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Cannabis gegen chronische Schmerzen angebaut: Strafverfahren gegen Bergkamener eingestellt

Das Strafverfahren gegen einen Bergkamener Schmerzpatienten, der in seiner Wohnung Cannabis angebaut hatte, ist eingestellt. Das Dortmunder Landgericht entschied heute, dass sich Andreas W. nur geringfügig strafbar gemacht habe, weil er die pflanzliche Droge zur Bekämpfung seiner chronischen Schmerzen anwendete. Und zwar erfolgreich, während alle anderen Mittel nicht wirkten. Damit bleibt der Bergkamener straffrei – darf jedoch vorerst nicht erneut selbst anbauen.

Dass das Strafverfahren heute eingestellt wurde, hat vor allem diesen Grund: Es ist ein Gesetz in Vorbereitung, nachdem Cannabis in Zukunft kostenlos herausgegeben werden soll – wenn sich die Patienten die Medikamente nicht selbst leisten können. Andreas W. kann daher wenigstens hoffen.

 In einem viel beachteten Urteil hatte das Amtsgericht Unna den Schmerzpatienten im vergangenen Sommer freigesprochen. Bei unseren Lesern stieß die Entscheidung auf große und ungeteilte Zustimmung. Doch die Staatsanwaltschaft Dortmund legte gegen das Urteil Berufung ein.

Der zum Zeitpunkt des erstinstanzlichen Urteils 46jährige Hilfeempfänger quält sich seit vielen Jahren mit Diabetes, Bandscheibenproblemen und sowie Bauchspeicheldrüsenkrebs. Über das Geld, sich Cannabis legal in der Apotheke zu kaufen, verfügt der Bergkamener nicht.

Gericht Amtsgericht UN (1)

Die Unnaer Amtsrichter entschieden Ende Juli 2015 auf einen „rechtfertigenden Notstand“, der den gesetzlich illegalen Drogenanbau aus der Kriminalität herausholt. Selbst die Vertreterin der Staatsanwaltschaft schloss sich bei der Amtsgerichtsverhandlung der Überzeugung an, dass für den Angeklagten die Droge eine amtlich anerkannte Medizin sei. Also habe er keine Straftat begangen. Die Vorgesetzten der Staatsanwältin sahen hier aber einen Rechtsbruch und gingen mit Einspruch dagegen vor.

Unter der Vielzahl an Lesern, die sich auf unseren Bericht hin in Kommentaren meldeten, waren auch einige, die selbst an chronischen Schmerzen leiden. Der Einspruch der Dortmunder Staatsanwaltschaft gegen das Urteil aus dem Nachbarkreis Unna wirkte für sie wie ein Schlag ins Gesicht.

Die kleine Wohnungs-Cannabiszucht war übrigens durch einen Nachbarn des Bergkameners ans Tageslicht gekommen, der den Schmerzpatienten anzeigte. Nach dem Urteil der Amtsrichter in Unna hatte der Angeklagte tatsächlich Hanfpflanzen mit dem Cannabis-Wirkstoff THC in seiner Wohnung gezogen.

Aber eben nicht aus schierem Spaß daran, sich „zuzudröhnen“, sondern weil er an kaum auszuhaltenden Schmerzen litt und die Kosten für eine legale Cannabisversorgung über eine Apotheke nicht aufbringen konnte. Damit sahen die Amtsrichter einen sogenannten „rechtfertigenden Notstand“ erfüllt. Und darum bekam der Schwerkranke alle beschlagnahmten Drogen und Anbauutensilien wieder zurück.

(Das Foto zeigt beispielhaft eine private Hanfplantage, die polizeilich sichergestellt wurde.)

Kommentare (5)

  • Denise Czaja via Facebook

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    Bis die Krankenkassen die Kosten tragen, können die Ankläger ja die Kosten übernehmen. Unfassbar das überhaupt eine Anklage erfolgte, aber das ist Deutschland!

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  • petter Uhlenbusch

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    Es würde auch Zeit den Sumpf der Drogenbarone durch eine Legalisierung weicher Drogen auszutrocknen. Wie viel Milliarden Euro sollen denn noch gegen einen Krieg, den man nie gewinnen wird, ausgegeben werden? Die USA ist da schon schrittweise weiter. Mir wäre es lieber alle Koks- und Heroinabhängigen würden registriert mit dem „Stoff“ kostenlos, auch in Deutschland versorgt werden, damit die Beschaffungskriminalität endlich eingedämmt wird. Sollen sie doch an ihrer Sucht krepieren (Sorry), aber ich möchte nicht Opfer ihrer Gier werden!

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Zur Verdeutlichung: Der Schmerzpatient hat sich nur geringfügig strafbar gemacht, darf jedoch nicht weiter selbst anbauen.

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  • Mike Donald McLeod via Facebook

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    Canabis legalisieren? Ist nicht und wird auch nie legalisiert, da hat die Pharmaindustrie noch ein Wörtchen mit zu sprechen!

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