Rundblick-Unna » Eine „bUNte Begegnung“ am Demotag der AfD – Christliche AfD-Vereinigung kritisiert Ev. Pfarrerin in offenem Brief

Eine „bUNte Begegnung“ am Demotag der AfD – Christliche AfD-Vereinigung kritisiert Ev. Pfarrerin in offenem Brief

AfD-Demo, Antifa-Gegendemo, drumherum Kirmesrummel und mittendrin das „Fest der Begegnung“ auf dem Kirchplatz. Die Ev. Kirchengemeinde Unna ruft mit Blick auf den Freitag zu einem „friedlichen und fairen Miteinander“ auf. Sie organisiert, wie berichtet, zusammen mit dem Runden Tisch gegen Gewalt und Rassismus zeitgleich mit dem AfD-Aufmarsch auf dem Lindenplatz einen Tag der Begegnung: „Unna ist bUNt – Einladung zum Gespräch“ ist er überschrieben, und Ort ist der Kirchplatz.

Kritik an diesem Engagement der Kirche übt die „Vereinigung Christen in der AfD (ChrAfD) NRW“ in einem offenen Brief an Pfarrerin Dietrich (unten in Auszügen veröffentlicht).  Die Landesvorsitzende hat ihr Kommen am Tag der Begegnung angekündigt.

Kirchplatz Stadtkirche

ZUM PROGRAMM DES BEGEGNUNGSFESTES

„Ab 17 Uhr wird es bei  Kaffee und Kuchen einige Rede- und kulturelle Beiträge geben, die dann der Auftakt sind für vielfältige Begegnungsmöglichkeiten„, schreiben die Organisatoren in ihrer Einladung.  Superintendent Hans-Martin Böcker und Bürgermeister Werner Kolter richten Grußworte an die Bürger; Narrenschiff-Theatermacher André Decker wird in einem Interview über die „Rolle der Kultur in einer offenen Stadtgesellschaft“ sprechen.

Das musikalische Programm gestalten die Nicolai-Kantorei der Ev. Kirche, der Gospelchor „sunlight voices“ aus Königsborn und zwei Schülerbands des Ernst-Barlach-Gymnasiums. „Weitere Akteure sind noch möglich“, informiert Pfarrerin Barbara Dietrich.

Dazu wird es Spiel- und Aktionsmöglichkeiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene geben sowie „viel Gelegenheit zu Gesprächen über die aktuellen Themen, die uns alle beschäftigen“. Die Kirche und die Runde Tisch-Aktiven zählen mögliche Themen auf:

Wie wollen und können wir zusammen leben in unserer Stadt, in unserem Land?

Wie gehen wir um mit den vielen Menschen, die bei uns Zuflucht suchen vor Kriegen, Gewalt und Verfolgung in ihren z.T. weit entfernten Heimatländern?

Wie können wir einander begegnen bei aller Fremdheit, die wir von beiden Seiten empfinden?

Wie kann Integration gelingen? Wie können wir letzten Endes einander das Leben bereichern und ermöglichen?

„All dies sind große Herausforderungen, denen wir uns in Unna stellen und die wir gemeinsam gestalten wollen. Dazu laden wir alle Mitbürger und alle Fremden und Gäste herzlich ein!“, schreiben die Veranstalter. Und betonen: „Unna ist bUNt und farbenfroh und hat Mut, sich den Herausforderungen der Zeit kreativ und gemeinsam zu stellen.“

Geladen sind auch die Unnaer Ratsfraktionen, die FDP hat als einzige abgesagt – dafür umso nachdrücklicher, da sich, so machte Fraktionschef Martin Bick deutlich, Kirche nicht in Politik einzumischen habe. In der Ankündigung für das Begegnungsfest findet die AfD mit ihrer parallel stattfindenden Demonstration keine Erwähnung, doch liege der politische Anlass auf der Hand, kritisierten neben der FDP auch Mitglieder der Kirchengemeinde selbst: Ein Gemeindefest sei nicht hinzubekommen, doch jetzt – auf ein Mal, in solcher Kurzfristigkeit – ein solches Begegnungsfest. Darüber regt sich Unmut auch in der Gemeinde selbst.

Logo Runder Tisch

DIE POSITION DES RUNDEN TISCHES

Klaus Koppenberg, Initiator des Runden Tisches, formulierte die Zielsetzung der „Begegnung“ und die Rolle der Kirche in einem Rundblick-Kommentar folgendermaßen:

„Die unterschiedlichen gesellschaftlichen Ebenen sind auf vielfältige Weise miteinander verbunden. Die Kirche äußert sich zu vielen wichtigen aktuellen Themen. Bei der Veranstaltung auf dem Kirchplatz geht es darum, die Hintergründe des gesellschaftlichen Miteinanders zu beleuchten. Welche Auswirkungen haben die von der AfD angesprochenen Probleme auf die örtliche Ebene und wie gehen wir damit um. Die Bürgerbewegung in der DDR hat auch einen ihrer Ausgangspunkte in den kirchlichen Friedensgesprächen. Der Runde Tisch, bei dem die FDP bis jetzt auch noch nicht ihre Beteiligung zurückgezogen hat, organisiert eine Ergänzungsveranstaltung.“


DER OFFENE BRIEF DER CHRISTEN IN DER AFD

Kritik an der Rolle der Ev. Kirche äußert die „Vereinigung Christen in der AfD (ChrAfD)“ NRW. Ihre Landesvorsitzende Angelika Bochmann schreibt in einem offenen Brief an Pfarrerin Barbara Dietrich (hier Auszüge):

„Wie ich von meinem Kollegen, Herrn Schild erfahren habe, findet bei Ihnen ein Tag der Begegnung statt, bei dem es um freien Meinungsaustausch gehen soll. Bin ich richtig informiert, dass alle Parteien dazu eingeladen wurden, nur die AfD nicht?“ (Anm.: Es wurden alle Parteien im Unnaer STADTRAT eingeladen.) „Entschuldigen Sie, wenn ich es für einen sehr sonderbaren Zufall halte, daß Ihre Veranstaltung fast zeitgleich zu unserer Demo stattfindet. Kann es sein, dass Sie sich der weit verbreiteten Ansicht angeschlossen haben, die AfD sei fremdenfeindlich und rassistisch und nun doch versuchen, dem entgegenzusteuern, auch wenn es offiziell keine Gegendemo sein soll? … Eine Frage auf Ehr und Gewissen: Geht es Ihnen wirklich um freien Meinungsaustausch oder sehen Sie Ihre Aufgabe vielleicht doch eher darin, die Menschen, also die Ihnen anvertrauten Schäflein vor dem bösen Wolf – der AfD – zu warnen? Sollte das der Fall sein: Haben Sie sich genug mit den Zielen und Postionen der AfD vertraut gemacht, um sich darüber ein Urteil erlauben zu können?“

Bochmann weiter: „Ich möchte Sie dringend bitten, sich entweder aus der Politik rauszuhalten, wie es sich für eine Amtsperson der Kirche gehört, oder sich wenigstens vorher aus erster Hand über die AfD zu informieren. Ich werde Ihr Angebot zum Meinungsaustausch gerne annehmen und am Freitag bei Ihrem Tag der Begegnung sein. Es würde mich freuen, mit Ihnen dann persönlich ins Gespräch kommen zu können.“

 

Kommentare (21)

  • Peter Köhler via Facebook

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    Ich halte eh nicht viel von der Kirche. Aber ihr Verhalten nach Köln war erbärmlich. Da ist etwas wirklich schlimmes in Deutschland passiert und diese Leute schweigen. Andere auch. Und jetzt macht die Kirche ein Fest der Begegnung mit diesem runden Tisch. Und der Kolter spricht auch. Ich kann sie alle nicht mehr sehen. Ach und die tolle Antifa hat wieder mit Steinen und Flaschen auf Menschen geworfen. Aber denen sind Menschenleben ja egal. Dann macht mal euer tolles Fest der Begegnung mit der lieben Antifa in Nachbarschaft. Kot*.

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  • Marco Jedschat via Facebook

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    Zu einem möchte ich mal sagen, klar stimmt alle Parteien wurden eingeladen die im STADTRAT vertreten sind. Soweit so gut und zum anderen stand meines wissens die AFD nicht auf den Wahlzetteln zur letzten Kommunalwahl. Somit gab es auch keine Einladung. Aber ich schätze alle Beteiligten so ein, dass alle zu einem Meinungsaustausch bereit sind.

    Dann muss hier auch mal klar sagen und festhalten, dass weder die EV wie auch die RK Kirche niemals so eine Aussage gemacht oder den Eindruck erweckt hätte das ihres erachtens die AfD fremdenfeindlich und rassistisch wäre. Dies ist eine Aussage der ChrAfD, die man so nicht stehen lassen kann. Die Ev und RK Kirche äußert sich zwar zu politschen Themen, würde aber niemals Parteipolitik machen. Dies verbietet schon, die Trennung zwischen Staat und Kirche.

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  • Klaus Koppenberg

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    Fehlerhaft an der erfolgten Berichterstattung ist, dass politische Parteien zu der Veranstaltung des Runden Tisches und der evangelischen Gemeinde eingeladen wären. Eingeladen sind Bürgerinnen und Bürger. In Unna sind alle hier ansässigen Menschen und Institutionen eingeladen am Runden Tisch mitzuarbeiten, wenn sie den dessen Ziele, die jeweils immer wieder aktuell verhandelt werden, unterstützen. Das ist eine offene und sich verändernde vielfältige Struktur und eine nicht ganz einfache Aufgabe. Letztendlich hat sich jedoch eine gute Kooperationskultur enwickelt.
    Herrn Köhler sei gesagt, dass es zu seiner hier geäußerten Haltung noch andere Perspektiven gibt und gerade darin sieht der Runde Tisch seine Aufgabe eine demokratische Debatte über Meinungsgrenzen hinweg zu kultivieren. Querdenken liefert dann einen effektiven Beitrag, wenn es im Rahmen des Grundgesetzes geschieht. Die Würde des Menschen ist unantastbar. Das ist der Auftrag und kann nur gelingen wenn wir zusammenarbeiten auch wenn es schwierig erscheint.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Mehrere Ratsmitglieder haben die Einladung an die Ratsfraktionen bestätigt, Marco Jedschat hier hat sie ebenfalls erwähnt. Wir haben mehrfach entsprechend berichtet. Insofern bitten wir erneut um Aufklärung, was „an der Berichterstattung fehlerhaft“ ist. Danke.

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    • Marco Jedschat via Facebook

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      Rundblick Unna Möchte hier nur noch mal betonen, dass ich hier als Privat Person schreibe und den Wissensstand wiedergebe der mir bekannt oder der mir so zugetragen wurde. Dem entsprechend habe ich das hier auch getan. Nur das hier kein falscher Eindruck oder Missverständnisse entstehen.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Marco Jedschat, nein, der Eindruck soll nicht entstehen. Wir haben aber eben auch keinen anderen Wissensstand, und die von uns befragten Politiker haben ebenfalls keine gegenteiligen Aussagen gemacht. Also belassen wir es dabei.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    @Klaus Koppenberg, @Marco Jedschat: Jetzt sind wir verwirrt. Lt. Herrn Jedschat ist es korrekt, dass die im Stadtrat vertretenen Parteien eingeladen wurden. lt. Herrn Koppenberg ist es falsch. Bitte nochmal um eindeutige Klärung. VG!

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  • Klaus Koppenberg

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    Der Runde Tisch ist ein offenes auf ein konkretes Ziel ausgerichtetes Forum oder auch Netzwerk indem die unterschiedlichsten Gruppen aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen mitarbeiten. Zum „Tag der Begegnung“ sind alle Menschen auf den Kirchplatz eingeladen und nicht die Vertreter politischer Parteien oder Organisationen. Es geht ausdrücklich darum gesellschaftliche Schnittmengen zu thematisieren und zu schauen wie die bestehenden Herausforderungen gemeinsam angegangen werden. Es gibt neben dem Runden Tisch bereits beispielhaft arbeitende Netzwerke in Unna, wo interdisziplinär und interinstitutionell und überparteilich kooperiert wird. Wer sich einem gemeinsamen Ziel verpflichtet fühlt entscheidet jeweils frei ob und wie sie oder er mitarbeitet will. Wir suchen mit dem „Tag der Begegnung“ gemeinsame Nenner und den Weg dahin. Alle sind eingeladen zu einem Dialog, der jedoch weniger von der Bühne, als viel mehr untereinander stattfinden soll.

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    • Peter Köhler via Facebook

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      Nichts für ungut. Aber wer redet so wie sie schreiben. Sie schreiben immer recht viel und sagen doch eigentlich nichts. Ich kann mich auch hinter Worthülsen verstecken und Elaborate ausarbeiten. Aber was bringt das. Da sind mir die Leute lieber die Tacheles reden. Und das sagen was sie meinen. Oder haben Sie eigentlich nichts zu sagen und verpacken das mehr oder weniger kunstvoll?

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      • Klaus Koppenberg

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        Neben dem Kommentieren arbeite ich auch noch praktisch. Da Sie wohl nicht aus Unna kommen, können Sie das auch nicht beurteilen. Das was ich schreibe ist das Ergebebnis jahrelanger praktischer Erfahrung.

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        • Peter Köhler via Facebook

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          Ich beurteile das was Sie hier schreiben. Ob Sie praktisch arbeiten oder überhaupt nicht ist mir schnurz und hat auch nichts damit zutun wie Sie sich hier darstellen.

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      • fürst

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        Bravo und meine Wahrnehmung bestätigend, Peter Köhler, und der Reaktion zufolge „erwischt“.

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        • Peter Köhler via Facebook

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          Danke. Es ging mir so auf den Keks. Sie wissen ja auch was jeden tag in unserem Land passiert und diese leute labern so einen mi**.

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    • Thomas Müller via Facebook

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      Peter Köhler ach ja ? Tacheles reden? Und welche Partei macht das nach ihrer Meinung?… Ja jetzt bin ich mal Gespannt..

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  • Klaus Koppenberg

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    Die Herren Köhler und Fürst gehen gerne auf die persönliche Schiene und werten eine andere Meinung und mit ihr die Person, die Sie äußert, ab. Wer nicht ihrer Meinung ist nervt oder hat ihrer Ansicht nach andere Defizite. Dann gefallen sie sich noch darin sich gegenseitig zu bestätigen. Diese Form der Anerkennung sei ihnen gegönnt. Es ist nur schade wenn es hier hauptsächlich darum gehen soll anderen Meinungen jede Berechtigung abzusprechen.

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    • Silvia Rinke

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      Klaus Koppenberg: Wir haben mehrere persönlich abwertende Kommentare von „Fürst“ hier nicht freigegeben, und das behalten wir selbstverständlich bei. In den Äußerungen von Peter Köhler sehen wir aber jetzt keine Abwertung der Person. Wir haben das im Auge. VG.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Klaus Koppenberg: Wir haben mehrere persönlich abwertende Kommentare von „Fürst“ hier nicht freigegeben, und das behalten wir selbstverständlich bei. In den Äußerungen von Peter Köhler sehen wir aber jetzt keine Abwertung der Person. Wir haben das im Auge. VG.

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  • Klaus Koppenberg

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    Solange die Herren Köhler und Fürst hier nicht mitteilen wofür sie eigentlich stehen, bleibt ihnen auch nichts anderes über, als andere Meinungen abzuwerten. Es wär doch schön wenn hier verschiedene Positionen einander mit einigermaßen Respekt gegenüber gestellt werden könnten. Dann verbessert sich auch die Atmosphäre.

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  • Peter Müller via Facebook

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    Christen in der AfD? Sorry, aber das klingt wie Veganer im Metzgerladen ;-)…

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    • Marco Jedschat via Facebook

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      na gut das muss jeder mit sich selbst ausmachen, in wie weit und welche christlichen werte er für sich übernehmen möchte peter müller =). Hier wird ja immer mal wieder gerne folgende Bibelstelle zitiert: ”Ich bin hungrig gewesen und ihr habt mir zu essen gegeben. Ich bin durstig gewesen und ihr habt mir zu trinken gegeben. Ich bin ein Fremder gewesen und ihr habt mich aufgenommen. … Und der König wird antworten und zu ihnen sagen: Wahrlich, ich sage euch: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan.“ (Matth. 25, 35 + 40)

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