Rundblick-Unna » Flüchtlinge in Grundschulturnhalle Fröndenberg: Vereine und Schulen rücken zusammen – Rebbe: „Wie es weitergeht – wir wissen es nicht“

Flüchtlinge in Grundschulturnhalle Fröndenberg: Vereine und Schulen rücken zusammen – Rebbe: „Wie es weitergeht – wir wissen es nicht“

„Wir wissen nicht, welche Menschen kommen – wir wissen nicht, wie lange sie bleiben – wir wissen nicht, wie viele danach noch zu uns kommen. Wir wissen gar nichts.“

Klar und nüchtern sprach Fröndenbergs Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe heute Mittag gegenüber unserer Redaktion den aktuellen Stand zur Flüchtlingsunterbringung in der Turnhalle der Gemeinschaftsgrundschule aus.

Friedrich-Wilhelm Rebbe

„Bittere Entscheidung“: Friedrich-Wilhelm Rebbe.

Erstmalig seit Beginn der Flüchtlingskrise muss die Stadt in ihre bestehende Infrastruktur eingreifen, sie nimmt einer Schule und den dortigen Vereinen ihre Sporthalle. 35 bis im Höchstfall 50, 60 Flüchtlinge (mehr scheiden allein aus Brandschutzgründen aus) werden ab November in die Turnhalle an der Friedhofstraße einziehen. Bei laufendem Schulbetrieb. Rebbe: „Das war auch für mich ganz bitter. Aber uns blieb keine Wahl. Wir haben momentan keine weiteren Unterkünfte mehr. Wir müssen alle zusammenrücken.“

Dazu fand heute Nachmittag ein Abstimmungsgespräch zwischen der Verwaltungsspitze und den Schulleitern statt. Das Ziel: Alternativen für die ab heute gesperrte Turnhalle finden. Kooperieren, z. B. den ausfallenden Schulsport für die Grundschüler durch Schwimmzeiten ersetzen.

Ebenfalls heute bekamen die Eltern von der Schulleitung der GSG einen Elternbrief. Darin bittet die Schulleitung um Verständnis für die Situation, die alle überrascht habe, auch die Schule. Man sei bemüht, trotz dieser besonderen Situation einen möglichst reibungslosen Unterricht zu ermöglichen. „Vielleicht sollten wir diese Situation auch als Chance begreifen, die verschiedenen Möglichkeiten des Umgangs miteinander aufzuzeigen und Verständnis füreinander wachsen zu lassen.“ Man werde die Kinder behutsam mit der neuen Situation vertraut machen. Die Schule sei zuversichtlich,  dass alle zusammen diese Herausforderung meistern werden.

Den Fragenkatalog, den wir dem Bürgermeister am gestrigen Sonntag noch schickten (gesammelt in einer Fröndenberger Facebookgruppe), beantwortet Rebbe wie folgt:

1. Für wie lange ist es geplant, die Halle zu nutzen? Antwort: Das ist komplett nicht absehbar. Denn die Stadt hat null Einfluss auf die Zahl der Zuweisungen. Die Turnhalle wird nicht als „Erstaufnahmeeinrichtung“ geführt, also nicht als kurzfristige Notunterkunft, sondern wird Regelunterkunft. Zwar „übergangsweise“ – doch wie lange dieser Übergang dauert, ist gänzlich nicht abzusehen. Die Stadt sucht mit Hochdruck weitere Wohnungen, doch, so Rebbe: „Immer, wenn wir gerade eine Wohnung fertig haben und dort Flüchtlinge eingezogen sind, stehen wieder die nächsten vor der Tür.“ Sisyphusarbeit mit gänzlich offenem Ausgang.  


2. Wird die Anwesenheit der Flüchtlinge (die Anfang November einziehen sollen) die Kinder in ihrem Alltag beeinflussen? Antwort: Noch keine Aussage möglich.  


3. Wie werden die Schule und Kinder auf die Security reagieren und welche Folgen kann es haben? Antwort: Auch das muss man sehen. Die Schulleitung versichert in ihrem Elternbrief, die Kinder sehr behutsam mit der Situation vertraut zu machen.


4. „Wer garantiert für die Sicherheit unserer Kinder? Antwort: Die Flüchtlinge sind in der Schulturnhalle nicht den ganzen Tag auf sich allein gestellt. Der DRK-Kreisverband versorgt sie dreimal am Tag mit Essen. Die städtischen Mitarbeiter sind ebenfalls vor Ort und schauen zusammen mit dem DRK, wie sich die Situation entwickelt. Rebbe: „Wenn es nötig wird, stellen wir einen Ordnungsdienst ab.“

5. Müssen an der Halle bauliche Maßnahmen vorgenommen werden? Wer zahlt für evtl. Schäden, die entstehen? Antwort: Das macht in diesen Fällen das Land, das für die Notunterkünfte verantwortlich ist.

6. „Warum mussten wir als Eltern aus den Medien davon erfahren – mit sehr spärlichen Informationen? Wieso wurden wir vor vollendete Tatsachen gestellt?!“ Antwort: Weil das Land diese „Amtshilfegesuche“ immer kurzfristiger an die Kommunen stellt, zuletzt schon öfter von einem Tag auf den anderen. So war es auch im aktuellen Fröndenberger Fall. Landrat Michael Makiolla sprach bei der Bürgerversammlung in Bönen von allerhöchstens drei Tagen Vorlauf. Das Land „bitte“ seine Kommunen auch nicht um Amtshilfe, sondern befehle sie.

 7. Wieso gerade die voll genutzte Schulturnhalle in der Stadtmitte? „Kann man nicht um die Hilfe der Käufer der Grundschule Dellwig bitten? Es steht dort ja immer noch alles leer und wird nicht genutzt.“ Antwort: Es kam faktisch kein anderes Gebäude in Frage. Die ehemalige Dellwiger Bodelschwinghschule gehört einem privaten Investor, der bereits voll mit den Umbaumaßnahmen beschäftigt ist. „Das Gebäude ist innen bereits voll entkernt“, sagt Bürgermeister Rebbe.  „Das ist eine Baustelle, dort kann man niemanden unterbringen.“ 
Grundsätzlich kommt es durchaus vor, dass Privatleute vorhandene Immobilien für kommunale Flüchtlingsunterbringung zur Verfügung stellten. Doch in diesem Fall ist es faktisch unmöglich. Turnhallen bieten zudem den Vorteil, dass dort in aller Regel sanitäre Einrichtungen zur Verfügung stehen.

 8. Welche Alternative bietet die Stadt zum Schulsport? Was passiert in der Zeit, in der eigentlich Sportunterrichtet stattgefunden hätte? Diese Fragen bespricht die Stadt ab heute mit de Vertretern der anderen -Fröndenberger Schulen. Vielleicht sei es möglich, meinte Rebbe heute Mittag, dass die Grundschüler ersatzweise für den ausfallenden Sportunterricht bestimmte Zeiten in der Schwimmhalle bekommen. Auch hier gelte das Gebot der Stunde: „Wir müsse alle zusammenrücken. Sowohl bei Vereinen und Schulen war in Fröndenberg schon immer eine hohe Kooperationsbereitschaft vorhanden“, hofft Rebbe auf gemeinschaftliche Lösungen.

9. Inwieweit kommen die Schützenhallen in Fröndenberg als Alternativen in Betracht? Antwort: Im Moment gar nicht, weil die nötigen Sanitärblöcke im Moment komplett ausverkauft sind. 

11. Eine kritische Frage, die nicht direkt etwas mit der Grundschul-Turnhalle zu tun hat, schickte uns eine mehrfache Mutter aus Fröndenberg zu: „Ich möchte mal vom Bürgermeister wissen wollen,warum wir keine größere Wohnung bekommen, die wir dringend brauchen? Die müssen schon freigehalten werden für die Flüchtlinge…“
Die Antwort: ergibt sich aus der Not, die das Gebot der Stunde ist. Denn andernfalls müssen weitere Turnhallen als Quartiere dienen – was Rebbe entschieden nicht hofft, aber eben auch nicht ausschließen kann – bevor man in letzter Not zum letzten Mittel greifen muss: Zelte. Das will nicht nur die Stadt Fröndenberg jetzt vor dem Winter um jeden Preis verhindern.

 12. Und schließlich möchte ein Bürger wissen: „Wo sind die angeblichen Wohnungen (die die Stadt für Flüchtlinge in Aussicht gestellt hat), welche Kapazität haben sie? Wann ist mit der Fertigstellung zu rechnen und was soll mit weiteren zugewiesenen Flüchtlingen geschehen? Ist auch die Aula der GGS mit in die Planungen einbezogen und auf welchen Zeitraum definiert man den Begriff „Übergangslösung“?“
Antwort: 25 dezentrale Standorte (Wohnungen sowie Wohncontainer) gibt es derzeit in ganz Fröndenberg. Alle Wohnungen, die der Stadt nach ihrem Presseaufruf angeboten wurden, sind umgebaut, saniert und bereits bezogen worden. Rebbes klare Aussage: „Wir haben jetzt überhaupt keine Wohnungen mehr. Jeder renovierte Raum ist sofort wieder weg.“ Die Zahlen der zugewiesenen Flüchtlinge machen das Problem der „Sisyphusarbeit“ deutlich: Juli: 18, August: 35, September: 54, Oktober: bis jetzt: 73. „Wir gehen insgesamt auf 300 zu.“ Zur Frage der Dauer und weiterer schulischer Räumlichkeiten gilt Rebbes klare, ehrliche Antwort: „Ich weiß es nicht.“  

 

Kommentare (3)

  • Hanno

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    Bankrotterklärung der Politik. CDU-Merkel hat’s verbockt und der SPD fällt auch nichts mehr ein. Gute Nacht deutsche Grokos.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Sven Ewald – unsere letzte Warnung. Noch einmal Schimpfwörter im Kommentar, und wir werden dich endgültig hier verabschieden. VG.

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  • Petter Uhlenbusch

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    Merkel trägt mit Ihrer skrupellosen Politik den sozialen Sprengstoff bis in die Herzen jeder Stadt und jeder Gemeinde. Es kann nur eine Frage der Zeit sein bis sich die Wut der Deutschen vollends entlädt. Ich habe jedenfalls in meinem Bekannten- und Kundenkreis noch keinen Menschen erlebt der das alles gutheissen würde. Diejenigen die hier die grosse Willkommenparade abziehen, haben meiner Meinung nach immer schon eine destruktive Einstellung zu ihrer Heimat gehabt, sich nie wohl gefühlt in geordneten Verhältnissen. Diese „vaterlandslosen Gesellen“ sehen nun ihre große Stunde gekommen Deutschland den endgültigen Garaus zu machen. Ich hoffe sie scheitern…grandios.

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