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Biker rettete Kind vor heranbrausendem Zug: Schutzengel auf Motorrad ist nach 3 Monaten gefunden

Der Lebensretter auf dem Motorrad ist gefunden  – nach fast einem Vierteljahr. 

Er möchte unerkannt bleiben. Aber seine Geschichte erzählt er uns. Und – er hat uns zwei Fotos von seinem Motorrad geschickt :-) (auf einem kann man ihn auch selbst von hinten sehen. Aber, wie gesagt, er möchte nicht, dass sein Name genannt wird. Kennen wir selber nicht, seinen richtigen Namen, daher kein Problem. :-) )  

23 Jahre alt und aus Münster ist der bis gestern unbekannte Biker, der an einem strahlenden Augustnachmittag am Bahnübergang Oberaden zum Lebensretter wurde. In buchstäblich letzter Sekunde riss der Motorradfahrer ein achtjähriges Mädchen vor einem heranbrausenden Güterzug weg – vor den Augen der völlig aufgelösten, vor Entsetzen erstarrten Mutter.

Nadine H. (Name geändert) aus Lünen suchte den Retter ihrer kleinen Tochter wochenlang über Facebook. „Ich habe so sehr das Bedürfnis, ihm aus tiefstem Herzen persönlich zu danken“, schrieb sie uns, als wir an einem Abend Ende August auf ihr Facebookgesuch aufmerksam wurden.

Unsere Geschichte „Motorradfahrer rettet Kind vor heranbrausendem Zug – Mutter sucht unbekannten Retter“ wurde fast 30 000 Mal angeklickt, rund 3500 Mal geliked und über 200 Mal über Facebook geteilt – keine Spur von dem Biker. Vor etwa drei Wochen meldete sich Nadine wieder bei uns: „Ich glaube, ich habe ihn gefunden!“, schildete sie uns aufgeregt, „Er ist hier auf Facebook. Ich glaube, ich erkenne sein Motorrad. Es war genau so eine Maschine, blau, mit Streifen, sehr auffällig.“

Sie postete ihm eine Nachricht, doch der Unbekannte reagierte nicht. „Vermutlich ist sie im Ordner ,Sonstiges´ gelandet“, bedauerte Nadine in ihrer letzten Mitteilung an uns, „er will vielleicht auch nicht gefunden werden. Das akzeptiere ich natürlich. Ich hätte ihm nur so gerne persönlich gedankt.“ Das kann sie jetzt noch nachholen.

Denn auch uns ließ diese Geschichte keine Ruhe. Aus einem spontanen „Versuch macht klug“-Gefühl schickten wir dem Biker (dessen Facebookadresse wir von Nadine bekommen hatten) gestern Abend den Link zu unserem letzten „Lebensretter“-Bericht vom Sonntag – in dem uns Nadine schildert, dass sie ihn auf Facebook gefunden zu haben glaubt. Und beim Verschicken des Links müssen wir irgendwie auf „Freundschaftsanfrage“ geklickt haben – ohne Absicht, doch kam postwendend die Bestätigung nebst der neugierigen Frage: „Kennen wir uns?“ – Jetzt ja. So spielt das Leben. :-)

Der so sehnlichst gesuchte Lebensretter ist 23 Jahre alt, wohnt im Randbezirk von Münster und hatte bis gestern Abend keinen blasse Schimmer davon gehabt, dass er fast drei Monate so sehnlichst gesucht worden war. Die Suchmeldung, obgleich hundertfach geteilt, hatte ihn nicht erreicht. Als er gestern Abend unseren Bericht las, erkannte er sich sofort wieder. „Ja, das bin ich gewesen.“

Biker 1

So schildert Sven (wir nennen ihn hier einfach mal Sven 😉 ) jene dramatischen Minuten vor dem Bahnübergang:

„Joa, also ich bin 23 und halt ein Biker aus Münster. Ich sitz im Sommer jede freie Minute auf meiner „Suzi“. Am besagten Tag war ich auf dem Weg zu meiner Freundin.

Eigentlich wollte ich über die Autobahn fliegen, aber aus irgendeinem Grund hab ich mich dann doch für die Landstraße entschieden. Wahrscheinlich, weil kurvenreiche Strecken eh mehr Spaß machen“ – Grinse-Smiley. „Als ich dann mich dann den Bahnübergang (ich glaube, der war in der Nähe von Oberaden) näherte bemerkte ich eigentlich zuerst nur den Hund, weil der ohne Leine Richtung Bahnübergang rannte. Kurz darauf fiel mir das Kind auf, das hinterher rannte, und die Mutter, die auf Krücken versuchte, irgendwie hinterher zu kommen.

Ich schaltete dann zweimal runter, beschleunigte einmal stark, so dass ich gerade noch vor den Schranken stehen blieb, killte den Motor (also den Not-Aus betätigt), stieg ab und rannte dem Kind mehr oder weniger entgegen. Ich hörte dann schon den Zug.

Als ich dann das Kind im Arm hatte, versuchte sie sich noch zu wehren.  Als der Zug dann vorbei war, sah ich die Kleine an und sagte ihr noch, dass sie zu Mama gehen soll.

Ich glaube, die Mutter rief noch Danke oder Halt oder so. Ich konnte das nicht so gut hören. Dann bin ich wieder aufgestiegen und bin losgefahren. Ich hab dann noch, als ich auf den Gleisen war, nach rechts geschaut, weil da der Hund hingelaufen ist, aber da war nichts zu sehen. Ich dachte mir, dass der wohl auch mit nem Schrecken davongekommen ist… scheinbar wohl nicht…

Danach hab ich dann erst mal an ´nem Kiosk gehalten und brauchte dann erst mal ´n Kaffee und Zigaretten. Ich war wegen des Adrenalins noch voll am Zittern und konnte die Kupplung und Bremse nicht richtig dosieren. Einfach weiterfahren wäre zu gefährlich gewesen. Erst im Nachhinein hab´ ich mir vor Augen geführt, dass die Mutter mir vielleicht  danken will.

Aber ich seh´ so was eigentlich als Selbstverständlichkeit. Traurige Wahrheit ist zwar,  dass 9 von 10 wohl nichts getan hätten und sich hinterher beschweren, dass sie dadurch ´ne psychische Belastung haben, anstatt die Ärmel hochzukrempeln und mal was zu tun…

Alles eine Frage der Courage, und wenn man ehrlich zu sich selbst ist, wünscht man sich ja selbst auch, dass jemand einem hilft,  wenn man mal in so einer Situation wäre.

Ich habe da auch niemandem von erzählt. Aus dem Grund, weil ich nicht für was gefeiert werden will, was JEDER Mensch tun SOLLTE, wenn eine solche oder andere Situationen auftreten.“

So weit Sven.

Bei der Ankündigung, dass der motorisierte Schutzengel gefunden ist, überschlug sich unsere Facebook-Gemeinde gestern Abend schon in heller Begeisterung. „Wie geil ist das denn??“, schwärmte Simone Kemper mit Herzchen verziert, Tanja Nolte bekannte – ebenfalls herzchengeschmückt – : Ich kenne ihn nicht, aber ich – als Mutter – bin bereits verliebt!“ -„Ist das schön!!!!! Liebe Mutter, drück ihn gaaanz fest auch von mir ! Ein gaaanz toller Mensch“, freute sich Kerstin Richert. Und Sascha Krieg lobte den beherzten jungen Biker: „Er hat unser aller Respekt verdient!!! Mit 23 Jahren so eine Heldentat, einfach nur Klasse!!! Er ist für die Kleine und ihrer Mutter der berüchtigte 6er im Lotto!!!“

Zwei Leserinnen meinten auch: „Der sollte das Bundesverdienstkreuz bekommen!“ Dazu Sven lachend: Bundesverdienstkreuz – das haben andere eher als ich verdient…!“

Mit der jungen Mutter aus Lünen hat der „Schutzengel“ auf der schnittigen Suzuki gestern Abend via Facebook Kontakt aufgenommen. „Nicht, dass die Nachricht bei ihr auch noch ins „Sonstige“-Fach geht…“ 😉

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