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Genossentalk auf roten Sofas: „Stimmung gegenüber den Flüchtlingen droht zu kippen“

Was hat die Bundes-SPD mit Unnas Solokandidaten-Bürgermeisterwahl gemeinsam? – 23 Prozent. Die SPD hat sie momentan, die Kolter-Bestätigungswahl würde gern soviel bekommen. Boshaft ausgedrückt mal.

Mal im Ernst – die geharnischte Kritik der Bürger an dieser schon jetzt als absurd verschrieenen Wahl jenseits personeller Auswahl nimmt auch der Alleinkandidat natürlich wahr, der als amtierender Bürgermeister sein Ohr ohnehin am Bürger hat. Entsprechend unterstrich Werner Kolter auch heute Abend beim Wahl“kampf“-Talk im Katharinen Hof erneut klar und deutlich: Nein, er selbst, als SPD-Alleinkandidat, habe sich diese missliche Situation wahrlich nicht ausgesucht. Er begrüße sie auch ganz und gar nicht. Die anderen (immerhin sechs) Parteien im Rat hätten – man kann ruhig nicken: Ja, sie haben – es versäumt, dem Wähler eine personelle Alternative zum zweifellos erdrückend überlegen wirkenden SPD-Amtsinhaber zu präsentieren.

Wermer Koler Rotes Sofa

Das musste einmal gesagt sein (und öfter wurde es auch nicht gesagt) beim roten Talk auf zwei roten Sofas im Katharinen Hof, zu dem sich Unnas SPD diesmal Bundesprominenz geladen hatte: Thomas Oppermann, Fraktionsvorsitzender der SPD in Berlin, nahm neben Bundestagsabgeordnetem Oliver „Katze“ Kaczmarek auf dem einen der zwei roten Plüschsofas Platz. Derweil sich Werner Kolter, Bürgermeister und sattsam bekannt Alleinkandidat für die nächsten fünf Bürgermeisterjahre, in Notizzetteln blättern auf dem zweiten schräg gegenüber niederließ.

SPD Rotes Sofa

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Den Raum füllte in recht anständiger Masse allerhand SPD; aus Stadtbezirken, Kreis und Nachbarkommunen angereist, denn einen Bundesvorsitzenden hat man nicht alle Tage zu Besuch. Das Problem bei einem Vertreter der Gesamtpartei erwächst naturgemäß an inhaltlichen Fragen: Welche Themen sind sowohl bundespolitisch wie auch lokal halbwegs spannend und zumindest so interessant, dass sie zwei bis drei Stunden in einer lokalen Lokalität füllen können?

So hüpfte denn der gepflegte Genossentalk zunächst schlicht zwischen der hehren Bundespolitik und den Niederungen Unnas wie ein Pingpongball hin und her: Vom 86 Milliarden Euro schweren  Hilfspaket für Griechenland ging´s schwuppdiwupp zur nichtvorhandenen Auswahl bei Unnas Bürgermeisterwahl.

Dann bot sich aber doch ein Thema, das „ganz oben“ wie „ganz unten“ dringend stringente Lösungen verlangt: Der nicht endende Zustrom an Flüchtlingen, nach Europa, nach Deutschland, nach NRW sowie nach Unna, in die Landesstelle Massen.

Oppermann SPD Rotes Sofa

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„Auf 800 000 Flüchtlinge werden wir uns in diesem Jahr einzustellen haben. Diese Menschen werden und sie sollen zu uns kommen!“, unterstrich Oppermann markig und wurde für diese soziale Marschroute kräftig von der anwesenden Sozialdemokratie beklatscht. Aber!, machte der der Bundesfraktionschef  deutlich – hätte er´s nicht selbst gesagt, ihm hätte es der Bürgermeister auf dem Sofa gegenüber mit Sicherheit abgenommen: „Wir müssen jetzt aufpassen, dass die Stimmung nicht kippt.“

In der Bevölkerung – deren Stimmung momentan noch grundlegend positiv und hilfsbereit den Flüchtlingen gegenüber ist, die jedoch eben kippen könnte, warnte auch dringend Werner Kolter. „Diese Gefahr sehe ich, wenn die Bürger den Eindruck bekommen: Für die Flüchtlinge wird alles Erdenkliche getan, für sie bauen wir Zeltstädte, staten  Spendenaktionen, räumen Turnhallen und Schulen. Und gleichzeitig schließt die Stadt Kindergärten, weil dafür dann kein Geld mehr da ist. Das darf auf keinen Fall passieren.“

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Der Bund, forderte Kolter den ihm gegenübersitzenden Parteifreund aus der Regierungskoalition in Berlin auf, müsse schnellstens Strategien entwickeln (und das nötige Geld bereitstellen), damit die Kommunen die ankommenden Flüchtlinge geordnet und menschenwürdig unterbringen können. Und damit längst nicht aufgehört – nein, damit angefangen: „Diese Menschen müssen eine Perspektive für die Zukunft bekommen.“ Flüchtlinge einfach nur aufbewahren – nein. Das kann es nicht sein.

Der prominente Regierungsvertreter nahm die nachdrückliche Aufforderung mit nach Berlin zurück.

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Kommentare (19)

  • Dominik Brauckmann via Facebook

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    Ich denke die Stimmung ist bereits gekippt.

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    • Kritiker

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      Entgegen der Ausführungen einiger „Vorredner“ ist nach repräsentativen Umfragen noch immer ein überwältigender Teil der Bevölkerung solidarisch und hilfsbereit gegenüber den Flüchtlingen. Von einer „kippenden Stimmungen“, die von manchem User hier gerne heraufbeschworen wird, kann glücklicherweise nicht die Rede sein.

      Was allerdings zu beobachten ist, sind die immer wieder aufkommenden hetzerischen Kommentare in sozialen Netzwerken und auch in anderen Blogs, wie etwa Rundblick Unna. Dass sind aber zumeist nur einzelne Stimmungsmacher, die die Gelegenheit anscheinend geradezu herbei gewünscht haben, mal wieder kräftig gegen Minderheiten hetzen zu können. Im Schutz der Anonymität des Internets kann man das natürlich bequem machen. Einigen, wie Herr Brauckmann zum Beispiel, ist ihre Weltanschauung nicht mal peinlich genug, dass sie sich hinter Decknamen verstecken. Die können nur hoffen, dass ihr Arbeitgeber ihre Geisteshaltung niemals zu Gesicht bekommt (sofern sie überhaupt einer Tätigkeit nachgehen, was ich manchmal bezweifle…)

      Diese nationalistischen, volksverhetzenden Kommentare sind oft kaum zu ertragen. Glücklicherweise bleibt es bei verbalen Ausfällen dieser Leute. Denn auch wenn es in der Flüchtlingsfrage noch vieles zu klären und organisieren gibt:
      Ich möchte bitte niemals einen wütenden Mob von Bürgern erleben, der mit Fackeln und Pflastersteinen vor einer Asylunterkunft seine hässliche Fratze der Gewalt zeigt. All diejenigen, die Ihre Unsicherheiten und Komplexe auf Minderheiten abwälzen wollen, sollten das doch bitte weiter im Netz tun. Auch das ist schlimm genug, aber wenigstens können dann die Flüchtlinge sicher sein, nicht die gleichen Zustände wie in ihren Heimatländern vorzufinden…

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  • Hanno

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    Oh ja !
    Die GroKo in Berlin funktioniert mit Hilfe der SPD, die Merkel Mehrheiten verschafft. Und für die CDU Abgeordneten, die nach ihrer Überzeugung mit NEIN stimmten, bedeutet das ein Ende ihrer Karriere in der CDU.
    Die sog. Volksparteien vertreten schon lange nicht mehr das Volk. Da braucht sich niemand über schlechte Wahlbeteiligung wundern…und der Rest hat noch nicht die Stimmgewalt, um das zu ändern. Sie werden noch von der GroKo untergebuttert.

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  • Stefan Werner

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    Schöne Politshow! Mit den fünfzigtausend Euronen für eine eigenartige und sinnentleerte Bürgermeisterwahl hätte man schon einmal viel für Flüchtlinge und Einheimische tun können. Obwohl unser Land vor Geld stinkt, wir Zehntausende von Wohnungen „vom Markt nehmen“, wer weiß wie viele Schulen, Kindergärten, Kasernengebäude, Turnhallen, Bürotürme etc. leer stehen und langsam verrotten lassen, sind wir aufgrund der totalen Zerstrittenheit und Unfähigkeit von Politik und Verwaltung wohl kaum in der Lage, das Problem zu lösen. Schade, denn an der Bevölkerung liegt es eigentlich nicht, daß die Stimmung kippt!

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  • Heinz Müller via Facebook

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    Ich denke es funktioniert hier nichts mehr wie es soll und bald wird es noch mehr spührbar

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  • Petter Uhlenbusch

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    Flüchtlinge: ja
    Sozialschmarotzer vom Balkan: nein

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  • Andreas

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    Was mir aufgefallen ist, das ich zumindest auf all den Bildern nicht einen Menschen gesehen habe der unter 40-30 ist (kann natürlich sein das ich etwas übersehen habe). Wir scheinen (und das gilt für alle Parteien) für junge Menschen doch wohl eher uninteressant zu sein. Wird nicht einfach an einer Änderung der Situation erfolgreich zu arbeiten. Ob die jetzige Bürgermeisterwahl dazu beiträgt?

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  • Edmont Dantés via Facebook

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    Ich bin gespannt ob Frau Merkel bei Meinungsumfragen immer noch weit vorne liegt. Wenn ja, dann ist dieses Land korrupter als es die deutsche demokratische Republik je war. Und das ganz ohne Stasi. Seien wir ehrlich,ein Land mit hoher Arbeitslosigkeit und geschliffenen Statistiken,das gab es früher schon mal,und es hat ziemlich böse geendet. Wenn da nicht langsam mal jemand Mutti Merkel aufweckt und ihr sagt das die deutsche Kanzlerin ist,dann könnte das auch ins Auge gehen.

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