Rundblick-Unna » Erleichterung in Königsborn: Gewalttätiger Mann nach erneutem Vorfall in Psychiatrie eingewiesen

Erleichterung in Königsborn: Gewalttätiger Mann nach erneutem Vorfall in Psychiatrie eingewiesen

Nachbarn organisierten bereits Nachtwachen, die Furcht vor dem unberechenbaren (und für viele unheimlichen) gewaltbereiten Wohnsitzlosen wuchs in Königsborn mit jedem weiteren Vorfall, der bekannt wurde. Seit heute Mittag befindet sich der Mann im sicheren Gewahrsam – in einer psychiatrischen Einrichtung.

Wie uns Polizeisprecher Thomas Röwekamp am Nachmittag berichtete, ging dem Beschluss zur Einweisung ein erneuter Zwischenfall in der heutigen Nacht voraus. Wieder war der Mann in Königsborn auffällig geworden, diesmal durch Hausfriedensbruch.

Die Unnaer Polizei fuhr also wieder raus, nahm den schon hinreichend bekannten Kunden erneut mit zur Wache und stellte am Morgen Kontakt mit der Stadt Unna her. In Absprache zwischen Polizei und Ordnungsamt wurde der psychisch kranke Mittdreißiger am Vormittag der Neurologie des Evangelischen Krankenhauses vorgeführt. Nach eingehender Untersuchung entschieden die Spezialisten die Einweisung in die LWL-Klinik Aplerbeck.

LWL Klinik

Die Einrichtung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (Foto oben: LWL) kümmert sich um die psychiatrische, psychotherapeutische und psychosomatische Betreuung von Patienten aus dem Kreis Unna und Dortmund.

Da der wohnsitzlose Mann, nachdem er immer wieder durch Gewaltattacken und Bedrohungen auffällig geworden war, nun per behördlicher Weisung in die Psychiatrie eingewiesen worden ist, wird er dort nun fürs Erste bleiben, konkretisiert Thomas Röwekamp die Bedeutsamkeit dieser Verfügung. „Er kann sich jetzt nicht wieder selbst entlassen. Das entscheidet die Klinik in Abhängigkeit von seinem Gesundheitszustand.“

Für die Bürger, die seit Wochen und Monaten in Furcht vor der Unberechenbarkeit dieses bedrohlichen Mitbürgers lebten – und/oder die sogar selbst schon von ihm bedroht oder angegriffen wurden-  bedeutet dies zunächst einmal eine große Erleichterung und Beruhigung.

Thomas Röwekamp Portrait

Polizeisprecher Thomas Röwekamp


„Für uns als Polizei ist es immer relativ schwierig, in solchen Fällen rasch und für die Bürger zufriedenstellend Ergebnisse zu erzielen“, bittet Thomas Röwekamp um Verständis dafür, dass die Behörde nicht früher „zugriff“ und den offenbar schwer gestörten Mann aus dem Verkehr zog. Angezeigt wurde er ja immer wieder – wegen Bedrohung, Hausfriedensbruch, einfacher Körperverletzung. Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch bis dato keine ausreichenden Haftgründe gesehen, zuletzt ein Verfahren wegen einer Attacke auf einer 34 jährige Frau auf der Friedrich-Ebert-Straße eingestellt.

Unnas Stadtsprecher Oliver Böer, der sich am Morgen mit dem Polizeisprecher über das weitere Vorgehen austauschte, erläutert das grundsätzliche Procedere und die gesetzlichen Hürden, die  einem so weitreichenden Schritt wie einer Einweisung vorangestellt sind. „Für die Verfolgung von Straftaten sind generell Polizei und Staatsanwaltschaft zuständig, für mögliche Maßnahmen nach dem PsychKG sind es – bedingt – die örtlichen Ordnungsbehörden. In dieser Angelegenheit stimmten wir uns mit der Kreispolizei über mögliche Maßnahmen ab.“

Bei Maßnahmen nach dem PsychKG  (Psychisch Kranken Gesetz) sei grundsätzlich zu beachten, dass die abschließende Entscheidung das Amtsgericht zu treffen habe.

Laut diesem Gesetz, zitiert Böer aus dem Vorgaben, „ist die Unterbringung Betroffener ist nur zulässig, wenn und solange durch deren krankheitsbedingtes Verhalten gegenwärtig eine erhebliche Selbstgefährdung oder eine erhebliche Gefährdung bedeutender Rechtsgüter anderer besteht, die nicht anders abgewendet werden kann.  Die fehlende Bereitschaft, sich behandeln zu lassen, rechtfertigt allein keine Unterbringung….Die Unterbringung wird auf Antrag der örtlichen Ordnungsbehörde im Benehmen mit dem Sozialpsychiatrischen Dienst vom zuständigen Amtsgericht angeordnet….“

Für Polizeisprecher Thomas Röwekamp ist es sehr wichtig, den Bürgern zu signalisieren:

„Ich kann wirklich die Leute verstehen, die in solchen bedrohlichen Situationen Angst haben. Ich kann nur immer wieder an die Bürger appellieren, sich in Bedrohungslagen oder bei anderweitigen Vorfällen möglicht ohne Zeitverzug an uns zu wenden. Nur dann haben wir auch die Möglichkeit, tätig zu werden.“

Tel. 02303 – 921-0 oder im akuten Notfall die 110

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Wir möchten an dieser Stelle herzlich allen Leserinnen und Lesern danken, die durch ihre konkreten Hinweise und Mitteilungen nachhaltig dazu beigetragen haben, dass diese bedrohliche Situation erkannt und dass nun schnell gehandelt wurde. Der Mann bekommt jetzt professionelle Hilfe, und niemand muss bis auf Weiteres noch vor ihm Angst haben.

Kommentare (6)

  • Helmut Brune

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    Na Endlich. Der Polizei will ich hier keinesfalls Vorwürfe machen. Dem Gesetzgeber schon. Warum müssen immer erst mehrere Personen Schaden erleiden, bis die Rede von ausreichenden Haftgründen sein kann? Die Stellen im Gesetz müssen einfach überarbeitet und an die heutige Zeit angepasst werden. Das würde auch das Problem lösen, wo straffällig gewordene Leute, die oft mit südländischem Äußeren umschrieben werden, nicht sofort nach Aufnahme der polizeilichen Maßnahmen wieder auf freien Fuß gesetzt werden müssen.

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  • Jan Schütte

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    Da wünsche ich dem Typ doch gute Besserung und freue mich darüber, dass nicht erst viel Blut fließen musste.

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  • Bernd

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    @RBU:

    Auch wenn Ihr es nicht expizit erwähnt:
    Ich glaube, daß u.a Ihre Berichterstattung/Verfolgung der Sache dazu beitrug, daß nun endlich eine Entscheidung herbei geführt worden ist.
    Passend zu meinem Kommentar (Bernd) unter Ihrem Artikel hier:
    > http://rundblick-unna.de/bedrohlicher-mann-in-koenigsborn-zahlreiche-weitere-poebeleien-und-gewaltattacken-werden-bekannt/

    Danke an RBU – etwas defätistisch merke ich (aus meiner Sicht) an, daß die Erklärung von Polizeisprecher Thomas Röwekamp zum speziellen Problem/der späten Lösung mir sehr opportunistisch erscheint…

    Wie auch immer: Kritische Öffentlichkeit a la RBU tut not – dann bewegt sich (manchmal) auch was…

    Gruß,

    Bernd

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Dankend zur Kenntnis genommen, Bernd. :-)

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  • Mike

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    Super, Rundblick schafft das, was die Behören, allen voran der Staatsanwalt nicht geschafft haben, ist ein öffentlicher Druck da geht es auf einmal doch, ansonsten wären wohl weiterhin Bürger zu Schaden gekommen.

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Danke Danke Mike, aber ohne die vielzähligen Infos der Betroffenen hätten auch wir hier kaum was ausrichten können… lief super ineinander, und wir wir freuen uns natürlich sehr darüber, dass die Polizei und die Stadt so unverzüglich gehandelt haben. War mal eine echt gute Erfahrung auch für uns!

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