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Einfach die falschen Freunde – Junger Dieb (17) bringt geklautes Smartphone nach 7 Wochen persönlich zurück

Von der Ladentheke weggeklaut – das schöne Smartphone. In einem kurzen Moment der Unachtsamkeit drei Tage vor Weihnachten. Und jetzt – brachte der junge Dieb das Handy zurück. Sieben Wochen später. Verrückt.

Sieben Wochen trauerte Sabine Rammelmann, Inhaberin des „Wolke 7-„Second Hand-Lädchens in Fröndenberg, ihrem fast noch neuen gestohlenen Sony experia hinterher. Am Dienstagabend nun geschah das Unglaubliche. „Der Junge stand abends bei mir zu Hause vor der Tür und sagte: ,Ich wollte das zurückbringen.´ Dann gab er mir das Handy und sah mir dabei ganz offen direkt in die Augen. Hammer, oder?!“,  staunt Sabine Rammelmann über dieses denkwürdiges Erlebnis, bei dem einige verrückte Zufälle zusammenspielten.

Rückblende. Am Montag vor Heiligabend verschwand das Smartphone in einem kurzen Augenblick von der Ladentheke, als die Wolke 7-Inhaberin selbst nur mal eben kurz verschwunden war. Wie man das eben manchmal muss. Sie kam zurück, ihr Smartphone war weg.

Riesiger Ärger und Frust über den Verlust mischten sich mit Selbstvorwürfen über die eigene Leichtfertigkeit. Im Laden war kein Kunde, als sie verschwand, und als sie zurückkam, fand sie einen Jungen dort vor. Ihn stellte Sabine Rammelmann sofort zur Rede, doch der Jugendliche leerte seine Taschen aus, setzte einen Unschuldblick auf: Wieso, ich hab doch gar nichts getan.

Ebenso unschuldig tat sein Freund, der kurz darauf in den Laden zurückkehrte: Die beiden hatten offenbar gemeinsame Sache gemacht, das geklaute Handy hatte der Zweite längst an einem sicheren Ort verstaut.  Sabine Rammelmann ließ sich Namen und Telefonnummer der Jungs geben. Alles war erlogen.

Sie schrieb ihr Handy ab, trauerte gleichwohl heftig den darauf gespeicherten Fotos hinterher. Ihrem Zorn und Frust machte sie in einem Facebookpost Luft. Sie wandte sich gleichzeitig an unsere Redaktion, wir  berichteten über den Fall. Diesen Artikel lasen wiederum zwei Mitarbeiter eines Mendener Elektronikbetriebs – und angesichts der Täterbeschreibungen machte es Klick bei ihnen: Kurz zuvor waren auch sie bestohlen worden, gleichfalls von zwei Jungen – die hatten ihnen die Rucksäcke aus dem Bulli weggeschnappt, und sie sahen sie noch damit wegrennen.

Einer der Männer wohnt in Fröndenberg, erzählt Sabine Rammelmann. „Er kam, nachdem er den Bericht über mein Smartphone gelesen hatte, in mein Geschäft und sagte: Ich glaube, ich kenne diese Jungen.“ 

Nur anhand der Vornamen fand der Fröndenberger die mutmaßlichen Diebe auf Facebook und zeigte die Profilbilder Sabine Rammelmann. „Das sind sie“, wusste diese sofort. Und da ihr auch klar war, in welchem Umfeld sich die Jugendlichen aufhielten – man kennt sich, Fröndenberg ist ein Dorf – wusste sie, wen sie ansprechen musste, damit mal ein erwachsener Mann diesen Jungs mal ordentlich ins Gewissen redet. „Er hat sie bei der Ehre gepackt.“

Und das wirkte – zumindest bei einem der beiden. Der 17jährige Fröndenberger beschaffte das Handy zurück. Und dann stand er am Dienstagabend vor Sabine Rammelmann Tür und sagte einfach: „Ich wollte das zurückbringen.“

Ein Jugendlicher, der in die verkehrten Kreise geraten ist, bilanziert Sabine Rammelmann. Sie ist tief beeindruckt von der Courage dieses jungen Menschen. „Er hat einfach die falschen Freunde. Er will cool sein“, weiß sie.  Und deshalb sagte sie zu ihm, als sie ihr Smartphone wieder in Empfang nahm: „DAS hier ist obercool! Dass du den Mut hast, mir mein Handy zurück zu bringen und mir dabei offen in die Augen zu schauen!  Das beweist Größe, das zeigt Charakter! Du wirst es schaffen!“

Davon ist Sabine Rammelmann nach dieser tollen Aktion zutiefst überzeugt. „Ich wünsche diesem Jungen alles Gute!“

Kommentare (5)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Da kann die Sabine Rammelman einerseits froh sein, dass sie ihr Handy zurück hat, andererseits hat sie da ein Stück psychologischer Massarbeit geleistet.

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  • wutbürger fürst

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    Toller Junge, der wirklich Courage gezeigt hat.
    Der hatte sicherlich einen ganz schweren Weg vor sich. Aber tolle Leistung!

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    • Petra

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      Wooo,“Hut ab“,Respekt, trotz allem was er tat. Er wirds schaffen ?

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  • Ulrike Berckhoff via Facebook

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    Toll das der junge Mann sich noch unentschieden hat ! War sicher kein leichter Gang für ihn !?

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  • Lina Linchen via Facebook

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    Ich frage mich ernsthaft, wie man dafür ein Lob aussprechen kann… meine Eltern haben mir beigebracht, dass man die Suppe die man sich eingebrockt hat, selber wieder auslöffeln muss. Respekt für seinen Mut aber mehr kann ich dem nicht abgewinnen.

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