Rundblick-Unna » Bürgerabend mit Pfiffen für AfD-Vertreter: Applaus der Willkommenskultur – Fröndenberg will Türen öffnen – „Es gibt keine Obergrenze“

Bürgerabend mit Pfiffen für AfD-Vertreter: Applaus der Willkommenskultur – Fröndenberg will Türen öffnen – „Es gibt keine Obergrenze“

Es gab demonstrativen Applaus – für den Appell, „die Fröndenberger Willkommenskultur zu bewahren“ und „die Tür aufzumachen“. Es gab Pfiffe und Buh-Rufe – für einen einzelnen Bürger, der nachbohrend Fragen stellte wie: „Welchen Fluchtgrund haben Menschen aus Albanien?“ Oder: „Wieso verweigern Sie, Herr Bürgermeister Rebbe, nicht konsequent weitere Aufnahmen?“

Bürgerabend Flüchtlinge 15

Der unbequem Nachhakende stellte sich als „Schulze“ vor und betonte auf die Frage von Moderator Hans Kuhn, er sei „als Bürger“ da. Tatsächlich handelte es sich um Sebastian Schulze, dem Vorsitzenden der AfD im Märkischen Kreis; doch so oder wollten die Besucher des Informationsabends zum Flüchtlingsthema keine politischen Grundsatzdebatten führen. Sie pfiffen Schulze verärgert aus und signalisierten auf breiter Front Solidarität mit ihrer Stadtverwaltung, die zur Informationsveranstaltung „Flüchtlinge in Fröndenberg“ rund 200 Besucher in der Gesamtschulaula begrüßte.

Bürgerabend Flüchtlinge 2

Rudolf Potthoff,  für den Stadtsportbund am Podium, erklärte unter starkem Beifall: „Wir werden solidarisch sein und der Stadt in dieser schweren Situation helfen.“ Ein „aber“ setzte er aus Sicht des Sports freilich hinzu: „Eine Sporthalle ist nicht in erster Linie eine Unterkunft für Menschen, die auf der Flucht sind. Uns ist wichtig: Es muss eine Interimslösung sein.“

Wie lange nun aber die Turnhalle der Gemeinschaftsgrundschule als „Interimslösung“ dienen wird, bleibt völlig offen. Fachbereichsleiter Christoph Börger beantwortete die – vorsichtige – Frage einer Besucherin klar und ehrlich: „Ein festes Datum wäre unseriös. Unser Ziel ist es, dass es nicht über Jahre gehen soll. Aber eine feste Aussage können wir nicht machen.“

Ebenso wenig zur Frage eines anderen Bürgers: „Gibt es eine Kapazitätsgrenze? Wenn wir jetzt also 300 Flüchtlinge haben, dann vielleicht 400, 500 – muss man dann nicht irgendwann eine Grenze formulieren?“ Klare Antwort Börgers: „Nein, es gibt keine Obergrenze.“

Bürgerabend Flüchtlinge 4

Zu den Fakten. Bürgermeister Friedrich-Rebbe stellte sie vor:

221 Asylsuchende sind momentan in Gemeinschaftsunterkünften wie dem Haus der Mitte untergebracht. 24 nutzen vier städtische Wohnungen, 34 wohnen in sieben angemieteten Wohnungen.

Zu diesen 280 kommen in Kürze bis zu 60 weitere Flüchtlinge, die in der Grundschulturnhalle an der Friedhofsstraße einquartiert werden.

Außerdem hat die Stadt weitere 9 Wohnungen angemietet und wird ab Mai 2016 zusätzlich das Tagungshaus Oase Stentrop nutzen können, das sie dem Ev. Kirchenkreis (per Eilbeschluss vom Rat am Abend erwirkt) abkauft. Die Kapazität hier beträgt 80 bis 90 Plätze, weitere Reserven bieten die Hausmeisterwohnung und das weitläufige Areal.

Die Turnhalle der Gemeinschaftsgrundschule ist bereits in Wohnbereiche umgebaut. „Die Grundschüler müssen auf keine einzige Sportstunde verzichten“, betonte Rebbe, die Kinder nutzen wie schon berichtet ihre Schulaula, und dreimal in der Woche gibt es einen Bustransfer zur Halle der Sonnenbergschule. Um Sicherheit und Ordnung in und an der Unterkunft zu gewährleisten, stellt die Stadt einen Security-Service ein.

Bürgerabend Flüchtlinge 12

Bürgerabend Flüchtlinge 9

Fragen, die die Bürger stellten:

  • Es wird immer gesagt, die Deutschen sterben aus, wir brauchen junge Menschen. Wie viele Kinder sind denn unter den Flüchtlingen, die momentan bei uns leben?“ Antwort Fachbereichsleiter Martin Kramme: 51 Kinder bis zu 10 Jahren, 52 Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 18 Jahren.
  • Werden in Fröndenberg auch unbegleitete Jugendliche untergebracht“ Anwort von Kreis-Jugendamtsleiterin Sandra Waßen: Ab Mitte bis Ende November werden für Fröndenberg, Holzwickede und Bönen zusammen ca. 20 bis 30 Jugendliche erwartet. Auch hier aber: Grenze nach oben offen.
  • Gibt es vom Bund Geld dazu? Muss die Stadt alles allein bezahlen?“ Antwort Kämmerer Freck: „10 000 Euro pro Flüchtling sind als Jahrespauschale zu erwarten. Das ist eine auskömmliche Finanzierung durch den Bund. Ich gehe davon aus: Das wird so passen.“
  • Dieser private Sicherheitsdienst für die Turnhalle: Inwieweit wird der geprüft? Man hört immer wieder von Security-Diensten, die von rechtspopulistischen Menschen unterwandert werden…“ – Antwort Christoph Börger: „Wir werden uns nur mit Firmen unterhalten, die auch den Anforderungen des Landes entsprechen.“
  • Wie sieht es im Umfeld solcher Unterkünfte mit Kriminalität aus?“ Antwort Hans Volkmann, Kreispolizeibehörde Unna: „Flüchtlingsunterkünfte sind kein Hort des Verbrechens. Ich kann das für alle Zeltstädte sagen, die wir inzwischen im Kreis haben, und das gilt auch für die Landesstelle Massen. Es gibt keine signifikante Steigerung der Kriminalität.“ Am Beispiel der Zeltstadt Selm-Bork, wo 1058 Bewohner untergebracht sind: „Seit dem Aufbau der Zeltstadt gab es 40 Straftaten weniger als im Vorjahreszeitraum.“ Gelächter und Applaus.
  • Wo halten sich die Leute tagsüber auf? Die können doch nicht den ganzen Tag in der Halle rumsitzen.“ Fachbereichsleiter Kramme räumte ein: „Ja – es ist nicht viel Platz auf dem Gelände. Umso wichtiger, dass vor der Tür ein geordneter Zustand herrscht.“
  • Wie soll der Sprachunterricht aussehen?“ Damit, gestand Fachbereichsleiter Börger ein, „sind wir noch völlig am Anfang.“

  • Bürgerabend Flüchtlinge 5

Zwei Appelle gab es, mit Signalwirkung. Einen von Jochen Hänel – der „als unmittelbarer Anlieger, 50 Meter weiter“ seinen Optimismus kundtat, „dass alles ruhig und friedlich bleibt“, und der festgestellt hat, „dass, wenn man auf die Leute zugeht, sie extrem dankbar sind. Diesen Lagerkoller können und sollten wir durch Aktivitäten verhindern.“

Und mit eindringlicher Empathie gab eine Dame von der Hohenheide ihrer Überzeugung Ausdruck: „Es ist ganz einfach, rauszugehen, zu schellen: Braucht ihr was? Ich habe jahrelang ein leeres Haus neben mir gehabt, jetzt herrscht dort wieder Leben – eine elfköpfige Familie, neun Kinder, elf Erwachsene. Die sind sowas von nett und freundlich. Es muss sie nicht jeder zum Waffeln essen einladen. Ich würde jedem empfehlen, die Tür aufzumachen. Sie brauchen es.“

Und Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe beendete die Versammlung tatsächlich mit einem dankbar lächelnden: WIR SCHAFFEN DAS.“


 

 

Kommentare (30)

  • Petter Uhlenbusch

    |

    „Es gibt keine Obergrenze“
    Ja, da wünsche ich Fröndenberg weiterhin alles Gute. Auch wenn ich anderer Meinung bin. Aber jeder kann sich ja irren.

    Antworten

    • Fürst

      |

      Ich wünsche Fröndenberg das Chaos, das es verdient.

      Antworten

  • Hans Kammler via Facebook

    |

    Viel Glück für die Zukunft.

    Antworten

    • Wutbürger Fürst

      |

      Lt. BILD von heute hat der BDK (Bund Deutscher Kriminalbeamter) verlauten lassen, daß „ca. 10 Prozent der ‚Flüchtlinge‘ straffällig straffällig werden“.

      Antworten

  • Hans Kammler via Facebook

    |

    Den Herrn von der afd sollte man teeren und federn, was fällt ihm ein die Politik in frage zu stellen!

    Antworten

    • Politikinfragesteller

      |

      Was Sie hier von sich geben ist zum eine widerliche Hetze und zum anderen an Dummheit nicht zu überbieten. Ich weiß was dem einfällt die Politik in Frage zu stellen, der Mann denkt selber.

      Antworten

  • Marc-Oliver Finkel via Facebook

    |

    Dann sollen sie sich auch nicht über die hohe Anzahl der Einbrüche beschweren !!

    Antworten

  • Rundblick Unna via Facebook

    |

    Zu den Fragen des AfD-Vertreters und den Reaktionen darauf folgt heute noch ein gesonderter Bericht.

    Antworten

  • Re Gina via Facebook

    |

    diese Aussage „es gibt keine Obergrenze“ sehe ich anders. Was ist, wenn es plötzlich 1200 werden ? Dann diese Aussage „wir schaffen das“ und „10 000 Euro pro Flüchtling sind als Jahrespauschale zu erwarten….“ , da habe ich meine Bedenken…Die 215 Bürgermeister, die einen Brandbrief an Frau Merkel geschrieben haben und gesagt haben (sinngemäß) „wir schaffen das so nicht“, müssen die jetzt auch ausgebuht werden, sind das Flüchtlingsgegner, nur weil sie eine kritische Meinung haben und Probleme zugeben ?…..Und warum dürfen kritische Nachfrage ausgebuht werden ? (abgesehen davon, wer diese Frage stellt)….Und darf man nicht detailliert nachfragen ? Darf man nicht kritisch sein ? Warum darf man nicht nach dem Fluchtgrund fragen ? Müssen alle Bürger wie Lemminge folgen und mit den Kopf nicken ? Darf es niemanden geben, der nicht alles positiv sieht und nicht allen Aussagen zustimmt ? Meinungsfreiheit adé ! Wo soll das noch enden oder hinführen ? Sorry, ich versteh es nicht :/

    Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      Re Gina, die Aussage, dass keine Obergrenze genannt werden kann, kam aus dem Munde eines Fachbereichsleiters auf die Frage: Wann sind die Kapazitäten hier in Fröndenberg erreicht? Der nachfragende Bürger und die anderen nahmen die Antwort hin. Das ist aber auch im Bericht entsprechend zitiert.

      Antworten

    • Re Gina via Facebook

      |

      Zitat : Ebenso wenig zur Frage eines anderen Bürgers: „Gibt es eine Kapazitätsgrenze? Wenn wir jetzt also 300 Flüchtlinge haben, dann vielleicht 400, 500 – muss man dann nicht irgendwann eine Grenze formulieren?“ Klare Antwort Börgers: „Nein, es gibt keine Obergrenze.“ !…..Ich habe eben nur dazu meine Bedenken, und stelle Fragen 😉

      Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      Aber ja, Re Gina, unsere Anmerkung sollte lediglich ergänzend dienen. Das war keine Kritik! Mancher Leser könnte vermuten, das Zitat „Es gibt keine Obergrenze“ sei eine Forderung der Verwaltung gewesen; es war aber lediglich eine Feststellung. Die man – selbstverständlich – sehr kritisch bewerten darf!

      Antworten

    • Re Gina via Facebook

      |

      „Der nachfragende Bürger und die anderen nahmen die Antwort hin.“….warum wird einfach so hingenommen ? Weil man – als kleiner Bürger- ja doch nichts machen kann und gegen die (ich nenne es mal so) die Stadt-Chefs nicht ankommt ? Weil eh alles, über den Köpfen der Bürger, entschieden wird…egal, ob der Bürger dafür oder dagegen ist ? Weil man sich hilflos fühlt und nicht weiß, was man dagegen tun sollte ? …..ich weiß, ich nerve 😉 =D

      Antworten

    • Re Gina via Facebook

      |

      vor wenigen Wochen im TV (mit anwesenden Politikern) , da wurden auch kritische Fragen von den Zuschauern nicht wirklich beantwortet, drum herum geredet und das Mikro „entzogen“…auch auf die kritischen Fragen von den heutigen Flüchtlingen, die im Studio waren, wurden teils nur mit „wischi-waschi“ beantwortet und viele Nachfragen blieb offen. Auch von ehemaligen Flüchtlingen, die seit Jahren hier sind und sich sehr gut integriert haben, wurden Frage nicht wirklich beantwortet und Kritik ignoriert. Leider !

      Antworten

    • Re Gina via Facebook

      |

      Demokratie adé, willkommen Diktatur. Langsam aber sichere Anschaffung der Grundrechte und Meinungsfreiheit in Deutschland. ?

      Antworten

    • Sandra Schönig via Facebook

      |

      gemeint war wohl abschaffung^^
      so siehts auch derzeit aus!
      war gestern auch da und hatte das gefühl, das auf kritische fragen kaum eingegangen wurde

      Antworten

      • Wutbürger

        |

        …war doch klar. Sämtliche Veranstaltungen dienen nur dem Zweck, ihr „Programm“ zu verkaufen. Wir sind ein verblödetes Volk.

        Antworten

    • Rundblick Unna via Facebook

      |

      Patrick Tobias Bruelheide und Re Gina: Herr Börger hat die Frage in diesem Sinne beantwortet, dass die Stadt über eine Obergrenze keine Aussagen machen kann, da sie eben über die Zahl der ihr zugewiesenen Flüchtlnge nicht „bestimmen“ kann. Höchstens über zivilen Ungehorsam des Bürgermeisters. Dies jetzt nur als Ergänzung von uns. Jedenfalls gab es daraufhin keine weiteren Nachfragen mehr. Zur Frage von Bild- und Tonmitschnitten: Wir haben jetzt nicht versucht, ein Video zu drehen, aber man dürfte doch an unserem Bericht sehen, dass Bilder erlaubt waren. 😉

      Antworten

  • Mirjam Praß

    |

    Die Aussage von Herrn Börger, dass es keine Obergrenze gibt, ist hier für mich zu sehr aus dem Zusammenhang gerissen. Er äußerte diesen Satz nicht, weil es ihm Spaß macht, sondern weil die Stadt keine andere Wahl hat. Die Bezirksregierung weist den Kommunen die Flüchtlinge zu. Je mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen, desto mehr müssen die einzelnen Kommunen auffangen.

    Antworten

  • Prof rohner

    |

    Wir brauchen dringend einen Volksentscheid die Politik ist hilflos u arbeitet gegen die eigene Bevölkerung wir Bürger müssen alles bezahlen u werden nicht gefragt es stellt sich die Schicksalsfrage für uns alle nur in Deutschland gibt es dieses Problem Versagen der Politik auf der ganzen Ebene

    Antworten

  • Andy Fischer via Facebook

    |

    Das wird böse enden.Siehe Magdeburg.

    Antworten

    • Fürst

      |

      …na, hoffentlich. Ich bin dabei.

      Antworten

  • Rundblick Unna via Facebook

    |

    Fürst kommentiert via Rundblick-Unna:

    …hat DER unter „Politikinfragesteller“ nicht gerafft.
    Allerdings halte ich die Rechten inzwischen auch für Weicheier.
    Habe mir etwas mehr Rechtsruck und Rechtsdruck gewünscht.
    Lassen sich von den Linken verarschen und verprügeln, die Weicheier.

    Antworten

  • Petter Uhlenbusch

    |

    Sieht ganz schön aufgeräumt hier aus 😉
    Kalte Füsse bekommen?

    Antworten

    • Wutbürger Fürst

      |

      Gut erkannt, Petter Uhlenbusch.
      Aber mich kotzt das Ganze auch zunehmend an.
      Politik kann machen, was sie will: das deutsche Volk ist in der Mehrheit blöde und läßt alles mit sich machen. War schon immer so bei den Deutschen (s. 3. Reich).

      Antworten

      • Petter Uhlenbusch

        |

        Nein Fürst,
        je nachdem auf welchen Link man klickt, sind entweder
        alle Kommentare da, oder nicht.
        Entweder der Rundblick hat den Überblick verloren,
        oder die Site wir gehackt von höherer Stelle 😉

        Antworten

        • Silvia Rinke

          |

          Ts Ts, Petter Uhlenbusch, der Rundblick verliert doch nicht den Überblick. 😉 Dann vermuten wir schon eher: NSA…

          Antworten

          • Petter Uhlenbusch

            |

            Danke Silvia Rinke,
            ich könnte es mir auch nicht besser erklären :-)

            Antworten

  • Benno

    |

    Schwerte schreibt einen „Brandbrief“, Holzwickede ist am Ende und Fröndenberg klatscht Beifall ! Einige Herrschaften leben anscheinend in einer Realitätsfremden Welt !
    Wer die Wahrheit sucht, darf nicht erschrecken, wenn er sie findet!

    Antworten

Kommentieren