Rundblick-Unna » Böcker als neuer Superintendent eingeführt – und wird es „hoffentlich – nicht jedem recht machen“

Böcker als neuer Superintendent eingeführt – und wird es „hoffentlich – nicht jedem recht machen“

„Unsere schönen Kirchen sollen uns daran erinnern, dass man hier zusammenkommen kann… Ja, und dass man hier auch Asyl bekommen kann.“  In seiner Predigt anlässlich seiner Einführung hat  der neue Superintendent des Ev., Kirchenkreis Unna, Hans-Martin Böcker, heute am frühen Abend in der Stadtkirche Unna  zu einem bewussten Umgang mit christlichen Merkzeichen aufgerufen. 

Die Präses der Ev. Kirche von Westfalen, Annette Kurschus, führte den neuen Superintendenten im Gottesdienst ab 17 Uhr in der Stadtkirche Unna in sein Amt ein.

Die 10 Gebote und die Bergpredigt seien für ihn solche wichtigen Merkzeichen, sagte Böcker. Aber auch die sichtbaren Zeichen des gelebten Glaubens lägen ihm am Herzen. „Unsere schönen Kirchen sollen uns daran erinnern, dass man hier zusammenkommen kann, dass man hier durch Gebet, Lied und Text auf die wesentlichen Dinge des Lebens aufmerksam gemacht wird. Dass man hier Trost und Zuspruch bekommen kann. Ja, und dass man hier auch Asyl bekommen kann.“ Kirchenasyl gewährt der Kirchenkreis momentan selbst – die Gemeinde Fröndenberg und Bausenhagen hat eine junge Afrikanerin in Schutz genommen. Wir berichteten.

In Erinnerung an die Ausgrenzung anders Denkender und Glaubender erinnerte Hans-Martin Böcker  an die Theologische Erklärung von Barmen, die sich 1934 distanzierte von jederlei Allmachtsanspruch eines Staates oder Regimes. „Wohin das geführt hat, wissen wir. Ich kann mich daher nicht damit abfinden, dass vor Synagogen in Deutschland Polizeiautos stehen müssen.“  Auch verwies er darauf, dass ein hemmungsloses Wachstum nur auf Kosten globaler Ungleichheit und Instabilität möglich sei, so, dass Menschen ihre Heimat verlassen müssten.

Den Menschen mit Liebe zu begegnen, sei der einzige Weg, wie Kirche noch eine große Zukunft habe, dessen sei er überzeugt. Darin sehe er seine Kirche in gemeinsamer Tradition mit den anderen Kirchen, dankbar sei er für die verschiedenen Traditionen. Sich dieser Liebe zu widmen sei unsere vornehmste Aufgabe.

Präses Kurschuss begrüßte Böcker als neuen Steuermann am Ruder. „Der Kirchenkreis Unna war aus meiner Sicht immer in guter Weise wider-ständig“, sagte sie in ihrer Predigt. „Dem Evangelium gemäß protestantisch. Das hat hier lange Tradition. Diese unverwechselbare Stimme wollen wir im Chor der Evangelischen Kirche von Westfalen. Sie darf nicht fehlen. Auch Sie werden es – hoffentlich! – nicht jedermann recht machen.“

Kirchenkreis Unna Superintendent Böcker

Hans-Martin Böcker am Morgen nach seiner Wahl – leicht übernächtigt – im Haus der Kirche an der Mozartstraße, wo die Mitarbeiter ihren neuen Chef herzlich mit Blumen begrüßten.

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