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Eltern verärgert, Schüler irritiert: Gideonbund verteilt Bibeln vor Werler Schulen

Mehrere Schulsekretariate riefen sicherheitshalber erst mal die Polizei. In Unnas Nachbarstadt Werl haben gestern und heute Mitglieder des Gideonbundes vor mehreren weiterführenden Schulen Schüler angesprochen und Bibeln verteilt.

Am Ursulinengymnasium und der Sekundarschule standen die „Gideons“ gestern; ein Vater wandte sich verärgert an unsere Redaktion, da eine solche religiöse Beeinflussung seiner Ansicht nach nicht angehen könne. Am heutigen Morgen vor Unterrichtsbeginn postierten sich Mitglieder des Bundes mit ihren grünblauen Taschenbuch-Bibeln vor dem Mariengymnasium am Breilsgraben. Noch bevor hier die Polizei eintraf (im Bild)  – von der Schulsekretärin alarmiert – hatten sich Schüler bereits an eintreffende Lehrkräfte gewandt. „Die verschenken Bibeln und wollen mit uns reden. Dürfen die denn hier stehen?!“

Ja, grundsätzlich dürfen die „Bibelverteiler“ im öffentlichen Raum außerhalb des jeweiligen Schulgeländes stehen, auch wenn das Werler Ordnungsamt dies gestern zunächst noch anders sah. Doch eine ordnungsbehördliche Genehmigung liegt vor.

Die Schülerinnen und Schüler des MG fanden den Besuch der „komischen Bibelleute“ heute eher spannend, und einige Klassen diskutierten anschließend noch mit ihren Lehrern im Unterricht darüber. Der Schulleiter des MG, Michael Prünte, machte am Ende der 2. Stunde allerdings eine deutliche Durchsage dazu an alle Schüler: Er stellte klar, dass am Mariengymnasium religiöse Vielfalt und Freiheit herrsche und dass es seitens der Schule eindeutig nicht erwünscht sei, Schüler zu irgendwelchen Glaubensrichtungen zu „bekehren“, egal zu welchen.

Er stellte den Schülern frei, die entgegen genommenen Bibeln im Schulsekretariat wieder abzugeben.

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Hintergrund: Der Gideonbund

Die Mitglieder im Internationalen Gideonbund sind christliche Geschäftsleute, Selbstständige, Akademiker etc. Voraussetzung ist die Mitgliedschaft in einer evangelischen Kirche, Gemeinschaft oder Versammlung.Die Bibel – das Neue Testament – ist nach Auffassung der Gideons unfehlbares Wort Gottes, vom Heiligen Geist inspiriert. Sie ist ihre einzige Glaubensgrundlage. Der Gideonbund definiert sich als Instrument der Mission. Er will Menschen mit den Grundlagen des Christentums bekannt machen. Dazu verteilt er kostenlos Bibeln und Bibelteile in Hotels, Krankenhäusern, Altenheimen, JVAs und eben auch vor Schulen. Besondere Zielgruppe sind denn auch Schüler, außerdem Pflegepersonal und Polizisten. Die verschenkten Bibeln (Neues Testament) sollen zum Bibellesen anregen und die Neugier für die Bibel wecken.

Die Kosten der Herstellung von Gideon-Bibeln werden aus Spenden der Mitglieder, durch kirchliche Kollekten und von privaten Gönnern gedeckt. Der Gideonbund verwendet nach eigenen Angaben 100 % der zweckgebunden gespendeten Gelder für die Beschaffung und den Druck der Bibeln; alle Verwaltungsausgaben werden von den ehrenamtlichen Gideons selbst bestritten. Allein im  Jahr 2009 wurden von den Gideons weltweit über 80 Mio. Bibeln in 84 Sprachen verteilt. Die Standard-Variante ist die grüne oder blaue Taschenausgabe (hier im Bild).

Kommentare (6)

  • Christel

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    Finde ich prima. Warum sollen nur die Salafisten Korane verteilen ? Das Gegengewicht, Bibeln zu verteilen finde ich sehr gut !

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    • Silvia Rinke

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      Die Irritation bzw. der Ärger betraf ja auch nicht die Bibeln, sondern die Zielgruppe und den Ort, Christel.

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  • fürst

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    Bei den Koran-Verteilungen gab es so einen Aufschrei für mich erkennbar nicht!
    Aber klar, wenn sogar die katholische Kirche mit ihrem Auftreten der Islamisierung Vorschub leistet: http://www.focus.de/politik/deutschland/fluechtlingspolitik-merkel-bekommt-von-katholischer-kirche-weiter-rueckendeckung_id_5999764.html

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    • Silvia Rinke

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      Wann wurden denn Korane vor Schulen verteilt, Fürst? Die Bibelverteiler standen auch am Werler Bahnhof. Dort gab es auch keinen „Aufschrei“, wieso auch. Es geht hier explizit um die Beeinflussung Minderjähriger, die sich nicht in Begleitung ihrer Eltern befinden.

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      • fürst

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        Okay, habe ich nicht differenziert.

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  • Petter Uhlenbusch

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    Dieses missionieren ist mir immer sehr suspekt, egal ob im öffentlichen oder privaten Bereich (gibt auch Firmen, die versuchen das bei ihren Mitarbeitern). Ich muss aber auch eines sagen: Christliches missionieren stellt für mich eine Belästigung dar, islamisches missionieren grenzt schon an Bedrohung.

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