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Die Sicht der BVB-Anhänger: Dortmunder Fanprojekt bezieht zu Gewalteskalationen Stellung

Die gewalttätigen Ausschreitungen nach dem Europa-League-Spiel zwischen dem BVB und PAOK Thessaloniki stellt das Fanprojekt Dortmund in einer umfangreichen Stellungnahme aus seiner Sicht dar. Da die Diskussion auch hier auf Rundblick hochkochte, geben wir die Sichtweise der Fans hier leicht verkürzt wieder.

„Die Einsatzplanung seitens der Polizei … betrachten wir …. als eine polizeitaktisch gelungene Maßnahme. Diese Maßnahme war sinnvoll, in Anbetracht der sonst so oft extrem schwierigen PAOK Thessaloniki Fanszene, welche in Griechenland als eine der gewaltbereitesten gilt. Daher sehen wir in diesem Konzept auch zukünftig eine Möglichkeit, eine Fantrennung bei derartigen überaus brisanten Begegnungen im Europapokal zu gewährleisten. …

Nach einem von der Polizei begleiteten Fußmarsch ohne Zwischenfälle zum Westentor betraten die Fußballfans die dortige U-Bahn-Haltestelle. Die Bahn war aufgrund der größeren Anzahl von Fußballfans und Teilen der Polizeibeamten, die ebenfalls die Bahn bestiegen, sehr schnell gut gefüllt. Die Fans, die sich in der Bahn befanden, hielten mit einer kleinen noch auf dem Bahnsteig stehenden Gruppe Rücksprache, dass man in der Bahn weiter zusammenrückt, so dass alle Fans mitfahren können. Dieses Vorhaben wurde jedoch von der Polizei unterbunden, indem sie den weiteren Zustieg verhinderte.

Die … Ansagen erfolgten in einer sehr aggressiven und überheblichen Weise und die Beamten stießen die einsteigenden Fans wieder auf den Bahnsteig, was wir von unserer Position am Bahnsteig im vorderen Bereich der Bahn gut beobachten konnten.
Jetzt war es den Fans nicht mehr möglich, als Gruppe auf die einfachste Weise den Heimweg anzutreten.

Nach nun sehr hitzigen Diskussionen zwischen Polizei und Fans entschlossen sich diese nach einer gut hörbaren Absprache, die Bahn wieder zu verlassen. Wie bei größeren Personengruppen auf engem Raum oft zu beobachten, geschah dies unter einem leichten Gedrängel. Das betraf somit auch die Polizeibeamten die im hinteren Teil der Bahn standen. …

Dass Polizeibeamte durch Schläge und Tritte… aus der Bahn gedrängt wurden, haben wir nicht gesehen. Im hinteren Bereich der Bahn nahmen wir aber ein stärkeres Gedrängel zwischen den Fans und den Polizeikräften wahr. Dabei sahen wir, wie Polizeibeamte vereinzelt Fans über den Bahnsteig stießen. Nun war die Stimmung gekippt.

Es entstand eine hektische, laute, aggressive und sehr unübersichtliche Situation, bei der nun Teile der Fans versuchten, die Polizeikräfte anzugehen. Die Versuche richteten sich in erster Linie gegen einen Polizeibeamten, der unentwegt per Handzeichen und mit gezogenem Schlagstock die Fans aufforderte zu ihm zu kommen. Direkt hinter ihm musste ein weiterer Polizeibeamter von einem Kollegen unter massiver körperlicher Einwirkung zurückgehalten werden. Einer unser Mitarbeiter stellte sich daraufhin zwischen beide Lager und versuchte lautstark, die Situation in beide Richtungen zu beruhigen.

Die Fans strömten nun, teils mit Vermummung, wieder die Treppen der U-Bahn Haltestelle nach oben. Nachdem die Haltestelle verlassen wurde, zogen die Fans mit polizeilicher Begleitung Richtung Kampstraße. Auf der Kampstraße kam es nach wenigen Metern zu Rennereien seitens der Fans, worauf die Polizei versuchte die Ausreißenden wieder einzufangen und kesselte die restliche Gruppe ein.

Wir versuchten … zu vermitteln. Im Zuge dieser Tätigkeit führten wir viele sachliche, differenzierende, respektvolle und kooperative Gespräche. Andererseits waren auch viele Gespräche von einem respektlosen, herablassenden, bis hin zur Verachtung erscheinenden Umgang geprägt.

Sollte es zu den im Raum stehenden gewalttätigen Strafhandlungen gekommen sein, verurteilen wir diese entschieden. Es gehört zu unserem Selbstverständnis, dass wir jegliche Form von Gewalt ablehnen. …. möchten aber betonen, dass diese möglichen Strafhandlungen eine Reaktion auf unnötige … Handlungen seitens der Polizeikräfte in der U-Bahn altestelle waren.

Weiter lehnen wir eine Pauschalisierung junger Fußballfans als allgemein kriminell Handelnde mit Nachdruck ab. Sowohl nach unserem Verständnis, als auch nach hiesigem demokratischen Recht, darf es weder eine Vorverurteilung geben, noch darf diese direkt auf die gesamte Gruppe angewandt werden.

Abschließend lautet unsere Einschätzung, dass ein vernünftiger Austausch zwischen Polizei und Fans die gesamte Eskalation am Donnerstagabend vermieden hätte. …

Die Darstellungen, dass einer unsere Mitarbeiter vor dem Spiel … einen Faustschlag eines Polizisten ins Gesicht bekommen hat, bestätigen wir.

Fan-Projekt Dortmund e.V.
Dortmund, 13.12.2015

Kommentare (2)

  • Zwen Arn via Facebook

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    Jetzt hat ja jede Seite die Möglichkeit zur Darstellung gehabt. Ich habe da so meine Meinung zu, auch zur Darstellung des Fanprojektes. Ob das objektiv ist steht für mich auf einem anderen Blatt. Aber letztlich war ich nicht dabei.

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  • Andy Fischer via Facebook

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    Das hat es schon immer gegeben und wird es immer geben.Wer in den 80 er und 90er Jahren schon beim Fussball auf den Traversen stand kann dieses bestatigen.Jedes Wochenende gab es Jagdszenen mit mehreren hundert Fans.Es war ne wilde aber auch schöne Zeit.

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