößt auf enorme Resonanz. Zu den tausenden Seitenaufrufen und bis Sonntagmittag  über 1000 „Gefällt mir“-Klicks (als „Danke für die Info“) gesellt sich eine Flut von teilweise sehr aufgewühlten Kommentaren, eine ganze Reihe von direkt betroffenen Eltern.
Viele äußern ihr Verständnis, viele aber auch ihre große Sorge. Zwei Mütter kündigten an, ihre Kinder von dieser Grundschule abzumelden.
Da das Thema besonders in der Fröndenberger Facebookgruppe hohe Wellen schlägt, eröffneten wir dort gestern einen Fragenkatalog mit dem Angebot, ihn an Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe weiterzuleiten. Folgende Antworten wünschen sich die Bürger von Rebbe (einige haben wir aufgrund der Erfahrungen mit anderen Notunterkünften im Kreis Unna bereits angefügt):
 1. Für wie lange ist es geplant, die Halle zu nutzen? (Antwort: nicht absehbar, hängt von der weiteren Entwicklung der Flüchtlingszuzüge ab. Mit Rücksicht auf den Schul- und Vereinssport wird die Antwort der Stadt lauten: so kurz wie möglich – so lange wie unbedingt nötig.) 

2. Wird die Anwesenheit der Flüchtlinge (die Anfang November einziehen sollen) die Kinder in ihrem Alltag beeinflussen?


3. Wie werden die Schule und Kinder auf die Security reagieren und welche Folgen kann es haben?


4. „Wer garantiert für die Sicherheit unserer Kinder? Auch wenn von den Flüchtlingen augenscheinlich keine Gefahr ausgeht: Wer sorgt dafür, dass die Kinder nicht unversehens mit in einen rechtsextremen Anschlag geraten? Einen betroffenen Vater regt dieser Punkt enorm auf: „Wie will die Stadt sicher stellen, dass diese Schule nicht Ziel „Rechter oder Salafistischer“ Aktionen wird? Dortmund hat eine relativ gut organisierte salafistische Szene (und die rechte Szene ist noch schlimmer!)… es kann nicht ausgeschlossen werden, dass sich unter den wirklich Schutzbedürftigen auch IS Mitglieder befinden. Ich finde es UNVERANTWORTLICH, die Kinder diesem Risiko, das gleich aus mehreren Richtungen kommen kann, auszusetzen. KEINER kann garantieren das dort nichts passiert!“ (Sehr viel Zustimmung kam zu diesem Beitrag.)

5. Müssen an der Halle bauliche Maßnahmen vorgenommen werden? Wer zahlt für evtl. Schäden, die entstehen? (Antwort: Das macht in diesen Fällen das Land, das für die Notunterkünfte verantwortlich ist.)

6. „Warum mussten wir als Eltern aus den Medien davon erfahren – mit sehr spärlichen Informationen? Wieso wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt?!“ (Antwort: Weil das Land diese „Amtshilfegesuche“ immer sehr kurzfristig an die Kommunen stellt. Landrat Michael Makiolla sprach bei einer Bürgerversammlung in Bönen von einem bis maximal drei Tagen Vorlauf. Er sagte auch: „Das war keine Bitte, sondern ein Befehl.“ Dies lässt sich auf alle Kommunen übertragen.)

 7. Wieso gerade die voll genutzte Schulturnhalle in der Stadtmitte? „Kann man nicht um die Hilfe der Käufer der Grundschule Dellwig bitten? Es steht dort ja immer noch alles leer und wird nicht genutzt.“ (Antwort: Bei derart kurzfristigen Anfragen kann die Stadt dem Land naheliegend nur ihre eigenen städtischen Gebäude anbieten. Die ehemalige Bodelschwinghschule in Dellwig gehört einem Privateigentümer, der mit dem Gebäude bekanntlich seine eigenen Pläne hat.)

 8. Welche Alternative bietet die Stadt zum Schulsport? Was passiert in der Zeit, in der eigentlich Sportunterrichtet stattgefunden hätte? (Antwort: Solche Fragen will die Verwaltung in der kommenden Woche mit der Schule, den Eltern und den Vereinen besprechen und auch alternative Örtlichkeiten ausloten.)

9. Inwieweit kommen die Schützenhallen in Fröndenberg als Alternativen in Betracht? (Antwort eines Kundigen aus der Facebookgruppe: Schützenhallen – geht nicht, da Sanitärblöcke im Moment komplett ausverkauft sind. )Zusammenrücken in allem ist unvermeidbar und notwendig!“, appelliert ein Vereinsvertreter vehement. „Wir vom GSV Fröndenbergs haben schon innerhalb der Vereinsabteilungen gehandelt! Nochmals – es geht um Menschen in Not -zumindest für 70%. Was wir – Gott sei Dank – so nicht kennen, hoffentlich auch nie kennenlernen müssen. Jede(r) etwas verzichten, einschränken und Wirkung für viele, ist das für Menschen wirklich zu viel verlangt, oder zählt etwa immer nur das „ICH“?! (Auch zu diesem Beitrag gab es viel Zustimmung).

11. Eine kritische Frage, die nicht direkt etwas mit der Grundschul-Turnhalle zu tun hat, schickte uns eine mehrfache Mutter aus Fröndenberg zu: „Ich möchte mal vom Bürgermeister wissen wollen,warum wir keine größere Wohnung bekommen, die wir dringend brauchen? Die müssen schon freigehalten werden für die Flüchtlinge…“

 12. Und schließlich möchte ein Bürger wissen: „Wo sind die angeblichen Wohnungen (die die Stadt für Flüchtlinge in Aussicht gestellt hat), welche Kapazität haben sie? Wann ist mit der Fertigstellung zu rechnen und was soll mit weiteren zugewiesenen Flüchtlingen geschehen? Ist auch die Aula der GGS mit in die Planungen einbezogen und auf welchen Zeitraum definiert man den Begriff „Übergangslösung“?“

Kommentare (31)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Diese Emotionen haben wir wahrscheinlich Alle. Wir bekommen von allen Seiten Informationen und das macht Skeptisch. Keiner von uns weiß, wo das hinführen wird.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Ja, so ist das, Helmut.

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    • Svense Kennze via Facebook

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      Und vor allem weiß es die Politik auch nicht und genau das dürfte nicht sein. Genau daher kommt doch das allgemeine Zerwürfnis und viele, auch teilweise durchaus berechtigte, Ängste in der Bevölkerung.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Die Bürger informieren sich ja auf vielfältige Weise und bekommen die Planlosigkeit mit – und wenn dann zugleich immer nur dieses gebetsmühlenhafte „Wir schaffen das!“ wiederholt wird und die Fakten vor Ort gleichzeitig das Gegenteil belegen, erzeugt das neben Verunsicherung und Angst natürlich Wut. Nicht auf die Flüchtlinge, sondern auf die Politik. Der grüne OB von Tübingen wurde wegen seines klaren, ehrlichen „Tut mir leid – wir schaffen das NICHT“ von seinen eigenen Leuten in die AfD-Ecke gerückt. Das kann es doch nicht sein.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Außerdem erlebe ich es aus zwei verschiedenen Ansichten, nämlich der Holländischen, als der Deutschen. Dabei fällt mir auf, daß die Länder das Problem Hauptsächlich aus eigener Sicht angehen. Meiner Meinung nach ist das nicht im Sinne des Europäischen Gedankens.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Europa präsentiert sich als Trümmerfeld von Egoisten. Egoismus kann berechtigt sein. Das wollen wir hier nicht bewerten. Das Wort Union hinter Europa spottet aber jedweder Beschreibung Hohn.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Ganz genau! Nur die Dinge sind Interessant, wo Gewinn gemacht werden kann.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Die Leidtragnden sind alle. Die Flüchtlinge, die einheimische Bevölkerung… deswegen ist es so wichtig, dass sich der Zorn nicht auf die Falschen richtet. Die, die jetzt bei uns sind und weiter kommen, können nichts dafür!

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    • Susanne Appelstiel via Facebook

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      Ich als Mutter u Oma kann nur sagen- Ich kann die Eltern sehr gut verstehen! Ich als Erwachsene habe schon Angst. Ich hoffe, das an dieser Schule nichts passiert. Wenn ja, wer ist dafür verantwortlich?

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Es kann sich auch alles ganz entspannt entwickeln, das hoffen wir selbstverständlich alle. Aber dass Ängste da sind, können wir eben auch verstehen, und diese muss die Stadt auffangen, indem sie so umfänglich wie möglich informiert. Wir denken, das wird in der kommenden Woche auch geschehen.

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  • Petter Uhlenbusch

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    Man mag es nicht mehr lesen… die gegenwärtige Situation ist so irreal und albtraumhaft, das ich für mich persönlich gesehen nichts mehr auschliessen würde… ein neuer Weltkrieg oder die Pest… alles ist möglich (geworden).

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    • Fürst

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      ….genau so kommt es mir auch vor, Petter Uhlenbusch. Alles scheint bedrohlich möglich geworden.

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  • Christian Knospe

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    Gute Arbeit Silvia, nun bin ich einmal sehr gespannt 😉 !

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  • Johanna Müller Lassowski via Facebook

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    Da bin ich aber froh dass das Schulgebäude in Dellwig Privateigentum ist!! Die Sorgen der Eltern kann ich absolut nachvollziehen!!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Auch einem privaten Eigentümer steht es natürlich frei, sein Gebäude als Flüchtlingsunterkunft zur Verfügung zu stellen, Johanna Müller Lassowski. Gebäude und Wohnungen werden ja weiterhin dringend gesucht.

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    • Fürst

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      …. solange keine Beschlagnahme droht! Ich fürchte, daß auch Privateigentum in Beschlag nommen werden wird.

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  • Ananda Gotam Kaur via Facebook

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    Oh Mann… warum können wir nicht einfach mal ruhig sein und die Dinge ihren Lauf lassen. Alles ist doch erst mal vorübergehend. !

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  • Jupp Studtner via Facebook

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    Wenn die Politik bereits vor Wochen (was bis dato vehement bestritten wurde) wusste, dass dieser Schritt unausweichlich ist, warum informieren sie die Schule und alle betroffenen Sportvereine erst jetzt?
    Warum wird vorgeschoben dass es kurzfristig Probleme mit Handwerkern gab die eine geplante Lösung zur Zeit nicht realisierbar machen, wenn es augenscheinlich diese Wohnungen für diese hohe Anzahl an Flüchtlingen gar nicht gibt!?
    Warum wird von einer „Übergangslösung“ gesprochen, wenn man noch perspektivlos ist?
    Das sind Fragen die geklärt werden sollten!
    Bitte Fragen Sie Frau Rinke:
    Wo sind die angeblichen Wohnungen und welche Kapazität haben sie? Wann ist mit der Fertigstellung zu rechnen und was soll mit weiteren zugewiesenen Flüchtlingen geschehen? Ist auch die Aula der GGS mit in die Planungen einbezogen und auf welchen Zeitraum definiert man den Begriff „Übergangslösung“?

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    • Silvia Rinke

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      Hallo, Jupp Studtner, wir werden Herrn Rebbe gern auch auf diese Fragen hinweisen. VG.

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    • Benno

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      Jupp in was für einer Welt leben Sie ?
      Es ist doch nun mal Fakt : Wir werden von dieser Regierung nur noch belogen und betrogen !
      Diese Frau aus der Uckermark interessiert Deutschland einen Dreck (klingt hart ist aber wahr).
      Befasst Euch mal mit der Wahrheit.

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      • Fürst

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        ..leider richtig.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Neki Nehat – dein Kommentar wurde gelöscht. Beschimpfungen und Hetze gehen nicht. Formuilere deine Gedanken bitte angemessen und lass Schimpfwörter raus. Danke.

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  • Sigrid Degner-Schulte via Facebook

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    Politiker legen keinen Wert auf Deutsche bzw. auf deutsche Kinder.

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  • Christina Felly via Facebook

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    Würde direkt mein Kind von der Schule nehmen ..

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  • Jupp Studtner via Facebook

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    Ist die Antwort „nicht absehbar“ auf Frage 1. bereits eine Antwort der Stadt?

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  • Torben

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    „11. Eine kritische Frage, die nicht direkt etwas mit der Grundschul-Turnhalle zu tun hat, schickte uns eine mehrfache Mutter aus Fröndenberg zu: „Ich möchte mal vom Bürgermeister wissen wollen,warum wir keine größere Wohnung bekommen, die wir dringend brauchen? Die müssen schon freigehalten werden für die Flüchtlinge…“

    Die Frage verstehe ich nicht.
    Ich kenne keine Person die ihre Wohnung lieber an Flüchtlinge bzw die Stadt vermieten würde als an eine Fam. die „normal“ in Deutschland lebt.
    Und was hat der Bürgermeister damit zu das Sie gerne eine größere Wohnung hätten ?
    In meinem Bekanntenkreis hat noch keiner den Bürgermeister als Wohnungsmakler benutzt …

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