Rundblick-Unna » Ein tiefes Loch – doch Hoffnung auf ein gutes Ende. Ein Gespräch mit Bärbel Risadelli (SPD).

Ein tiefes Loch – doch Hoffnung auf ein gutes Ende. Ein Gespräch mit Bärbel Risadelli (SPD).

Seit vier Monaten ist sie in den Schlagzeilen – seit dem Tag ihrer „Skandalkündigung“ durch den SPD-Fraktionsvorsitzenden liest man gefühlt pausenlos über die „Causa Risadelli“. Bärbel Risadelli selbst schwieg während dieser ganzen Zeit zu ihrer „Kündigungscausa“. Wir führten vor Ostern ein kurzes persönliches Gespräch mit ihr.


 Frau Risadelli, es ist mittlerweile über vier Monate her, seit Sie Ihre überraschende fristlose Kündigung als SPD-Fraktionsgeschäftsführerin bekamen. Die „Causa Risadelli“ ist inzwischen für die Unnaer SPD zur schwersten Krise ihrer Geschichte eskaliert, so formulierte es sinngemäß der Bürgermeister. Sie haben sich auf Anraten Ihres Anwalts selbst nicht zu der juristischen Auseinandersetzung geäußert, darauf will ich auch jetzt nicht eingehen. Aber Sie lesen das ja alles auch, was über „Ihre Causa“ geschrieben wird. Wie geht es Ihnen damit?

Westfalium Causa 1

Auch das überregionale Magazin „Westfalium“ griff die Kündigungs-Causa auf.


Bärbel Risadelli: Ja, in der Tat ist sehr viel über diese „Causa“ berichtet worden. Ich bin aber auch von so vielen Menschen angesprochen worden, die mir ihr Mitgefühl und Verständnislosigkeit ausgesprochen haben. Auf dem Weihnachtsmarkt bin ich sehr häufig angesprochen worden. Das geschieht auch heute noch, wenn ich in Unna in der Innenstadt bin. Selbst in einigen Geschäften werde ich gefragt, wie es mir geht. Mir war gar nicht bewusst, wie viele Menschen mich kennen.

Mir geht es nicht gut. Die Sache setzt mir immer noch zu, weil nach wie vor einfach nicht verstehen kann, dass ein Sozialdemokrat mich auf eine solche Art und Weise vor die Tür gesetzt hat. Meinen Job habe ich sehr gerne und immer nach bestem Wissen und Gewissen gemacht. Den Job zu verlieren, wenige Jahre vor der Rente – für mich immer noch ungerechtfertigt… das setzt mir, aber auch meiner Familie zu. Da will man arbeiten, um im Alter abgesichert zu sein…

Fürchten Sie, in Altersarmut zu fallen?

Bärbel Risadelli: Natürlich sehe ich nüchtern, was auf mich zukommen kann. Wir wohnen jetzt seit 40 Jahren hier in Mühlhausen. Ich muss noch sechs Jahre arbeiten, um eine vernünftige Rente zu bekommen. 45 Jahre kriege ich nicht voll. 17 Jahre war ich in der so genannten Familienphase; davon habe ich aber zehn Jahre meinen schwerstkranken Mann gepflegt. Wenn ich jetzt auch noch in Harz IV falle, möchte ich mir gar nicht ausmalen, was noch alles auf mich zukommen kann…

Gab es denn Erlebnisse in den letzten Monaten, die Sie aufgemuntert haben? Gab und gibt es Menschen, die Ihnen beistehen?

Bärbel Risadelli: Ja, natürlich gibt es die. Ich habe so viel Unterstützung erlebt, so tolle aufmunternde Worte und soviel Zuspruch, das tut schon unglaublich gut in einer solchen Situation. Man fällt ja in ein richtiges, tiefes Loch, das ist schon heftig. Da muss man erst mal wieder aus eigener Kraft herausfinden.

Schöne Erlebnisse… da war natürlich als tollstes und wichtigstes Ereignis die Geburt unseres Enkelkindes. Die Kleine ist ein solcher Sonnenschein. Natürlich, das ist schon ein riesiger ein Trost, wenn man zu Hause sitzt – (lacht) – man hat Zeit für das Enkelkind, und zwar jede Menge. (Wieder ernst) Zugleich ist das aber ist das auch etwas, was mir sehr zu schaffen macht… die Kleine ist genau eine Woche nach dem Rauswurf auf die Welt gekommen. Und ich war so in einem Loch, dass ich mich gar nicht richtig freuen konnte. So etwas schmerzt. Es tat mir auch für meine Tochter und Schwiegersohn leid, denn die beiden haben das natürlich gemerkt.

Der Gerichtstermin wurde um sieben Wochen verschoben, erst am 21. Juni wird das Arbeitsgericht jetzt über Ihre Kündigung entscheiden. Was wäre Ihr Wunsch – bis dahin und für diesen entscheidenden Termin?

Bärbel Risadelli: Dass es gar nicht so weit kommt. Dass wir uns zusammenraufen und ein Reset vornehmen. Dass die politische Arbeit wieder ihren Lauf nimmt. Meine politische Arbeit, in die ich auch viel Herzblut gesteckt habe, sehe ich in Gefahr. Es hat in meinem Ortsverein bereits Austritte gegeben. Ein langjähriges Mitglied und weitere haben angekündigt, das Parteibuch abzugeben. Und: Ich sehe die SPD insgesamt, die durch diese Causa einiges zu verlieren hat. Es stehen in 2017 Landtags- und Bundestagswahlen an. Eigentlich können wir uns die Missachtung der demokratischen Spielregeln und Arbeitnehmerrechte, abgesehen von meiner Person, überhaupt nicht leisten. Ich wünsche mir für alle Beteiligten einen guten Ausgang.

Gütetermin Bärbel Risadelli 5

Kommentare (10)

  • Axel Ehwald

    |

    Die SPD in Unna – “ probt “ – Demokratie ? S = SPD ?, P = Probt ? und D = Demokratie ? Alles Gute für Frau Bärbel Risadelli. Wo darf ich denn eine Stellungnahme, zu den Ereignissen, von Herrn MdB Oliver Kaczmarek lesen ? :-)

    Antworten

  • Margarethe Strathoff

    |

    Liebe Bärbel ich wünsche dir und deinen Lieben alles Beste und das die Gerechtigkeit für dich und unsere Partei siegt. Es gibt so viele Spekulationen und leider viele Widersacher in den eigenen Reihen. Auch wir haben bereits Austritte zu verzeichnen. Ich kenne dich als warmherzige, verständnisvolle Frau und kann das unsolidarische Verhalten einiger Genossen / Genossinnen nicht mehr nachvollziehen. Mittlerweile stellen sich Verursacher als bedauerliche Opfer dar. Vielleicht sollten mal einige ganz tief in sich gehen und ich hoffe sie hören auf ihr Herz, damit ihr eigenes Gewissen sie nicht irgendwann einholt. In Freundschaft M

    Antworten

  • Helmut Brune via Facebook

    |

    Ach, die arme Bärbel Risadelli. Hat immer ihr Bestes gegeben und sich nichts zu Schulden kommen lassen. Dann wird ihr ein neuer Vorsitzender vor die Nase gesetzt, der offensichtlich im persönlichen Bereich eine Abneigung empfindet und deshalb lange nach einem Kündigungsgrund gesucht hat, ihn aber nicht wirklich gefunden hat. Die Art und Weise, wie die Sachen dann weiter verlief, haben wir alle mitlesen können. Es ist einfach eine Posse geworden in der Bärbel Risadelli zur Leidtragenden geworden ist. Das hat sie ganz Sicher nicht verdient. Ganz im Gegenteil, sie verdient Rehabilitation, Säuberung ihres Namens, Rückerstattung aller Verdienstausfälle und Schmerzensgeld wegen der Schmach, die ihr angetan wurde. Danach erst kann die SPD – Fraktion sich wieder auf ihre Aufgaben konzentrieren und die Dinge tun, wofür die Partei steht. Eine Aktion, wie die des Herrn König, hat wohl Keinem etwas gebracht und dem Ansehen und dem Zusammenhalt der Parteimitglieder nur Geschadet. Wenn jemand eine Karriere machen will, muss er durch Kompetenz hervortreten und nicht dadurch, dass er die Macht seiner Position missbraucht.

    Antworten

  • Martina Tsatsoulis via Facebook

    |

    Bin schon sehr gespannt was (bis) beim nächsten Termin passiert!Ob dieser Termin statt findet? Dessen bin ich mir eigentlich sicher! Natürlich stirbt die Hoffnung zuletzt aber in diesem Fall habe ich die Hoffnung auf ein ,Zusammenraufen‘ aufgegeben!

    Antworten

  • Helmut Brune via Facebook

    |

    Na Gut, Markus Antonius, man kann Prinzipien haben, wie man möchte. Man kann sichselbst von der Gesellschaft absondern und nur das tun, was man persönlich für Richtig hält. Hier geht es jedenfalls um demokratische Werte. Es hat Jahrhunderte gedauert bis die Menschheit überhaupt das Recht zur Mitbestimmung bekam. Wenn wir alle jetzt, sei es aus Bequemlichkeit sei es aus anderen Gründen, nur noch das tun, was wir in unserem Egoismus für Richtig halten, dann wird die Zukunft dunkel aus sehen. Demokratie ist nicht Parteiabhängig,es ist unser aller Recht und das sollten wir nicht mit Füssen treten.

    Antworten

  • w.kaufmann

    |

    Marcus Antonius es ist jedem überlassen was er lesen will und was nicht. Da von einer Belästigung zu sprechen ist schon traurig. So wie ich, wollen auch andere Bürger informiert werden. Besonders in dieser Causa will ich informiert sein, denn es geht hier um Personen die ich gewählt habe. Jetzt aber mit Entsetzen feststelle, dass nicht mehr nach den Werten der SPD gehandelt wird. Auch das Vertrauen für die kommunalpolitische Arbeit in Unna habe ich verloren. Wenn hier die SPD schon nicht in der Lage dem Vorsitzenden die Stirn zu bieten, wie soll es dann in der politischen Zukunft für Unna politisch demokratisch zugehen. Man muss davon ausgehen, König hat beschlossen und die Fraktion nickt.
    Wenn ich feststellen muss, dass der Vorsitzende mit dem Verteilen von Kündigungen großzügig umgeht und die Fraktion tatenlos einem solchen Treiben nur zusieht, dann werden die Parteibücher bald auf dem Markt verbrannt. Ich will auf jeden Fall weiter ausführlich informiert werden denn wie im Bericht erwähnt sind im nächsten Jahr Wahlen. Herr Ganzke, Herr Kaczmarek, die Causa ist in aller Munde und in meinem Umfeld, das nicht klein ist, wird genau beobachtet wie Sie die Arbeitnehmerrechte, Gerechtigkeit, soziales verhalten und Demokratie vertreten. Lieber Rundblick, ich bitte um weitere informative Berichterstattung.

    Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      @w.kaufmann, natürlich werden wir weiterhin informativ berichten. Wer sich von welchen Berichten auch immer „belästigt“ fühlt, möge sie getrost überlesen, wir haben ja zum Glück keinen Lesezwang. VG!

      Antworten

    • Helmut Brune via Facebook

      |

      w.Kaufmann, ich muss ihnen da in einigem zustimmen. Wenn die Lage in der SPD-Fraktion Unna so ist, dass der Vorsitzende im Alleingang bestimmen kann, was geschieht und alle anderen Parteimitglieder das hinnehmen müssen, dann ist die Demokratie in Unna ziemlich kaputt. Ich kenne Herrn König nicht persönlich und möchte ihm auch keinen Schaden zufügen. Was ich jedoch im Zusammenhang mit dieser Causa in den verschiedenen Medien gelesen habe, bringt mich zu dem Schluss, dass die SPD-Unna nur nach den gesetzen der Demokratie funktionieren kann, wenn Herr König das Feld räumt.

      Antworten

  • Friedhelm

    |

    Frau Risadelli, Sie haben unsere Anerkennung und ihren Worten entnehme ich, daß Sie eine der wenigen Sozialdemokrakratinnen in Unna sind. Wie positioniert sich die AsF Unna? Diese müßte dem Stadtverband mal richtig dazwischen funken. Setzt Zeichen! Das würden sich unsere Frauen nicht bieten lassen. Denkt an die zukünftigen Kreis-/ Landesbezirkswahlen usw.

    Antworten

  • Martina Tsatsoulis via Facebook

    |

    Aha, der Rundblick nervt also mit seiner Berichterstattung?
    Ganz im Gegenteil: So gerät nicht in Vergessenheit was nicht in Vergessenheit geraten darf! Außerdem finde ich es gut auch mal von Bärbel Risadelli zu lesen! Fände es auch gut in dieser Sache von H. König mal ein längeres Statement zu lesen. Auch er könnte sich äußern ohne zur eigentliche Sache etwas zu sagen. Und wenn nicht hier, weil er dem Rundblick anscheinend ja nicht so zugetan ist, dann vielleicht im HA? Bärbel Risadelli, ich wünsche nur das Beste und wenn es Gerechtigkeit gibt dann… Ja, wenn! Wir werden sehen, auch wie sich das mediale Interesse weiter entwickelt! Vielleicht gibt es ja beim nächsten Mal auch mehr als 30 Sekunden im Fernsehen?! Oder die hochrangigen Politiker interessiert es auch bald mal was hier im sonst recht beschaulichen Unna passiert. Immerhin waren wir ja mal eine starke SPD-Stadt mit hohen Quoten! Wer weiß es schon…

    Antworten

Kommentieren