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Garagen, Häuser, Verkehrsschilder: Fröndenberg und Unna verkommen zum Schmier-Graffiti

In Königsborn sah man in dieser Woche wieder zornige Hausbesitzer frisch besudelte Fassaden schrubben, und Fröndenberg scheint bereits zum einzigen Schmier-Graffiti verkommen zu sein. Flächendeckend in der ganzen Stadt breiten sich Sprüher und Schmierer seit Monaten in greller Fragwürdigkeit aus, und das schlägt sich abschreckend in den Polizeiakten nieder.

Allein im Januar und Februar wurden 26 Sachbeschädigungen durch sog. Graffiti von Fröndenbergern angezeigt; das waren in zwei Monaten schon mehr als die Hälfte der gesamten Fälle vom Vorjahr, sagt Ute Hellmann, Sprecherin der Kreispolizeibehörde Unna. „2015 hatten wir insgesamt 55 angezeigte Fälle. Es scheint also momentan ein ziemliches Problem zu sein.“

An diesem sehr offensichtlichen Problem kommt man vor allem im Bereich Eulenstraße/Mühlenberg und weiter quer durch die City kaum vorbei. Wer durch Fröndenberg geht oder fährt, sieht sich an buchstäblich jeder Ecke mit der fragwürdigen „Kunst“ konfrontiert. Wir haben reichlich Fotomaterial über diese „Kunst“ gesammelt, stellen sie jedoch bewusst nicht öffentlich ein, um den Tätern nicht noch eine Ruhmesplattform zu bieten. 

Graffiti Frö

Besonders häufig taucht immer wieder ein bestimmter Schriftzug auf – vier Großbuchstaben – sowie immer wieder die gleiche Zahl, die bevorzugt dazu dient, Tempo-30-Schilder unkenntlich zu machen. Mehrere Schilder mussten bereits ausgewechselt werden, z. B. ein 30er-Schild an der von-Tirpitz-Straße/Hassleistraße. Eins der beiden Stoppschilder an derselben Straßengabelung ist unter grellgrüngelber Farbe auch schon kaum noch zu erkennen. Sogar in Bausenhagen sprühen sich die herumreisenden Vandalen ihre zweifelhaften Andenken.

„Das Beschmieren von Verkehrsschildern stellt einen besonders gravierenden Tatbestand da“, verdeutlicht sie den Ernst des Problems. „Es ist nicht nur Sachbeschädigung, sondern gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.“ Von dem finanziellen Schaden, der inzwischen durch die Schmierfinken entstanden ist, einmal ganz abgesehen. An öffentlichen Gebäuden (oder eben auch Beschilderungen) berappt der Steuerzahler dafür, bei Privathäusern (oder Fahrzeugen, Garagen etc.) ist der Eigentümer selber dran.

Graffiti Frö weitere  (4)

Auch eine bunte Zahl – aber dies ist (zur Abwechslung mal) kein Graffiti im Bereich Nordstraße/Tirpitzstr./Hassleistraße, sondern eine schlichte Hausnummer.

Graffiti Unna Anarchie

Diese anarchistische Selbstdarstellung auf anderleuts Kosten grassiert auch in Unna (Bild oben: Burgviertel), wo vor einigen Wochen immerhin einige junge Graffiti-Schmierer mal auf frischer Tat geschnappt wurden. Das Trio – 21, 19 und 16 Jahr alt – verewigte sich sprühend und schmierend am alten Güterbahnhof (Harger-Zentrum), später in der derselben Nacht – nur wenige Stunden, nachdem sie die Polizei dank Zeugen erwischt hatte – trieben sie an der Mozartstraße und an der Nordstraße ihr Unwesen.

Großflächig besprüht und besudelt wurde inzwischen auch der Wohnbereich Gerichtsstraße/Vinckestraße bis hoch zum Kastanienhof, in der Innenstadt die Fußgängerzone mit Schwerpunkten auf der Massener Straße. Am Wochenende war (mal wieder) Königsborn an der Reihe, unter anderem Häuserfronten direkt an der Friedrich-Ebert-Straße.

Immer wieder kommt die Polizei (im Prinzip: nur) dann zum Zugriff, wenn sie ganz akute Infos von Augenzeugen bekommt. Wie am Hargerzentrum, wo ein Augenzeuge nicht fackelte, die Sprüher auch gar nicht ansprach und damit in die Flucht jagte, sondern sofort die Polizei anrief. Diese konnte sich das Vandalentrio praktisch noch während der Tat am Schlaffittchen packen.

Für die Polizei ist das praktisch die einzige Möglichkeit, Graffitivandalen zu erwischen – es sei denn, sie ertappt zufällig mal einen in flagranti.  „Diese Täter sind fast immer nachts am Werk“, erinnert die Polizeisprecherin, „und da muss schon zufällig eine Polizeistreife direkt vorbeikommen. Deswegen sind Zeugenhinweise ganz wichtig.“ Ruhig den Notruf 110 wählen“, rät Ute Hellmann, und auf gar keinen Fall die Täter ansprechen und damit vorwarnen. „Die packen dann ihre Sachen zusammen und sind sofort verschwunden.“ Durch das überlegte Beobachten und dann unauffällige Informieren der Polizei konnten eben jüngst in Unna mehrere Täter gefasst werden.

ausrufe

Ein kritischer Leser – Andreas aus Unna –  merkt allerdings zum Thema 110 und fix Polizei rufen deutlich an, dass er genau das unlängst getan hat – mit folgendem Ergebnis:

„… ist doch prima, als ich die 110 neulich gegen 19:30 angerufen habe, um einen „Jungerwachsenen“ mal  „befragen zu lassen“ warum er gerade mal einige dicke Graffitis mit einem dicken Eding auf verschiedene Fensterbänke in der Burgstraße geschmiert hat…  kam die prompte Antwort am Telefon: „Wir haben gerade keinen Wagen, den wir schicken können…“

Der „Jungerwachsene“ war dann trotz Beschreibung halt flüchtig, fertig… dazu bekam ich noch den Hinweis des Beamten, dass ich nicht seine Personalien aufnehmen darf (da er das erregte Zwischengespräch wohl missverstanden hatte, das aber auch nicht Gegenstand des Gesprächs mit dem jungen Mann war – als sich ein „Jungerwachsener“, der passiv dabei war, vor mir stellte, da ich sein Nummernschild zur Halterüberprüfung durchgegeben habe.)

Als ich dem Beamten dann noch mitteilte, dass das wohl sehr unbefriedigend sei und ich mich beim Landrat beschweren würde, kam die Bemerkung „Sie wollen mir doch wohl nicht drohen“. Ich fand, dass das Gespräch dann weiter wohl keinen Sinn ergeben würde, und legte auf….

Gut, dass die Wagen für den „Blitzmarathon“ anscheinend alle einsatzbereit sind, ist ja auch wichtiger, als sich um solche Lappalien zu kümmern, Bürgereigentum, Beschädigung oder vielleicht auch Vandalismus…. werde die 110 wohl eher nicht mehr anrufen!“

 

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