Rundblick-Unna » Dritte Amtszeit für Bürgermeister Kolter: Nur jeder Vierte wählte – 17 % stimmten „Nein“

Dritte Amtszeit für Bürgermeister Kolter: Nur jeder Vierte wählte – 17 % stimmten „Nein“

Werner Kolter geht in seine dritte Amtszeit als Unnaer Bürgermeister. Bei einer vorhersehbar niedrigen Wahlbeteiligung von knapp 25 Prozent holte der sozialdemokratische Amtsinhaber und Alleinbewerber am Wahlsonntag 83 Prozent der Stimmen – 17 Prozent der Wähler kreuzten auf ihrem laubfroschgrünen Stimmzettel allerdings Nein hinter dem einzigen Namen an.

Die indiskutable Wahlbeteiligung dürfte als schallende Ohrfeige des mündigen Wählers noch lange nachhallen. Zieht man die Neinstimmen auch noch ab, geht Unnas neuer und alter Bürgermeister mit einem Votum von gerade mal jedem fünften Wahlberechtigtem in seine letzten fünf Jahre als Verwaltungschef. Allein an der mangelnden Auswahl kann es kaum gelegen haben: In Selm trat mit Mario Löhr auch nur der SPD-Bürgermeister allein an. Er bekam rund 80 Prozent – die Wahlbeteiligung lag aber glatte 10 Prozent höher als in Unna.

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Die kleine Wahlparty in der Bürgerhalle mit Präsentation der Ergebnisse auf Großleinwand lief entsprechend ruhig ab und stob schnell auseinander.

Gedämpft wurde die – eher erleichterte als triumphierende – Stimmung der anwesenden Sozialdemokraten durch zwei faustdicke Überraschungen in kleineren Nachbargemeinden: Sowohl in Holzwickede wie auch in Bönen sind die „roten Rathäuser“ gefallen. Beide SPD-Bewerber scheiterten dort: In Howi zieht eine Bürgermeisterin ins Rathaus ein, Ulrike Drossel vom Bürgerblock (unterstützt wurde sie von FDP und Grünen), in Bönen der parteilose Stefan Rotering.

Wahl6

Zurück zur Mono-Wahl ohne Auswahl in Unna. Hier gaben rund 12 000 Bürger ihre Stimme ab – von 50200, die dazu berechtigt waren.  Von diesen 12000 sagten 83 Prozent Ja zu weiteren fünf Jahren mit Bürgermeister Werner Kolter – 17 Prozent kreuzten hingegen Nein auf ihrem Stimmzettel an.

Eine Übersicht über die einzelnen Stimmbezirke und Stadtteile stellte die Stadt noch am Abend auf ihrer Homepage ein:

http://www.unna.de/kreisstadt+unna/kreisstadt-unna/startseite/aktuelle-

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Ein klares Votum sieht anders aus, und so sparte sich der frisch im Amt Bestätigte denn auch mit dem Blumenstrauß in der Hand große Worte: „Ich nehme die Wahl an“, sagte der 66Jährige, „mein Dank geht an alle, die kräftig mitgeholfen haben.“

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Altgediente Genossen wie Gewerkschafter Karl Römer(oben) quittierten die dürftige Wahlbeteiligung mit dem Bierbecher in der Hand nachdenklich kopfschüttelnd. „Ich hatte auf 50 Prozent getippt – in meinem Wahlbezirk“, sagte der Oberstadt-Sozialdemokrat (Bezirk obere Friedrich-Ebert-Straße). Kolter-Hochburgen mit entsprechend satten Wahlbeteiligungen gab es durchaus – Siddinghausen etwa: 67 Prozent und keine Neinstimme.

Auch Siegfried Pogadl, ebenfalls langjähriges SPD-Mitglied in Oberstadt, war überrascht. „Mit 30 Prozent hätte ich schon gerechnet“, meinte er, als sich auf der Großleinwand neben dem knallroten Ü80-Balken die Zahl 24 zementierte. Die relativ hohe Zahl derer, die sich Kolter per Nein verweigerten, waren aus Pogadls Sicht „Protestwähler“.

BM Wahl 4

SPD umringt von CDU – GroKo fürs Foto… unten der CDU-Ortsunionsvorsitzende Oberstadt Carten Morgenthal mit nachdenklicher Miene: Seine Ortunion wollte gemeinsam mit der Massener CDU unbedingten eine Alternativkandidaten gegen Kolter aufstellen. Doch die deutliche Mehrheit des Stadtverbandes war dagegen.

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Protest eventuell auch gegen die fehlende Auswahl, die in den Wochen vor der Wahl fühl- und hörbar geworden war. Nicht nur CDU-Vizebürgermeister Holger Wiese, der noch am Donnerstag vor der Wahl Ratsmandat und Bürgermeisterposten hingeworfen hatte, empfand die nicht gebotene Alternative zum SPD-Amtsinhaber als „würdelos“, eine Zumutung und „Farce“, wie es auch viele Rundblickleser immer wieder in Kommentaren verärgert und frustriert unterstrichen hatten.

Zugleich blieb vermutlich so mancher SPD-Anhänger heute gemütlich daheim auf dem Sofa  in der einlullenden Überzeugung: „Der Werner wird ja sowieso wiedergewählt.“ Eine trügerische Sicherheit, blickt man nach Bönen, Howi oder auch in die Großstadt Essen In allen drei Rathäusern dominiert nach diesem Wahlsonntag nach Jahrzehnten nicht mehr die Farbe Rot.

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Unnas Erster Beigeordneter Karl-Gustav Mölle (re.) präsentierte die Ergebnisse auf der Großleinwand und war der Erste, der seinem alten und neuen Chef gratulierte. Mölles Ehefrau hingegen, die in Holzwickede Vizebürgermeisterin der SPD ist, sah sich am Wahlabend mit einer faustdicken Überraschung konfrontiert: Der als sicher gesetzte Michael Klimziak, „Kronprinz“ des langjährigen Bürgermeisters Jenz Rother, unterlag deutlich mit 40 zu fast 60 Prozent gegen Ulrike Drossel vom Bürgerblock.

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KOMMENTARE AUS DER FACEBOOKGRUPPE „DU BIST UNNERANER, WENN…“ – angefügt mit dem Einverständnis der Kommentierenden:

Wolfgang Huske
Wolfgang Huske 13. September 21:01
Nüchtern betrachtet eine schallene Ohrfeige für die regierende SPD! Blickt man etwas tiefer, kann das nicht verwundern. Die Bürger sind es leid – und sind mangels Alternative zu einem großen Teil erst gar niciht zur Wahl gegangen. Man erinnere sich, was in der Vergangenheit „geleistet“ wurde. Desolate Straßen allenthalben (Beispiel: Industriegebiet im Süden), Gehwege/Fußgängerzone in schlimmem Zustand (Beispiel: Platanenallee), Grünpflege im Stadtgebiet teilweise einfach nicht gemacht (Beispiel: Im Frühjahr wuchs sogar der Ring zu), Kuturarbeit katatrophal (Beipiel: Lindenbrauerei – ein nicht endender Zuschussbetrieb mit mancher finanzieller Überraschung), Grundbesitzabgaben – so ziemlich die höchsten im ganzen Land, Wirtschaftsförderung seit Jahren mit Mängeln (Beispiel: Logistikunternehmen bringen viel Verkehr aber wenig Gewerbesteuern und wenig Kaufkraft.

 

Walter Schlürscheid 14. September 00:05
Danke Wolfgang Huske für diese offenen, sehr, sehr zutreffenden Worte. Hoffentlich lesen die auch der Bürgermeister und das Rathaus und ziehen ihre Schlüsse daraus und ändern was!!
  • Wolfgang Huske Und natürlich auch eine Ohrfeige an die anderen Parteien, die ehrlich gesagt noch weniger zustande bringen. Armes Unna!
  • Frank Stößel Ein Armutszeugnis für ganz Unna. 75% der Wähler die es verpasst haben ein Nein zu stimmen um mal zu protestieren. Geradezu lachhaft das es keine andere Partei zustande bringt einen Gegenkanditaten anzubieten. Und zu allem Überfluss eine SPD die in Unna seit Jahren nichts auf die Kette bekommt, durch die „verschleppte“ Wahl m.E. Hauptverantwortlich Steuergelder verschwendet hat und dafür auch noch belohnt wird.
  • Markus Krabe @ Wolfgang Huske was haben Sie noch vergessen ? Stillschweigen über das Baum Opfer der Kastanie! Was ist mit der Kinder und Jugendarbeit und den Schulen und Sporthallen! Freizeitbad Massen !? Antworten von Fragen kleinerer Parteien werden nur auf dem Klageweg beantwortet ! Am besten wäre es wenn die Bürger aus Unna die Liste noch weiter verlängern ……! Aber ich gratuliere Herrn Kolter zu seiner Wiederwahl !!!!
  • Wolfgang Huske Eissporthalle -das nächste Drama kommt bestimmt.
  • Eike Steckel Was kostete die Wahl? Ich bin gespannt auf die detaillierte Nachrechnung. Wäre das Geld nicht besser im Haushalt aufgehoben gewesen? Wenn das Ergebnis analysiert wird, sollte man nicht vergessen, daß diese separate Wahl und deren Geldverschwendung nicht nötig gewesen wäre, wenn nicht „sehr persönliche Gründe“ gegen eine Kandidatur zur Kommunalwahl gesprochen hätten.
  • Marcus Staender „Verschleppte Wahl“ (Zitat Frank Stößel) – für mich und viele andere nachvollziehbar mit persönlichen Gründen durch Werner Kolter begründet. Und die Mieter der Innenstadtläden bestimmen die Bürgermeister???
    Und war unter einem CDU Bürgermeister damals alles anders / besser?
    Und warum tritt Herr Wiese zurück ohne selbst eine Kandidatur anzubieten (mit oder ohne seine Partei)?
    „Früher war alles besser“ ist doch echt ausgeleiert. Früher gab es SPD-Klüngel; mir scheint, diese Zeiten sind großenteils überwunden. Ich denke, dass wir einen guten Bürgermeister behalten.
  • Frank Stößel Nun ja Marcus Staender – mich und viele Andere interessieren aber die persönlichen Gründe nicht peripher, sondern das Gemeinwohl der Bürger in diesem Fall. Und wenn meine Steuergelder für eine so unsinnige Wahl verschleudert werden darf ich das Ganze zumindest mal anzweifeln.
    Aber um Eines auch klar zu stellen. Die SPD kann nichts für die Unfähigkeit der anderen Parteien.
    Und besser war früher sicherlich nicht alles. Aber bestimmt auch nicht schlimmer als Heute.
    Daniel Lassahn
    14. September um 07:49
    Ich denke die Wahlbeteiligung ist auf das klare und eindeutige Ergebnis zurück zuführen.

Walter Schlürscheid Die Untätigkeit des Rates der Stadt Unna stößt mir schon lange auf. Ich sage nur Fußgängerzone!!! Ich kann Gott sei dank noch so daher gehen, aber was ist mit Gehbehinderten und Rollstuhlfahrern???? Die Gehwege die halbwegs glatt sind werden von den Geschäften zugepflastert mit Ständen. Man kommt nicht durch. Dafür hätte man doch z.B. das Geld von der Wahl in die Hand nehmen können um hier nachzubessern. Ach ja, und wie ist es mit der Tafel in Königsborn??? Hr.Kolter versprach hier auch Abhilfe…….. Könnte man auch etwas von dem Geld (besser) investieren!!

  •  Re Gina wieso wird immer nur darüber gemeckert, dass es nur einen Kandidaten gab und die anderen Parteien keinen aufgestellt haben ? Entweder waren die anderen Parteien mit Herrn Kolter zufrieden oder haben sich keine Chancen ausgerechnet, und resigniert….wer weiß !? Es hätte doch jede Menge anderer Kandidaten geben können. Um sich als Bürgermeister aufstellen zu lassen, bedarf es keiner Parteizugehörigkeit. Jede Menge mündiger, deutscher , politisch interessierter Unnaer Bürger hätte sich; bis zum Stichtag; aufstellen lassen können zur Bürgermeisterwahl „grin“-Emoticon siehe hier : http://www.unna.de/…/Buergermeisterwahl_Gemeinde…

    unna.de
    Rene Decker bei 25% wahlbeteiligung haben sich 75% gegen die Politik entschieden klarer geht es nicht mehr ,demokratie ist wenn man die wahlen als ungültig wertet
  • Martin Hennemann Unna hat einen Top Bürgermeister. Jeder, der die Erfordernisse erfüllte, konnte sich ja zur Wahl stellen.

Kommentare (9)

  • Rita Hübner

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    21 % der Wahlberechtigten haben den SPD Kandidaten Herrn Kolter gewählt.
    Guckt man über den Tellerrand, wünschen sich sehr viele Bürger parteilose Bürgermeister…

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  • Markus

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    Herr Kolter hat bei dieser Wahlbeteiligung die Bürger von Unna überhaupt nicht erreicht.
    Ca. 75% sind gar nicht erst zur Wahl gegangen.

    Irgendwas muss da ja falsch gelaufen sein.

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  • Markus

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    Eigentlich müssten sich die anderen Parteien in Unna schämen.
    Wie ernst kann man nun CDU, FDP, die Grünen etc. in Unna noch nehmen?
    Verarsche an deren Wähler nenne ich dies..

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  • Mark Anton

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    Nur 21% für Kolter. Vor ein paar Jahren gab es in NRW noch ein Quorum von 25% – aber leider verzichtete die Landesregierung auf dieses Mittel zur Herstellung demokratischer Legitimation. Gescheitert ist aber nicht nur Werner Kolter, gescheitert sind mit ihm alle Ratsparteien in Unna. Schaden genommen hat die Demokratie. Schaden genommen hat auch Unna, denn dieser Stadt steht jetzt ein Kasperle vor, oder auch ein Wernerle, aber eben kein wirklicher Bürgermeister mehr.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    … eine detaillierte Übersicht der einzelnen Wahlbezirke und Stadtteile findet ihr auf der Homepage der Stadt Unna: http://www.unna.de/kreisstadt+unna/kreisstadt-unna/startseite/aktuelle-

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  • Daniel Lassahn via Facebook

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    Ich denke die Wahlbeteiligung ist auf das klare und eindeutige Ergebnis zurück zuführen.
    Die anderen Parteien kapitulierten schon vor Wochen vor seiner „Dominanz“.
    Und scheinbar ist Unna mit ihm zufrieden, ansonsten wären ja mehr Menschen zur Wahl gegangen.

    Ich finde das ist kein Rückschlag für die Demokratie oder dergleichen in Unna. Einfach nur das Resultat guter Arbeit im vergangenen Jahrzehnt.

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  • An Ki via Facebook

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    Hätte ich eine Wahlbenachrichtigung bekommen, wäre ich vielleicht auch wählen gegangen.

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  • Janniz Le via Facebook

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    Es ist eher die Verdeutlichung der Aussage der Frau Merkel „Wir sind alternativlos“.

    Im Endeffekt ist die SPD gescheitert. Denn wenn der CDU egal ist ob sie nun ein stellen oder die SPD. Ist das Resultat ob nun ein Kandidat der vermeintlichen Opposition kommt oder nicht – nicht relevant. Klares Armutszeugnis der Politik, denn es ist egal wen man wählt, man wählt eh falsch oder eher „richtig“!? Und ändern kann man dadurch ja eh nichts. Wenn die Politik sich nicht weiter distanzieren will, sollte sie dem Volk endlich mal entgegen kommen und nicht ihre elitäre Engstirnigkeit ausleben.
    Die Staatsgewalt geht vom Volke aus… höhö. 80% des Volkes haben haben diesen Bürgermeister nicht gewählt. Ein Zeichen was einem zu denken geben sollte.

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