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Großer Spaß mit leisem „…schade“: Beim Gratis-Minigolfen blieben Flüchtlingskinder unter sich

Mit angehaltenem Atem starrt der kleine Johann dem weißen Ball hinterher. Der kullert aufs kreisrunde Loch zu, eiert kurz noch einmal unentschieden herum – und plumpst rein. Der kleine Johann strahlt zu seinem großen Bruder hin und reckt juchzend seinen Schläger hoch: Ball ist drin!

„15 von 18 Schlägen. Ist doch prima!“, lobt Hardy Siering den Kleinen. Der ist schließlich gerade mal 6 Jahre und hat an diesem Samstag zum ersten Mal in seinem jungen Leben einen Minigolfschläger in die Faust genommen.

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Johann stammt aus Syrien und hatte am Samstag zusammen mit anderen Flüchtlingskindern, Eltern und Flüchtlingspaten aus Fröndenberg Spaß beim Minigolf im Himmelmannpark. Das kostenlose Angebot von Betreiber Achim Grams hat ein wesentliches Ziel leider verfehlt:. „Deutsche Kinder sind fast keine gekommen. Das ist schade“, bedauerte Susanne Hippenstiel vom Patenschaftskreis.

Die Helfer hatten gehofft, dass einheimische und geflüchtete Kinder an diesem Minigolfnachmittag Freundschaften vertiefen könnten, die sich in der Schule und der Kita bereits entwickelt haben. Der Fehlschlag in Sachen integratives Minigolfen enttäuscht die Paten ein wenig, ist aber kein Grund, solche Angebote nicht wieder zu machen, unterstreicht Hippenstiel.

„Gerade bei den Kindern müssen wir ansetzen. Hier kann Integration noch gelingen!“ Wirkt sich das auch auf die Eltern aus? Zum Teil ja, meint Hippenstiel. „Es haben schon einige junge Frauen hier in Fröndenberg ihre Kopftücher abgelegt. Sie sind weiterhin gläubige Muslima.“

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In kleinen Betreuungseinheiten wie in Fröndenberg läuft vieles gut, was andernorts faktisch schief läuft. Die Probleme in größeren Unterkünften und Städten sind den Helfern bewusst, daher aber auch die Chancen, die sich in ihrer überschaubaren Kleinstadt auftun.

„Wir kennen jeden Flüchtling mit Namen“, sagt Susanne Hippenstiel. Auf deutlich unter 400 ist die Zahl gesunken, in diesem Jahr sind keine mehr neu dazu gekommen.

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Um die Familien (mit ca. 120 Kindern und Jugendlichen) sowie, ja, auch das: alleinreisende Männer kümmern sich engmaschig die jeweiligen Paten. So hat Bergit Baurmann „ihre Kinder“ aus der Oase Stentrop mit dem Bus hergefahren und wird sie nach dem Minigolf-Event wieder zurückchauffieren wird.

Die Kinder, sagen die Helfer, sind sozusagen die Stellschrauben. „Sie lernen unheimlich schnell Deutsch.“ Nach durchschnittlich acht Wochen können sich die Mädchen und Jungen aus Syrien, Serbien, Albanien und Afghanistan bereits in der neuen Sprache verständigen, lernen dabei selbstständig stetig weiter. „Ein kleines afghanisches Mädchen stellte sich immer aufmerksam lauschend daneben, wenn wir uns auf Deutsch unterhielten. Wir dachten, sie versteht kein Wort. Plötzlich sprach sie uns ebenfalls auf Deutsch an“, staunt Susanne Hippenstiel.

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Sehr gut verständigen kann sich die 8jährige Santiana aus Serbien, die beim Minigolfen gegen ihren „kleinen Bruder“ Alexander (6) wetteiferte. Wissen diese Kinder aus Serbien oder Albanien – sichere Herkunftsstaaten -, dass sie praktisch keine Chance haben, in Deutschland zu bleiben? „Nein“, Susanne Hippenstiel schüttelt den Kopf. „Für sie ist dies jetzt völlig selbstverständlich ihr Zuhause.“

Ihr Zuhause hat auch die Abdallah Mohameds Familie in der Ruhrstadt gefunden. Der Unternehmer aus der Großstadt Idlib im Südwesten Syriens kam mit seiner Frau, einer Ingenieurin, und den drei Jungs vor acht Monaten nach Fröndenberg. Im Gegensatz zu vielen anderen Geflüchteten, die es nach Anerkennung ihres Asylantrags in die Großstädte zieht, möchte Abdallah Mohamed als anerkannter Asylant gern in Fröndenberg bleiben. Und auf unsere Bitte, für unseren Artikel seinen Namen aufzuschreiben, nimmt er Susanne Hippenstiel (die schon eifrig loskritzelt) mit trockener Ironie lächelnd den Stift aus der Hand: „Ich kann schreiben! Stellen Sie sich vor.“

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Kommentare (5)

  • Koch

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    Zitat Hippenstiel: „Gerade bei den Kindern müssen wir ansetzen. Hier kann Integration noch gelingen!“

    Ich wünsche den Kleinen alles Gute, aber den Satz von Hippenstiel muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Bei denen KANN NOCH die Integration gelingen? Im Umkehrschluss hat man bei den Erwachsenen resigniert?

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    • Silvia Rinke

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      Nein, Koch, sie meinte damit: Kann ziemlich sicher gelingen. Für Resignation ist gerade dieser Helferkreis ein denkbar schlechtes Beispiel. Die Helfer dort sind pragmatisch, nüchtern, zuweilen auch er-nüchtert, aber ganz bestimmt nicht fatalistisch.

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  • Helmut Brune

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    Da sieht man wieder, bei Kleinkindern gibt es keinen Unterschied zwischen Hautfarbe, Herkunft und Religion. Das fängt erst an, wenn Eltern mit dem Erziehen anfangen.

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    • fürst

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      .. .und eben die Einwirkung der Eltern- und Verwandtschaftsteile verhindert in zumindest vielen Fällen die zunächst aussichtsreich erscheinende Integration.

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  • Benno

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    Tut mir Leid, aber diese Berichterstattung finde ich nicht gut!

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