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Caspars Rettung früh um 6 von der Straße: Sein „Schutzengel“ blieb bescheiden unsichtbar

Die Geschichte einer wunderbaren Rettung und eines zunächst bescheiden unsichtbaren Schutzengels. :-)

Mehr tot als lebendig lag er früh um 5.50 Uhr mitten auf der Wilhelm-Feuerhake-Straße in Fröndenberg, ein Häufchen rotweiß-flauschiges Elend. Sein Überleben verdankt Caspar vermutlich nur der glücklichen Fügung, dass ihn – kurz nach seiner verhängnisvoll missglückten Querung der belebten Hauptstraße – eine tierliebe Angestellte des Justizvollzugskrankenhauses aufsammelte.

Sie fuhr gerade zur Arbeit und entdeckte den Kater mitten auf der Fahrbahn liegen. Und da Caspars Retterin kein Handy dabei hatte (so was gibt es noch) und weil auch niemand weiter anhielt und half (so etwas gibt es – leider – immer wieder), packte sie das schwer verletzte Tier kurzerhand ein und fuhr mit ihm zu ihrer Arbeitsstelle. Von dort aus informierte sie die Katzenstreunerhilfe.

„Caspar war also schon im Knast“, lacht seine Besitzerin Stephanie Wetzel. Sie erfuhr erst Wochen später, wer ihr Katerchen frühmorgens vom kalten Asphalt der Wilhelm-Feuerhake-Straße aufgelesen und ihn damit gerettet hatte, denn der „Schutzengel“ blieb zunächst unsichtbar – er bzw. sie hatte bei der Streunerhilfe keinen Namen hinterlassen.

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Zuvor musste der Zufall kräftig nachhelfen, damit der schwer verletzte Kater ganz schnell seine Familie wiederfand. Denn er ist zwar gechipt, nicht aber tätowiert, und jede Minute zählte.

Die Streunerhilfe-Vorstzende Birgit Ahrendt offenbarte ein geradezu unheimliches Katzengedächtnis. „Sie konnte sich an Caspar erinnern“, schildert Stephanie Wetzel. „Er war uns vor anderthalb Jahren als Babykatze zugelaufen, und wir hatten damals auch die Streunerhilfe eingeschaltet.“ Und Birgit Ahrendt, die täglich mit Dutzenden Samtpfoten zu tun hat, erkannte den rotweißen Miez an zwei markanten Pünktchen auf dem Schnäuzchen wieder – dort fehlt dem Kater das Fell. „Und dann kennt Frau Ahrendt zufällig auch noch meine Schwiegermutter in Bösperde“, beschreibt Caspars Frauchen dieses denkwürdige Zusammenspiel von Zufällen.

Bei der Schwiergermutter in Bösperde klingelte also an jenem Morgen das Telefon und gleich danach beim Ehepaar Wetzel an der Mühlenbergstraße. Das Fröndenberger Paar hatte den flauschigenn Hausgenossen noch gar nicht wirklich vermisst. Er war halt abends nach draußen gegangen und noch nicht wieder heimgekehrt.

„Um halb acht haben wir mal gedacht: Na, langsam könnte Caspar mal zum Frühstücken reinkommen“, erzählt Stephanie Wetzel. „Wir dachten uns aber noch nichts Schlimmes. Um 9 Uhr hockten wir noch im Bett, es war ein Samstag – auf einmal ging das Telefon, und meine Schwiegermutter war dran: ,Ich weiß gar nicht, wie ich es euch sagen soll… aber die Streunerhilfe hat Caspar gefunden. Er wurde angefahren.´ Wir: raus aus dem Bett, angezogen und sofort zur Streunerhilfe. Da lag er. Ein Häufchen Elend…“

Die Tierärztin röntgte den Kater und stellten einen mehrfachen Beckenbruch und ein kaputtes Hinterbein fest. Schlimmer aber: „Seine Lunge war voller Blut. Blut lief ihm aus der Nase. Sein Zustand war lebensbedrohlich“, schildert Stephanie Wetzel diesen Wettlauf mit der Zeit. In der Tierklinik Werl kam Caspar zur künstlichen Beatmung in die Sauerstoffbox. Tagelang bangte seine Familie um das Leben ihres Findelkindes, das als Babykater plötzlich in Peter Wetzels Werkstatt gehockt hatte. Eine Handvoll Mieze. So kann´s kommen. Auf die Katz gekommen.

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Da hängt man natürlich umso mehr an so einem Tier, und endlos erleichtert waren Wetzels, als sich ihr Pechkaterchen langsam wieder wieder ins Leben zurückrappelte. Als Freigänger musste (und muss) der Genesende wochenlang Hausarrest erdulden, aber da muss er jetzt durch. „Bevor er nicht wieder top-fit ist, kommt er uns nicht vor die Tür“, sagt Stephanie Wetzel entschieden.

Erst als ihr Caspar halbwegs über den Berg war, hatte sie selbst wieder den Kopf dafür frei, nach seiner Retterin zu suchen. Denn diese war ihnen immer noch unbekannt. „Ich wusste nicht viel mehr, als dass sie im Justizvollzugskrankenhaus arbeitet. Und dass ihr Name mit ,W´ anfängt.“ W stand für Wegener, der Vorname ist Isabelle, und herausgefunden hat Stephanie Wetzel das über eine Facebook-Suche.

Und ihre größte Freude war es für sie, dem frühmorgendlichen Katzen-Schutzengel vor zwei Tagen mit einem dicken Blumenstrauß ein ganz dickes „Dankeschön“ zu sagen: „Ohne diese Frau wäre Caspar tot.“

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