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Die gute Tat im neuen Jahr: Einfach mal was für Bedürftige in die Gegend hängen…?

Einfach mal was für Bedürftige irgendwohin hängen und sich drüber freuen, wenn es dankbare Abnehmer findet? Die Grünen haben es mit ihren Pfandsammelkisten vorgemacht (und die Stadtverwaltung nicht wirklich damit entzückt), auch von einer weiteren Idee zeigt sich das Rathaus wenig begeistert: Eine Leserin hier aus Unna regte an, eine Idee aus Kanada zu kopieren, wo sich Kinder überlegt haben: Wie können wir Obdachlose im Winter unterstützen? – Indem wir warme Winterjacken draußen in der Stadt aufhängen! 

Öffentlich zur Selbstbedienung. Kuschlig warme Winterjacken wetterfest in Klarsichthüllen packen und an Laternenpfählen in der City aufhängen. Klingt bizarr, wird aber bereits gemacht. In Kanada sowie auch schon in Deutschland.

jacke an Laterne 2

Jacke an Laterne

Die Rundblickleserin aus Unna sah den Beitrag bei „taff “ und fand die Idee super. „Solch ein Engagement und Nächstenliebe für unsere Wohnungslosen finde ich einfach lobenswert“, unterstreicht sie. „Klar gibt es Menschen, die solche Angebote nicht zu schätzen wissen. Doch wir sollten uns mal wieder eine Scheibe von Kindern abschneiden. Bedingungslosigkeit!!!“

Die Stadtverwaltung Unna, die wir vor Weihnachten mal auf die Idee ansprachen, reagierte nicht so euphorisch. Winterjacken einfach an z. B. Laternenpfähle in die Unnaer City hängen, damit sich jeder und jede bedienen kann, erinnert ein wenig an die Aktion der Grünen, Pfandkisten aufzuhängen, damit bedürftige Pfandsammler nicht länger unwürdig im Müll nach Flaschen wühlen müssen. Zu der Jackenidee schreibt die Stadt: „Ein solches Projekt wird hier nicht für zielführend gehalten.“

Wer Kleiderspenden abgeben wolle, könne sich ganzjährig an die Kleiderkammern der Sozialverbände wenden sowie die Altkleidercontainer der GWA nutzen, die die Abfallgesellschaft in Zusammenarbeit mit den Wohlfahrtsorganisationen betreibt. „Auch für Flüchtlinge gibt es gesonderte Kleidersammlungen„, erinnert Rathaussprecher Oliver Böer. „Ein ungeordnetes und zufälliges Aufhängen  von Mänteln an Laternenpfählen erscheint da keine sinnvolle Alternative zu sein.“

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Kleidungsspendensammelstelle für Flüchtlinge in der Halle der Werkstatt Unna an der Viktoriastraße.


 

In Unna würde das Ordnungsamt daher wohl einschreiten, wenn plötzlich Mäntel und Jacken in der Gegend herumhingen. Doch Hilfeideen für Obdachlose im Winter treiben offenbar Blüten: In Offenburg hingen z. B. vor Weihnachten in einem einem eigens als „Warmnachtsbaum“ deklarierten großen Baum in der Innenstadt tatsächlich durchsichtige Plastiktüten mit Strickwaren an den Ästen. Die Idee zu dem ‚“Warmnachtsbaum“ stammt von dem Verein ‚be japy‘. Über soziale Netzwerke und ihre Homepage hatten die Projektgründer – Freiburger, die in Offenburg studierten – einen Aufruf mit der Bitte gestartet, bedürftigen Mitbürgern Mützen oder Schals zu stricken oder andere nützliche Dinge zu spenden.

Wieso die Sachen draußen in der Stadt irgendwo hinhängen anstatt sie gezielt an Bedürftige zu verteilen? Nun, erklären die Gründer der Idee „Warmnachtsbaum“: Viele Obdachlose trauten sich nicht – oder seien zu stolz -, die Sachen persönlich entgegen zu nehmen. Deswegen hängten die Vereinsmitglieder die gespendeten Strickware in der Nähe von Brennpunkten an Bäume. So könne sich nun jeder Bedürftige zu jeder Zeit etwas nehmen und müsse sich nicht schämen.

An jedem Geschenksack steckt im Übrigen noch eine kleine aufmunternde Botschaft. Ziel der Vereinsgründer ist ein ganzer „Warmnachtsbaumwald“: Bisher gibt es laut den Gründern das Projekt in 19 Städten – unter anderem in Freiburg, Bottrop und Gütersloh – mit Helfern vor Ort. Tendenz steigend. Die Pakete kommen aus ganz Deutschland – im vergangenen Jahr sogar aus Brasilien und Italien. Demnächst sollen auch Bäume in Hamburg und Berlin behängt werden.

In Unna sieht es momentan eher nicht danach aus. Hier hängen aber immer wieder Pfandkisten herum – zur freundlichen Befüllung freigebiger Spender und Selbstbedienung von Bedürftigen.

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Pfandsammelkiste (zwischenzeitlich wieder entfernt) am Bauzaun vor der Brache Massener Straße 13.

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